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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-30 · Heft 35 (30.8.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 35 (30.8.1846)
Date
1846-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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150 Versuche oder Nachbildungen. Eine wichtige Gabe ist die „Skizze einer Geschichte der Karaitcn" von Jost (S. 137— 162); auf diese jüdische Sekte hat sich in neuerer Zeit das Auge der Forscher mehr als früher gerichtet, man hat deren Deveulsamkeit mehr zu erkennen angefangen, ihre Leistungen mehr gewürdigt, ihren ge> schichtlichen Einfluß wie ihr Auftreten in ganz andern, Lichte angeschaut. Noch sind die Untersuchungen lauge nicht geschlossen, zu Weniges liegt uns über sie gedruckt vor, und selbst das L'orhandene ist noch nicht zur Genüge benützt. Jost gibt einen sehr dankenswerthen Beitrag, hauptsächlich nach Juda Harassi's Eschkhol Ha-Khofer. Diese Skizze reicht jedoch blos bis zum zehnten Jahrhunverte, gerade bis zu der Epoche, in welcher die früher mehr ge. ahnten Grundsätze zur wissenschaftlichen Durchbildung und Befestigung hinstrebrn und den Einfluß der Karäer an umfassender Bedeutung gewinnt. Hr. Dr. Jost verspricht uns, über diese Zeit »das nächste Mal zu berichten, wenn der Gegenstand The.lnahnre findet"; da die Bedingung sicher zugestanden wird, so dürfen wir auch der Fortsetzung mit Bestimmtheit entgegensehen. Wirverschirden daher unser Nrtheil über diese wackere Arbeit, bis wir das Ganze überblicken können, bemerken hier blos, daß, wie es scheint, dem Verfasser daS Werk des Benjamin Nahawendi über die Gesetze, Sefer Ha« Dinim, bei den Spätem Mascheth Binjamin ge. »annt, nicht zugänglich war; aber außerdem, daß dieses handschriftlich io Leyden liegt (wovon ich ein, Abschrift besitze), ist es auch unter dem letztern Titel der in Koslof (Eupatoria) 1834 veranstalteten Ausgabe des Addercth Eliahu in 6 Folioblättern beigedruckt. — Die Darstellung der „Schicksale.und Bestrebungen der Juden in Ungarn" werden von Leopold Löst» in einem zweilen Artikel hier (S. 57 — 105) fortgesetzt; sie umfaßt den Zeitraum von 1222 bis 1791 und ist mit Quellenstudium und hinge, bender Liebe bearbeitet. Wenn auch keine Andeutung der Art gegeben wird, so ist roch mit Bestimmtheit zu vermuthen» daß der nächste Jahrgang den Schluß dieser Geschichte.bringen wird; wir besitzen dann eine Spezialgeschichte der Juden Ungarns, wie wir sie von andern Ländern noch zu erwarten haben. Auch für diesen Beitrag wird sich erst dann, wenn die Arbeit vollendet ist, das Urthril bestimmter gestalten und die dem Verf. gebührende Anerkennung ihren richtigern Ausdruck finden. — Die Geschichte der Gegenwart wird eröffnet durch den „Rückblick auf ras Jahr 18 l5" von Philippfon (S. 5 — 54). Eine umfassende Darlegung größerer wie kleinerer Begebenheiten, die sich innerhalb dieses Zeitraumes zugctrageu, eine geschickte Verknüpfung und Gruppirung der Einzelnheiten, eine sichere Charakteristik der Zeit und deren Richtungen zeichnen diesen Rückblick wie die frühem ans. Aus einem solchen Rückblicke, die in objektiver Haltung die Sache und nicht persönliche Meinungen in den Vordergrund stellt, zeigt sich die reiche und rasche Thätigkeit unserer Zeit, zeigt sich, wie die Juden sich so in den Staat hineinbilven, daß ein Jgnorireu derselben nunmehr unmöglich' geworden ist, und ist auch die Behandlung, welche man ihnen in den verschiedenen Ländern angedcihcn läßt, noch sehr verschieden, selten dem Gesetze der Humanität, der hohem Staatsidee, dem Streben nach inniger Berschmelzung der Juden mit de« andern Elementen deS Staates in bürgerlicher Beziehung entsprechend, oft sogar hart mittelalterlich und willkürlich, so zeugt doch jenes immerwährende Herumarbeitea um diesen Bestandtheil herum, jenes Operiren und Erobern hinlänglich, daß der Trieb überall vorhanden ist, die Juden in den ganzen LcbcnSprozrß des Staates einzuführen, und diesem natürlichen und geschichtlichen Triebe müssen die Zuckungen des Borurtheiles und eines ungerechten durch Gewalt und Fanatismus gegründeten sogenannten positiven und historischen RcchtS weichen, — Der Aufsatz: „Die Juden Italiens" von F. Mannheimer (S. 115 — 134) leistet nicht ganz, was man nach der Aufschrift erwarten darf; er beschränkt sich fast ausschließlich ans Ober. Italien und ist mehr eine flüchtige Lese gesammelter Notizen als eine genaue umfassende Darstellung, obgleich es jedoch an einzelnen belehrenden und berichtigenden Winken auch in diesem Aufsätze nicht fehlt. Der interessantere Theil, über die Wirksamkeit der dortigen Rabbiner, über das dortige Schulwesen und über vor» genommene Verbesserungen im Gotteshause soll übrigens im nächsten Jahrgange folgen. — „Die Biographie stellt das Individuum der in seinem Verhältnisse zur Zeit und Idee, oft mit Beeinträchtigung der pragmatischen Geschichtschreibung, sie verherrlicht dasselbe, bisweilen die Gesammtheit allzusehr in den Schatte« stellend"; die Aufgabe des Historikers ist, »das Individuum a»S seinem Leben, die Zeit aus den Personen mit fester Hand zu zeichnen." Diese Worte von Zunz in seinem Beitrage zu diesem Jihrbuche (S. 168 und 169) führe« uns zu einer andern Arbeit, welche mit Sachkeuntniß und Pietät durchgeführt ist, zu; »Josxph Perl, eine biographische Skizze", von Dr. % Horwjtz (S, -ls — 232.) Männer, welche das Ringen ihrer Zeit mächtig m sich aufnehinen, sich selbst aus der dunkeln Bewußtlosigkeit zu immer klarerem Bewußtsein durcharbeiten, mit Seherblicke die Zstkyntz ahnen unv für sie wirken, geistesstark und jugendlich fxisch ihr» Bedürfnisse zur Klarheit bringen und für derry Bekiedjgung thätig vorbereitru, charaklerisiren ihre Zeit und gehörest selbst mit zu den wichtigsten Ereignissen derselben. Ein solcher Maua war Perl (geb. Ende 1773, gest. 1. Oct. 1839,) In der starren Orthodoxie erwachsen, fand sein lebhafter Geist zurrst auf den Gefilden des, feinem edlereu Kern nach. Lustigeren, flüssige-

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