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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-11-24 · Heft 47 (24.11.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 47 (24.11.1844)
Date
1844-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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379 und Prediger es vermocht; doch die Masse, ich verstehe darunter denjenigen Theil unserer Brüder, der nicht zu der lichten Höhe dieses Sternes hinaufschauen kann, wird dadurch schwerlich gewonnen. — Wir hätten daher gewünscht, daß gerade die bedeu» tendsten und wissenschaftlichsten Mitglieder des Reform-Vereins weniger metaphysisch-scrupulöS gewesen und diesen dann es möglich gewesen wäre, den ersten Artikel volksthümlicher zu fassen, etwa so wie Holdheim es vorschlägt: »Wir erkennen in *) der mosaischen Religion, wie sie in den Büchern Mose und den Propheten gelehrt wird, mit Weglassung alles dessen, was auf die mosaische Verfassung und die abgesonderten Volksverhältnisse Israels nebst allen mit diesen in Zusammenhang stehenden Riten Bezug hat (wir würden noch hinzu gefügt haben: und mit Beseitigung aller der damaligen Zeit angehörendeu Dorfiel- Lungen) die fortdauernde Religion des Judenthums"; und daß noch ein vierter Artikel hinzugekommen wäre, etwa so lautend: »Wir verpflichten uns, mit allen unseren Kräften dah n zu wirken, daß unterLeitung undBeihülsx der israelitischen Religionslehrer im Sinne obiger Artikel eine ReligionS- und Pflichtenlehre des Judenthums zu Stande komme." — Doch was nich^ geschehen ist, kann ja noch bewirkt werden, nicht nur, weil (wie Holdheim sagt) »auch ein Reformverein seine Artikel reformiren kann", sondern weil eine solche Reformation nichts weiter als eine andere Formulirung, eine den Gefühlen und Bedürfnissen des Volkes (ich Habs oben schon gesagt, waS ich darunter verstehe) sich akkomodirende und diese befriedigende Fassung ist, die Sache aber, der Inhalt derselbe bleibt; daher eine solche Fassung auch als eine Erläuterung zur Beseitigung der hie und da mißverstandenen früheren Artikel und resp. als Ergänzung derselben gegeben werden kann. Doch ist dieses nur eine Ansicht von mir, über deren Wahr- oder Unwahrheit Ihre einsichtigen Leser entscheiden mögen. s. Frankfurt a. M., im Oktober. Wir haben auf Empfehlung Ihres Königsberger Correspondenten in Ne-. 38 die Schrift von Jachmann: »Zur Geschichte des Gustav-Adolph- Vereins in Königsberg" zur Hand genommen, und wenn wir auch die Reinheit der Grundsätze, Gesinnungen und Absichten des Verfassers und der von ihm vertretenen Gleichgesinnten unsre Achtung nicht versage« können, so müßen wir doch bedauern, deren Anwendung bei so unpaßender Veranlaßung und auf so *) In dem Vorwort zu seinm Vorträgen über die mosai. sche Religion. ungünstigem Terrain versucht zu sehen. Man hätte in, voraus wissen.sollen, daß mit Grundsätzen, von welchen der Verfasser vorher sagt, daß sie „erst eine spätere Zukunft billigen und ausführen" werde, zur Zeit und bei einem Vereine nicht durchzudringrn sei, der wirklich auf denselben nicht beruht, und in welcher sie nur künstlich hinein interpretirt werden wollen. Millionen denken wie der Dichter: Welche Religion wir bekennen? Keine von allen, Die du mir nennst! Und warum keine? Aus Religion. Sagen läßt sich jedoch in unserer Zeit und im preußischen Staate, zum wenigsten mit Aussicht auf offene Zustimmung nicht, daß man sich „weder zum evangelischen Glauben noch zu irgend einer andern der geoffenbarten Religionen bekenne," wie Hr. vr. Jacoby und auch der Verfasser gcthan. Und welchen Erfolg konnte ein solches Glaubensbekenntniß bei einem Vereine erwarten, der unmittelbar von Geistlichen, mittelbar von Beamten geleitet wird? Auch ist Sinn und Absicht des Gustav - Adolph - Vereines wirklich sonst nirgendwo in dem vom Verfasser zunächst vertheidigten Sinne der blosen Geld-Unterstützung genommen worden, wie daS königlich-baierische Verbot desselben unwiderleglich darthut. Wir müssen vielmehr den Versuch des Herrn vr. Jacoby für eben so verfehlt halten, als die Phillippson'sche Aufforderung an unsre Glaubensgenossen zur Thrilnahme an dem Schwanen- Orden. Herr Jachmann erzählt aber, bei der Gelegenheit ge» funden zu haben, daß Entschiedenheit in der Regel allein steht, und „von der unentschiedenen schwankenden Masse erdrückt wird," und davon wissen auch die hiesigen jüdischen Reformfreunde zu erzählen. Kaum giebt es einen gebildeten Juden, der die von ihnen aufgestellten Thesen nicht im allgemeinen anerkannt undsich nicht in seiner Lebensweise zu denselben bekennt. Nichts desto we- Niger ist die Anzahl derjenigen, welche sich dahier offen dafür auszusprechen wagten, wenn auch nicht unbeträchtlich, doch verhältnißmäßkg nur eine kleine, während die bloß äußerlichen Reformen unseres Herrn Stein sogleich viele Anhänger, selbff enthusiastische Lobredner fanden. Sollten Sie es glauben, daß bei einer dieser Tage in der Synagoge vollzogenen Trauung man sich fast um die Plätze schlug? Man hat in den Feiertagen Männer mit dem Burnus, (rr^E) bekleidet gesehen, man had Männer der Gemeinde den Priesterseegen spenden (^N) hören, deren Leben gegen alles Judenthum eine faktische Protestation ist. Sind etwa diese Leute bekehrt, oder in ihren Gesinnungen andre geworden? Mit Nichten, sie haben im übrigen ihre LebenSweise nicht verändert. Es sind eben Halbheiten, Unentschiedenheiten, die daS Unhaltbare der seitherigen Zustande Men. und meinen, sich zum wenigsten mit dem Scheine abfinden zi» müssen; die glauben, ein religiöses Bedürfnis zu befriedige».

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