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Ben Chananja · 1866-10-15 · 39 (15.10.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
39 (15.10.1866)
Date
1866-10-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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721 722 Oeffentlichkeit gebracht; die Gemeinde muß jedoch den Stand ihrer wichtigsten Angelegenheit kennen lernen, ste muß Kenntniß von den Hemmnissen erlangen, welche ein so sicher erwartetes Ziel wieder in Frage stellt. Es ist wahrhaft eine Zeit, für Gott zu handeln, darum muß jede Bedenklichkeit schweigen; wer in diesem Augenblick nicht seine Stimme erhebt, frevelt am Heiligsten!" Dem Fernestehenden, der, wie wir, die Berliner Zustände nur aus Büchern und Zeitschriften kennet, und bei den dortigen Vorgängen in keinerlei Weise persönlich interessirt ist, muß es in nicht geringem Maße bestemden, wie die Berufung Geigers eine so heftige Agitation Hervorrufen konnte: eine Agitation, welche die Antecedentien der Berliner Gemeinde ganz und gar zu ignoriren scheint! Der bereits genannte Berliner Rabbiner Hirsch Levin, approbirte die Meudelssohn'sche Pentateuchübersetzung, und Dr. Zunz unterließ nicht, von dem Datum dieser Approbation Notiz zu nehmen: 12. Elul 1778. In Wahrheit bekündet diese Approbation einen mächtigen Aufschwung der Orthodoxie. Berliner Leser des ״Ben Chananja", die dies bezweifeln sollten, mögen sich nur an den Herrn Dr. Fürchtegott Lebrecht wenden. Derselbe ״saß einige Jahre zu den Füßen des in Lehre, Thar und Tugend großen Moses Sofer"; er wird ihnen sagen, daß dieser große Lehrer noch 1840 über Mendelssohns Uebersetzung den Stab brach, und über- Haupt den grammatisch-korrekten Gebrauch aller nichthebräischen Sprachen, als mit dem Jerusalem. Talmud in Widerspruch stehend, vermieden wissen wollte. R. Hirsch setzte sich also schon 1778 über eine Prohibition des jerusalemischen Talmud hinweg.! Da nun die Berliner seitdem jedes Jahr minbestens einen einzigen Schritt vorwärts gethan haben, so sind die Skrupel schwer zu erklären, die noch 1866, also nach 88 Jahren, gegen Geigers Berufung geltend gemacht werden. Wer den Geist kennen lernen will, der gegen Ende des vorigen Jahrhunderts unter den Berliner Talmudisten, oder doch unter einem Theile derselben herrschend war, stu-, dire das 1793 gedruckte Bcßamim Rosch von R. Saul, ׳ dem Sohne R. Hirsch Levins. Wir haben dieses Werk an einem andern Orte gewürdigt (B. Chan. V. 393). Wiederholtes Studium desselben führte uns zu der Einsicht, daß dieses merkwürdige Buch ein wahres Vademecum der Reform ist. Wir werden dies seiner Zeit durch eine ausführliche Analyse desselben näher begründen. Hier genüge die Schlußbemerkung, daß die durch Bildung und Intelligenz so sehr hervorragende Gemeinde in Berlin nur ihrer eigenen Vergangenheit treu bleibt, indem ste Geiger zu ihrem Rabbiner wählt, ohne sich durch inquisitorische Splitterrichterei irre machen zu lassen. Leber die wahre Meutung des ÄaMes in der Mel. Sendschreiben an Se. Hochlviirden Herrn Leopold Löw, Oberrabbiner in Szegediu. Von Dr. Sigmund Finülp, praktischem Arzte 5c. in Pest. Wenn ich von Ihnen, hochgeehrter Herr, die Veröffernlichung des nachstehenden medizinisch - philologischen AufsatzeS im ״Ben Chananja" mir erbitte, so geschieht dies aus doppeltem Grunde. Erstens, weil bei dem Umstande, daß zum Verstandnisse desselben die Vereinigung medizinischen Wissens mit gründlicher Kenntniß des biblischen Urtextes nothwendig ist, — ich eher hoffen darf, durch eine kurze aber angemessene Auseinandersetzung der syphilibologischen Grundlehren Ihrem geschätzten Leserkreise die nöthige Vorbereitung geben zu können, als im ärztlichen Publikum jene Kenntniß der hebräischen Sprache vorzufinden, ohne welche ein Urtheil über den Werth dieses, wie ich glaube, höchst wichtigen archäologischen Fundes nicht möglich ist. Zweitens, weil ich glaube, daß eine durch ihre Neuheit so frappante Behauptung, wie die meinige, die gegen einen mehrtausendjährigen Jrrthum ankämpft, unter der Aegide einer anerkannten Autorität in die Welt gesetzt werden müsse, wenn sie für etwas mehr, als das Hirngespinnst eines fantastischen Kopfes gehalten werden soll. Diese Aegide nun, hochgeehrter Herr Oberrabbi, suche ich bei Ihnen au. Sie waren so freundlich, mich zur Ausarbeitung dieses Aufsatzes aufzumuntern; nun denn, so übernehmen Sie bei dessen Erscheinen die Pathenstelle und führen Sie Ihren Päthling in die Welt ein. Und nun zur Sache ab initio. Wenn der Fachmann das dritte Buch Mosis zur Hand nimmt, so findet er im 13. Kap. eine Hautkrankheit in einer Weise beschrieben, die ihn mit Staunen über die ungewöhnlichen medizinischen Kenntnisse dieses großen Gesetzgebers erfüllen mnß. Anordnung des Ganzen, Gruppirung der einzelnen Symptome, deren Detailliruug und Bedeutung (Semiotik), sind mit einer Sicherh.-it gegeben, die auf den ersten Blick den sich klar bewußten Diagnostiker erkennen läßt Aus den haarscharfen Distinktionen der verschiedenen Formen des' Geschwüres: שאת, ספחת, בהרת, und deren Uebergänge in einander, von welchen er die Contagiosilät oder Nichtcontagiosität — טהור ,טמא — der Krankheit abhängig macht, ist ersichtlich, daß man es hier nicht mit dem rohen Empiriker, sondern mit dem theoretisch feingebildeten Beobachter zu thun hat. Diese so klassisch beschriebene contagiöse Hautkrankheit soll der Aussatz (Lepra) gewesen sein. Wirft nun eben dieser Fachmann einen Blick in seine praktische Laufbahn zurück, so sucht er vergebens nach einem Krankheitsbilde, welches der von MoseS entworfenen Zeichnung entspräche. Alle uns bekannten chronischen Häutaffektiönen von krätziger, herpetischer, skrophulöser u. s. w. Blutkrase — alle jene Haut- und Zellgewebsentartungen in Form von Pemphygus, Ectyma, Jchtyose, Elephantiase u. s. w. — sie entbehren insgesammt jene von 7 zu 7 Tagen mit Erhabenheit der Ränder wechselnden Verflachungen und Vertiefungen עמק מעור בשרו, und sie zeigen jene Euterbeulen und jenes sonderbare Farbenspiel, vorzüglich aber jenes weiße Haar im Grunde der einzelnen Geschwüre nicht, ):6 ושער בנגע הפך welche nach Moses das charakteristische Merkmal der Eontagiosität gewesen sein soll. Dazu kommt, daß, die einzige Krätze ausgenommen, alle soeben aufgezählten Krankheiten nicht ansteckttngsfähig sind, eine Eigenschaft, die dem mosaischen Hautausschlage zukommt. Unbesriedigt von diesem AuSfluge zurückkehreud, wendet sich nun der wißbegierige Fachmann an die Literatur, um in ihr über daS räthselhafte Wesen und die Geschichte des sogenannten Aussatzes Aufschluß zu suchen. Da findet er nun, wie arg die Lepra im Mittelalter, besonders zur Zeit größerer Völkerkriege und der Kreuzzüge gehaust ha'be. In Frankreich allein, heißt es, sollen zu Ende des 15. Jahr- Hunderts — obwol es nicht die Hälfte des heutigen Umsauges hatte — 21,000 Leprahäufer bestanden habe», welche

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