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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-11 · Heft 2 (11.1.1846) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 2 (11.1.1846)
Date
1846-01-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, Zunz, Jost, Richter, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Duckes, Adler und vieler anderer Gelehrten revigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenacb. Nr. 3. Sonntag den 11. Januar 1846. i. Jahrgang. Recension» von Uabbiner Dr. Seiger. Zur Geschichte und Literatur. Von Dr. Zunz. Erster Band. , Berlin, Veit & Comp. 1845. VIII. u. 607 S. gr. 8. Erster Artikel. (Schluß.-, Saadias Gaon, JsaqI b^Jakob Alfast, Bechai b. Josef und Maimonides^- um nu? Sie AkAezekchnetsten zu nennen — schrieben daher ihre selbstständig gedachten Werke in arabischer Sprache, und fiir sie war die Mahnung des Hrn. Rappoport (Vorrede zum Parchon), doch alle Werke, welche für Juden Werth haben, in hebräischer Sprache zu schreiben, damit dieselben auch der Nachwelt unvergeßlich bleiben, zu spät gekommen; sie schrieben für ihre Zeit und für die Länder, in denen man sie verstand, sie begnügten sich mit dem Streben, für ihre nächste Umgebung etwas Tüchtiges zu leisten, und sie wußten, daß der Name dessen, welcher für die Gegenwart und für seinen Kreis Unsterbliches wirkt, auch in der Weltgeschichte eingegraben bleibt, sei es auch blos durch die Nachwirkungen seiner That, wahrend alles Mühen, durch äußere Mittel die Schranken des Ortes und der Zeit durchbrechen zu wollen, ein vergebliches ist. Nicht minder schweigt auch in der neuern Zeit in Deutschland diese Mahnung vor der weit ernsteren, daß, solange die geistige Arbeit nicht die Gesammtmasse, zunächst der Gebildeten, erhebt und durchdringt, alle schriftstellerische Thätigkeit den rechten Erfolg nicht hat und blos eine selbstische Befriedigung gelehrter Eitelkeit ist, aber auch vor der freudigen Hoffnung, daß die Spuren desjenigen Wirkens, welches thatkräftig in die Bewegung der Geister für unsere Zeit und unser Vaterland eingreift, auch für kommende Zeiten und andere Länder nicht so leicht verlöschen werden. Die Ueberfetzcrthätigkcit der provcnzalischen Juden ist allerdings eine dankenswerthe; wäre jedoch die Provence im Allgemeinen damals nicht blos eine dichtende, sondern eine denkende gewesen, hätte sie die Juden dadurch der heimischen Bildung dienstbar gemacht — wahrlich eine herrliche, freie Dienstbarkeit! — so wären in den Formen statt erotischer, künstlicher — einheimische, natürliche Gewächse erblüht, vielleicht auch die arabischen Werke statt ins Hebräische — wenn man es so nennen darf — ins Provenzalische übersetzt worden und gewiß von weit tieferem Einflüsse auf die Zeit und daher auch auf die Zukunft geworren. Jedenfalls hatten blos jene Werke einen nachhaltigen Erfolg, welche eng dem Gebiete jüdischer Literatur angehören; mevicinische Werke und ähnliche, welche aber ins Rabbinische übertragen wurden, blieben ganz ohne Einfluß, circulirten blos in wenigen Abschriften, waren auch für spätere jüdische Aerzte nicht die eigentlichen Lehrbücher, vielmehr schlossen diese sich an die Erkenntniß ihrer Zeit an, und ganz ebenso in andern Wissenschaften. Also die jüdische Literatur ist eine religiöse, und es erfolgt daraus von selbst, daß man nur mit ihr sich beschäftigte, insofern man für das Jüdisch-Religiöse sich intcresfirte. Es ist daher ganz natürlich, daß christliche Gelehrte ihr blos soweit die Aufmerksamkeit schenkten, als sie überhaupt von dem Inhalte derselben berührt wurden, und der Inhalt derselben konnte sie nur anziehen thcils zu polemischen Zwecken, theils insofern er auch ihrem Gebiete angehörte. Die Art der Polemik gegen die ganze verworrene Masse aller jüdischen Werke ist geschwunden, seitdem eine aufgeklärtere und humanere Betrachtungsweise die Völker zu durchdringcn begann und seitdem die Juden selbst in einen neuen Gährungsproceß eingegangen find, ihre Beurtheilung daher einen andern Maßftab erlangt als den, welchen dieKenntniß der Schriften ihrer Vorfahren an die Hand gicbt; daß daö Studium der jüdischen Literatur von Seiten christlicher Gelehrten zu diesem Zwecke abgenommen hat, werden wir gewiß nicht als ein beklagens- oder tadelnswerthes Ereigniß betrachten, wir beklagen und tadeln vielmehr, vaß man den Menschen noch immer über seine Confession, den Juden der Gegenwart über den der Vergangenheit vergißt. Was Christenthum und Judenthum gemeinschaftlich verehren, das ist die hebräische Bibel, und deren frühere Bearbeitung durch die Juden mußte es daher sein, was

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