Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 23 (6.6.1866)
- Date
- 1866-06-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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423,! ין Gemeindevorstand dieses heroischen Mittels, um renitente Gemeindeglieder zur Unterwerfung zu nöthigen, -Der Gemeindevorstand hatte das Privilegium, mit der Kultus- Suspension selbst an einem Sabbathe den Anfang zu machen4). Nur in dem Monate Ntßan und am Neujahrs- und Versöhnungstage wurde diese Maßregel nicht angewendet 6). Der Ruhm, dem Unfuge der Unterbrechung des öffentlichen Kultus zuerst entschieden gesteuert zu haben, gebührt dem Prager Rabbiner Abraham b. Ahtgedor«), gestorben 7. Oktober 1543. Wie konnte aber dieser Unfug überhaupt Eingang in die Synagoge finden? — Je größer die Bedeutsamkeit ist, welche dem öffentlichen Gottesdienste beigelegt wird י), desto unbegreiflicher ist es, wie man sich entschließen konnte, denselben so leichthin unterbrechen zu lassen. Da sich, so viel mir bekannt ist, bei den jüdischen Gemeinden islamitischer Länder keine Spur davon findet, dürfte die Vermuthung nicht ganz unberechtigt sein, daß das Anathema der Päbste, welches die Unterbrechung des katholischen Kultus zur Folge hatte, der Suspension des synagogalen Kultus zum Vorbilde gedient haben mag. WaS dort auf ganze Länder und lange Zeit ausgedehnt wurde, beschränkte sich hier auf einzelne Gemeinden und einzelne Gottesdienste. Wir sprechen dies als Vermuthung aus, und sind gerne bereit, uns eines Andern und Bessern belehren zu lassen. Die neueren und neuesten jüdischen Geschichtswerke berühren den Gegenstand gar nicht, wie sie denn überhaupt der Geschichte des Kultuö viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Brück und Löwysohn Haben manche zum Kultus gehörige Spezialität beleuchtet; es ist aber zu bedauern, daß sie ihre ׳Forschungen gerade auf Bekanntes und Näherliegendes begrenzten. Und doch ist die Erforschung aller auf den Kultus bezüglichen Einzelnheiten nicht nur historisch, sondern auch praktisch wichtig, da sich der konservative Dilettantismus unaufhörlich auf die jüngste Vergangenheit beruft, und nicht bedenkt, daß diese jüngste Vergangenheit in so vielen Stücken nur Reformen einer altern Vergangenheit bietet. Ueber ein höchst lehrreiches Beispiel nachtalmndischer Reform berichtet der tief forschende R. Serachja b. Jsak Gerondi in der zweiten Hälfte deS zwölften Jahrhunderts. Eine nachtalmudische — von Nachmanides jedoch bestrittene — Reform deS Schofarblasenö am Neujahrstage besprechend, Zosua Boas Baruch im Schilte Gibborim Sanh. 1t4-L67. wo der Brauch kurz und bündig erklärt ist. Sonst ist häufig davon die Rebe: Kölbo Nr.;.16. in der Sammlung der Synodalbeschlüsse der Alten , ziiirt von R. Joma Falk Kohen im Melr. Enaj. 11, 17. Ha-Manblg S. 11. Nr. 26.. angeführt von Bell) Jos. Or. Chajj. 57, Ende; Darke Mosche zum Or. Chajj. 54. 1 und הגה im Schulch. Ar. das. Or. Sarua 11.21. a מעשה הי/בקולוניא באחר שקבל בשבח הראוי לקרות ס־ אמור ועכב חסלה וקריאת ההורה כל היום Vrgl. auch Buch der Frommen Nr. 778. Mardechai B. Kama Nr. 146.: וכן נהגו הקדמוני' שאץ קובלי׳ בבית הכנסת לא בניסן ולא בימים הנוראים, angeführt von N. MoseS Jsserls im Cbosch. Misp. 5, 2. °)/Darke »Mosche zum Or. Chajj. 54 : ושמעתי שכן- תקן ,; מהר״א מסראג שלא להססיק שם כלל. י) Beroch. 8, a. vrgt. bas. 6, a. Mechilta Jithro Abschn. 11. sä. Weiß 81. Ab. Zara 4, d. Die in letzterer Stelle gegebene »Borschrill gehört zu denjenigen talmub. Vorschriften, welche »MaimonideS prinzipiell verwirft./ , . sagt er: ״Wundre dich nicht, wenn wir behaupten, daß sich die Gebräuche der späteren Generationen verändert haben und denen der früheren Generationen nicht gleichen. Ich erinnere mich selbst, in meiner Jugend gesehen zu haben, daß die Gemeinde beim Mußafgebete deS Neujahrstages nscht mehr als sieben Eulogi.-en sagte und nur der Vörbeter neun Eulogieen vortrug. Man berief sich dabet auf den Brauch an den Schulen der Geonim, welcher in deren Werken ausgezeichnet ist. Dasselbe findest du in den Halachas, R. Isaak Jbu Gajat's. Jetzt betet die Gemeinde alle neun Eulogien^)." . Da R. Isaak b. Jehuda Jbn Gajat im II.Jahrhundert in Luzena in Spanien lebte und lehrte, so waren es wol spanische Gemeinden, die sich auf seine Autorität stützten. R. Serachja hat mithin seine Jugendjahre jedenfalls in Spanien verlebt, und so dürfte denn Reifmann Recht haben,, welcher denselben aus Spanien stammen läßt 0). Wir bemerken dies nur beiläufig, da es uns hier lediglich darum zu thun ist, zu konstatiren, daß Gemeinden deS zwölften Jahr- Hunderts an so wichtigen Gebeten so bedeutende Modifikationen vornehmen konnten. Daß R. Serachja in demselben Erkurse, in welchem er von so bedeutenden Reformen erzählt, auch von der Unverbrüchlichkeit des Herkommens spricht, ist freilich inkonsequent genug! Es könnte aufsallen, daß ähnliche Reformen ins Leben treten konnten, ohne Diskussionen und Streitigkeiten in den Gemeinden und unter den Rabbinen provozirt zu haben. Bei näherer Betrachtung kann man sich darüber nicht wundern. Da Niemand an eine prinzipielle reformatorische Tendenz dachte, und weder Parteinteressen, noch überhaupt Parteien vorhanden waren, so brach sich daS Neue allmälig Bahn , indem eS für das Bessere gehalten wurde. Auf gleiche Weise wurde in' den dreißiger und vierziger Jahren selbst in orthodoxen ungarischen Synagogen der Almemor unmittelbar an der h. Lade errichtet. Erst nachdem die Orthodoxie zu einem kräftigen Selbstbewußtsein erwachte, und in dem dezentralisirten Almemor den Vorläufer deS Chors und in diesem den Herold der Predigt und des Predigers erblickte, bekam die Almemorfrage ihre prinzipielle Bedeutung. Herr Dr. Hildesheimer übereilte sich mithin gar sehr, indem er in seiner vorliegenden Abhandlung die ganze Almemorfrage für eine Kleinigkeit erklärte. Er sollte doch wissen, daß sein Vorgänger, R. MoseS Peris, einer der gelehrtesten und scharfsinnigsten Talmudisten seiner Zeit, mit R. Moses Sofer über diese Kleinigkeit ganz ernstlich korrespondirte, und daß durch diese Korrespondenz die Zentripetalkraft deS Almemors, für die ung. Synägogen mindestens, bedeutend gestärkt wurde. R. MoseS Sofer beging zwar einen doppelten Jrrthum, indem er in seinem Gutachten den iunern und äußern Altar miteinander konfundirte, und jenen genau in der Mitte des jerusalemischen Tempels stehen ließ. Auch entging es ihm, daß das jüdische" Alterthunr weit entfernt war, bei der Einrichtung der Sy-^ B. l>a-Maor zu Nosch bu-Schana 88-219. Vrql. Schaare Simcha ed. Bämbcrgcr S. 28. ha-»Manhig S. 63. Nr. 12. 9) Biogr. S. 44. Anm. 4. Luzzaiiv äußert Aedcnken d.,gegen: Meg. Jeiach. S. 105.-