Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 47 (23.11.1864)
- Date
- 1864-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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949 950 A. MiSVolez, 13. November. Der auf den jungen Kohn geführte Hieb iu Nr. 45 des ״B. CH." hat hierorts Diele schmerzlich berührt. Es ist wahr, daß Kohn in der neuen Synagoge nicht predigen wollte. Sein Beweggrund war aber nur die.Rücksicht auf seinen Vater, der einmal diese Synagoge perhorreszirt, Dr. Klein, unser wackerer Prediger, hat den Religionsunterricht der jüdischen Gymnafialschüler übernommen, ohne dafür eine Remuneration zu beanspruchen. Dem Der« dienste seine Kronen! Die Jugend sollte aber den so heilsamen Unterrichl recht fleißig besuchen. Literarische Anzeigen. Kritische Lese verbesserter Lesearten und Erklärungen zum Talmud. Von Fürchtegott Le brecht. Berlin 1664. W. I. Peijer 8. 54. Besprochen vou Dr. Wiener. Nächst der Bibel ist im Lause der Jahrhunderte wol kaum nach einem anderen Werke so vtel Fleiß gewidmet worden, wie dem Talmud. War ja bis vor etwa einem Säkulum dieses Buch nebst seinen zahlrei« chen Kommentaren fast die einzige Geistesnahrung der Juden, nach der man mit um so größerem Eifer verlangte , als man die Lektüre und das Studium jenes als heilig betrachteten-Werkes bekanntlich schon an und für sich für eine gottgefällige Thätigkeit hielt. Allein wie vielfach auch die Beschäftigung mit jenem in seiner Art einzig dastehenden Sam, melwerke war, so kam fle doch, mit sehr geringen Ausnahmen, nur dem Inhalte desselben, keineswegs aber dem Terte selbst zu Gute, und das hohe Ansehen, dessen der Talmud sich überall erfreute, trägt sogar Hauptsächlich die Schuld, daß die sonst nicht unterbliebene Textkritik hier nicht geübt wurde. Erst, mit dem Beginne unseres Jahrhunderts wurde durch Jesaia- Berlin der Anfang einer kritischen Berichtigung des Talmudtertes gemacht und seinen Bemühungen verdanken wir zahlreiche Verbefferungen in Buchstaben, Worten und Sätzen. Allein wie verdienstvoll auch die Arbeit dieses Gelehrten ist, so kann sie doch den Anforderungen der Wissenschaft in unseren Tagen, umsoweniger genügen, als ihm bei derselben die wesentlichsten Hilfsmittel, nämlich die ältesten Editionen — um von Handschriften ganz zu schweigen — entgangen waren und er nicht einmal von der Benvenister Ausgabe Gebrauch gemacht hatte, durch welche er doch wenigstens die vielfachen Entstestungen der Basier hätte ausmerzen können. Herr Dr. Lebrecht hat es nun, nachdem er in der ersten Sammlung der wissenschaftlichen Blätter aus der Beitel Heine Ephraim'fchem Lehranstalt die Aufmerksamkeit auf die Beschaffenheit des gedruckten TalmudterteS gelenkt und mannigfache Hilfsmittel zur Berichtigung desselben und znr Wiederherstellung des Urtextes? nachgewiesen hätte, wie uns in der vorliegenden, Herrn Dr. Zunz zu seinem 70jährigen Geburtstage gewidmeten Schrift mitgetheilt wird , zum ersten Male unternommen, unter Benützung der angeführten Hilfsquellen und insbesondere der noch vorhandenen Talmud-Handschriften das kritisch bisher so vernachlässigte Werk so zu ediren, wie es der gegenwärtige Standpunkt der Wissenschaft erheischt. Als mehrjähriger Schüler des großen Talmudisten Moses Sofer, wie auch durch seine spätere ununterbrochene Beschäftigung mit dem Talmud ist Herr Dr. Lebrecht bei seiner innigen Pietät für das ehrwürdige Werk und seiner bekannten Gewissen- Hastigkeit vor vielen Andern zu einer solchen Arbeit berufen und soll die nene, zu größerer Handlichkeit in Hochoktav erscheinende Talmud- Ausgabe so beschaffen sein, daß der überlieferte Tert völlig unangetastet bleibt, wo sich aber eine verschiedene Leseart aus Handschriften, anderen älteren Werken oder Zitaten ergibt, soll auf dieselbe am Rande in geeignetrr Weise hingewiefen werden. Als Tert der Gemara wird die Mischnah auch typographisch kenntlich gemacht sein und durch größere Schrift hrrvorstehen, mit welcher auch die in jener hier und da vorkomwenden Zitate (bei Späteren פיסקא .ober. ציון genannt) aus der Mischna, weit ste als kritische Hilfsmittel für Leseartender letzter» dienen können und nach denselben auch im Aruch die Stellen aus der Gemara angeführt werden, gedruckt find. Während demnach in der neuen Edition kein Iota der alten Ausgaben fehlen soll, wird der Tert durch Hinznfügung vieler fehlender Stellen aus der großen Münchener Handschrift, aus Älfafi und En Jakob mit Petitschrift, wie auch durch das Derzeichniß der Roten und Parallelstellen vielfach bereichert fein und überall wird auf di« nicht bloS das Christenthum, sonderu auch das heidnische Rom vermeintlich schützenden Aenderungen hingewiesen werden» welche die Zensur der Basler Ausgabe mit dem Terte vorgenommen hat. Dem von Josua BoaS unter dem Namen מסרח הש״ס zuerst gelieferten und von Jesaia Berlin vielfach vermehrten Verzeichnisse von Parallelstellen wird durch Hinweis auf den talm. jer., auf Midraschim und Targumim, zuweilen auch auf JosefuS und namentlich auch auf solche Talmudstellen, die sich, wenn auch nicht den Worten, doch dem Sinne nach anderswo in ähnlicher Weise finden, eine größere Berücksichtigung zu Theil werden, was für die verschiedenen Zweige der Wissenschaft von großer Wichtigkeit ist. Außer dem kritisch gesicherten Terte, den variae lectiones am Rande oder am Fuße und den Parallelstellen wird diese Ausgabe auch den עין משפט, welcher nicht allein als Nachweis der Entscheidungen von Nutzen ist, sondern auch als neue Quellen der TerteSerklärung dienen kann, am untern Rande enthalten und bei selten vorkommendrn Wörtern auch Erklärungen; dagegen wird Raschi und Tosafot fehlen, wie dies bei allen bis jetzt bekannten Handschriften, bä dem sine loco 1728 im kleinsten Sedez gedruckten Traktat Sukka, AufangS bel der Mischnah, dem Talm. jer und anderen klassischen Werfen der jüdischen Tradition der Fall war, und es gilt, an der Hand dieser neuen, korrekten und durch varlas lectiones bereicherten Talmudauögabe zu versuchen, wie weit man die TerteSworte zu verstehen vermag, ohne die Hilfe Raschis dabei in Anspruch zu nehmen. Der vierte Theil des gesammten Werkes soll: nach dem Verspreche» des Herausgebers schon in nächster Zeit dem Publikum vorgelegt werden. Der Ankündigung seiner neuen Talmudausgabe schickt Herr Dr. L. in obiger Schrift'von den von ihm vorgeschlagenen Tertes-Emendationen zwölf als Probe voraus, um durch dieselben, falls dies überhaupt noch eines Nachweises bedürfen sollte, den Leser zu überzeugen, wie nothwendig eine kritische Rezension des TalmudterteS sei. Die erste bereits früher in Frankels Monatsschrift publizirte Verbesserung wird hier, vielfach verändert, wiederholt, um Krochmal zu nennen, der sie im החלוץ zuerst zur Sprache gebracht hat. Sie betrifft den mehrfach vorkommenden Ausdruck בר פחו?י, mit welchem R. Chaja seinen Neffen Rab anredet und wofür בר אהתי gelesen werden soll , da Rab der Sohn der Martha, der Schwester des R. Chaja, war. Diese Emendation empfiehlt sich so sehr von selbst, daß schwerlich etwas Erhebliches dagegen einzuwenden sein möchte. — Die zweite Verbesserung bezieht sich auf die Stelle Berachoth 19 a Zeile 5, wo seit dem 1697 in Frankfurt a. O. erschienenen sogenannten Schaff des R. Bermann, der ersten Talmudausgabe in Deutschland, aus Pietätsgefühl gegen R. Papa, wie Herr Dr. L. glaubt, vor פפא im\ das Wort אמר und nach demselben das Wort חר eingeschaltet wurde, damit man nicht, wie man nach En Jakob und Zuchafin edirt Krakau p. 101 b, Buchstabe rz. wo es heißt שרברר׳פפא על מר שמואל — in rd.Filipowski p. 179a fehlen diese Worte — zu thun berechtigt wäre, den R. Papa beschuldige, daß er selbst von Mar Samuel — einmal UebleS gesprochen habe. Allein auch der Münchner Codex soll wie die neueren Ausgaben lesen, was ein Beweis-für da» hohe Alter, jener schonenden Zensur wäre. — Nr. 3 und 4 beziehen sich auf die bekannte Berachoth 57 a vorkomwende Traumdeutung und bringen weniger Gmendationen als Trklärungen zu derselben bei. In der ersten wird eine von Liedermann iu