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Ben Chananja · 1866-10-15 · 39 (15.10.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
39 (15.10.1866)
Date
1866-10-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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723 724 in der Regel außerhalb der Stadt gelegen waren, und in denen man die mosaischen Gesetze anwendete (Sprengel). Mit dem Auftreten, der Lustseuche sott sie jedoch immer selteuer geworden sein, so daß 1526 sämmtliche Leprahänser in Italien, Frankreich, Spanien und Schottland aufgehoben werden konnten (Paracelsus). UebrigenS soll die Lepra des Mittelalters nicht contagiös gewesen sein. Wieder Andere sagen: noch jetzt kommt der Aussatz, jedoch äußerst selten und nur sporadisch, in Europa vor (Richter). Nene Zweifel! Neues Dunkel! So viel steht fest , daß heute jeder Kliniker in Verlegenheit geriethe, der seinen Hörern die Lepra demonstriren sollte. Und doch ist es schwer anzunehmen, baß jene biblische Hautkrankheit, die Moses, so klassisch beschrieben, zu eristiren aufgehört habe. Sollte ihm' der Ordner der Ewigkeit — und dürfte dies ein Argument gegen meine orthodoxen Gegner sein — ein so umfangreiches Reinigungsgesetz für eine Krankheit von so kurzer Dauer inspirirt haben? Sonderbar! Die eß- und nicht eßbaren Thiere, wie ste Moses in seinem Speise» gesetze aufzahlt: der Sperber und die Nachteule, der Pelikan nnd der Wiedehopf und wie sie alle heißen, ״sie freuen heute noch des frohen Lebens sich." Noch mehr. MoseS, nachdem er unter den Quadrupeden nur jene für eßbar erklärt, die Doppelhufer und Wiederkäuer sind, macht ausdrücklich vier Ausnahmen namhaft, die, weil nur einseitig qualifizirt, nicht gegessen werben dürfen: bas Kaninchen, den Hasen, das Kameel und bas Schwein. Seitdem sind tausende von Jahren dahingegangen, und Welttheile mit einer neuen Fauna entdeckt worden, und dennoch hat sich bisher kein Thier vorgefunden, welches eine fünfte Ausnahme bilbete. Ist es nun, fragen wir, nicht sonderbar, daß während Moses hier ein für die fernste Zukunft giltiges Speisegesetz gegeben, er zum Vorwürfe seines Reinigungsgesetzes eine ephemere Krankheit genommen habe? Und, fragen wir weiter, woher kommt es, daß der streng logische Moses, der stets homogene Gesetze einander anreiht, zwischen Kap. 12, wo er vom Wochenbette nnd dem Kap. 15., wo er vom Tripper und der Polluiiou beim Manne, und der Menstruation und dem chronischen Fluße beim Weibe spricht, also zwischen Gesetze von offenbar geschlechtlicher Beziehung, die beiden Kapitel 13 und 14 vom Aussatze, also einer primären Erkrankung des Hautsystems einschiebt, die angeblich mit den Geschlechtsorganen in gar keiner Beziehung steht? Weiter fragen wir, woher kommt es, daß Moses im erwähnten Kapitel 13 in den ersten 10 Versen im Singular von einem einzigen, also gewissermaßen lokalen Geschwüre spricht und erst Vers 11 und 12 8c!(!. von einem Ausschlage ״der die ganze Haut vom Haupte bis an die Füße, alles, was dem Priester vor Augen sein mag" — zu reden beginnt, da doch die Lepra, wie sie uns geschichtlich geschildert wird, nie als lokale, sondern stets als allgemeine Krankheit aufgefaßt wurde? Vollends unverständlich sind aber die Geschwüre an den Kleidern nnd den Wänden der Häuser, wenn wir nicht etwa zur pielistischeu Erklärungsweise des Maimonides, Mendelssohns u. A. unsere Zuflucht nehmen wollen, die dieselben ans übernatürlichem Wege entstehen lassen ״aus göttlicher dnäde für die Kinder Israels: ״um dieselben dadurch von dem Verführer zu retten." Ich hoffe im Verlaufe dieser Abhandlung alle diese Fragen und Schwierigkeiten, sowie mehrere Härten in der Eregese, auf welche ich später zu reden kommen werde, durch den Nachweis zu beantworten, daß die von Moses geschilderre Krankheit nicht der Aussatz, sondern eine noch heutzutage das Menschengeschlecht arg beimsnchende und wölbekannte geschlechtliche Krankheit, mit einem Worte, die Lustseuche, gewesen sei; — ja, noch mehr, daß der Aussatz als solcher, d. i. als selbstständige Krankheitsform, gar nie eristirt habe, sondern blos als eine sekundäre Folge dieser Geschlechtskrankheit, als Syphilid, deren Zusammenhang mit dem primären lokalen Leiden die Alten nicht gekannt haben, zu betrachten sei; — der Aussatz ist dunkel, wie das Zeitalter, in welchem er geherrscht; er wird noch heute von Vielen beschrieben, die ihn nie zü Gesicht bekommen, wie der Drache des Mittelalters; er war eine Tochter der Sünde, und blieben Verschnittene von ihm verschont (Richter), weil sie nicht zu sündigen vermochten; er verschwand mit dem Erscheinen deö Syphilis, wie Phantome der Nacht beim Eintritt der Morgendämmerung, die die Dinge in ihrem wahren Lichte zeigt. Ich habe im Jahre 1835 in der Nähe von Schütt- Szerdahely einen bettelnden Zigeuner von etwa 20 —22 Jahren gesehen, dessen schwarzbraune Haut von Geschwüren, Borken und Knollen wie besäet war, und der dem, mir dazumal aus der Schule noch gut eingeprägten, Bilde vom Aussätze vollkommen entsprach. Aus dem Wenigen, was die kurze Anamnese bot, entnahm ich, daß ich eine Syphilis congenita, entartet durch Schmutz, Elend rc. n. vor mir habe. Ich werbe ferner Nachweisen, auf welch hoher Stufe die Syphilidologie zu Mosis Zeiten gestanden, und wie sie später Jahrtausende hindurch in Verfall gerathen sei; bis endlich beim Ausbruche der großen Syphilisepidemie zu Ende des 15. Jahrhunderts die Krankheit selbst, und deren Zusammenhang mit verschiedenen chronischen Hautnnd Knochenleiden besser erkannt wurden. In der Diagnostik jedoch wurde Moses erst durch John Hunter 1775 erreicht, dessen Beschreibung des echten syphilitischen Genitalgeschwüres mit dem נגע צרעת desMsteren übereittstimmt. Ich werde endlich Nachweisen, wie dieser für die Wissenschaft nnd das menschliche Geschlecht gleich bedauerliche Rückschritt einzig und allein dnrch die falsche Interpretation des kleinen Wörtchens 2 ,13) בשר) entstanden sei, welche eine ganze Reihe von irrthümlichen Voraussetzungen und Begriffen nach sich gezogen. Was nun diese irrthümliche Deutung des Wörtchens בשר betrifft, so glaube ich nicht zu irren, wenn ich annehme, daß ein großer Theil Ihres geehrten Leserkreises dnrch bas Hinlenken ihrer Aufmerksamkeit auf diesen Irrthum ihn auch bereits errathen habe. In der That genügt eine mittelmäßige Kenntniß der Bibelsprache dazu, um zu wissen, daß בשר außer der Grundbedeutung Fleisch, Muscnlatur, auch eine euphemistische Bedeutung für: Penis, me mb rum virile habe. Man braucht nur in demselben Buche nachzulesen (Kap. 15, 2), wo von dem krankhaften Genitalflusse ב; die Rede ist ,זב מבשרו ferner V. 3., wo von dem Genitalfluß in einen fließenden und einen unterdrückten רר בשרו את זו בו או החתים בשרו מזובו blennorrboea fluens et suppressa — eingetheilt wird (eine Eintheilung, die noch heute unangetastet steht). Weiter V. 7והנגע בבשר הזב (vide Mendelssohn:הנגע במקים שהטומאה יוצ^ת מגופו wer den Theil berührt, wo die Unreinigkeit herausfließt). Ja selbst V. 19. bei der Menstruation heißt es זבה בבשרה sie hat einen Ausfluß an ihrem Fleische — endlich Mos. 1. K. 17. bei der Circumzisio» בשר ערלתבם kann unmöglich heißen das Fleisch eurer Vorhaut, weil dasPaeputium keine Muskelbündel hat, sondern muß mit Tranöposition der Casus übersetzt werden ערלת בשרכם die Vorhaut eures Penis. Nun haben aber sonderbarer Weise von der Septuaginta angefangen bis auf Mendelssohn alle Eregeten dieses Wörtchen בשר (Kap. 13, 2) in der Grundbedeutung MuSkulatnr folglich עור בשרו für die allgemeine Hautdecke Cu-

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