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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-20 · Heft 16 (20.4.1845) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 16 (20.4.1845)
Date
1845-04-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur-Blatt. Beilage zum Israeliten des iS. Jahrhunderts. f 3. Sonntag den 20. April 1845. Vorträge über die mosaische Religion für denkende Israeliten, von vr. Samuel Holdheim,Grhzl.Mecklenb.-Schwerin schein Landes - Rabbiner. Schwerin, 1844. Kürschner'sche Buchhandlung. Die vorliegende Schrift kann nicht darauf Anspruch machen, eine neue Figur in der geistlichen Redekunst zu bilden, wenn man bei einer solchen an eine besonders ausgezeichnete Diction, an eine eigenthümliche Handhabung des Textes, an eine eigentbümliche Benutzung der Bibelstellen, an neue und geschicktere Introductionen, Propositionen, Definitionen, Partitionen, überhaupt an die Form der Rede denkt; aber sie kann lenen Anspruch im hohen Grade machen, wenn man Inhalt und Zweck der geistlichen Beredsamkeit vor Augen hat, wenn man erwägt, daß dieser in unserer Zeit vorzüglich darin bestehen müsse, das, was dieWissenschaftgezeitigt, was unsere erleuchteten Rabbinen über Juden und Iudenchmn gedacht, in den Kreis des Volkes einzuführen, mittelst des lebendigen Wortes es in ihm lebendig zu machen. — Und dieses zu thun, war wohl Niemand mehr berufen, als unser Verfasser; er, der in seinen andern Schriften sich so trefflich als Vorkämpfer des religiösen Fortschrittes gezeigt hat; der einen Forschungsgeist und zugleich einen Ernst der Ueberzeugung, einen heiligen Muth der Gesinnung bewiesen, wie wenige feiner Amtsgenoffen. Da mußte es ihm denn auch ein tiefes, unabweisbares Bedürfniß sein, zu seinen Brüdern zu sprechen, an die denkenden Israeliten sich zu wenden und ihnen das vor die Seele zu fübren und an das Herz zu legen, was er bereits als Jünger der Wahrheit am Altäre der Wissenschaft niedergelegt. Er spricht sich über dieses sein Streben selbst in dem Vorworte zu der fraglichen Schrift folgendermaßen aus: „Was mich zur Auswahl der vorliegenden Vorträge aus einem nicht geringen Borrath von Kanzelreden, in welchen das erbauliche Element in populärer Ausdruckswrise vorherrschend ist, besonders bestimmte, ist der diese Vorträge sämmtlich durchwehende und zu einem gleichartigen Ganzen vereinigende Grundgedanke, den ich gleichsam als Ausdruck meiner theologischen Ueberzeugung öffentlich bekenne und um dessen Aussprache es mir zu meiner eigenen Belehrung zu thun ist. Um den Leser hierüber in's Klare zu setzen und ihm zugleich die Gesichtspunkte anzudeuten, aus welchen ich diese Vorrräge beurtheilt wissen möchte, so will ich diesen Grundgedanken, dessen möglichst populäre Anssprache ich in den Vorträgen wenigstens anstrebte, hier auseinander zu legen versuchen. 1) Will ich den reinbiblischen positiven Offenbarungsglauben mit entschiedener Abweisung aller rationalistischen Erklärungsweise» der Rabbinen, in welchen dieser Glaube in seiner Reinheit vielfach getrübt erscheint, für das i« Schwankungen begriffene Iudenthum festzuhalten suchen.-Die Rabbinen haben die Schrift vielfach gedeutet. Wir wollen mit rücksichtsvoller Pietät auf ihre Worte hören, und wo immer ihr Mund die Wahrheit geredet, ihre Worte in Ehren halten, nicht aber ohne eigene Prüfung sie von vorn herein wie das Gotteswort selbst zum Gegenstand unseres Glaubens machen. Wo ihre Auslegung mit dem klaren und schlichten Bibelsinn im Widerspruch steht, da wollen und müssen mir Gort mehr glauben als den Menschen. 2) Um uns vor Fehltritten zu büten, müssen wir den einen leitenden Grundsatz festhalten, daß Goir Israel durch die Patriarchen, besonders aber durch Mose und die Propheten, die Lehre der Wahrheit, die ewige Lehre von dem heiligen Wesen und Willen Gottes, offenbart, zugleich aber auch für Israel'» volkstümliches und priesterliches Wesen vergängliche Daseinssormen geschaffen, die es für viele Jahrhunderte zur Wahrung seiner israelitischen Aufgabe, die Lehre von dem einig-einzigen Gotte und der heiligen Sittlichkeit inmitten unter einer Heidenwelt in ihrer Reinheit für die Menschheit zu hüten, vorzüglich befähigten; später aber, wie eine achtzehnhundertjährige Geschichte unleugbar beweist, diese auf Israel's volksthümlichen und priesterlichen Charakter sich beziehenden äußern Daseinssormen selbst zerstört, Israel als Familie unter die Bokker zerstreuet und ihm blos die mosaische Re-

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