Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-02-03 · 5 (3.2.1864) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
5 (3.2.1864)
Date
1864-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543127--3501-2547384
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

99 100 UeberzeugungStreue stets zu bewahr,״, und auf ihre Berufskreise auszudehnen, nie mit Fanatismus, sondern stets mit Milde und Sanftmuth zu wirken. Mit dem Gebete für daS Königspaar endete die erhebende Feier. Inland. A. Prag, 28. Jänner. Die hiesige Kultusgemeinde-Repräsentanz hat dem Dr. Stein das Recht zugesprochen, in der Meiselsynagoge Trauungen vorzuuehmcn. Zwei Repräseutanrcn haben Verwarnung dagegen eingelegt. Hoffentlich wird die Repräsentanz im Vereine mit dem Vorstande der Meiselsynagoge dafür sorgen, daß der ehrwürdige Rappoport, dessen Firum sehr unbedeutend ist, aus eine angemessene Weise entschädiget werde. — Szegedin, 26. Jänner. Das Resultat der Sammlung zu Gunsten der Gemeindearmen war ungefähr 800 fl. Dte crmittirten Herren Ausländer Jos., Holzer Sal., Kirschner Hernr., Pollak Jakob, haben ihre Mission mit ausdauernder Liebe vollzogen. Der Gevatterverein spendete in. Folge eines Beschlusses der Generalversammlung 151 fl. Von den Herren Lichtenberger Moriz und Scheinbergcr Anton wurden den HauSarmen auch Brennmateriale zugewendet. Herr Karl Deutsch spendete Holz und Frucht. Der Direktor der Erportmühle, Herr Ferdinand Burgeth, läßt nicht nur 75 christlichen, sondern auch 25 jüdischen Armen täglich Suppe und Brod verabreichen. Letztere erhalten ihre Kost vom Wärter des jüdischen Spitals. Szetttes, 27. Jänner. Die Fürsorge der hiesigen Gemeinde für ihre Armen.verdient mit besonderer Anerkennung hervorgehoben zu werden, indem die armen Familien wöchentlich mit Fleisch, Brot und andern Lebensmitteln versehen werden. 8. Mak», 24. Jänner. Seit Beginn der strengen Winterszeit wurde in unserer Stadt die durch die heurige Mißernte verursachte Noth von Tag zu Tag fühlbarer, und ist die Zahl derer, die dem Elende preisgcgeben und an dem Hungertuche nagen, noch heute in Zunahme begriffen. Alle AnstrengUligen Seitens der Behörden und Privaten, die Noth möglichst zu lindern, waren bisher unzureichend. Daß bei den unter verschiedenen Formen sich kundgebcndcn Bestrebungen, den Hilfsbedürftigen Unterstützung zu gewähren, die Vermöglicheru unserer Kultusgemeiude nicht nur nicht zurückblicbcn, sondern vielmehr in erster Reihe ihre Opferwilligkeit bethätigteu, ja daß selbst die von der städt. Kommuiialbchörde eingeleiteten Sammlungen zu Gunsten der Nothleidenden von Israeliten augeregt wurden, wird Niemanden wundern, der den regen Wohlthäligkeitssiun unserer Glaubensgenossen kennt und weiß: ^כי לא אלמן ישך־א• Erfreulich für uns war nur die den EinsichtS- •volleren nnscrrr christlichen Milbrüder hierdurch abgerungcue Ancrkennung und der □קידוש חש• Der uralte und gottlob noch nicht in Vergesscnhcil geratheue altjüdische Grundsatz *p# והי אחיך wird aber von den Bemittcliern und Bcssergcsinntcn unserer Kultusgemcinde mit edler Anstrengung zur vo'lcn Geltung gebracht. Es hat sich nämlich auf Anregung des Knltusvorstaudcs und unter dessen Acghde ein israelitisches NvthstaudskomitH gebildet, das für die vou Tag zu Tag zahlreicher werdenden nothleidenden armen israelitischen Gemeindemitglieder Sammlungen veranstaltet und die Verthcilung der einflicßenden Gelder besorgt. Schon sind durch die Mildthätigkeit unserer israelitischen Mitbcüdcr namhafte Summen cingefloffeil und manche im Verborgenen hungernde Familie ausgesucht und im Stillen unterstützt worden. Die verdiente Aurr.keiinuug blieb aber auch nicht aus. Se. Hochwolgeboren unser vielverrbrter Herr Obergespansstcllvertreter hat dem gedachten Koniitö aus der Nolhstandskasse des Komitateö 40 fl zukommen lassen. Das hicrortigc städtische Casino, aufs edelmüthigste bestrebt, die Herrschende allgemeine Noth zu lindern, hat auf Anregung des Herrn Advokatcu I. BlazsovicS in seiucr Mitte eine Kollekte zu Gunsten der Nothleidenden veranstaltet und speiset nun allsvnntäglich 60 Arme. In Anerkennung der durch die israelitischkit Castnomikglieder auch hier be- ' währten jüdischen Mildthätigkeit hat das Casino beschlossen, auch zehn jüdische arme Familien allwöchentlich einmal zu speisen und wurde der hierfür entfallende Alimentationsbetrag auf vier Monate anticipando dem gedachten israelitischen Komitä zugemittelt. Rühmend erwähnt zu werden verdient noch der Edelmuth des hiergebürtigen Araber Bürgers Sam. v. Dobsa, der sowol dem Casino, als auch dem israelitischen Nothstandskomitö beträchtliche Beiträge znkommen ließ. Möge dieses Beispiel Seitens unserer Glaubensbrüder in Nah und Ferne Nachahmnng finden, damit das edle Streben unseres NothstandkomitüS mit erwünschtem Erfolge gekrönt und den leider noch immer in größter Noth lebenden Armen nnserer Kultusgemcinde ausgiebige Unterstützung geboten werde. Der allgemein geachtete Herr Med. Dr. Josef AbeleS, Präses des mehrgenannten Komitös wird sicher mit Dank auch die kleinsten Beiträge annehmen und sie ihrer Bestimmung zuführen. Veßprim, 26 Jänner. Ich versprach Ihnen, über Ujhely zu berichten; aber verschiedene Gründe bestimmen mich, einen Umweg zu machen und mich zuerst nach EperieS zu begeben. Dies ist der freundlichste und hellste Punkt Oberuugarns, wo der Freund der Bildung und Aufklärung gern verweilt und mit Vergnügen seine Augen an den Herrlichen Institutionen der Gemeinde verweilen läßt. Was in Kaschau ein piuw desiderium ist, ist hier realisirt. Ein Tempel mit geregeltem Gottesdienst, eine vierklassigc Hauptschule mit den nöthigen Lehrmitteln und einer Kinderbibliothek, und mehrere Wohlthätigkcltsauftalten sind hier im blühendsten Zustande und schon deren Wahrnehmung läßt den Fremde» auf eine gebildete Gemeinde schließen. Woher mag das gekommen sein, daß unsere Glaubensgenossen in Eperies, dem Zeitgeist huldigend, alle dem Orte angemessene moderne Institutionen besitzen, während in der ganzen Umgebung die krasseste Ignoranz herrscht, und blos der Name der modernen Anstalten die Seelen mit Schrecken und Entsetzen erfüllt? Sind etwa die Leute dieser jungen Gemeinde vom Himmel herabgefallen? Diese und ähnliche Fragen tauchen unstreitig in der Seele eines jeden Reisenden bei der Berührung vou EperieS auf. Es dürfte daher nicht überflüssig sein, einen flüchtigen Blick auf die Vergangenheit der Gemeinde zu werfen, um hierdurch den Schlüssel zur Beantwortung dieser Fragen zu finden. Jedoch ist sie mit der Lebcnsgeschichte Leo Holländers, eines Bürgers EperieS, so innigst. verschlungen und verbunden, daß ich aus derselben hier.einige Haupt- Momente anführen muß: Was Choriil für Arad und Perl für Tarnopol waren, das war und ist noch zum Theil Holländer für Eperies. Nachdem Holländer seine Studien in seiner Vaterstadt Eperics vollendet hatte — ungefähr im Jahre 1828 — bereiste er mit Franz Pulßky die bedeutendsten Staaten Europas. Von der Reise h,imgekehrt, übernahm er das Geschäft seines Vaters und wurde der Chef des Hauses. Im Besitze eines großen VermögenS und ausgezeichneter Bildung erwarb er sich bald die Achtung aller Stände in solchem Grade, daß die angesehensten Bürger und die Söhne der stolzen Aristokratie seinen Umgang und seine Gesellschaft suchte». Sein Einfluß war in allen Angelegenheiten bedeutend, und er benützte diesen zum Nutzen und Frommen seiner Glaubensgenossen. Es dürfte schwerlich im Saroser Komitate eine jüdische Gemeinde geben, wo er dem einen oder dem ander» Mitgliede nicht mit Rath und That beigestanden wäre. Ueberall, wohin ich in diesem Komitate kam, hörte ich nur Lobenswerthes und Rühmendes über seine Menschenfreundlichkeit und Liebe zu seinen Glaubensbrüdern sprechen. Aber nicht nur die Menscheu-, sondern auch die religiösen Pflichten erfüllte er auf eine Musterhafte Weise. So ließ er im Jahre 1830, als noch in Eperies keine 10 Familien wohnte», einen schönen Tempel bauen, führte in demselben den Choralgottcsdienst ein und stellte einen Prediger an. Seit dieser Zeit stand er mit geringer Unterbrechung bis jüngster Zeit an der Spitze der Gemeinde, die sich allmälig vergrößerte׳, so daß deren Mitglieder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.