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Ben Chananja · 1864-11-23 · 47 (23.11.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
47 (23.11.1864)
Date
1864-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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947 948 richtung eine- Rabbiner-Seminars in Uügarn wäre wieder auf Jahre hinaus in weite Ferne gerückt!" Ich bin zwar weit eutfernt, auf diese und ähnliche Fragen Red' und Antwort zu geben, noch weniger aber einen Standpunkt einzuneh« men, von dem ans ich den Betreffenden mit Sicherheit Beruhignng zu« sprechen könnte; solches wird mit Recht von der Redaktion des ״B. CH." erwartet.*) Aber erlauben möchte ich mir hiermit, den Standpunkt der heiligen Petenten ein wenig zu beleuchten, damit der unbefangene Leser einen etwas klarer» Einblick i» die Situation gewinne. Eine Anzahl begeisterter Vorkämpfer des orthodoxen ZudenthumS legt die Lanze ein gegen die Errichtung eine» Rabbiner-Seminars in Ungarn unv führt in seiner Petition als Grund an, die aus dieser Anstalt hervorgehenden Rabbiner müßten geschwängert von den hier empfangenen Lehren, lauter Neologen werden. — Lasset uns einmal untersuchen, was' diese Herren zu dieser Annahme berechtigt. Ist es etwa die Empirie? Ist die Empirie nicht vielmehr im Stande , diese heilige Vermuthung über den Haufen zu werfen? Öder find Theologen , wie Lattes, Mortera, Igel, Perles, Freudenthal, Güdemanu, die aus den Seminarien zu Breslau und Padua hervorgegangen, nicht würdig, einem Csengerer oder Pecse-Neudorfer Rcbbe an die Seite gesetzt zu werden? Warum Petitioniren überhaupt Rabbinen gegen die dieSfällige Intention der hohen Regierung und warum nicht vielmehr die Gemeinden? Klingt dies nicht gerade so, wie wenn eine Anzahl Winkellehrer gegen die Errichtung von Lehrerbildungs-Anstalten petitionirten? Dte Antwort auf diese Fragen , sowie der daraus zu folgernde Schluß dürfte für den gebildeten und unbefangenen Leser nicht schwer zu finden sein. — Es ist übrigens die Mittheilung jener Petition für di« zum Fortschritt geneigten Israeliten Ungarns nicht ohne Nutzen; wenigstens läßt sich jetzt von vielen Rabbinen mit größerer Sicherheit bestimmen:הלנו אתה אם לצרינו! Oberungarn, 14. November. ״Si je ne serais pas ßohan, je voudrais gtre roi!“ Mit. diesen Worten hatte einst Prinz Rohan die angebotene Königökrone zurückgewiesen, und ebenso würde mir Na- Poleon meinen Antrag: er möge orthodoxer Rabbiner werden, beantworten. Ein volles Jahr schon geht dieser mit der Idee eines Fürstenkongreffes schwanger, ohne die Welt mit diesem Kinde seiner politischen Kombi- Nation beglücken zu können; während unsere orthodoxen Rabbinen ihre Konferenzen zu Zwillingen und Drillingen zur Welt fördern. Noch find die Erztafeln zur Verewigung der Synoden von Nyiregyhäza nud S. A. Ujhely nicht aufgestellt. Noch find die für die Reise nach Wien angeschafflen ״Deutschen Kleider" in ihrem Glanze. Noch haben die armen Dorfbewohner die ihnen auferlegten Beiträge le-schem schomajim nicht vergessen. Und wieder stehen wir am Vorabende einer — —- verrathen Sie mich nicht, ich verdanke dieses Geheimniß einem als streng orthodox bekannten Rabbiner, welcher jedoch, — weil seine Frau das Theater besucht hat — von dem Bunde der Ritter des 'alten Geistes ausgeschlossen bleibt — einer Rabbiner-Konferenz. — Wo? ob in Arad oder in Szikßü, ob in Pest oder in MunkaeS, das mögen die Orthodoxen wissen. Und um soweniger kann ein Unberufener den Gegenstand der Berathung ausfindig machen. Umsonst wird Rundschau über alle bei uns vorherrschenden brennenden Fragen gehalten- Es ist nicht die Gitterfrage von Losoncz, diese Hatte schon am jüngsten VersöhnungStage im Sinne MakbethS ihre Lösung gefunden. Damit dort die Männer im Tempel nicht auf die Frauen sehen sotten, kam die Frau Rabbinerin in die Männerabtheilung. Es ist auch uicht die so hartnäckig bekämpfte Chorsrage in MiS« kolcz. Betreff dieser wird die Orthodoxie bald, ja sehr bald, den Sieg ') Eine Beleuchtung der Eingaben wird später folgen. Red. erringen. Schön ha» fie bei der letzten Wahlversammlung mit richtigem Takte auf den JndifferentiSMUS der gebildeten Klaffe bauend, ihre Armee von Kitzwa-Männern ins Dordertreffen geführt, — schon ist es ihr gelnngen, ihre thäligsten Adepten in die neue Vorstehung hinein zu keilen, um diese in jedem energischen Fürgehen zu hemmen, hingegen den will« kürlichen Ausschreitungen und Frikdensstörnngen freien Spielraum zu lassen; — schon hat fie — in der Eigenschaft eines EinigungS-Komtü — ihre Wünsche zu einer protokollarischen Bestimmung erheben zu lassen, daß nämlich der Kantor für seine Gesänge die Verantwortlichkeit übernehme, nud die Chorknaben wollene Taleflm Heruntergelaffen, und ihre Röcke mit weniger Knöpfen, dafür aber mit mehr Schlingen tragen sollen; schon werden auch die alten Uebelstände des Lärmens und deö Vorsingens in allen Tonarten attmälig in den neuen Tempel eingeschmuggelt, so daß von dem alten bis zum neuen Bethause nur noch e in S ch r i t t ist. Aber nur ein wenig Geduld, auch dieser Uebertritt wird nicht lange auf fich warten lassen. Wie alle Wahrzeichen andeuten, steht mit Recht zu befürchten, daß die gegenwärtige Vorstehung der Gegenpartei mit ihren Kitzwamännern das Feld räumen wird; und dann, ja dann werden die bleiernen Kammern geöffnet, dann wird Gericht gehalten über Alles, was choranrüchig ist. Ueber die Klinge muß springen der Oberrabbiner, weil er mit seiner seltenen Duldung, Srlbstverleug« uung und Friedensliebe die Anerkennung von Nahe und Ferne sich erworben. Ferner der Kantor, welcher in seiner Gesangsweise, so ergrei« send und erhebend, die altherkömmlichen Melodien mit dem Choralgesang so kunstvoll zu verschmelzen versteht,*) endlich Alles, was fürOrdnung und Anstand Gefühl hat. Nnn was ist aber denn in Dännemark faul, das eine Rabbiner- Versammlung nöthig machet? Jsts die Seminärfrage? Aber auch betreffs dieser kann die Orthodoxie ganz ruhig schlafen; hat fie doch ihren Agenten, welcher ihr hundertzüugigeS Memorandum, dieses Chefdeuvre von Großsprecherei, inquisitorischer Verleumdung und burschikoser Krastausdrücke, täglich kommentirt und befürwortet. Nun so hören Sie. Die nächste Rabbiner-Konferenz hat einen doppelten Zweck. Erstens die Frage zu beantworten, ob ein Rabbi, der gemäß des Ausspruches des El-Hoadorim nicht , deutsch sprechen darf — auSnahmSwrise ״Deutsch" in Wien sprechen dürste. — Zweitens : da viele das Anti-Seminargesuch Unterzeichnete Rabbinen ganz unbekannt' und sogar an ihrer Existenz — wenigstens als autorifirter oder fungirender Rabbinen — sehr bezweifelt wird, — ob nicht aus Kosten, der Gemeinden, oder vom Schulfond , ein photographisches Anti-Seminar« Hundert-Rabbinen-Album herauszugeben thunlich sei? (Sme0. L. Kaposvär, im November. Für die Familie Fischer ist in der hiesigen Gemeinde das Möglichste geschehen. Der Jugendyereiu״ an dessen Spitze Herr Rudolf Pollitzer stehr, unterstützt die älteste Toch׳ ter, die fich znr Lehrerin heranbilden will. Einige Frauen, — Rab binerin Kutna, Stein Mutter und Tochter , Reis Nina, — haben .eine Geldsammlung veranstaltet. Die hieflgen Lehrer erkennen dies dankbar an, und danken zugleich den edlen Spendern nah und fern, welche der unglücklichen Familie die Unterstützung zukommen lassen, deren.fie noch immer bedarf. *) Ein reisender Talmudgelehrter erzählte mir nebst seinen.übrigen glaubwürdigen Mittheilungen über Gemeindeverhältniffe zu Miskolcz: Der dortige ehrwürdige Öberrabbi habe ihm die Versicherung gegebe», er sei gegen seinen Willen durch das gehässige und verletzende Benehmen gewisser Personen zu dem seiner geschwächten Gesundheit nachtheiligen Besuch des entfernten neuen Tempels während der. hohen Festtage gezwungen, habe aber niemals in dieser Gemeinde so viel Anstand, solchen erhebenden Gottesdienst, solch fromme und würdige Andacht wahrehmen können. — Am Kolnidreh-Abend hat der Rabbiner im alten Tempel eine» unberufenen Stellvertreter gefunden! E.

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