Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1845)
- Date
- 1845-07-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SSL offen zu entsagen dem, was in uns erstorben ist." Diese Aufforderung mußte vor Allen die Rabbiner Deutschlands tief ergreifen, von denen denn auch die angesehensten und bedeutendsten im Laufe des vorigen Sommers in Braunschwcig zusammentraten, um sich gegenseitig zu belehren und zu berathen, und die Resultate der Berathung als Norm für ihre amtliche Praxis zu nehmen. Wie ihre Sitzungen öffentlich waren und sich einer großen allgemeineren Theilnahme erfreuten, so find auch die in denselben gehaltenen Protocolle der Oeffentlichkeit übergeben worden, und können dieselben als ein Ehrendenkmal deutscher Wissenschaftlichkeit unv Gelehrsamkeit, deutschen Ernstes und echt religiösen Sinnes betrachtet werden. Sie haben daher unter den Juden, ganz besonders in unserm Vaterlande, wo unsere hochweise und aufgeklärte Landesregierung zum Fortschritt und zur freien Entwickelung wie in so mannichfacher Beziehung, so auch insbesondere im Gebiete des Zudenthums die Mittel an die Hand gegeben, vielen Anklang gefunden. Als ein für die vaterländische Culturgeschichte nicht uninteressanter Belag hiezu verdient noch die Mittheilung einen Platz, daß die Herren Rudolph Josephi in Goldberg und Israel Löwenthal in Bützow nebst einigen anderen ehrenwerthen Männern den Wunsch, ihre Gesinnungen für das Princip der Rabbiner-Versammlung, und den Hrn. vr. Holdheim als ausgezeichnetes Mitglied derselben zu manifestiren, kaum hatten laut werden lassen, als sich mit ihnen die angesehensten und achtbarsten Männer unter den mecklenburgischen Juden vereinigten, um Hrn. vr. Holdheim ein ansehnliches Geschenk zu seiner bevorstehenden Reise nach Frankfurt am Main, wo die zweite Rabbiner-Versammlung stattfinden wird, durch den Hrn. vr. Marcus hieselbst überreichen zu lassen. Die bei dieser Gelegenheit von dem Letzter» im Namen seiner Committenten erlassene Adresse lautet wie folgt: „Dem Großherzvglichen Landesrabbiner Hrn. vr. Holdheim. Fast alle Israeliten unsers Vaterlandes sind beseelt von der Ueberzeugung, daß einerseits die Rabbiner-Versammlung sich in der Verfolgung ihres Lebensprincips, das Bleibende und Ewige im Judenthum vom Vergänglichen zu trennen und immer mehr zum allgemeinen klaren Bewußtsein unserer Glaubensgenossen zu bringen, nicht durch das Geschrei undeutscher Nachtvögel irre machen lassen werde, andererseits daß Mecklenburg stolz darauf sein kann, in Ihnen seinen Vertreter bei jenem Wettstreit edler, glaubenserfüllter Geister für Wahrheit und Licht zu haben, — eine innige Ueberzeugung, welche nach der Gelegenheit trachtet, sich zu äußern. Indem ich mich daher des mir gewordenen ehrenvollen Auftrages entledige, Sie zu ersuchen, daß Sie das kleine beifolgende Opfer eben so freudig, wie es Ihnen von vielen Israeliten (namentlich in den Gemeinden: Goldberg, Bützow, Waren, Penzlin, Sternberg, Teterow. Ludwigslust, Gnoien. Grabow, Güstrow, Malchin, Stavenhagen, Plau, Grevismühlen, Rehua und Schwerin, auch von Klentz) geboten wird, um der darin sich kund gebenden Gesinnungen willen aufnehmen, erlaube ich mir noch den Wunsch auszusprechen, daß der Allmächtige die Rabbiner-Versammlung zum wahren Heil unserer Glaubensgenossen gedeihen, und Sie in voller Geistes- und Körperfrische von Ihrer bevorstehenden Reise nach Frankfurt a. M. zurückkehren lasse." Hierauf erfolgte die nachstehende Antwort des Herrn vr. Holdheim: „Sie haben im Namen fast aller Israeliten unsers Vaterlandes die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Rabbiner-Versammlung das Prinzip verfolge, das ewig Wahre und Bleibende des Judenthums zum allgemeinen und klaren Bewußtsein unserer Glaubensgenossen zu bringen und eS dadurch im Sturme der Zeiten, der nur vergängliche Fermen desselben erschüttern kann, für alle Zukunft zu retten. Es ist für die Rabbiner-Versammlung ein wahrer Triumph, mitten unter so vielen Anfeindungen die Anerkennung ihres Lebensprinzips durch ein so würdiges Organ ausgesprochen zu sehen, und zugleich eine große Satisfaction für mich. in jener würdigen Versammlung nicht bloß meine eigene Glaubensansicht sondern die des intelligentesten Theiles meiner Gemeinden vertreten und mit erhöhtem Muthe für sie kämpfen zu dürfen. — Ihnen, hochgeehrtester Herr, wie all' den übrigen ehenwerthen Genoffen, welche sich mit Ihnen zu diesem Zwecke vereinigt, erlaube ich mir im Namen der Rabbiner-Versammlung den lebhaften Dank für solche hohe Anerkennung auszusvrechen. Die Gelegenheit, welche die Ueberzeugung ergriffen, um sich zu äußern, wie die Art und Weise, mit welcher sie sich äußern, zeugen beide dafür, daß einerseits sie eine im religiösen Gemürhe tiefwurzelnde sei, welcher die Aussprache wahres Bedürfnis ist, andererseits daß das Streben der Rabbiner-Versammlung in den religiösen Ueberzeugungen ihrer Gemeinden einen festen Boden habe: Eines so erfreulich, wie das Andere. — Für die Ehre, in mir einen nicht unwürdigen Vertreter in jenem Wettstreit für Licht und Wahrheit zu erblicken, wie für die thatkräftige Unterstützung, welche es mir möglich macht, den Bestrebungen so vieler würdiger Amtsgenoffen ohne Opfer mich anzuschließen, nehmen Sie. hochg. H., noch meinen besondern gefühlvollen Dank hin, und wollen Sie denselben allen mir unbekannten Theilnehmern an dieser Sache in meinem Namen zu erkennen geben. Es wird dieser Beweis von Anerkennung der Bestrebungen, welchen ich meine Kräfte geweihet, mit der göttlichen Hülfe gewiß nicht verfehlen, mich mit Mnth und Ausdauer zu er-