Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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wieder בכי טלב" anspielend auf den Auszug aus dem alten und den itt daS neue Gotteshaus die andächtigen Zuhörer entzückte. Nach einem abermaligen herrlichen Choräle begab fich der imposante Zug in das neue Gotteshaus. Weißgekleidete, blumenbekränzte Mädchen trugen auf einem schön gestickten Polster die Schlüssel deS neuen Gotteshauses, die Herr Rabbiner Grünwald übernahm und die heiligen Pforten öffnete. Nachdem die anwesenden Gäste, unter denen fich die städtischen Honoratioren, die Geistlichen sämmtlicher Konfessionen, die Mitglieder des Stuhlrichteramtes, der Kultusvorstand aus Baja, Bonyhad und Fünfkirchen, sowie mehrere Aerzte befanden, ihre Plätze eingenommen hatten und die heiligen Gesetzrollen in die Bundeslade gestellt worden warcu, verrichtete Herr Rabbiner Grünwuld die übliche שהחינו Benediktion, zündete das נר תמיד .an, beleuchtete in einer gediegenen Rede die Feier dieses Tages und'schloß mit einem erhebenden Gebete für das Heil des Landesvaters, für das Wohl der Behörden, der Gemeinde und aller Anwesenden. Nun bestieg der ehrwürdige Rabbiner Ehrlich die Kanzel und versetzte durch seine geistreiche gehaltvoll in ungarischer Sprache gehaltene Predigt die Versammlung in die andächtigste Stimmung. Zn gehobener Stimmung lauschte jedes Ohr den begeisternden Worten des Redners, der die heilige Mission der Gemeinde noch nicht für vollbracht erklärte und den Schwerpunkt auf die Hebung der Schule legte, die er der sorgsamsten Pflege empfahl. So endete um halb 3 Uhr die Feier dieses Tages zum Ruhme dessen, der über den Sternen thront. — Ein zu WohlthätigkeitSzwecken arangirtcr Ball verband das Nützliche mit dem Angenehmen. Schließlich wollen wir noch der edlen Spender erwähnen, die zur Verherrlichung des Gotteshauses beitrugen. ES spendeten nämlich unter andern frommen Männern vorzüglich Herr L. Roth, den ארון הקדש, der Frauenvcrein das סרכת der Wiener Großhändler ׳Herr Steurer den שלהן und die Kanzeldecke, Here Hirsch die Kanzel, Herr Friedmann zwei massive hohe Kandelaber, Herr L. Taußig das מת כסותר und כיו• Gottes reinsten Segen über Alle! Mako, 25. September. Voll Bewunderung sahen die Bewohner der hiesigen Gemeinde dem Tage der Ankunft uuseces geschätzten Herrn Oberrabbiners entgegen. Schon am Abend vor dem ereignißvollen Tage gab sich die lebhafteste und freudigste Stimmung kund, und war alles auf das herrlichste zu einem würdigen Empfange bereit. Am 20. d. um 1 Uhr Nachmittags versammelte sich eine ungeheure Menschenmenge im Tempelhofe, in welchem die festlich gekleidete Schuljugend mit der Schulsahne in Reihe und Glied aufgestellt war, wo der Kultusvorstand, die Vorsteher der verschiedenen Vereine und der Filiale des Herrn Oberrabbiners harrten. Um halb 3 Uhr meldete ein reitender Bote, daß dieser bereits über der Maros in den Mauern der Stadt sei. Ich überlasse es der Fantasie des geschätzten Lesers, diesen Moment auszumalen, in welchem die Augen Tausender nach einem Punkte gerichtet waren, in welchem nach einem geräuschvollen Tumulte plötzlich Todtenstille entstand. Endlich kam der Mann, ״auf den die Augen aller gerichtet find", der der hiesigen Gemeinde ein Bote deö Friedens werden, in ihr den Saamen der Einigkeit ausstreuen, der die verschiedenen Richtungen einigen sollte, in Begleitung der ihm nach Szegedin entgegengefahrcnen Deputation der hiesigen Gemeinde, des wackern Vorstandes aus D. Földvär und was das größte Staunen und zugleich die freudigste Stimmung verursachte — der Vertreter der hiesigen Orthodoren, die ihn in Szegedin erwarteten. Es wurde dieses als ein gutes Vorzeichen angesehen und gab man der Hoffnung Raum, daß nunmehr jeder Parteigeist aus unserer Mitte scheiden und jeder Unfriede gebannt werde. — Wenn nicht immer, so doch oft ist die äußere Erscheinung eines Menschen im Stande, UNS anzuziehen oder abzustoßcn. Der tiefe und demioch milde Ernst, der sich auf dem edlen Antlitze unseres Herrn Oberrabbinerö lagerte, die ehrfurchtgebietende Haltung flößten unMlkürlich Vertrauen ein, und wirkte sein freundlicher geistiger Blick auf die Versammelten wie ein belebender Sonnenstrahl auf fruchtbaren Boden. Drei Kinder hielten an den Herrn Oberrabbiner Ansvrachen, und zwar in hebräischer, deutscher, und ungarischer Sprache. Hierauf trat der Kultusvorstand vor und begrüßte Herrn Oberrabbiner inniglich. Den Gefühlen der ganzen Gemeinde verlieh der wackere Herr Steinhardt in einer meister- und mnsterhaft ausgearbeiteten und herrlich vorgetragenen Ansprache Ausdruck, in welcher er die Gemeinde mit den Worten vorstellte. לה דוד דורשו מבקשי סגיך. den treuen Seclenhirten in herzlichen Worten willkommen hieß, auf die Schwierigkeit der Aufgabe des Rabbiners in hiesiger Gemeinde hinwieö, zugleich aber die trostreiche Hoffnung anssprach, daß er durch die Lösung derselben sich die Dankbarkeit der Gegenwart und der Nachwelt erwerben werde. {?ידבר שלו□ אל עמן לא 5 חסידיוH3 der Redner den Wunsch ausfprach, daß e« unserem Herrn Oberrabbiner gelingen möge, fich die Herzen aller zu gewinnen, daß er Glück und Friede unserer Gemeinde bringe, daß der Höchste sein Wirken segne, und er fich an die Versammelten mit den Worten wendete : ״Ihr meine Brüder, die ihr hier in Begeisterung Euch zusammengeschaart, laßt uns Eins bleiben in unfern Bestrebungen und bewahren diese Begeisterung ל^מרת□ כה ר*חי Sprechet zu unferm Herrrl Oberrabbiner: So gehe es lebenslänglich, Friede mit dir,e. da erfüllte ein tausendfaches Lebehoch die Luft. Tief rrgriffen und sichtlich gerührt dankte Herr Oberrabbiner für die ihm gewordene Auszeichnung dem Vorstände, und den Kindern versprach er Vater, Lehrer und Freund zu sein. Nachdem er denselben seinen Segen gegeben, begab fich alles in den hellerleuchteten und festlich geschmückten Tempel, und verdient die liebevolle Bereitwilligkeit, mit welcher sowol jüdische als christliche Frauen unsere wackere Mädchenlehrerin Frau N. Mandl, die zum Schmucke des Gotteshauses und der Kanzel Kränze wand, mit Blumen unterstützten, lobend hervorgehoben zu werden. Unter den zahlreichen Gästen unserer christlichen Mitbürger nennen wir den Herrn Obergespanstellvertreter v. Csörgeö, Herrn Hofrath v. Szabü, Herrn Oberstuhlrichler v. Török und die andern städtischen Veamten der städtischen Behörde. die Geistlichkeit der verschiedenen Konfessionen 1c. Der Andrang in das Gotteshaus war so groß, daß es den Panduren, die an den.EingangSthüren postirt waren, nur schwer gelang, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und Unglück vorzubeugen. Nach Beendigung des Mincha-Gebetes betrat der HcrrOberrabbiner die Kanzel und verschaffte den Zuhörern durch seine gediegene Rede, in welcher er über den Beruf des Rabbiners im Allgemeinen und seine Aufgabe als Rabbiner der hiesigen Gemeinde, über den Frieden nnd dessen wohlthätigen Begleitern sprach, einen geistigen Genuß. Die hohe Verehrung und unbegränzte Hochachtung, die er in rührender Weise für den verstorbenen Oberrabbiner Salomon Nttmann an den Tag legte, machte auf sämmtliche Anwesende den tiefsten Eindruck und zeigte sich die echte Bescheidenheit unsers Herrn Oberrabbiners recht deutlich. Wahrhaft würde- und weihevoll war die Trauung, die Herr Oberrabbiner gleich nach seiner Antrittsrede vornahm, und wie der heilige Sänger sagt ילכל מהיל אק היל so führte er seine Freunde und treuen Verehrer von einem Siege zum andern Siege. Herzerhebend war die Art und Weise, wie der Herr Oberrabbiner in seine elegant eingerichte Wohnung eingeführt wurde. Am Eingange erwarteten ihn die Mädchen der Schule, an deren Spitze eines mit einem herrlichen Blumenkränze ihn beglückwünschend stand. Es gewährte dieses Schauspiel einen wahrhaft schönen Anblick. Auf allen Gesichtern malte sich in den lieblichsten Farben die göttliche Freude über die glückliche Wahl unseres Herrn Oberrabbiners; alles schien verbrüdert, einer drückte dem andern die Hand, und von tausend Lippen hörte man מלל טוב! Wenn schon die Antrittsrede der hiesigen Gemeinde die lieberzeugung verschaffte, daß ihr gewählter Herr Oberrabbiner E. A. Fischer der Mann sei, der die Fähigkeit und die Kraft befltzt, durch sein Wirken der hiesigen Gemeinde einen Glanz zu verleihen, den Frieden zu begründen und dauernd zu erhallen, so mußte es in desto größerem Grade die Rede, die Herr Oberrabbiner am Samstag hielt. Nachdem er dem alten Usus gemäß, den Talmudisten eine halach. Abhandlung zum Besten gab, schritt er zu seinem eigentlichen Vortrage. Zuerst betrachtete er das Jndenthum, was es jetzt ist und was eS war, und brachte die im Zudcuthume sich kundgebenden Bestrebungen in drei Klaffen. Zn die erste Klasse brachte er diejenigen, die fest halten am Alten, eben weit es alt ist und vom Neuen nichts wissen wollen, eben weil es neu ist , in die zweite Klaffe, die dem Fortschritte huldigen und mit dem Alten ganzlich abschließen, weil es alt ist und in die dritte Klaffe diejenigen , die hin und herschwanken, sich weder der einen noch der andern anschließen. Mit Meisterschaft zeichnete er diese Klassen und sprach mit der ahm eigenen herzgewinnenden Offenheit und Redlichkeit seine Devise und seine Stellung diesen verschiedenen Richtungen gegenüber ans. Der Eindruck, den seine Worte machten, war unverkennbar ein tiefer und eindringlicher, und ist es sonder Zweifel, daß er seine hohe Mission in hiesiger Gemeinde zu vollbringen vollkommen im Stande sein wird. Samstag Nachmittag machte die hiesige israelitische Ziigend dem Herrn Oberrabbiner ihre Aufwartung, indem sechs aus ihrer Mitte beordert waren, demselben ein werthvolles Geschenk als geringes Zeichen ihrer tiefgefühllen Hochachtung und Verehrung zu überreichen, und ihre besten Glückwünsche dqrzubringen und hat Herr Hauptschullehrer B. Horowitz seine Sendung gut vollführt. Zn der Erwiderung deü Herrn Oberrabbiners halte das zahlreich anwesende Publikum abermals Ge-