Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554821-2554825--06389-2562374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
99 stattet, dauernd daselbst zu verbleiben, welche sich dort bereits vor 1868 niedergelassen hatten. Juden aus anderen Gouvernements dagegen dürfe» sich daselbst nicht niedcrlassen. Die Zahl der russischen Juden beläuft sich nach der letzten Zählung auf 3,759,817; das wäre mindestens der dritte Thcil aller Juden der Welt. In Wirklichkeit wird jedoch ihre Zahl eine noch größere sein, da die Juden, um der Militärpflicht zu entgehen, vielfach nur sehr ungenaue, ja sogar oft ganz falsche Angaben über die Anzahl der Ihrigen gemacht haben. In den westlichen Provinzen wohnen sie so dicht gedrängt beisammen, daß sie dort 9—13% der Bevölkerung bilden. Beispielsweise leben in Polen 518,433 Juden, in den Gouvernements Wilna 109,196 Volhhnien 223,363 Grodno 124,518 Kiew 277,479 Kowno 155,409 Minsk 143,504 Mohilcw 118,727 Podolicn 242,496 Cherson 131,916, Während im Gouvernement Pensa nur 143 leben. Unter allen diesen Juden nun beschäftigen sich allein 39,099 mit dem Ackerbau; eben diese aber wohnen fast ausschließlich in Bessarabien und sind charakteristischcrweise wahrscheinlich nicht echte Juden, sondern Proselyten, nämlich Nachkömmlinge jener Chazaren der Krim; ihr Typus ist ein ganz anderer als der der übrigen Juden, auch sprechen sie russisch und gehören vielfach der Sekte der Karaiten an; in ihrer ganzen Erscheinung sind sie den sie umgebenden Tataren verwandt. Die ungemein große Mehrzahl der übrigen Juden aber wendet sich weder dem Ackerbau noch der Industrie oder dem Handwerke zu, sondern dem Kleinhandel, bei welchem sie freilich, zumal ihr enges Zusaminenwohiien die Konkurrenz maßlos steigert, im Allgemeinen nur ein höchst dürftiges Auskommen finden. Theodor von Lengenfeldt in seinem soeben erschienenen Werke „Rußland im 19. Jahrhundert" hat uns über das Handelsleben 7*