Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-10-23 · Heft 43 (23.10.1842) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 43 (23.10.1842)
Date
1842-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566751-2566802-2566846--0466-2568112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

merkt, nur aus politischen, nicht aber aus religiösen, die nicht miteinander zu verwechseln sind, und leider dennoch so oft von Genannten und Unqenannten, aus Mangel an gründlicher Kenntniß der israclilischen Religion und Geschichte verwechselt werden." „Sie sagen, daß meine Auffassung der Opfer falsch fei, als wenn sie die meinige wäre und nicht Maimonides zum Urheber hätte! „Haben die Opfer," fahren Sie fort, „einen'durchaus negativen Zweck, warum wären denn so viele Gesetze auf deren Behandlung bestimmt rc.? " als wenn ein negativer nicht so gut als ein positiver Zweck erreicht werben müßte und anders als durch bestimmte Verhaltungsregeln erreicht werden könnte? Und warum nennen Sie den Zweck der Opfer — die Entwöhnung und Entfernung vom Götzendienst, den sie mit so vielen andern gegen den Polytheismus gerichteten Geboten gemein haben — einen durchaus negativen? Ist nicht Entwurzelung des Götzendienstes mit reiner Verehrung des einzigen Gottes faktisch und historisch so fest aneinander gebunden, daß sie sich wie Ursache und Wirkung unzertrennlich begleiten, daß die Aufhebung des Götzendienstes die Setzung der reinen Gottesverehrung zur Folge hat, ago nicht durchaus negativer sondern auch positiver Natur?" „Den von mir angeführten Prophetenstellen, welche von einer geistigen, die Erlösung der ganzen Menschheit begreifenden Auffassung des Messiasglaubens sprechen, haben Sie andere entgegengesetzt, die von einer persönlichen Israel allein betreffenden Zukunft reden, als wenn ich gesagt hätte, daß die Propheten immer und überall, so oft sie vom Messiasreiche sprechen, es nur in erste rem und nicht auch in letzterem Sinne thun. Es genügte mir, nachgewiesen zu haben, daß die Propheten den Messiasglauben auch geistig und universell gefaßt und ausgedrückt haben, um Diejenigen nicht zu verketzern, die an sehr vielen Stellen des Gebetbuchs die auf rbm, ffi&'D und nrfel VDp bezüglichen Ausdrücke der Propheten getreu und unveränderlich wiedergeben, an anderen Stellen wieder den Propheten, in ihrer geistigen Auffassung dieses Glaubens gefolgt sind. Der Widerspruch, der zwischen diesen beiden Auffassungsweisen zu herrschen scheint, muß ja auch auf dem Standpunkt der Propheten gelößt werden, und die Lösung ruhet, wie ich glaube, darin, daß Israel seine Mission, die Erlösung der Menschheit durch sich selbst, auf eine von den Propheten verheißene und uur von der Vorsehung zu erfüllenden Weise, zu fördern und zu vermitteln, dereinst erfüllen werde, welche Zeit das Reich des Messias sein wird. Israels verheißene Zukunft, seine diesseitige Glückseligkeit und größtmögliche sittlich-religiöse Veredlung ist also noch nicht der Erlösung letzter Zweck, sondern bas von der Vorsehung ausersehene Werkzeug zur Erlösung der Menschheit. Wie der leibliche Organismus eine bloße Hülle des göttlichen Geistes, wie das zeitliche Leben und Wirken ein Rüstzeug der sittlichen Vollkommenheit, so kann die persönliche und partikuläre Erlösung Israels nur das äußerliche Rüstzeug in Gottes Hand sein zur Erlösung der Menschheit, in der doch Israel mit aller Beibehaltung seiner specisischen Eigenthümlichkeit mitbezriffen ist." Die letzten Seiten der fraglichen Schrift sind dann einer kurzen Widerlegung des Gutachtens von Frankel in Dresden, welches wir schon früher besprochen haben, gewidmet. Srtchichte drs Tages. Die erste Seite des Juli-Heftes der Archiv. Israelit., mit einem schwarzen Rand umgeben, enthält unter der Ueberschrist: /,Der Tod des Herzogs von Orleans" Folgendes; ^Wenn das traurige Ereigniß, welches feit 14 Tagen seinen finsteren Schleier über ganz Frankreich ausLebreitet hat, nur ein politisches Ereigniß wäre, so würden wir unseren Schmerz in unser eigenes Herz verschlossen haben, ohne ihn in die »Archives" niederzulegcn. Aber eS ist dieses Ereigniß ein Unglück für die Franzosen aller Stände und aller Bekenntnisse; und das weinende Vaterland sah daher die Franzosen des mosaischen EultuS eben so wie die Mitbürger der übrigen Culten in das Gotteshaus strömen. Alle erhoben ihre Stimme in brünstigen Gebeten für die königliche Famüie und für Frankreich. Unsere Unglücklichen haben gelernt, den Namen des Herzogs von Orleans zu segnen. Mit welchem Wohlwollen ermunterte er unsere WohlthäiigkeitS-Anstalten! Mit welcher Güte nahm er, ohne Ansehen der Religion alles das aus, waS ihm nützlich, was ihm ein Fortschritt schien! Also sah die Synagoge, wie die Kirche, die aufrichtigsten Thränen fließen. Möchte diese Allgemeinheit der Trauer, dieser wahrhaft volkSthümliche Schmerz dem Herzen des Königs die Erleichterung bringen, deren er bedarf, und möchte die Vorsehung noch zahlreiche Tage dem vielgeliebten Monarchen verleihen, welcher unsere Emanzipation vollendet hat." Auch in der Denkweise der deutschen Publicisten bereitet sich, wie ein Blatt richtig bemerkt, ein merkwürdiger Umschwung vor, der das bisherige Urtheil über die Stellung und die Bedeutung der Juden inmitten der europäischen Civilisation über den Hausen werfen wird. Schon jetzt nehmen christliche Schriftsteller jede Gelegenheit wahr, um ihre Ansicht über die Emanzipationsfrage klar und unumwunden auszusprechen, während man vor noch 10 Jahren die Erscheinung gewahrte, daß von demselben Thema in Zeitungen und bei festlichen Zusammenkünften nur leise, ängstlich, blöde, mit sichtbarer Scheu vor Unpopularität die Rede war. Die Sache der Juden hat aufgehört einmal,' me tangere zu sein. Einen schönen Beleg hiezu gibt das Urtheil einer hochgebildeten christlichen Dame in der Hamburger neuen Modezeitung, welche sich über die Juden einer berühmten Handelsstadt also vernehmen läßt: Die Juden bewohnen, wie in Frankfurt a. M. einen eigenen Sladttheil. Das schachernde, eigenthümliche Volk, das weder rücknoch vorwärts schreitet, das von einem Tage zum andern lebt, immer hofft, immer arbeitet, immer wartet, das die Sitten des Orients in den Norden verpflanzt hat, zählt hier an 22,000

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.