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Ben Chananja · 1864-02-03 · 5 (3.2.1864) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
5 (3.2.1864)
Date
1864-02-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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97 gen Jahre an der fast einstimmigen moralischen Ablehnung desselben von Seiten der Vertrauensmänner im Regierungsbezirke scheiterten, weil eö gegen die preußische Verfassung sei, die jüdische Religion iguorire und überhaupt den hiesigen Verhältnissen nicht anpaffen wokle, sich noch lieber mit der mangelhaften Konsistorial-Verfastung begnügen, wenn nach dieser auch die Gemeinden keine Korporationsrechte haben, als mit dem andern Gesetze, obgleich dieses den Synagogengemeinden solche einräumt, da die Nachthcilc desselben diesen einen Vortheil bedeutend aufwicgen. — Da auch unsere hiesige hnmane Regierung diese Wünsche der Israeliten unterstützte, so blieb bisher auch die alte Verfassung fortbestchen nnd sind seitdem keine weitern Schritte von Oben herab erfolgt. Wie es sich in dieser Beziehung in den beiden andern Konsistorialbezirken auf dem linken Rheinuser Bonn und Crefeld verhält, ob und wie weit diese noch fortbestchen, oder ob sie durch das Gesetz vom 23. Juli 1847 aufgehoben worden sind, darüber ist mir nichts Bestimmtes bekannt. Diese Konsistorial-Verfassnng hat unstreitig das Gute, daß der ganze Bezirk noch in einem religiösen Zusammenhange stehet, daher manches Gute in Gemeinschaft Hervorbringen kann, und daß sie einen an der Spitze des Kosistoriums stehenden thätigen und befähigten Rabbiner möglich macht, auf alle Gemeiden den wolthätigsten Einfluß anSzuüben, wovon unser Bezirk den besten Beweis liefert, was meine folgenden Berichte Ihnen zeigen sollen. Eine gründlichere nnd ausführlichere Darstellung der erwähnten beiden Gesetze zu geben, bin ich als Laie nicht im Stande. Sollte eine solche für den ״Ben Chananja" von Interesse sein, so würde Herr Oberrabbiner Kahn diesem Ihrem Verlangen am besten entsprechen können, da er sehr viel in dieser Sache gearbeitet hat, und die entsprechenden Akten besitzt. 8. Breslan, 27. Jänner. Heute hat das hiesige iüdisch-theologische Seminar ״Fränkelschc Stiftung" seine zehnte Stiftungsfeier aus die übliche solenne Weise begangen. Aus dem Berichte ist zu ersehen, daß das herrliche, mustergiltige Institut trotz der Frankfurter Verkctzerungen von Jahr zu Jahr an innerer Consistenz zunimmt, und in immer höherem Maße das Vertrauen der Gemeinden gewinnt. Auch in dem abgelaufenen Jahre haben zwei Hörer nach erlangter rabbinischer Reise das Seminar verlassen: Dr. P. Buchholz und De. W. Kleinperer. Das Zeugniß ver Reise für das Prediger- und Religionslehreramt erhielt Dr. I. Hekscher. Am heutigen Tage wurden mit rabbinischer Reise entlassen: Dr. M. S. Zuckermandel und Dr. I. Wallenstein. Da Dr. Joel das Seminar verläßt, haben der Direktor Dr. Frankl, und Dr. Bernays die von ihm vorgetragenen Gegenstände übernommen. Für die zweite Abtheilung ist Dr. G. Löwe, für die Lehrerabtheilung Dr. Watlerstein eingetreten. Daß Herr Groß aus Szenitz den Lehman- Nischen Preis gewonnen, ist Ihnen bereits gemeldet worden. Die diesjährige Preisaufgabe war: R. Simon b. Gamaliel II. nach seinen Lebenöverhältnissen und seiner geistigen Thätigkeit. Den Preis errang Bloch aus Tworok in Schlesien. Legate erhielt der Verein von Sofie Schwerin nud Eva PringSheim. Die Bibliothek wurde von verschiedenen Seiten bereichert. Die isr. Gemeinde zu Prag hat ein jährliches Stipendium von 200 fl. für einen am Seminar studirenden Prager bestimmt. Die Wiener Gemeinde stiftete ein mehrjähriges Stipendium von 200 fl. Die Landeöjudenschast Böhmens hat drei Stipendien zu 200 fl. für böhmische Seminaristen gegründet. Die Gemeinde zu Baja ertheilt einem Seminaristen aus ihrer Mitte 500 fl.; Dr. Friedländer in Leuthen 60 Thlr,; die Familie Sam. F. Goldberger in Pest und Wien jährlich 280 Thaler; mehrere Freunde jüdischer Wissenschaft zu Preuß. Stargardt 50 Thaler. Das Rabbiner-Seminar zählt 46 Hörer: 24 Preußen, 16 Oesterreicher, 1 Hannoveraner, 1 Darmstädter, 1 Badenser, 1 Lippe-Detmolder, ^Niederländer, 1 Schwede. Fünf dieser Hörer haben die filvsofische Doktorwürde erlangt, 18 besuchen die Universität. Letzterer 98 Umstand darf bei Beurtheilung des hiesigen Lektionsplanes nicht außer Acht gelassen werden. Die semitischen Dialekte werden am Seminarium nicht gelehrt; da die Seminaristen Gelegenheit haben, sich dieselben an der Universität anzueiguen. Dies gilt auch in Bezug auf manche andere Disziplinen. Dem Jahresberichte geht voran: Dauer der gewaltsamen Hellenistrung der Juden und der Tempelentweihung durch Antiochus Epifanes. Von Dr. H. Gr ätz (worüber wir näher berichten werden Red.) 8. 6l. Breslau, 1. Februar. Soeben erfährt man durch den Telegrafen, daß Dr. Michael Sachs, RabbinatS- Assessor und Prediger in Berlin, den Schauplatz seines Wirkens auf Erden verlassen hat. Die Nachricht brachte allgemeine Erschütterung hervor. Der Vollendete war 52 Iahre alt. Ra bb. Dr. Ioel wurde zur Abhaltung der Leichenrede berufen. 8. 6-. Breslau, 29. Jänner.. Der Privatdozent Herr Dr. Finkenstein sprach in der letzten Abendversammlung des jüdisch-wissenschaftltchen Vereins über die biblische Tradition, betreffend die Abstammung des Menschengeschlechtes von einem Menschenpaar im Vergleich zu den Ansichten der modernen Naturforscher. Der Vortrag knüpfte an einen früheren desselben Redners über die mosaische Schöpfungsgeschichte an, beleuchtete das Alter der Erde, welches, wie neuere Untersuchungen festgestellt, weit über 6000 Jahre hinausgeht, zeigte aber auch daß die jüdische Chronologie für die vorliegende Frage unerheblich sei. Der Redner widerlegte ferner die Behauptung derjenigen Gelehrten, die den Menschen aus dem Thierreiche hervorgegaugen wissen wollen, und den Schwerpunkt seines Vortrages bildete der Beweis, nach welchem das Menschengeschlecht nicht nur eine eigene Art, sondern auch in der Weise eine Art ist, daß alle Racen nur unwesentliche Variationen eines und desselben Urtypus sind. Seine Beweise waren anatomisch und historisch begründet. Der ganze Vortrag erfreute sich der ungetheiltesten Aufmerksamkeit einer zahlreichen Zuhörerschaft. 8. 6. Breslau, 29. Jänner.. Die Gedächtnißfcier des Kommerzienrathes Jonas Fränkel, Begründers des Seminars, sowie manch anderer wohlthätiger Anstalten hiesiger Gemeinde, wurde statutengemäß am 27. d. im Seminar begangen. Hieran reihte sich zugleich vie Entlaffung zweier Hörer der Anstalt, der Herren Drs. Josue Wallerstein aus Siegburg am Rhein nnd M. S. Zuckermandel aus ungar. Brod in Mähren. Choralgesang leitete die Feier ein, zu der sich viele Notabilitäten der Stadt, Professoren der Universität und die Vertreter der Gemeinde eingefunden hatten, worauf Herr Direktor Dr. Frankel die Kanzel bestieg, nnd in einer Rede darauf hinwies, daß das fromme Bestreben der Menschen wolthätige Stiftungen zu gründen, die über das Grab hinausreiche» sollen, von dem unbestreitbaren Gefühle und lebhaftem Bewußtsein der Unsterblichkeit der Seele zeuge. Frommen und Edlen fuhr der Redner fort, brauche man einem talmudischen Aus-' spruche gemäß keine Denkmäler zu setzen, weil sie selbst sich solche errichten und er bezeichne mit Freuden als die Denkmäler des verewigten Stifters dieser Anstalt Zöglinge derselben, welche sich für ihren künf- Ligen heiligen Berus hier auögebildet, und von denen heute am Gedächtnißtage des Stifters zwei für reif erklärt und entlassen werden. Sodann erfolgte vie Verlesung der Hörer des Seminars, denen Stipendle» znerkannt wurden und Nennung des Gewinners der im vorigen Jahre gestellten Preisfrage (Herr stuä. phil. P. Bloch aus Tworog in Schlesien.) Herr Dr. Wallerstein besprach hierauf in längerer gediegencr Rede Beruf und Pflichten eines Rabbiners, nahm Abschied von seinen Studiengenoffen und dankte dem Lehrerkollegium in seinem und seines Kollegen Namen für den empfangenen Unterricht. Dr. Frankel bestieg nun noch einmal die Kanzel und wandte sich mit einer Ansprache an die Ausscheidenden, ermahnte sie mit Wärme und Innigkeit, ihre

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