Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1846)
- Date
- 1846-08-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höher, Wissenschaft des Zndenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfelv Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten revigirt und herausgegebeu Nr. M. Heß, Großherzvgl. Wcimarschcm Land-Nabbincn in Eisenach. Nr. 35, Sonntag den 30. August 184«. I. Jahrgang. Jahrbuch für Israeliten, auf das Jahr 1846 (5607) 1847. Mit Beiträgen von vr. Ludwig August Frankl, Dr. Nathan Horwitz, vr. I. M. Jost, Abraham Kohn, L. Kompert, M. I. Landau, Leopold Löw, Friedrich Mannheimer, Theodor Mannheimer, W. Mayer, Vr. Ludwig Philippson, Vr. Michael Sachs, vr. Gort« hold Salomon, Leopold Stein, M. Steinschneiver, S. ». I. Szaatö, Vr. L. Zunz und Andern. Herausgegeben von Isidor Busch. Fünfter Jahrgang. Wien 1846, Schmid u. Busch. 360 S. 8. Angezrigt von Geiger. Auf eine sehr erfreuliche Weise schreitet dieses Jahrbuch vor« wärtS; es bringt von Jahr zu Jahr mehr Gediegenes, das in ansprechender Form, ohne überhäuften gelehrten Prunk Belehrung verbreitet und eine tüchtige Gesinnung nährt. ES bietet nicht blos eine flüchtige Lcctüre, obgleich die Darstellung immer eine gefällige und anziehende ist; die tüchtigen Kräfte, welche sich an dem Unternehmen betheiligen, liefern nicht Brosamen, di« von ih« rem Tische fallen, sondern kräftige, aber auch schmackhaft zubereitete Speise. Und trotz der großen Anzahl von Mitarbeitern und ver Verschiedenheit der Beiträge geht doch rin Grundton durch daS Ganze, der Grundton liebevoller Anhänglichkeit am Judenthum und Juden, zugleich mit Aufnahme der gegenwärtigen DildnngSelemente. Freilich die Frische, das regsame Streben, >aS wunderbare Drängen, die rastlose ebenso schöpferische wie das Wurmstichige zerstörende Kraft und Thätigkeit, wie sie sich im Judenthume der Gegenwart so lebendig kund geben, erblicken wir hier nicht; selbst statt der ruhigen, aber in Zuversicht freudigen Betrachtung einer solchen thatkräftigen Bewegung, die wir in ei. nrm Jahrbuche der Art erwarten dürfen, tritt uns nicht selten ein kränkelndes Sehnen, ein schwächliches Klagen entgegen, das nach der bunt auSgemalten Vergangenheit das gebrochene Auge hinfenvet, zuweilen gar eine bittere eiferndere Unzuftiedenheit, die uns die warme Eluth gerne auslöschen, den heftigen Thatendrangverspotten möchte unv die unS wie beim He-annahen eines unheimli. chen Geistes ein Nieseln beibringt. Wir begreifen jene Richtung bei den Juden derjenigen Länder, in welche zwar die Bildung der Zeit unwiderstehlich euwringt, welche aber durch den nicht gemilderten auf ihnen lastenden Druck weniger zu muthigem Streben aufgelegt als zu sehnsüchtiger Klage gestimmt sind, auS de» Zwiespalte der Gegenwart, an dessen Ausgleichung mitzuarbeiten sie verhindert sind, schauen sie wehmüthig nach der Vergangenheit, die ihnen mit dem Reize der Dichtung umflossen ist. Wir begreifen auch den kalten Hohn einzelner Männer, welche, ganz versenkt in die Betrachtung, wie der jüdische Geist in früherer Zeit bis in die einzelnsten Thätigkeiten hinab ssch ausgeprägt und daran mit Liebe sich anklammernd, im Leben der Gegenwart, daS bei umfassenderem Streben allgemeine geschichtliche Resultate will und weder Zeit noch Lust hat, einer jeden heisern und verklungenen Stimnre aus der Bergangeoheit mit voller Hingebung zu lauschen, sich ganz fremdartig umschauen und weil sie die bewegenden Kräfte dieser Gegenwart nicht zu würdigen wissen, ihren seltsamen Maßstab gelehrter Liebhaberei an Alles anlegen, überall Kälte und Oede, Eitelkeit und Selbstsucht erblicken. Wir begreifen Dies, hedauern aber deßhalb doppelt jene Länder und zollen aufrichtiges Mttkeiden diesen Männern, wir sehen dort eine Wunde kiebend pflegen, aber nicht heilen, hier den Riß im eigenen Herzen immer weiter- und weiter offnen und ihn den Zeitgenossen vorzeigen, bi» sie unwillig davon sich abwenden. Zn buntes Mischung, aber doch in harmonischem Einklang» enthält daS Jahrbuch Geschichtliches, räsonnirenve Darstrllunge» auS der Gegenwart, Betrachtungen über gegenwärtige Zustände, romantische Schilderungen einzelner Ereignisse, wie sie aus dem Zusammenstöße herkömmlicher jüdischer Sitten mit den eiaströmenden neuern Vorstellungen entstehen, und dichterische selbstständige