Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 37 (17.9.1866)
- Date
- 1866-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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665 666 Logen wurden in der eben erwähnten Stadt etablirt und die Existenz des Ordens war kaum außerhalb dieser drei Logen gekannt, als einige Glaubensgenossen in Cincinnati im Jahre 1849 daselbst die Beth El-Loge als vierte Loge gründeten. In den 17 Jahren, die seitdem verflossen, ist die Zahl der Logen und der dazu gehörenden Mitglieder von vier Logen mit im Ganzen kaum 100 Mitgliedern auf achtzig Logen mit über 7000 Mitgliedern herangewachsen. Die Logen sind fast in den ganzen Vereinigten Staten verbreitet und arbeiten unter Jnrisdiktion einer Grandloge, die in New-Avrk ihren Sitz hak und vier Distriks-Logen in den Städten New-Uork, Cincinnatl, Philadelphia und San FrauciSco. Der Fond der General-Loge in allen Logen der vier Distrikte beträgt 250,000 Dollars, außer einiger Spezialsonds für lokale Wohlthätigkeitszwecke, im Betrage von wenigstenS 25,000 Dollars. Im letzten Jahre beliefen sich die zu wohlthätigen Werken gemachten Ausgaben in dem ersten Distrikte auf 10,000 Dollars, in dem zweiten 3500 Doll., in dem dritten 2000 und in dem erst kürzlich gegründeten vierten Distrikt 800 Dollars." Diesem historischen und statistischen Ueberblick aus der Rede des Grand Nassi Ab füge ich noch die erfreuliche Mittheilung hinzu, daß der Orden in der letzten Zeit angefangen hat, seine wohlthätige Wirksamkeit auch aus andere Welttheile auszudehnen, und wurden in diesem Jahre zur Unterstützung unserer unglücklichen Glaubensbrüder in Palästina von den Logen gegen 5000 Dollars dem Sir Moses Montefiore zugestellt. Neben diesem Orden Bne Brith besteht noch ein anderer mit einer ähnlichen Tendenz, nämlich der Orden ״der freien Söhne Israels", welcher gleichfalls in hiesiger Stadt seinen Sitz hat und viele Tausend Mitglieder in den Vereinigten Staten zählt. Außer dem Wohlthätigkeitszwecke, den beide Orden verfolgen, haben sie den Segen, daß sie ein Band bilden, welches tausende unserer durch Nationalität und religiöse Anschauung getrennter Glaubensbrüder vereinigt, indem deutsche, polnische, englische und portugiesische Juden, wie auch Reformer und Orthodore in brüderlicher Harmonie miteinander für ein gemeinsames Ziel wirken. Für heute schließe ich meinen Bericht, in welchem ich mich absichtlich aller weiteren Reflexionen enthalten habe. Solche wird der Leser selbst machen können nnd aus dem Mitgetheilten wol den Eindruck empfangen, daß hier zahlreiche lebensfähige Keime vorhanden sind, von denen sich das Judenthum herrliche Blüthen und segensreiche Früchte für die Zukunft versprechen darf. Nekrolog« e. 8. Austerlitz, 6. September. Die hiesige Jsraelitengemeinde hat durch das Umsichgreifen der hier herrschenden Epidemie viele Verluste erlitten, leider aber müssen mir mit dem Profeten Jesaias auSrufen: ואחרון הכביר der letzte Verlust war der schwerste! — In der Nacht vom 3. auf den 4. September d. I. verschied nach kurzen Leiden unser ehrw. Rabb., Herr Herrn. Duscliali, in seinem 61. LebenSjahre.Der unerbittliche Tod raffte einen Mann ans unserer Mitte, der beinahe zwei Jahrzehnte segensreich wirkte und schaffte, der mit unermüdlichem Eifer, mit rastloser Thätigkeit GnteS und Ersprießliches förderte, der durch nngeheuchelte Gottesfurcht, Bescheidenheit und durch seinen liebevollen Umgang sich das Zutrauen, die Achtung und Zufriedenheit Aller, die ihn kannten, erworben hatte.חצבי ישראל Der Verblichene (Hermann צבי Duschak) war während seines ganzen segensreichen Daseins ein strenggläubiger, wahrhaft religiöser Jsraelite, eine hervorragende Kapazität auf dem Gebiete des Talmuds und der jüdischen Theologie, aus der Schule des sel. Rabbi Moses Sofer hervorgegangen; nichtsdestoweniger pflegte er auch moderne Wissenschaft ten und war vor zwei Jahrzehenden schon einer der Ersten in Mähren, die Gottes Wort in rein deutscher Sprache verkündeten, על במוחין״ er stand auf einer sehr hohen Stufe allseitiger Bildung. Sollte ich über die trefflichen Eigenschäften des Verblichenen erschöpfend sprechen, .wahrlich — diese Zeilen würden kaum ein Ende nehmen. Das Leichenbegängniß fand am 5. d. M. um 1 Uhr Nachmittags statt. Die löbliche Gemeinderepräsentanz sandte nach allen Nachbargemeinden Sendboten, um die Trauerbotschaft verkünden zu lassen und die ehrw. Herrn Rabbiner zu bitten, dem Verblichenen einen warmen Nachruf zu widmen. Leider aber war das Bemühen unserer Gemeinderepräsentanz vergebens. Der trauernde Bruder des Verblichenen, der ehrw. Rabb. von Gaya hielt eine Trauerrede, welche sich auf den Vers (Hoi Ochi) stützte und die ganze bei der Feierlichkeit anwesende Gemeinde zu Thränen rührte. Auch hielten der Lehrer der Gemeinde, Herr Diamant, im Namen der Schule, (der Verblichene war Schuldirektor), und Herr L. Kätscher im Namen des Vorstandes kurze gediegene Ansprachen. Die ganze Gemeinde fühlt die herbe Wunde, die Allen und Jedem durch den Verlust dieses theuren Seelenhirteu geschlagen wurde. Ich schließe mit den Worten זצ״ל. Sein Gedächtniß wird ein gesegnetes sein. Friede seiner Asche! Nachbemerkung -er Nedaktion. Vorstehender Nekrolog wurde von dem Herrn Einsender mit folgenden Zeilen begleitet. ,,Der letzte Wunsch unseres ehrw. Rabbiners war, ihm in Ihrem geschätzten Blatte einen Nachruf zn widmen,. Ich will daher Ew. Ehrwnrden recht höflich ersuchen, diese wenigen Worte in dem verbreiteten ״Ben Ehananja" einznsch alten und die Nummer, in welcher die Nekrologie veröffentlicht wird, an die alte Adresse nach Austerlitz gefälligst einsenden zn wollen, die trostlose Witwe würde vielleicht dadurch eine Linderung ihres Schmerzes finden. Mit aller Hochachtung zeichne ich Ew. Ehrw. Ergebenster M. Silberberg." Der edle Verblichene hat sich also noch auf seinem letzten Schmerzenslager des. ״Ben Chananja" erinnert, zu dessen treuesten Freunden er gehörte. Wenn er es auch nicht ausdrücklich gewünscht hätte, würde ihm ״Ben Chananja" den letzten Tribut aufrichtiger Verehrung gezollt haben. Er war in jeder Rücksicht einer der würdigsten Rabbinen der Gegenwart. Es war eine Folge seiner ungemein milden Gemüthlichkeit, daß Elemente, die sonst als Gegensätze her-