Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 44 (2.11.1864)
- Date
- 1864-11-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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885 886 die jüdischen Vorsteher PreßburgS schon im vorigen Säkulum gaben, indem sie den Opfern ihrer Verketzerungssucht gegenüber kein Erbarmen, keine Schonung, keine Rücksicht kannten. Der Sohn des ebenso verfolgten, wie berühmten R. Jonathan Eybeschütz, Rabbiners zu Hamburg, hatte aus einer angesehenen Familie in Preßburg geheiratet und sich daselbst niedergelassen. Der junge Eybeschütz, Mardechai war sein Name, schien den argwöhnischen Preßburgern im Vunkre deS Messiaöglaubens verdächtig. Von einer idealen Auffassung des Messias war natürlich damals noch keine Rebe; aber die geheimen Anhänger Sabbathai Zebi's machten der Orthodoxie schlaflose Nächte! Gegen Mardechai Eybeschütz lag nun allerdings nichts vor. Aber der bloße Verdacht der Heterodorie reichte hin, daß er am Peßach, also am Freiheitsfeste, 1761 seiner Freiheit beraubt und ins Gefängniß geschleppt wurde! Ew. Wohlgeboren sind ohne Zweifel begierig, zu erfahren, wer diese heroische That vollbrachte: Samuel Sabel Leidesdorfer, Gemeindevorsteher zu Preßburg. Er selbst berichtet in einem konfidentiellen Briefe nach Altona, daß das Verfahren gegen Eybeschütz jedes legalen Grundes entbehrt hat. ״Ich that", fügt er hinzu, ״was ich that, um die bösen Sektirer mit der Wurzel ansmreißen." ('^ההאב 97, a.) Ich begreife nicht, wie Ew. Wohlgeboren zugeben, können, daß ein Werk, das'so köstliche Dokumente enthält, der Vergessenheit anheimfalle. Mardechai Eybeschütz schrieb unter Anderem seinem Vater, daß leider die ganze Preßburger Gemeinde aus lauter Ignoranten bestehe:!בעדה כ? העיר המה אנשי עם הארץ Ew. Wohlgeboren dürft? es unangenehm sein, diele Worte drucken zu lassen. Es steht Ihnen aber frei, dieser Schmähung energisch enlgegeiyntreten, und in einer ״Anmerknng deS Herausgebers" die Versicherung auszusprechen, daß die Ignoranz vor Hundert Jahren nicht so einheimisch in Preßburg war, wie Eybeschütz behauptet. Jsak Levi, der milde und edle Preßburger Rabbiner, weigerte sich, zur Verfolgung der Sabbathäer die Hand zu bieten. Sein Nachfolger, R. M.l'r Darbt (1766—1789), war minder skrupulös. Weite, früher nicht gekannte Dimensionen nahm die Preßburger Verketzerungssncht an, als auf R. Meschullam Tysmenice (1796—1802) R. Moses Sofer folgte (1807). Von nun an wetteiferten Rabbiner und Gemeinde in dem orthodvren Werke der Verfolgung! \ ״Gab es also noch 1807 Sabbathäer in Preßburg?" O nein! Die fortschreitende Bildung hatte die Zahl der schwärmerischen Sabbathäer allenthalben auf ein Minimum reduzirt. Dafür drohte sie aber, die dreieckigen Hüte und die kurzen Beinkleider zu verdrängen, und der hebräischen Grammatik, der MendelSsohn'schen Uebersetznng und den deutschen Büchern Eingang zu verschaffen. Durften da die Hände ruhig m den Schoß gelegt werden? Ew. Wohlgeboren werden es wol freundlich aufnehmen, daß ich Ihnen einen kurzen Auszug aus der chronologischen Tabelle mittheile, welche den Schluß meiner ״Geschichte der Preßburger jüdischen Gemeinde von 1760 bis 1660" bilden wird. 1760. Die Sabbathäer werden mit Wuth verfolgt und beschimpft. 1736. Der Schulaufseher erscheint in der Schule, nm eine Prüfung vorzuuehme», findet aber leere Wände. 1807. Strenges Verbot der runden Hüte, der langen Beinkleider und der deutschen Bücher. Beim ungarischen Reichstage wird um die Sanklionirung des ganzen Talmuds petitionirt. 1818. Grzcsse wegen der Sabbathfrisnr der Mädchen. 1819. Erbitterter Kampf gegen die Preßburger Primärschule und den Hamburger Tempel. Letzterem gegenüber lehrr R. Moses Sofer, die Europäischen Juden seien Kriegsgefangene seit der VeSpafianischen Zeit. 1820. Aaron Chorin wird von der Zeschiba-Jugend mit Steinwürfe» begrüßt. 1825. Den Aaronidischen Schulknaben wird der Besuch der Schule untersagt, wlNN eine Leiche in der Nachbarschaft ist. Bernhard Oppenheimers erfolgreiche Opposition. 1832. Opposition des Preßburger Vorstehers Abr. Hirsch Lemberger gegen die Gmanzipationöbestrebungen der Pester Vorsteher. 1834. Alerandersohn, Rabbiner in Ci'aba, wird verfolgt. ■ 1835. R. Moses Sofer macht den Versuch, Schwab'S Berufung nach Pest zu hintertreibrn; seilte Insinuationen werden von dem Pester Vorstande zurückgewiesen. 1837. Petition bei der k. Ungar. Hofkanzlei um Einführung strenger Synagogenzucht. R. Moses Sofer erklärt jeden für einen Ketzer der den Nachrichten der Aerzte von Scheintodfälien Glauben schenkt. 1839. Die Preßburger spielen in der Emanzipationsfrage eine erbärmliche Rolle. 1840. Der neugewählte Rabbiner erbt von seinem Vater nicht nur das Pnßburger Rabbinat, sondern auch den Antagonismus gegen alle und jede Grammatik. 1844. Kampf gegen die ersten Versuche, den Gottesdienst äußerlich zu veredeln. 1846. Traurige Rolle der Preßburger bei der Toleranztar-Ablösung. Der Päpaer Rabbiner Löw wird verfolgt. Ist es also Ew. Wohlgeboren zu verargen, daß Sie in den Fußlapfen der guten alten Zeit wandeln? Dafür sind Sie ja eben konservativ; wirklich sehr konservativ! Nichtsdestoweniger hätten Sie erwägen sollen, daß wir, Eie und ich, in der Seminarfrage'— freilich nur bis zu einem gewissen Punkte — Hand in Hand gehen!. Ew. Wohlgeboren perhorreöziren mit der ungarischjüdischen Orthodorie die Errrichtnng eines Nabbiner-Semiuars. Wann hätte ich aber behauptet, daß die Orthodorie