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Ben Chananja · 1864-10-05 · 40 (5.10.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
40 (5.10.1864)
Date
1864-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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803 804 wegs so zu nehmen, als ob etwa diese jüdischen Denker das filososche System des Kelam in sich ausgenommen und zu dem ihrigen gemacht hätten, da im Gegentheil sich's ganz deutlich Nachweisen läßt, wie die beiden fast alle Grundprämissen jenes Lehrgebäudes auss entschiedenste zurückgewiesen. Vor Allem erkennen Saadia und Bachja ein in der Natur waltendes Gesetz (טבע oder חולדה) an, während die Filosofie des Kelam von einem Naturgesetze vurchaus nichts wissen will, da sie hierin eine Beschränkung der göttlichen Allmacht zu sehen glaubt. ״Wenn wir das Feuer nach Oben sich bewegen und das Wasser abwärts fließen sehen, sagten die Mutakallimun, oder wenn bas Feuer uns erwärmt und das Wasser uns erfrischt, so dürfen wir diese Erscheinungen keineswegs von einem feststehenden Naturgesetze herleiten wollen, da diese ״Gewohnheit" sich auch ändern könnte, so daß das Wasser aufwärts und das Feuer abwärts sich bewegen, oder ebenso dieses uns erfrische und jenes uns erwärmen würde." (More I, 73, Prämisse X.) Saadia findet baren Unsinn in einer solchen Behauptung.') Die Atomistik, die das Grundgewebe des Kelam bildete, daraus all die in einander verschlungenen Fäden dieses Systems ausliefen, wird von Saadia entschieden verworfen.^) Er, ebenso wie Bachja, bekennt sich zur aristotelischen Theorie von Materie und Form und den vier Elementen (הארבע טבעיים, Emunot II, 2.) Ebenso unterscheiden beide zwischen Substanz und AccidenS, während der Kelam in allen Bestimmungen der Dinge nur lauter Accidenzen sieht (vrgl.More 1.6. Präm.VIII.) Auch das sogenannte Möglichkeitsprinzip, welches Maimuni die ״Grundsäule der kelamischen Weisheit" nennt, ond nach welchem nicht der Verstand, sondern die Einbildungskraft als einzig kompetente Richterin über das Mögliche und Unmögliche erklärt wird (I. 6. Präm. X), scheint uns von Saadia heftig bekämpft zu werden. ״Wenn ihre Behauptung wahr wäre, sagt er (und wir glauben, das er hier eben jenes Prinzip der Mutakallimun im Sinne hat), dann brauchte Derjenige, der Mangel an Geld hat, sich in seiner Einbildungskraft nur vorzustellen, seine Kisten seien mit Geld gefüllt; oder der siebzigjährige Greis bilde sich ein, er sei erst 40 Jahre alt; wenn er hungert, so stelle er sich vor, mit Hilfe seiner Einbildungskraft, er sei gesättigt." * * 3) Und so ließen sich noch manche andere Punkte nachweisen, in denen jüdische Filosofen, die man als Nachtreter des Kelam zu bezeichnen gewohnt ist, von diesem ganz wesentlich abweicheu. Man könnte mithin blos sagen , daß Saadia und seine Nachfolger nur die Methode des Kelam benützten, religiöse Dogmen spekulativ zu begründen, und ebenso auch die kelamistischen Beweise für die Einheit, mit entsprechenderen Filosofeme, restaurirten — was übrigens auch von dem heftigsten Bekämpfer des Kelam, von Maimuni, gesagt werden muß. Jedenfalls ist Saadia, sowie der erste eigentliche jüdische Religionsfilosof überhaupt, auch der Erste im Judenthume, der die Filosofie sich dankbar gemacht, um das oberste >) Vrgl. Gmunot VI, 3: והוא כמו שבקש שתהיה ה*אש יורדת למטה והמים עולים למעלה בטבע ,או בקש שתהיה האש מקררת והשלג מחמם .... ומבקש זה ה ומס החכמה ג) S. a. 0. O. I, 4. 3) S. die Einleitung zum Emunot we-Deot. Prinzip des Glaubens, die Gotteseinheit, demonstrativ zu begründen. Es geschieht dies im zweiten Abschnitte seines Emunot we-Deot und schon die Einleitung zu diesem Abschnitte zeigt von dem wahrhaft filosofisch gebildeten Geiste des Verfassers. Dessen Argumente erweiterte sodann Bachja (שער היהוד cap. VII), so daß er sieben Beweise für den Monotheismus zusammenstellt, die sich, wie wir hier angeben wollen, unter drei Beweisformen zusammenfassen lassen. I. Kosmologifche Form. a. Das Universum stellt gleichsam eine Pyramide mit unendlicher breiter Basis, doch immer schmaler zulaufenden Spitze dar; oder es gleicht auch ungeheuren Zifferreihen, deren letzte so unendlich groß ist, daß sie auszusprechen gar nicht möglich scheint, deren erste Reihe jedoch mit Eins anfängt. Die in der Welt vorhandenen Einzelwesen nämlich und in der That der Zahl nach unendlich; ordnen wir dieselben nach ihren verschiedenen Gattungen, so wird die Zahl sogleich bedeutend kleiner; fassen wir die Gattungen sodann in Arten zusammen, dann wird die Menge um noch vieles geringer werden; nnterordnen wir dann sämmtliche Arten alles Seienden den allgemeinsten Begriffen und Gedankenbestimmungen, unter welche alle Gegenstände der Erfahrung fallen, dann finden wir, daß Alles, wie Aristoteles gelehrt, von den zehn Kategorien umfaßt wird. Doch noch kleiner gestaltet sich die Zahl, wenn wir zu den Prinzipien alles Seienden rm Gedanken emporsteigen, da wir dann gar nur zu einer Fünfzahl gelangen — die vier Elemente und die Bewegung;*) suchen wir ferner die Ursachen dieser fünf Prinzipien, dann ergeben sich uns deren zwei: Materie und Form, und suchen wir endlich das Grundprinzip dieser beiden, so muß dasselbe nothwendiger Weise weniger als zwei sein, weniger als zwei ist jedoch nur Eins: folglich ist das Urprinzip des Weltalls — Gott — eine Einheit. b. Die teleologische Harmonie, die sich durch's ganze Weltall hindurchzieht und die die unendliche Mannigfaltigkeit von Wesen und Dingen zu einem großen, eng ineinanderschließenden, einheitlichen Ganzen gestaltet, läßt uns in diesem Universum ״den Gedanken nur des Einen Denkers und das Kunstwerk eines einzigen Schöpfers" erkennen. II. Moralische Form. a. Der Gedanke eines Weltschöpfers drängt sich uns nothwendig auf, da wir ohne Schöpfer die Eristenz der ר Vrgl. More II. 1.: כל סבת הדה והפסד מגעת בסוף בתנועת הגלגל Obschon erst fett ©alilet vie Lehre von der B e w egung nnd den fie hervorbringen Kräften eine auf Mathematik gebaute höchst bedeutsame Wissenschaft geworden, so hat doch auch schon das Alterthum die Wichtigkeit der Bewegung anerkannt nnd dieselbe als einen Gegenstand natursilosofischer Erörterungen behandelt. Aristoteles/ der von der Bewegung sagt, ״wer fie nicht kennt, der kennt die Natur nicht" (Phys. lib. III. cap. 1.; dvayxcüov ydy, dyvoovuivtjs avtij? (seil. T־?)e xmjtfe«), ayvoslG tfa« xotl tyv <pvötv), hat dieselbe in mehreren seiner Schriften zum Gegenstände eingehender Nntersuchnugen gemacht. 5) Man'ging nämlich von dem Grundsätze aus, ״was der Zahl unterliegt, das sei ei» Körper, da reingeistige Wesen keiner Quantität unterstehen " Brgl. Aristot. Metaph. lib. XII, cap. 8.: 'Akk 66aäqt&f1(ö 7rokka, vktjv exei. — Man warf darum auch die Frage auf, wie es möglich sei; daß die aus den Körpern geschiedenen Seelen eine Mehrheit bilden. Nnd es bildete fich daher die Theorie des Jbn Bad ja (in dessen Schrift רסאל״ה אלודאע) von der Einheit der Seelen.) S. Moses Narbonnenfis Kommentar zu More I, 74) Ebenso entstand daher auch die Frage, wie ist bei den Engeln an eine Mehrheit zu denken? S. hierüber Iesode Ha-Tora II, 5.

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