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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-10-23 · Heft 43 (23.10.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 43 (23.10.1842)
Date
1842-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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m „Am spaten Abend meines Lebens — so ruft der würdige Greis — dem Ziele meiner Pilgerschaft nahe, nahe der Schwelle zur Pforte des Himmels, dem Uebertritt von dem Schauplatz der Wirrniße und Kämpfe in die friedlichen lichtvollen Räume der höher» Klarheit im Kreise der ftommen verklärten Seelen, gewahrte mir der Rückblick auf meine unter so vielen Drangsalen, Kümmernißen und Leiden zurückgelegte Bahn, einen unaussprechlichen Seelengenuß; ich fand nicht nur Trost, sondern vollständigen Lohn für alle meine Mühe und Arbeit, für mein eifriges Streben zur Verherrlichung des heiligen Namens Gottes und seiner heiligen Thora." „Wohl that es meinem Herzen, daß seitdem ich im Jahre 1820, zur Widerlegung des im Jahre 1819 von den damaligen Hamburger cot mit allzuheftigcm Eifer für die Integrität alles Herkömmlichen, mit all' seinen UnweseNtlichkeiten, Verhärtungen und Auswüchsen in der' Liturgie und im Eultus herausgegebenen Werkes, betitelt: rmn ’"D1 rhu, mein Werkchen injn "21 „Ein Wort zu seiner Zeit" geschrieben, Ruhe und Friede in Israel herbeigeführt wurde." „Wie viel seit damals in mehreren Gemeinden Israels für die Ordnung und den Anstand bei der öffentlichen Andacht und dadurch zu ihrer Würdigung allgemein und durchgreifend geschehen, wie sehr Andacht und Erbauung dadurch gefördert, — wie dadurch der Lossagung, dem Abfall und dem Jndifferentismus Einzelner Einhalt aethan ist, — es muß für jeden echten Israeliten willkommen sein, der in diesem friedlichen Interesse für das Seelenheil eines jeden Glaubensgenossen die wahrhafte Bedeutung unserer Solidarhaftung (: fb ntJD MD nr ply bimzn vc) erkennt." „Am Rande des Grabes — so schließt der Rabbi — und abgekühlt für die meisten Interessen der Vergänglichkeit, fühle ich in mir die Kraft und Aufforderung, mit Jünglingsfeuer aufzutreten, und das Zeugniß zu geben, daß ich in dem angefeindeten Gebetbuche keinen Grund zu dessen Verwerfung für irgend einen gläubigen Israeliten aufgefunden, vielmehr darin manche Gebete gefunden habe, welche einer allgemeinen Verbreitung würdig sind." Und wenn die Stimme eines im gewissenhaften Dienst ergraueten und mehrseitig erfahrenen Mannes, bei den heranreifenden Jüngern unseres Rabbinenstandes einigen Eingang findet, so mögen sie auf die gewichtige Warnung achten, daß dialektischer Wortschall wohl das Ohr bestechen, den Sinn betäuben, aber keinesweges das Gemüth beruhigen und den Andrang der Zeitbedürfniße zurückdrangen kann. Mögen sie nie rabbinische Karaiten werden, chenen der starre Buchstabe über alles geht; ja arger als Karaiten, weil diese doch nur den Buchstaben (CVDK croc) der göttlichen Thora diese Vergötterung erweisen, manche Rabbinen aber auch die von Menschen geschriebenen Satzungen buchstäblich, pünktlich und unverändert festhalten, und ihnen eine über alle Bedenklichkeit erhabene göttliche Autorität beilegen." Inzwischen ist auch (im Verlage der Kürschnerschen Buchhandlung in Schwerin) ein zweites Votum von dem wackern Holdheim erschienen, das um so interessanter ist, als es die Widerlegung der einzigen bisher gegen den Tempel erschienenen Schrift, betitelt: „Jude und Nicht-Jude, eine Erwiederung auf die Schriften der Triple-Allianz rc." zum Zwecke hat. Wir dürfen daher nicht unterlaßen, mit dieser gehaltreichen Schrift bekannt zu machen, müßen uns jedoch für unseren Zweck nur auf den Theil (und auf diesen nur auszugsweise) beschränken, welcher der Widerlegung der gewichtigeren Einwürfe gewidmet ist. Die letzteren reduciren sich nun aber auf Folgendes: . 1) sei Holdheim, der das Gebetbuch des Hamburger Tempels vom Standpunkte des Talmuds rechtfertigen wolle, gegen diesen aufgetreten, indem er ihn beschuldige, er habe mit dem "owtajh» ein Ketzergebet, das sich nicht mit dem israelitischen Gebetgeiste vertrüge, eingeführt. Dasselbe habe er 2) dadurch gethan, daß er das Gebet über die Opfer gesetzt habe, und Z) sei er durch seine universelle Auffassung der Erlösung den Propheten zu nahe getreten, welche in mehreren Stellen von einer, persönlichen, Israel allein betreffenden, Zukunft, reden. Hierauf erwiedert Holdheim u. A. „Aber wenn aus dem Talmud selbst der Widerspruch jenes Ketzergebetes mit dem israelitischen Gebergeist erwiesen ist, trete ich dann noch gegen den Talmud auf? Und gesetzt, ich träte in Ihrem Sinne gegen den Talmud auf, welche Waffen könnten es möglicher Weise sein, deren ich mich, auf dem rabbinischen Standpunkt, den ich einnehme," gegen ihn bedienen würde? Keine andere, als die der Bibel und des Talmuds selbst. Jeder, der auch nur eine oberflächliche Kunde des Talmuds hat, weiß, daß er nicht das Werk eines Mannes und einer Zeit sei, daß in ihm die Ansichten von Hunderten in verschiedenen Zeiten gelebt habenden Gelehrten zusammengetragen sind. Wenn man also gegen bestimmte Ansichten, Aussprüche und Anschauungen des Talmuds mit dem Talmud selbst ankämpst, so kann man eben so gut sagen, daß man für als gegen den Talmud auftrete." „Ich wiederholte Ihnen denn meine volle Ueberzeugung, daß dem israelitischen Gebetgeist ein Ketzergebet eben so sehr widerspreche, als ein Ketzergericht dem Geiste der israelitischen Religion überhaupt zuwider ist. Wohl gab es Zeiten in der jüdischen Geschichte, wo ein Ketzer zugleich ein politischer Verbrecher war, wo ein offener und thatlicher Widerspruch gegen das höchste Tribunal im jüdischen Staate des HochverrathS sich schuldig machte, und aus rein politischen Gesichtspunkten gerichtet und bestraft wurde. Aber wohl ge-

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