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Ben Chananja · 1863-01-28 · 5 (28.1.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
5 (28.1.1863)
Date
1863-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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J -J 71 frlb schickte Chorin daS Manuskript seines WerkchenS ״ein LZort zu seiner Zeit", welches Harzfeld in'S Deutsche übersetzte und zum Drucke beförderte. Nachdem der Druck deS Wortes zu seiner Zeit vollendet war, ging Chorin über Prcßburg nach Wien. In Preßburg erinnerte ihn der Empfang, den ihm die Hörer R. MoseS Sofer'S bereiteten, an die Ovation, die ihm 1805 von der Altofner Jugend gebracht worden war. Die progressive Partei kam ihm dagegen mit aller Ehrerbietung entgegen. In Wien wurde er mit Aufmerksamkeiten überhäuft, und die Zusage behördlichen Schutzes wurde ihm in so entschiedener Weise zu Theil, daß der angesehene Michael Lazar Biedermann den Altofner Großhändlern den Wink geben konnte, ihren Rabbiner von jeder Behelligung seines Araber Collegen zurückznhalten. Daraus gestutzt, konnte Chorin sein ״Wort zu seiner Zeit" ohne Furcht vor neuen Anfeindungen über Stapel laufen lassen. Biedermann war eS auch, der den Antrag stellte, in dem in Wien neu zu gründenden Tempel Chorin als Rabbiner anzustellen. Dieser Antrag fand zunächst bei der Ne« gierung keinen Anklang, weil die in Ungarn in Folge der Unterbrechung der Reichstage herrschende politische Stimmuttg Bedenken einflößte. Später hatte Biedermann in Leipzig Gelegenheit, Mannheimer zu hören, worauf er die Berufung desselben allen Eifers betrieb. Löb Harzfeld setzte indeß seine Correzpondcnz mit Chorin fort, und nachdem daS Urtheil deS mährischen LandeSrabbinerS Markus Benedikt die Einführung deS Hamburger Ritus in Wien verhindert halte, waren cS besonders Chorin'S Rathschläge, die daselbst beachte: wurden. In Ungarn erzählte man sich, die Wiener Vertreter hätten geschwankt, ob sie die Trauungen vom Prediger sollen vornehmen lassen, und daß eS Chorin'S Rath war, der sie bestimmte, diese Frage zu Gunsten deS PredigerS zu entscheiden. 10. Die süddeutsche Reform und der ungarische Reformator. Chorin'S ״Wort zu seiner Zeit", das in Ungarn kaum beachtet wurde, machte in reformistisch gesinnten jüdischen Kreisen in Deutschland außerordentliche- Aussehen. Solche Theorien, Argumente, Vorschläge und Ermunterungen waren bis dahin niemals aus dem Munde eines Rabbiners vernommen worden! DaS Merkchen wurde nicht im Wege des Buchhandels verbreitet. Der Ceusor Harzfeld war aber eisrigst beflissen, eS an die Koryphäen der Reform in Deutschland zu versenden, woher dem Verfasser mancher Beweis wohlwollender Anerkennung zukam. Israel Jakobson begleitete die vou ihm dem Verfasser gesendete Tabatiäre mit einem Schreiben, in welchem er denselben seiner Hochachtung und Freundschaft versicherte. Den glänzendsten Erfolg hatte Chorin'S Schrift im südlichen Deutschland: Die Regierung 72 deS GroßherzogthumS Baden ließ von ihm, dem Rabbiner einer kleinen ungarische» Gemeinde, ein theologisches Gutachten einholen! Die Deranlassung dazu war folgende. Bevor der Wiener Tempel gegründet und dessen RitnS geregelt worden war, betrachteten die progressiv gesinnten deutschen Juden die neueingerichteten Andachtstättea in Hambürg und Berlin als ihre Muster und Vorbilder. Nach der Gründung deS Wiener Tempels änderte sich dieses Verhältniß. Da sich nämlich der neue Wiener RituS mehr an daS Herkommen anschloß, machte er eine Zeitlang den norddeutschen Tempeln ihren Einfluß streitig. Die Wiener Einrichtungen blieben maßgebend bis in die vierziger Jahre, wo sie nicht nur von vielen westlicheren, sondern selbst von östicheren Synagogen überflügelt wurden, ohne im Stande zu sein, die Sympathie der einheimischen Orthodorie zu gewinuen. Als sich 1818 in Karlsruhe ein refonnatorischer Geist regte, wurde, da zu jener Zeit noch kein konservativereS Muster vorhanden war, der Tempel zu Hamburg und zu Berlin zum Vorbilde genommen. An der Spitze deS neuen CultuSvereineS stand der angesehene Hofagent und Banquier S. Haber 8enior. Der Verein legte sein Vorhaben der Negierung vor, welche, — wie die KarSruher Zeitung vom 1. Juni 1818 berichtete, — ״nicht nur ihre hohe Genehmignng, sondern auch die erhebende Zusicherung ertheilte, daß dieses Unternehmen alle Unterstützung verdiene." Am 23. Juni 1820 wurde der neue Tempel in Karlsruhe eröffnet. Die Negierung hatte aber auch die Absicht, die jüdischen Angelegenheiten in progressivem Sinne zu organisiren, ohne dem Gewissen der jüdischen Unterthanen Gewalt anzuthunj; in Folge dessen erhielt Haber den Auftrag, Chorin'S Gutachten einzuholen. Er schrieb an letztem unterm 3. Feber 1821: ״Ihr schätzbare- und allgemein bewundertes Schriftchen hat bereitbei Staat und israelitischen Uoterthaneu kräftig gewirkt, und man ist gegenwärtig damit beschäftigt, Erziehung, Cultuö, Ackerbau und bürgerliche Gewerbe, so wie eS der Geist der Zeit und der bessern Menschen erfordert, zu gestalten. Der Staat, behutsam in dem, was er Neues begünstigen soll, greift nicht rasch in ReüzionSsachea ein. Wohl wissend, daß eS leider an literärisch-gebildeteu und vou Vorurtheilen freien Rabbinern fehlt, wünscht er sobald und so ausführlich als möglich, von einem geeigneten Rabbiner ein Gutachten zu erhalten über beide folgende Frageu: Erstens: Welche Gegenstände nach jübischea Dogme» durchaus in den Wirkungskreis der Nabbineu gehören, so daß falls der Staat etwain solchen speziellen Gegeustäuden verfügen wollte, eS nur mit Zustimmung deS darum zu befragenden Rabbinergeschehen konnte, weuu eS nicht auderS, als ein wahrer Eingriff in die Religiou angesehen werden sollte?

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