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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-11 · Heft 2 (11.1.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 2 (11.1.1846)
Date
1846-01-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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maß ist, geht daraus hervor, daß man nicht nur in Berlin, sondern selbst in Frankreich den Gedanken ausgenommen hat; letztes ersehen wir aus einer uns von dort zugekommenen Brochüre, *) denn, ach, auch bei der elsaß - lothringschen altgläubigen Heerde hat sich der Wolf der Neuerung eingefunden, und unter derselben mü grimmem Zahn bereits große Verwüstungen angerichtet; die Reform hat die Rheingränze überschritten. Die Brochüre ist im orthodoxen Sinne, sonst recht gut geschrieben; die Reformers wie deren Abfichten werden auf dieselbe Weise wie in Deutschland auch politisch verdächtigt und angeschwärzt, was fich dort, wo davon gar kein Erfolg zu hoffen, noch häßlicher ausniinmt. Wir finden den Sonntags-Gottesdienst als Theil ihres Programmes angeführt, und theilen einiges von dem, was fich dort gegen den Gebrauch der Orgel in der Synagoge bemerkt findet, zu Nutz und Frommen unsrer Synagogen - Bau - Projectanten mit. „Die Orgel, heißt es dort, ist ein pompöses **) Instrument. Die Einfachheit ist die schönste Eigenschaft unsres Glaubens Unsere zeitliche Verwaltung reicht nicht aus ihre Kosten zu decken, da fie ihre Zuflucht zum Staate, oft selbst zum Schuldenmachen nehmen muß. Warum unsren Gottesdienst ohne Noth verweitläufigen (eowpliquer)? Warum unsren Feierlichkeiten einen fremden Bestandtheil beifügen, der den Frommen zuwider ist, viele Gewissen beunruhigt und die hergebrachte Gebetordnung stört? Wäre es nicht besser, die dafür bestimmten Gelder auf Armen-Unterstützung auf Schulen, auf Wohlthätigkeits - Anstalten zu verwenden? Man wird fich genöthigt sehen die Gemeindeglieder oder die Regierung zu behelligen, um diese neue Ausgabe bestreiten zu können. ES find keine Gelder da für das Gute, was zu thun wäre, und man will die vorhandenen in Nutzlosigkeiten aufwenden. Es ist ein nicht genug gewürdigtes Glück einen einfachen und wohlfeilen Cultus, wie eine wohlfeile Regierung (gouvernerneut ä bon marclie) zu haben, und hat man diesen Vortheil einmal verloren, sucht man vergeblich ihn wieder zu erlangen. Nichts entftemdet den gewöhnlichen Menschen der Religion mehr, als die Ausgaben für den Cultus, wenn sie ansangen etwas bedeutend zu werden. Bringen wir nicht in unsren patriarchalischen Glauben den Lurus, das Gepränge, welche die Kirchen in Prachtpaläste umformen, wo fich alle Künste die Hände reichen, unsre ganz geistige Gottesverehrung braucht nicht die Sinne zu verführen, oder in Harmonien mit den Bühnen zu wetteifern, fie hat' nur zu der Seele zu reden." *'j Des reformateurs & des changements qu’ils proposent d'iutroduire daus le culte israelite. Paris 1845. **) Aber auch die Andacht im hohen Grade weckendes. Die Redactiom. Miseellen. Viel Rühmliches hört man von den gottesdienstlichen Verbesserungen in dem Bezirke des Rabbiners Grünbaum in Landau; der Chorgesang ist längst eingeführt, und die Versteigerung der Mitzwoth abgeschafft; aber auch an die Abschaffung veralteter Gebete selbst, und an die Einführung des deutschen Elementes ist man kürzlich gegangen, und zwar sollen die Alten mit dieser neuen Einrichtung eben so zufrieden gewesen sein, als die welche der entschiedensten neuen Richtung huldigen. Im Jahre 1843 wurden in Polen 134 Werke in der hebräischen Sprache gedruckt. — In demselben Jahre wurden viele jüdische Gelehrte zum Kaiser beordert, um fich mit ihm über Juden und jüdische Zustände zu berathschlagen; bei dieser Gelegenheit wurden fie alle in Adelsrang versetzt. Nach einem englischen Blatte, dem Chambers’ Edinburgh Journal sind nahe an 7 Millionen Juden über die Erde zerstreut; davon hat Rußland in Russisch-Polen 1,700,000; Großbritanien ' und Irland 30,000; Frankreich 60,000; Oestreich 453,524; Preußen 194,588; des übrige Deutschland 145,000; Holland und Delgien 80,000; Dänemark 6000; Schweden 1250; die Schweiz 2000; die europäische Türkei 325,000; Italien 20,000; Gibraltar 2000; Portugal 1000; die jonischen Inseln 8000; auf Europa mögen so, wenn die Zählung, was besonders in Bezug auf die nordischen Staaten bezweifelt werden dürfte, anders richtig ist, 3*/. Million kommen. Amerika soll 75,000; Asien 3,000,000 und Afrika 500,000 Anhänger der mosaischen Lehre enthalten, so daß die Totalsumme fich auf ungefähr 6,800,000 beläuft. Literarische Anzeige. In der C. Kürschner'schen Buchhandlung (M. Marcus) in Schwerin i. M. ist erschienen und durch die Plahn'sche Buchhandlung (L. Ritze) in Berlin zu beziehen: .Dr. Samuel Holdheim, Großberzogl. Mecklenb.- Schwerin'scher Landes-Rabbiner: Der Segen des Gotteshauses und der Gottesdienst in der Wahrheit. Zwei Predigten, gehalten in der israelitischen Gemeinde zu Goldberg bei der Einweihungsfeier der neuen Synagoge (11- Sept.) und dem darauf folgenden Sabbath (13. Sept. 1845) und auf Verlangen in Druck gegeben. Geh. 33 Seiten. Preis 6*4 ggr. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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