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Ben Chananja · 1864-10-05 · 40 (5.10.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
40 (5.10.1864)
Date
1864-10-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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805 806 Schöpfung uns nicht erklären könnten. Ohne diese zwingende Notwendigkeit hätte die Filosofie gar keinen Gott voraus- .gesetzt. Ich setze mithin nur das spekulativ voraus, wozu mich spekulative Nothwendigkeit zwingt, nämlich Einen Weltschöpfer — was jedoch nöthigt mich, mehr als den Einen anzunehmen? Bachja sucht, wie das seine Gewohnheit ist, diesen Glauben durch ein Gleichniß klarer zu machen. Sobald wir einen Brief erblicken, ist es bei uns Gewißheit, daß Jemand diesen Brief geschrieben haben müsse, da ohne Schreiber keine Schrift möglich ist. Nichts jedoch wird unß auf die Idee bringen, daß es Mehrere sind, die diesen Brief geschrieben — obschon dieses immerhin möglich ist — es wäre denn, daß di.׳ Schrift Merkmale an sich trüge, die uns zu einer solchen Idee veranlaßten. — Dieser Beweis, den auch Saadia anführt, ist, wie der Leser leicht erkennt, dem von uns oben angeführten vierten Beweise der Mntakallimun nachgebildet.- Nur ist hier jene unrichtige Schlußfolgerung, da wir dort als sopbisma ampbiboliae erkannt, vermieden. b. Nehmen wir mehr als Einen Gott an, dann sind zwei Fälle denkbar. Entweder Ein Gott hätte die Welt erschaffen können, dann aber wären die übrigen Götter überflüssig; oder Ein Gott hatte nicht genügt, dann müßten wir uns aber Gott als ein machtbeschränktes Wesen denken. Allein alles Beschränkte ist endlich und setzt ein Unendliches voraus, durch das es ins Sein getreten. — Auch diesen Beweis hat Saadia und der Leser erkennt wol in demselben den fünften Beweis der Mutakallirnun. III. Ontologische Form. a. Auch aus dem Begriffe Gott selbst ergibt sich dessen Einheit, denn wäre mehr als Einer, dann könnten wir folgendem Dilemma nicht entgehen. Entweder diese Gottheiten haben alle einerlei Wesen, dann aber hätten wir nach dem Prinzip der absoluten Gleichheit (I6x indiscernibilium) nur Einen Gott; oder wir nehmen an, jeder Gott besitze fein eigenthümliches, ihn von den andern unterscheidendes Merkmal — dann aber wäre er kein Gott mehr, das ist, ein einfaches, unerschaffenes Wesen. Vergl. den zweiten kelarnistischen Beweis. b. Der Begriff Gott bezeichnet ein Wesen ohne jedes Accidens; denn unter Accidens verstehen wir jede Beschaffenheit eines Dinges, die nicht in dem Wesen desselben liegt, sondern zu der eigentlichen Wesenheit noch etwas Außerwesentliches hinznfügt. Nun aber ist auch die Mehrheit (Quantität) ein Accidens und wir dürfen mithin dieselbe nicht auf die Gottheit beziehen. — Saadia formnlirt diesen Beweis folgender Art: ״Wäre mehr als Ein Gott, dann müßte er der Zahl unterliegen und unter dem Gesetze der Körperlichkeit stehen" ף?אם יוסיף על?אהד יפול עליו המספר ויכנס תהה חקי הגשמים. 6. Ebenso ist endlich auch aus dem Begriffe der Einheit die Gotteseinheit zu erweisen. Jene wird nämlich von Euklides folgendermaßen definirt. ״Einheit ist das, wodurch ein Ding eins ist." Dem Eins muß mithin die Einheit vorausgehen, wie dem Warmen die Wärme. Wenn nun auch Jemand eine Mehrheit von Göttern annehmen wollte, so müßte er doch zugeben, daß denselben eine Einheit vorangehen müsse. (Schluß folgt.) L o r re sp o nd e 11 z. Inland. X. Wien, 20. September. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde schließt ihre Geschichte des Jahres 5624 mit dem Erscheinen eines Pcediglen-Cyclus von Dr. A. Jellinek, ab. ״Aus der Wiener israelitischen KultuSgemeinde 5624 — sieben Zeitpredigten von Dr. Adolf Jellinek. Also ist der Titel dieses Predigten-Cyclus, welcher soeben bei Herz seid und Bauer erschienen ist. Wir wollen in einer eingehenden Besprechung dieser sieben aus der Zeit und für die Zeit gehaltenen Predigten, der löblichen Redaktion dieses Blattes nicht vorgreifen , und beschränken uns blos zunächst dieser trockenen Anzeige auf die Bemerkung, daß wir in der Lage waren, aste diese sieben für unsere Zeit bedeutenden Reden mit anzuhören und kennen den genetischen Ursprung derselben. Es sind dres nämlich die Messias-Wirren und der Parteikampf unter den Juden Oesterreichs in dem eben abgelaufenen Jahre. Alle diese Reden bekunden den Muth und die Ausdauer, mit denen der gefeierte Redner Jellinek gegen Fanatismus und Berfinsternng für die hohen Wahrheiten des echten Judenthums mit ebenso viel Geschick, als rhetorischer Kunstfertigkeit zu kämpfen versteht; wir wünschen diesen Reden die größte Verbreitung, auf daß das Licht der Wahrheit in alle Schichten unserer Glaubensbrüder eindriuge. Die einzelnen dieser sieben Predigten sind also betitelt t 1. ״Die Einheit und Einigkeit Israels." 2. ״lo jischkach, oder Israeli: Vergiß eS nicht. 3. ״Därosch - Dorasch, oder die religiöse Polemik im Judenthume. 4. ״Kol Dodi, oder Israels treuer Freund." 5. ״Halami atah u. s. w., oder Gehörst du zu uns oder zu unfern Widersachern." 6. Derselbe Titel, zweite Rede. 7. Sisre und paraschat Bilam, oder Licht und Schatten. Ofen, 30. September. Der durch feine deutsche Raschi-Ucbersetzung vielverdiente Rabbiner Herr Julius Deffauer aus Neu-Pest hat am 15. d. M. פרשת נציבים im hiesigen Knltustempel eine äußerst gediegene, Trauungsrede abgehalten. Wir hatten schon einige Male das Vergnügen, gelungene Gelegenheitsreden von ihm zu hören, wobei sich stets eine vollkommene und allgemeine Zufriedenheit unter den Anwesenden knndgab, so daß wir nicht umhin können, ihm einen öffentlichen Dank zn zollen. Bei der letzten Trauungsrede verdient besonders hervorgehoben zu werden die treffliche Anwendung der Talmudstelle pS? הברכה מצויה אלא ברבר הסמוי מן העין auf die gegenseitig zu beobachtende Nachsicht der Eheleute. Einige danksageude Freunde. Waitzen, im Oktober. Mittwoch, den 28. v. M., Früh um halb 5 Uhr langte unser mit Sehnsucht erwarteter Oberrabbiner Herr Ullmann mittelst Bahn an, und wurde im!Bahnhöfe vom KultuSvorstand empfangen. Vor dem Bahnhofe erwartete ihn fast die ganze Gemeinde und die Jugend veranstaltete einen recht feierlichen Fackelzug. Hierauf wurde der Herr Oberrabbiner unter Vortragung der Gemeinde- und VereiuSfahne zur Synagoge geleitet, wo derselbe eine sehr passende, aber der סליחות halber freilich nur sehr kurze Predigt hielt. Der Empfang war ein sehr herzlicher, und müssen somit dem Berichterstatter in Nr. 37 des ״B. CH." abermals entschieden entgegcntreten. Für den neuen Tempel, der aber bis jetzt noch nicht,vollendet ist, hat der hiesige Jugend-Verein zwei prachtvolle acht Schuh hohe Kandelaber anfertigeu lassen. Reiser Läßlü. Fünfkirchen. Den 22. September fand in Mohäcs die Ein- Weihung des prächtigen und reichlich geschmückten Gotteshauses der dortigen isralitischen Kultusgemeinde in wahrhaft erhebender Weise statt und wird dieser Tag allen Anwesenden noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben- Tags zuvor wurden hie angekommenen Gäste an den Slationöplätzen der Eisenbahn und des Dampfschiffes von dem löbl. Knltusvorstande herzlich begrüßt und hierauf von dem BequartieruugS- Komitä in die für dieselben bereit gehaltenen Wohuungen geleitet. Die Herren Rabbiner aus Fünfkirchen und SiklüS, sowie die Herren Musterhauptschullehrer wurden auf den Abend von dem Herrn Gemeinde-Präses zu einem Souper geladen, das durch die geistige Unter- Haltung eine angenehme Würze erhielt. Noch kurz vor Beginn des feierlichen Aktes drängten sich die Wagen uiit anlangenden Gästen von nahe und ferne in den volksbelebten Gassen. Der feierliche Akt begann um 9 Uhr Morgens im frü- Hern Gotteshause unter Absingung der Psalmen durch den gutgeschulten Chor aus Baja unter der Leitung des Kantors Herrn Mandl, worauf Herr Bezirksrabbiner Roth die Kanzel bestieg und durch eine gediegene Festrede mit Zugrundelegung des TerteS ״Man gehe ans und kehre

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