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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-20 · Heft 29 (20.7.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 29 (20.7.1845)
Date
1845-07-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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SSL Tüllen, für die heilige Sache des Judentums unermüdet zu kämpf«n und derselben Ehre und Anerkennung nach Innen und Außen zu erringen. Schwerin, den 22. Iunius 1845. vr.. Sam. Holdheim." (Freim. Abendblatt.) Uesorm-Gmanziparion. (Darmstadt, im Juni.) Unser Rabbiner giebt sich unendliche Mühe, durch Wort und Schrift die Tendenz der Rabbiner- Versammlung zu verdächtigen. Auf dem platten Lande mag ihm das vielleicht gelingen; hier in der Stadt hat er die entgegengesetzte Wirkung hervorgebracht. Kie Liste zur Sammlung von Beittägen für die Rabbiner-Versammlungen zeigt neun und dreißig Unterschriften mit einer Summe von 89 fl. 12 kr., welche, im Verhältniß zu den hiesigen Mitteln als bedeutend zu betrachten ist. Diese Summe würde aber noch um ein Namhaftes angewachsen sein, wenn man nicht von dem Grundsätze ausgegangen wäre, nur von Solchen Beiträge anzunehmen, die durch ihre Namensunterschrift den Muth zeigen, sich offen zu einer bestimmten Gesinnung zu bekennen. — Die Sache der Emanzipation hat in der ersten Kammer kräftige Vertheidiger, dahingegen aber unerwarteten Widerstand von Seiten der Regierung gefunden, welche jedoch die Erklärung abgab, daß sie der Anstellung jüdischer Aerztc und Juristen kein Hmderniß in den Weg lege. Hoffentlich wird die faktische Anerkennung dieses Grundsatzes nicht lange auf sich warten lassen. Von Seiten der zweiten Kammer unserer Landstände ist einstimmig die Abschaffung des sogenannten Judenpatents in der Rheinprovinz beschlossen worden. K. Jüdische Zustände in Ungarn. -(Aus dem Trentschiner Comitat im Juni.) (Schluß.) Weit gebildeter und regsamer ist die Gemeinde zu R a j e tz, einem großem Marktflecken. Die eifrige und friedliche Betriebsamkeit derselben zeichnet sie besonders vorthcilhaft aus, die Reichern unterhalten große Gerbereien, in denen sie viele christliche Bewohner beschäftigen. Ihr lebendiger Verkehr mit Pesth, Tirnau und andern Städten hat sie der Bewegung der Zeit etwas näher gebracht , und sie hat wenigstens in der äußern Erscheinung den alten Schlendrian soviel als möglich abgeschüttclt und einige Politur angenommen. Und obgleich hier noch der Talmud mit seinem Zubehör prädomlnirt, so läßt man doch allgemein die Kinder auch in andern Gegenständen unterrichten. Jedoch geschieht dieß nur insoweit es das Geschästsleben erfordert, und der Unterricht wird auch Subjecten anverttaut, die gerade der Wind hergejagt. Der neu angestellte junge Rabbiner, der Schwiegersohn des durch und durch jesuitischen Rabbiners zu Neustadt an der Waag, und Schüler des nunmehr verstorbenen N. Moses Sofer zu Preßburg, hat die Verschmitztheit des Schwiegervaters und das abstoßende, gespensterhafte Einsiedlerleben, wie es namentlich auf der Jeschibah zu Preßburg geführt worden, in seltner Harmonie in sich vereinigt. Seine Frau, die fleißig Romane liest, lehrt ihn manche weinerliche Brocken auswendig, die sich in seinen Deraschoth sehr possierlich ausnehmen. — Vor zwei Jahren wurde die Gemeinde von einem furchtbaren Feuer heimgesucht, dessen tiefgegangene Brandmale noch immer nicht verwischt werden konnten. Eine erfteulichere Erscheinung bietet aber die wohlhabende und verhältnißmäßig hochgebildete Gemeinde zu Bit sch, ebenfalls Marktflecken. Wiewohl der Ort sehr unbedeutend ist, so haben sich doch namentlich die jüdischen jungen Leute einen feinen Welts und Bürgersinn angeeignet, der bereits gute Früchte getragen. Es ist nämlich vor längerer Zeit mit vieler Mühe und bedeutendem Kostenaufwand eine Schule errichtet worden, die meist mit guten Lehrern besetzt ist, und in der nicht nur in den gewöhnlichen Schulgegenständen, sondern auch in Musik und Zeichnen unterrichtet wird. Der Rabbiner ist ein strenger Orthodoxe und Verfasser mancher halachisch-pilpulischen Werke, hat aber fast gar keinen Einfluß, und es ist daher auch der Talmud, dieser Augiasstall der verflossenen finstern Jahrhunderte, aus der Schule gänzlich verdrängt worden. Aehnliches, aber doch in viel geringerm Grade, läßt sich von der Gemeinde zu H linik sagen. Sie hat besonders viel Sinn für Musik, und sie liefert für die ganze Umgegend beliebte Musikanten. Auch besitzt sie mehrere Hochzeitsnarren, die in früherer Zeit bei keiner Hochzeit fehlen durften, jetzt aber seltener zugezogen werden; sie hat aber auch an andern Narren keinen Mangel, die durch ungeschickte Handhabung der Gemeindeangelegenheiten diesen vielfachen Schaden zufügen. Noch ziemlich mittelalterlich sieht eS in der zahlreichen und betriebsamen Gemeinde zu P u ch o an der Waag aus, und der gebildete S. Stern, Herausgeber des Wörterbuches von Parchon, konnte es vor mehreren Jahren nicht bewirken, daß dem Wunsche des Herrn Rappoport, — der damals noch in Lemberg privatifirte— das Rabbinat in unserer Gemeinde zu erhalten, gewillfahrt würde. Sie hat vielmehr einen ränkevollen und verschmitzten Rabbiner aus der Hegpelö in Oberungarn berufen, mit dem ein böser Geist in unsere Gemeinde eingezogen, der den Frieden verscheucht und überall Streit exmdt und anfacht. Zur Charakteristik dieses Mannes wollen wir nur Einen seiner Kniffe erzählen. Zwei Handelsleute

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