Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 daß sie für diese letzten Rechte mit Leidenschaft eintreten, aber auch, daß sie auf diese Weise das unterwühlte jüdische Haus nicht erhalten werden. Eine schwache Reminiscenz der alten Sehnsucht nach Kanaan, nach der politischen Selbstständigkeit eines besonderen Volkes in der alten Heimath, lebt noch in ihnen und unterscheidet sie von den Reformern — aber ihre Hände strecken sich indeß nach Allem aus, was ihnen die Fremde zeigt, und über dem Genuß desselben wird die Sehnsucht ein ohnmächtiger Gedanke. Das Alte ist unter den deutschen Juden rettungslos verloren. Trotzdem ist auch in Deutschland die letzte Station auf dem Wege, welchen Israel vorerst zu durchmessen hat, ehe die letzte Entscheidung für dasselbe eintritt, noch nicht erreicht. Die Orthodoxen verklagen freilich ihre reformerischen Brüder, daß sie drauf und dran seien, in unseren Tagen Israel ein Ende zu machen. Aber so schnell wird das Judenthum nicht zerstört. Im Gegentheil können wir sagen, daß gerade das neuere Resormjudenthum den Auflösungsprozeß verlangsamt hat. Als die neue Bildung in die jüdischen Kreise zu dringen begann, die Synagoge aber mit aller Gewalt die frühere talmudische Gestalt sich bewahrte, da fühlten sich — etwa bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts hinein — zahlreiche Juden vom Judenthume so abgestoßen, daß sie zur christlichen Kirche übertraten. Aber gewissermaßen noch in der letzten Stunde kamen jene Zunz, Holdheim, Geiger, Philippson u. s. w. und kleideten den Gottesdienst, wie überhaupt das gemeindliche Leben der Juden nach manchen Seiten hin, in ein Gewand, welches den neueren Kulturschnitt verrieth und doch auch genug des Alten bewahrte, um eine Versöhnung des an sich Unvereinbaren als möglich erscheinen zu lassen. Thatsächlich sind diese Bemühungen von größtem Erfolge gekrönt worden. Die massenhaften Uebertritte zum Christenthum hörten auf, die jüdischen Gemeinden erstarkten, ihre Glieder schlossen sich wieder enger zusammen, die Synagoge wurde von Neuem für Viele, die weder Christen noch Juden gewesen waren, zum Gotteshause, das sie mindestens an den hohen Festtagen besuchten, und das Gefühl für die Zugehörigkeit zum Judenthume, welches in Vielen zu erlöschen gedroht hatte, erwachte neu. Man darf es den Reformern nicht übel nehmen, wenn sie es sich zum Verdienste anrechnen, für die Erhaltung des Jndenthums in der Kulturwelt