Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 44 (2.11.1864)
- Date
- 1864-11-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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887 888 zu der Errichtung deö fraglichen Institutes ihre Etnwtlltgung geben würbe? R. MoseS Sofer spricht 1834 in einem eine Chaliza- Angelegenheit betreffenden Bescheide von einem gewissen Ausknnftsmittel, welches ich. nicht anführen will. Sie werden die kleine Mühe nicht scheuen, im Chatham Sofer zum Eben Ha-Ezer (2, 82) die Stelle nachzulesen. Ist es nun möglich, daß die Zöglinge eines auch nur einigermaßen zeitgemäß eingerichteten Rabbiner-Seminars jenes Auskunftsmittel nicht für die empörendste Absurdität halten sollen? R. MoseS fügt allerdings hinzu: ה-ילה להורות היתר וה; die Absurdität bleibt aber nach wie vor empörend. Was soll nun aus der Orthodorie werden, wenn angehende Rabbiner zu der Einsicht gelangen, R. Moses Sofer habe auch empörende Absurditäten geschrieben? Wäre eS nicht um die ganze Existenz derselben geschehen? Könnte sie dann noch zn einem neuen Leben auferstehen? Daher die wohlbegründete Maxime der Orthodorie: Nur kein Seminar! Ew. Wohlgeboren wird es vielleicht angenehm sein, zu vernehmen, daß als Anhang zu meiner oben erwähnten Geschichte Ihrer Gemeinde eine Soferifche Anthologie erscheinen wird. Daraus werden die Geographen erfahren, daß der Libanon nicht, wie alle Welt meint, im Norden, sondern im. Süden Palästina's liegt, und daß der ebenfalls in den Süden des heiligen Landes verlegte See Gennesareth, wie überhaupt jeder Landsee, den Namen todteö Meer führt (CH. S. zum Eben Ha-Ezer 2, 49.). Die Richtigkeit dieser Entdeckungen ist nicht zu bezweifeln. Denn bei der Mittheilnng derselben schrieb R. Moses seinem Kollegen Salvmon Ullmann in Frauenkirchen: ״Wenn Sie meine Worte überdenken, werden Sie dieselben verstehen, vorausgesetzt, daß Sie einige geographische Vorkenntniffe besitzen." Wie die Geographen, werden auch die Grammatiker, die Filologen, die Geschichtsforscher sehr ergötzliche Kuriosa in der Anthologie finden. Der Billigdenkende wird sich die kindische Unwissenheil des gottseligen Preßburger Rabbiners leicht erklären können, ohne den frommen und klugen Rabbi deshalb gering zu schätzen. Welcher Zukunft geht aber die Orthodorie entgegen, wenn der Nachwuchs des ungarischen Rabbinerstandes die kindische Unwissenheit R. Moses Sofer's durchschaut? Muß sie also die Talmndschulen nicht in der Verfassung erhalten, daß die Zöglinge derselben dies nicht durchschauen sollen? Daher die Maxime der Orthodorie: Nur kein Seminar! So weit gehen wir Hand in Hand. Setzen Sie sich mit der hohen Negierung zurecht. Erwirken Sie sich meinetwegen für mehrere Jeschiboth die Erhebung zu öffentlichen Lehranstalten und die Subvention aus dem Schnlfonde. Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Als gewiegter Staatsmann werden aber Ew. Wohlgeboren Jhrd Augen nicht vor der unleugbaren Erfahrung verschließen, der zufolge die erklusiv talmudisch unterrichteten Rabbinen einer sehr bedeutenden Zahl großer und gebildeter Gemeinden in Ungarn nicht mehr genügen. Konnten ja selbst die Nachfolger Leidesdorfer's und Lembergers in Preßnrg nicht umhin,einen ״gebildeten Maggtd" oder Prediger anzustellen! Jene zahlreichen Gemeinden sind eS nun > welche das Bedürfniß einer zeitgemäß eingerichteten Nabbinerschule tief empfinden. Was haben Ew. Wohlgeboren dagegen einzuwenden? Geht die Forderung nicht auS der Natur und Beschaffenheit der einmal vorhandenen Verhältnisse hervor? Mnkhet sie der Orthodorie zu, einen ihrer Grundsätze aufzugeben oder zu verleugnen? ״Die Forderung" — wenden Ew. Wohlgeboren ein — ״wird nur von den Reformern und den Neologen gestellt!" Und wenn sie, frage ich, von den Reformern und Neologen gestellt wird, verliert sie deshalb ihre Berechtigung? Die Kraftausdrücke ״Reformer", ״Nevlog", ״Neuerer" sind von den Schildträgern der Orthodorie in Preßburg seit nahe an fünfzig Jahren so oft benützt worden, daß Je sich wirklich ganz abgenützt haben. Also gut: wir sind die Resormer, die Neologen! Da die Orthodorie oder Paläologie den Libanon in den Süden Palästina's verlegt, so müssen Wir, die wir von der nördlichen Lage desselben überzeugt sind, der Reform oder Neologie den Vorzug geben, die dem Libanon ebenfalls diese geographische Lage gibt. Wir hegen die erfreuliche Hoffnung, daß sich unsere4 orthodoxen oder paläologischen Brüder nach dem Erscheinen des Messias im heiligen Lande jedenfalls in Betreff der Libanonfrage zu unserer Anschauung bekehren werden. Seine Majestät, unser erhabener Monarch, hat die Gründung eines Radbinatö-Jnstitutes schon 1856 ausdrücklich anbefohlen. Ihre Schützlinge, die orthodoxen Zentnmviren, ignoriren diesen bedeutungsvollen, entscheidenden Umstand ganz und gar. Sind dieselben etwa schlechte Unterthanen? Gott bewahre und behüte! In ihrer naiven Ignoranz wissen sie von dem Befehle nichts. Ew. Wohlgeboren sollten sie hierüber belehren. Gelegentlich sollten Sie ihnen auch bekannt geben, daß in dem für Böhmen erfchieneuen Patente des Kaisers Franz vom 3. August 1797 folgende Worte stehen! ״Vier Jahre nach Erlassung des gegenwärtigcn Gesetzes kann Niemand zum Rabbiner gewählt werden, der nicht auch die filosvfischen Wissenschaften, daS Naturrecht und die Ethik auf einer erbländischen Universität mit gutem Erfolge gehört hat, und darüber glaubwürdige Zeugnisse besitzt." Ich darf Ihnen jedoch nicht verschweigen, daß in Folge dieses Gesetzes die Reform oder die Neologie in Böhmen so sehr überhand genommen hat, daß wirklich kein einziger böhm. Rabb. von einem südlichen Libanon in Pa-