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Ben Chananja · 1866-09-17 · 37 (17.9.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
37 (17.9.1866)
Date
1866-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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663 664 meistens eingewanderte Baiern. Dr. Lilienthal, gegenwärtig in Cincinnati, bekleidete eine Reihe von Jahren die Rabbinernnd Predigerstelle bei dieser Gemeinde, später Dr. I. Bondt aus Dresden (jetzt Redakteur des ״Hebrew Leader", ein halb englisches, halb deutsches Wochenblatt, welches die gemäßigte Reform vertritt). Gegenwärtig ist Dr. Mielziner aus Kopenhagen Rabbiner dieser Gemeinde. Der Gottesdienst ist gemäßigt reformirt, nach dem Vorbild des Wiener Tempels. Im Chore wirken auch Damen mit. Seit vorigem Herbst besteht eine Religionsschule, welche von etwa 200 Schülern besucht wird. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren viel von ihrem früheren Ansehen durch den in ihrer Mitte herrschenden Zwiespalt eingebüßt, indem zwei extreme Parteien einander gegenüberstehen. Ein vom Gemeindevorstand in Verbindung mit dem Rabbiner im vorigen Winter gemachter Versuch, einige weiter gehende Reformen einzuführen, gab zu einem Prozesse Veranlassung, welcher viel Aufsehen machte, indem die alte Partei auf Grund der Gemeiudekoustitution, welche den Minhag AschkenaS als Norm des Gottesdienstes vorschreibt, die beabstchtigten Reformen durch einen richterlichen Spruch zu inhibiren suchte. Da die richterliche Entscheidung trotz der gutachtlichen Erklärung mehrerer hiesiger und auswärtiger Rabbiner, daß die erwähnte Bestimmung der Gemeindekonstitntion durch die beabsichtigten Reformen nicht verletzt werde, zu Gunsten der klagenden Minorität ausgefallen, so wird dies wahrscheinlich zur Trennung der Gemeinde führen. Nach den obwaltenden Umständen wäre eine solche Trennung eine Wohlthat für beide Parteien, da sich eine jede ganz leicht durch andere Gesinnungsgenossen ergänzen kann, nnd fernere Reibungen vermieden werden. Was numerisch kleinere Gemeinden durch Einigkeit und zeitgemäße Hebung ihres Gottesdienstes vermögen, davon geben außer der oben erwähnten Tempelgemeinde Adath Jeschurun noch zwei andere Gemeinden einen erfreulichen Beweis, nämlich die deutsche Gemeinde Schaare Haschamajim und die böhmische Ahavath Chesed. Beide waren bis vor zwei Jahren unbedeutende orthodoxe Gemeinden) nachdem sie aber die Nolhwendigkeit einer Reform des Gottesdienstes erkannt und in ihre Synagogen Orgel, Familiensitze und andere Verbesserungen eingeführt, ist der Zustrom zu ihren Synagogen groß, und haben sie sich zu ganz respektablen Gemeinden erhoben. Erftere hat seit zwei Monaten einen Rabbiner und Prediger in der Person des Dr. A. Seeligsohn. Die böhmische hat, wie Ihnen schon bekannt, den Dr. Hübsch berufen, der nächstens hier erwartet wird. Als orthodoxe, aber in Rücksicht auf Mitgliederzahl und Haltung respektable Gemeinden nenne ich noch die deutschen Gemeinden Rodef Schalom (Clintonstreet - Synagoge) und Derech Emuna (Greenstreet - Synagoge). Von den übrigen deutschen, wie auch von den polnischen und franz. (Elsässer) Gemeinden ist wenig zu sagen. Ihre gottesdienstlichen Einrichtnngen tragen meistens den Charakter der Kehilos und Jischuvim, aus denen ihre Mitglieder eingewandert sind, an sich. Von ihrer Existenz und ihrer Wirksamkeit erfährt man höchstens durch die in ihrer Mitte häufig vorkommenden mit großer Ostentatkon begangenen Feierlichkeiten der Einweihung eines neuen Sepher Thora. NeligionSschulen bestehen meines Wissens nur in der Tempelgemeinde Immanuel nnd in der Gemeinde Anshi Chesed, in der neuern Zeit auch in der holländischen und in einer der französischen Gemeinden. Für arme Kinder ist vor zwei Jahren von einer zu diesem Zwecke gebilbeten Gesellschaft eine jüdische Freischule gegründet worden, welche von 300 Kindern besucht wird. Diese Gesellschaft beabsichtigt nun mehrere solche Freischulen in den verschiedenen Stadtvierteln, aber nur zum Hebräischen und Religionsunterricht zu eröffnen, da für den allgemeinen Unterricht kein Bedürfniß für jüdische Freischulen ist, indem hier zu Lande die öffentlichen Schulen für Alle gratis offen stehen. Fast jede Gemeinde hat in ihrer Mitte einen Männer- und einen Frauenverein zu wohlthätigen Zwecken. Unabhängig von den einzelnen Gemeinden bestehen viele Hilssvereine und Wohlthatigkeitsgesellschaften. Unter diesen ist die HebrewS Benevolent Society die bedeutendste. Sie wurde im Jahre 1829 unter dem Namen משיבת 21ש gegründet, zählt gegenwärtig über 1500 Mitglieder, von denen jeder jährlich 9 Dollars beiträgt und hat die Verpflegung der Kranken, die Unterstützung der Armen und die Erziehung der Waisen zur Aufgabe. Zu letzterem Zwecke ist vor 6 Jahren ein Waisenhaus gegründet worden, in welchem gegen 100 Waisen beiderlei Geschlechts erzogen werden. Zur Erhaltung dieses Waisenhauses werden außer den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder jährlich Ertrasammlungen in fast allen hiesigen Synagogen veranstaltet. Im verflossenen Jahre wurden allein für das Waisenhaus 15,000 Dollars verausgabt, während die Gesammtausgaben der Benevolent Society 39,000 und ihre Einnahmen 43,000 Dollars betrugen. Es besteht hier auch ein jüdisches Hospital, in welches aber auch Nichtjuden freie Aufnahme finden. Der frü- Here Name desselben ״Jewish-Hospital" ist vor Kurzem in ״Mount Sinai Hospital" abgeändert worden. Für wohlthätige Zwecke wirken außerdem die verschiedenen Logen des über ganz Nordamerika verbreiteten jüdischen Ordens ״Bne Brith." Wie ich mich erinnere, brachte der ״Ben Chananja" vor einigen Jahren die Statuten dieses Ordens zur allgemeinen Kenntniß. Einen besseren Einblick in die Wirksamkeit dieses Ordens, welcher in neuerer Zeit außer der Wohlthätigkeit auch die geistige Hebung und Konsolidirung des amerikanischen Judenthums zu seiner Tendenz gemacht, dürfte nachstehender geschichtlicher und statistischer Ueberblick geben, den ich einer englischen Rede entnehme, die jüngst bei der Einweihungsfeier einer Logenhalle in Cincinnati von Herrn Salomon Levi, dem zeitigen Grand Nassi Ab (Großlogenmeister) der dortigen Distriktsloge gehalten wurde. ״Im Jahre 1844 faßten einige Israeliten den Entschluß, unter den Bekennern unseres Glaubens eine Loge zur Förderung humaner Zwecke, namentlich zur Hilfsleistung in Noth- und Krankheitsfällen und zur Unterstützung von Witwen und Waisen zu gründen. Die erste Loge wurde in New-Nork eröffnet. In den ersten fünf Jahren ging die Ent- Wicklung des Ordens nur sehr langsam von Statten; drei

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