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Ben Chananja · 1864-11-09 · 45 (9.11.1864) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
45 (9.11.1864)
Date
1864-11-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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905 906 dienst. Der ehemalige Rabbiner zu Petschau, Herr Fischer, wird in Leipzig eine neue hebräische Zeitschrift ״ בקרת העחיםGeißel oder Kritik der Zeiten" erscheinen lassen. Rechttitz, im Oktober. Es sind bereits drei Jahre verflossen, seitdem Herr Oberrabbiner Dr. Zipser eine Deduktion über die Michtung der Ostleite der Synagogen veröffentlichte s״B. CH." Jhrg. III. S. 9.). Obgleich sich diese ihrer Zeit allgemeinen Beifalls erfreute, und man es, dem Vernehmen nach, selbst in Wien bedauerte, beim dortigen Tempelbau hiervon keine Kunde gehabt zu haben, indem selber sonst leichter und geschmackvoller aufgeführt worden wäre; so hörte man bis jetzt dennoch nicht, daß irgendwo hiervon faktisch Gebrauch gemacht worden wäre. Jüngstens erging jedoch eine Anfrage vom Schlaininger israelitischen Vorstande an Herrn Obcrrabbiner Dr. Zipser mit dem Bedeuten, daß der im Bau begriffene Tempel zu Schlaiiling bei unbedingter Beibehaltung der östlichen Richtung gänzlich mißgestaltet würde. Der Bescheid des Herrn Oberrabbiners lautete dahin, daß die östliche Richtung nicht nur nicht beibehalten werden müsse, sondern hier nicht einmal beibehalten werden dürfe, womit der dortige Rabbiner, R. Mosche Weinreb, ein ehrwürdiger gelehrter Greis, übereinstimmte. Auch die Gitterfrage wurde hier mit Hintansetzung kleinlicher Scheingründe und ans Grundlage einer Vernunft- und zeitgemäßen Anschauung gelöst; die Brustwehr derFrauengallcrie ist gänzlich Nlibegittert, so daß auch die Frauen ohne allen Anstanv dem Gottesdienste aufmerksam beiwohnen, ohne den dortigen orthodoxen Nabbinen, noch die andern frommen Beter in der Andacht zu beirren. Der Tempel mußte also in einer südöstlichen Richtung anfgeführt werden, und so stand er, ein recht nettes, dem Zcitgeiste vollends Rechnung tragendes Gebäude am 30 s v. M. Ereb R. Ha-Schana vollendet da, an welchem Tage er auch feierlichst eingcweiht wurde, woran nicht nur sämmiliche Bewohner des Ortes ohne Unterschied des Standes und der Konftssion lebhaften Antheil nahmen, sondern wozu auch von bedeutender Ferne vornehme Gäste herbeistrümten. Herr Oberrabbiner Dr. Zipser hielt die EinwcihungSrede, ein Meisterwerk oratorischer Schöpfung und Poetischer Anschauungen und machte einen unauslöschlichen Eindruck auf die Zuhörer, und der taktvoll arrangirte, aus 28 Sängern bestehende und durch den Rechnitzer Kantor, Herrn Jakob Wieftlmann, geleitete Chor trug dazu bei, dem Feste einen weihevollen Glanz zu verleihen. Gelegentlich erlaube ich mir auch, Einiges von den JahreSprüfungen-an der RechnitzeP'Schule mitzutheilen. Als Referent glaube ich die Grenzen der Bescheidenheit nicht zu überschreiten, wenn ich das Resultat als ein recht glänzendes bezeichne. Denn da, wo der Lehrkörper vom Bande brüderlicher Eintracht umschlungen, nur jenen Wetteifer kennt, der dem Boden uneigennütziger und rastloser Thätigkeit entsprießt; Wo eine Schule von Männern, wie Dr. Zipser und Dr. Jellinek, geleitet, wo Lehrer und Schüler von solch einer schulfreundlichen Kraft, Wie die des Herrn Aron Pick unterstützt und aufgcmuntert werden; wo die Schule von solch einem wacker« Vorstande, wie Herr Stranß, Rechnitzer u- A. inspizirt und den Leistungen der Lehrer solche aufrichtige Anerkennung gezollt wird: da kann der Erfolg nicht ausbleiben: ein Erfolg, der um so beachtenSwerther erscheint, da der größte Thcil der hiefigen Schuljugend sehr arm und dem Soutien der Gemeindekaffe unterliegt. Ts dürfte kaum zu bezweifeln sein , daß die hohe Regierung, von der hiesigen Situation Notiz nehmend, einen kleinen Beitrag vom Schulfonde der hiesigen Schule gewährte, so man dieselbe supplikanter qngehen würde. A. Roder, Hauptschullehrer. P. Aufsee, Auf. Nov. Nicht nur Schlesien, Böhmen und Ungarn, auch Mähren hatte das Glück, den vielwandernden Dr. Guggenheimer als Seelsorger zu besitzen. Und in Mähren ist es die Gemeinde Aussee, die sich des Glückes zu erfreue» hatte, diesen Doktor ein Jahr als Rabbiner zu besitzen. Wir hatten den Mann so lieb, daß wir uns aufrichtig mit seinem Avancement nach Stuhlweißenburg freuten, denn wenn er auch mit seinen Predigten — außer der Antrittsrede, die wirklich auch nach Dr. Duschak gefiel — Jahraus Jahrein Fiasko machte, so ersetzte er seilt Nednertalent und sei» talmudischeS Wissen durch fein Wirken. Er unterließ es nämlich keinen Freitag, nachznsehen, ob der Grub in Ordnung sei. Da unser einstiger einjähriger Rabbiner sich und seine Kollegen in die Kategorie der Bedienten setzt, so kann man sagen: tel maitre tel valet, wie der Schwiegervater so der Schwiegersohn, wie der Frankfurter, so der Teschcn-Aussee-Kolliii-Boiiyhäder. Nach dieser Theorie dieses Herrn Doktors kann natürlich der Sohn das Rabbinat des Vaters nicht erben, und die ganze Neflerion des R. MoseS Sofer über die Nabbinate, die also weder geistliche noch politische Stellen sind, fällt über den Haufen; dagegen meint der Herr Dr. Gnggenheimer, der Vater «küsse den Sohn suceediren, daher bescheerte er uns vor seiner Abreise seinen greisen Vater, ehemaligen Nabbinen in Kricghaber. Er schilderte uns seinen Vater als lumsn mundi; mag sein, aber der Mann ist zu alt, um auch nur ein Fünkchen Licht von sich zu geben, und unsere Gemeinde — geht ihrem Ruine entgegen. Nun wollen wir der Bonphader Gemeinde noch einen freundschaftlichen Wink geben. Wenn es dieser Gemeinde wirklich Ernst ist, Herrn G. 5 oder 6 Jahre im Dienst zu behalten, so mag sie sich aufs Allerrechtskräftigste vorsehen. Denn ob wir gleich Herrn G. gerne nach Einem Jahre entließen, wenn er auch durch seine Erubinspektionen sich nur den Namen eines ערוב י״ב erwarb, so konnte man doch nicht umhin, ihn an seinem romantischen Puls zu fühlen, und ihn zu fragen, wie er nach Stuhlweißenburg gehen könne, da er sich doch in Aussee auf 6 Jahre verdungen hat. Da meinte der Herr Doktor, er habe den RabbinatSbrief, worin die Verbindlichkeit dieser 6 Jahre schwarz auf weiß stand, nur mittelst Post entgcgengenommen, aber nicht gefertigt. Wir glauben kaum, daß nach drei Jahren die Bvnyhäder um einen Guggenheim kämpfen werden; indessen glaubten wir doch, dieses cavete consules auSsprechen zu sollen, denn die in Orthodoxie machen, haben kein Sitzfleisch צדיקים אין להם מנוחה לאבעהו ולא בע״ה• Daß sie jenseits, keine Ruhe genießen werden, wer wollte daran zweifeln! B. Weißenburg, Auf, November. Die treffliche deutsche Predigt, welche Obcrrabbiner Dr. Zipser bei der hiesigen Synagogenweihe gehalten, ist im Druck erschienen. Sie wird gewiß zahlreiche Leser finden, und zur Kräftigung der fortschrittlichen Bestrebungen nicht wenig eitrbagen. Für die unglückliche Familie des verstorbenen Lehrers Fischer spendeten; Herr-H. Rosenberg, Musterhauptschullehrer in Pest 2 fl. — kr Herr Michael Valentin in Baja . . . . . . % ״ 50 ״ Herr I. Klingenberg, Lehrer in Szegßard . . . 1 ״ 30 ״ Die Zöglinge der isr. Hauptschule in Gaya . . . 4 ״ 67: . ״ Zusammen . 10 fl. 37 kr. Bemerkung. Herrn ö. D. Ich bitte ergebenst um den Schluß der ״Höheren Stimmungen." Szegedin, Selbstverlag der Redaktion. Leipzig, . Lommisjions-Ytrlag von Fpans. Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein halber Bogen Beilage.

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