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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 das Beträchtlichste gethan und den Zerfall wie den Abfall auf's Entschiedenste zu rechter Zeit abgewehrt zu haben. Aber freilich ist dieser Sieg doch nur ein zcitweiser gewesen. So wenig die Orthodoxie das Judenthum der neuen Zeit zu erhalten vermochte, so entschieden sie selbst vielmehr, um ihr Dasein zu retten, von Concession zu Concession geschritten ist, so gründlich sie das alte Fundament auch selbst verlassen hat, um mit den reformexischen Gegnern eben nur über die Ausführung des neuen Programmes im Einzelnen zu hadern, so recht hat sie darin, daß die jüdische Reform durchaus nichts Bleibendes zu schaffen vermag. Die Reform hat in der That nur die Bedeutung, ein Durchgangsstadium geschaffen zu haben, welches das Judenthum, das einmal noch nicht reif ist, Christum aufnehmen zu können, vor dem Zerfall bewahren sollte. Der Uebergangscharakter des reformerischen Judenthums tritt immer deutlicher zu Tage. Die Lebensmacht Israels hat cs nicht vermehrt, sondern vermindert. Man darf sich nicht durch hohe Worte täuschen lassen. In Worten und anmaßlicher Selbstschätzung ist das Judenthum, welches Jesu Christo den Gehorsam des Glaubens verweigert hat, stets groß gewesen — aber die hohen Worte haben ihm keine Lebenskraft verliehn. Mag also Philippson, der Hauptapostel der heutigen jüdischen Reform, die Welt immerhin schon im Geist zu seinem Judenthum als „zu dem Leuchtthurme" im brandenden Völkermeere fliehn sehn, für solche Phantasieen haben der Unglaube, der Aberglaube und der Glaube der übrigen Welt gemeinsam nur Eins, ein herzliches Lachen. Das abgestandene Wasser, welches uns das Judenthum, welches Christum nicht anerkennen mochte, als Lebenswasser empfiehlt, haben uns seit den Tagen der Ebioniten und des Arius rationalistische Christen in fast ununterbrochener Kette bis heute herab fort und fort angeboten; aber wir haben, gerade wenn wir es zu trinken versucht hatten, bald genug für dasselbe gedankt. Und doch haben sich jene Bekenner des einen Gottes ebenso wie die Muhamedaner wenigstens darum bemüht, daß wir uns ihr Höchstes aneignen möchten, während die Juden indeß lediglich unsere Erdengüter und Gaben von uns zu erlangen bestrebt waren. Die Weltgeschichte weiß von keiner Arbeit der zerstreuten Juden an der Welt und für das Heil der Welt, sondern erzählt beständig nur von Konflikten, welche über der traurigen

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