Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 6 (4.2.1863)
- Date
- 1863-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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91 92 den könne, zu Gunsten seiner materiellen Wohlsarth oder seiner sozialen Stellung irgend ein Ceremonialgesetz zn übertreten, stellt die Orthodorie entschieden in Abrede. ES fehlt ihr sogar nicht der Muth, der Wissenschaft und der Kunst Opposition zu machen. Ein Jüngling will Anatomie studiren, R. MoseS Sofer verbietet ihm aber den Eintritt in den Sezirsaal: der Jüngling ist ein Kohen! Ein anderer Jüngling will Bildhauer werden. R. MoseS Sofer giebt feine Einwilligung dazu nur unter der Bedingung, daß der junge Künstler sich hüte, mit eigner Hand einen Kopf zu vollenden")'. Alle Vorstellungen, die den Anforderungen und Bedürfnissen einer fortgeschrittenen Zeit entnommen werden, sind hier erfolglos und vergeblich. Die Orthodorie beruft sich auf ihre Folkanten, und autlvortet.- non possurausJ Ehoriu wiederholte dagegen beinahe ein halbes Jahrhundert hindurch, daß die Orthodorie, indem sie eine solche RücksichtSlostgkeit gegen die Zeilforderungen an den Tag lege, den Thalmud verkenne, da gerade der Thalmud den Fortschritt und die zeitgemäße Reform begünstige. Auch ist nicht in Abrede zu stellen, daß sich im Thalmud reformistische Elemente finden, welche wir bei einer andern Gelegenheit vollständig zusammenzustellen beabsichtigen. Allein herrschendes Prinzip der thalmudischcn und nachthalmudischcu Zeit blieb stets die Marime: Je geneigter die Zeit ist, dem Religionögesetze und dem Herkommen zuwider zu Hände ln, d est o ents ch iedeuer und strenger mußt du derselben entgegentreten 1C)! ״Aber eine Synode kann ja auch an die Stelle dieser Marime eine andere mildere Marime setzen!" Unmöglich ist dies allerdings nicht. Und sollte dies wirklich einmal geschehen, so wird Chorin alö der erste Verkünder der Reform vermittelst synodaler Beschlüsse erst recht zu Ehren gebracht worden. Aber auch heutzutage gibt eS nicht wenige konservative Rabbiner, welche den Chorin'schen Reformen, und zwar nicht nur den liturgischen, sondern auch der Zuläsiigkcit der Eisenbahnfahrten an Sabbathen und Festtagen und dem Genüsse von Hilsenfrüchten am Peßach, ihren Beifall zollen. Nnr sein Vorschlag, bei gottesdienstlichen Funktioneu daS Haupt zu entblößen, hat außerhalb der Berliner Nesormgenossenschaft bis auf den heutigen Tag nicht den geringsten Anklang gefunden. Woher dicö komme, verdient wohl näher erörtert zu werden. Fortsetzung folgt. Anmerkungen ל S. Nr. 49. ». I. und 2. 3. 4. dg. 3. *) S. oben Nr. 4• S. 59. י) Para 7. 6. 7. Tosest» das. Abschn. S.. wo neben Horaat Schaab noch da« Wort אהח ') Sanh. 78, b. 80, b. Zebach. 108, b. Nb. 24, b. 3»bam. 90, b. Temura 15 b *) Maim. Mischne Thora Sanh. 16. 6. *) Ene ha-Daath Ösen 1829 S. 28. 29. ל Der treue Bote, S. 43. d. hebr. Theil«. *) Wort zn seiner Zeit. S. 28. Anw. de« hebr. Theil«. ל S. über alle« dir« Zrbam. 89. a. ff. und R. Sal. b. Adder, das. ") M. Thora Therum. 5. 8. ") Irr. Sabb. 1, 4. S. das. und das. 153, b. ״) Themnra 14, b. ״) G. B- Chananja UL 491. ״) S. GA. d. R. Mos. Isseel« Nr. 17. '*) Chatbam Sofer zu« Zore Dea 128. 338. ") S. Choschea Mispat. Abschn. 2 und die daselbst bezeichne!,» Quellen. Iore Dea 334. c. Dergl. besonder« Hirsch Chaje« Darche ha—Hora'a S. 23 ff. Erziehung und ächute. 11. Aeber den Unterricht im llebersehen der hebräischen Gebete, besonders in Mädchenschulen. Von Obcrrabbiner 3- Kahn in Trier. (Schluß.') Aber, wird mit Recht eingcwendet werden, wie erwecken und erhalten wir die Andacht der Kinder beim ösfrntlichen Gottesdienste, der in den meisten Gemeinden 3staels noch in fast allen seinen Be« standthcilcn hebräisch abgehalten wirb,'? Bei allem Streben in der neuern Zeit, prachtvollr Gotteshäuser zu erbauen und in denselben einen gcregelten, mit Chor und Orgelbegleitung verherrlichten Gottesdienst ein׳ zusl'ihrrn. ist die hebräische Sprache »och dessen Hauptbestaudtheil ge« blieben und wird sie es auch noch lange bleiben, da ja in dieser Beziehung sogar manche größere, dem Fortschritte huldigende Gemeinden, so wie auch freisinnige Rabbiuen scheinbare Rückschritte gemacht haben, lieber die Ursache dieser Erscheinung werde ich mich bei einer andern Gelegenheit anssprechen; hier würde es mich zu weit von meinem Thema abführe».— Durch die schönere, äußere Gestalt unserer GotteS« Häuser und die bessere innere Beschaffenheit des Gottesdienstes in den« selben, besuchen ja unsere Franen und Mädchen sehr gern und fast un» unterbrochen denselben, was zu meiner innigen Freude in hiesiger Ge« meiiide, seitdem wir ein schönes, neues Gotteshaus mit einem erbaueo« den Gottesdienste habe». der Fall ist. Soll diesen , so wie auch den meisten Knabe!, und Männern dahebräische Gebet au« Mangel an Verständniß desselben, wie ein versiegelter Brief, unverständlich blei» bei,? Oder sollen sie etwa, während der Borbeter diese hebräisch vor« trägt und der Chor sie wiederhol», deutsch beten? Gewiß nicht, da sie sich hierdurch de» gemeinschaftlichen Gottesdienstes verlustig machen und sich auch nicht wahrhaft erbauen und andächtig stimmen können. Wie ist nun dem großen Nebel abzuhelfen? 3ch lege den geehrten Männern vom Fache folgenden Versuch zur Prüfung und Beurtheilung vor. den ich mit meinen eigenen Töchtern zu meiner theilweiseu Befriedigung gemacht habe, nachdem ich mehrere Jahre vorher, nach meiner früher angeführten Methode, aber ohne günstigen Erfolg, verfabren und sowohl mich, al« auch die Schüler hierbei abgeplogt und gequält habe. Zch hatte zunächst den Zweck vor Augen, daß sie vorzüglich dir Gebete, die während ihre« Derweilen« im Gotteshause in hebräischer Sprache verrichtet werden, verstehen und solche daher auch andächtig mitbeteu können, somit dir Gebete für den Abend« und Morgengölte «dien st der Sabbatbe und Feiertage und zwar für erster,» nur die von Borchu und für letzteren von Nischma« au. — Da« Lecho Neranrua und Lecho Dodi. sowie die Gebete bi« Nischma« können str י) S. d. vor. Nr».