Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 3 (14.1.1863)
- Date
- 1863-01-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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37 38 J^assL gebe Menschen, die im Stande sind, durch gesprochene oder geschriebene sinnlose Buchstaben - Combinationen Wunder zu zu thuu, und die Natur zu nöthigen, daß sie ihren ersahrungSmäßigen Gang unterbreche. ES ist aber klar, daß dieser Glaube der Einsicht der gesunden Vernunft widerspricht; denn ״mag sich eine Art rühmen wider den, der damit hauet (Jehaj. 10, 15)?" Die von Jsrael'S Schriftgelehrten vollbrachten, im Thalmud erzählten Wunder waren Wirkungen ihrer Gebete; manche hieher gehörende thalmubische Erzählungen lassen nur eine allegorische Ausfassung zu." In einer unS vorliegenden autographen Umarbeitung deS Rosch Amana spricht sich Ehorin noch entschiedener über die Werthlosigkeit der Erperimcntal-Kabbala auS. Hier beruft er sich auf MaimonideS, der die Thorheit der Amuletenschreiber geißelt 13), wiewohl er (Ehorin) ausdrücklich erwähnt, daß der Thalmud die Wirksamkeit der Amulete an« erkennt"); er meint aber, diese vermeintliche Wirksamkeit müsse dem Einflüsse der Fantasie der Patienten zugeschrieben werden. Bezüglich der thalmudischen Wundersagen bcrnst er sich zuvörderst ans die bekannte Ansicht dcö-R. Jehuda ha— Levi von der Redaktion deö Thalmudö "), macht aber später den Versuch, auch die bezüglichen Sagen ") allegorisch zu deuten, um dem Thalmud nicht den Glauben an die magische Wirkung der ausgesprochenen oder ausgezeichneten GotteSnamen zuschreiben zu müssen. R. MoseS Sofer legt 1818 daS Bekenntniß ab, daß er von dieser magischen Wirkung vollkommen und zwar auS eigener Erfahrung überzeugt sei. In dem frommen Eiser, mit welchem er diesen Gegenstand auf eine gelehrte Weise bespricht, Übersicht er eine Bibelstelle ") und verwechselt in einer angeführten Thalmudstelle David mit Ahithoscl'»)! Wem eS auffallen sollte, daß die praktische Kabbala noch 1818 an dem einflußreichsten ungarischen Rabbiner einen entschiedenen und warmen Anhänger hatte, der bedenke, daß die einflußreichsten ungarischen Rab« biner selbst 1863 dieselbe Gesinnung hegen, und daß eS auch unter denen, die diese Leichtgläubigkeit nicht theilen, nur wenige gibt, die den Muth hätten, Chorin'S darauf bezüglichen Worte zu unterschreiben! Die haggadischen Aussprüche, welche Ehorin zum Gegenstande seiner silosofischen Deutung wählt, sind thcilS solchr, deren Deutung bereits früher auf anderen Wegen versucht wurde, theilö solche, an deren Deutung er sich zuerst gewagt hat. Am ortginellsten ist in letzterer Beziehung sein Versuch, die fünfzig Pforten der Einsicht, von denen im Thalmud die Rede ist'»), als fünfzig von ihm speziell ausgezählte Thalsachen auszufassen, in denen sich das Walten der g ältlichen Vorsehung besonders kundthut und offenbart. Die Parteien seiner Zeit schildert er in einer an die Spitze deS BncheS gesetzten Vorbemerkung auf folgende Weise: ״Manche wollen die Wahrheit nicht hören, weil sie alle Religiosität und Sittlichkeit vou sich abgeschüttekt haben; sie verschließen ihr Auge, um die an ihnen haftenden Mängel nicht wahrzunehmen. ES gibt aber solche, welche die Wahrheit zwar lieben, aber ihre Fantasie leitet sie irre, so daß sie die Finsterniß für Licht, daS Licht für Finsterniß halten: sie bemühen sich, ihre eigenen Mängel und ihre Albernheit als Vollkommenheit und Weisheit, die Vollkommenheit und Weisheit Anderer aber als Mängel und Ketzereien darznstellen. Wenige nur befolgen die Lehre: ״Wer ist weise? wer von Jedem lernt." An jede dieser drei Parteien richtet er einige Worte, hinzufügend, daß er sich nicht scheue, auch alten und verbreiteten Vorurtheilcn entgegenzutreten. ״Ich erwarte", sagt er hierauf, ״von Wahrheilsfreunden eine milde, die Totalität meines BucheS in'S Auge fassende Beurtheilung; denn einzelne Stellen, die eine verschiedene Auffassung znlassen, finden sich in jedem Buche." DaS Gutachten deS Altofner Rabbiners MoseS Münz, welches dem Werke vorgedruckt ist, enthält eine reiche Fülle von Lobeserhebungen deS Verfassers. MoseS Kunitzer preist denselben in einem hebräischen Gedichte, und fordert ihn auf, die eingefchlagcnc Bahn nicht zu verlassen, und auch in Zukunft ähnliche Werke zu veröffentlichen. 5. Der verehrte und verfolgte Neligionsfilosof. Einen besonders günstigen Eindruck machte die Abhandlung Rosch Amana auf den — allerdings engen — KreiS aufgeklärter Männer in Galizien, besonders in Lemberg. Abraham Abele Landau knüpfte mit Ehorin einen Drirswcchscl an, nnd hatte nach einigen Jahren die Absicht, eine zweite Auflage deS Buchezu veranstalten. Ehorin nahm eine Revision desselben vor und bereicherte eS mit vielen Erweiterungen. Die Orthodorie wußte jedoch die Drucklegnng zu verhindern. DaS Heft, in welchem die Dcrbessenmgen und Erweiterungen durchweg Chorin'S Handschrift sind, wandcrtc von Hand zu Hand, bis eS voriges Jahr in den Besitz deS Redakteurs dieser Blätter gelangte. Auf den letzten zwei Blättern stehen drei den Verfasser preisende Gedichtchen von Salomo Löb Rapoport, Benjamin b.Hirsch (Natkeö), Jakob Josua ha—Kohen JolleS. Ganz entgegengesetzte Wirkungen brachte daS Werk in Chorin'S unmittelbarer Nähe hervor. Eia Hauslehrer desselben schickte eS nach NikolSburg, worauf der mährische LandeSrabbiner, Markus Benedikt, nach Arad schrieb, daS Buch enthielte Ketzereien und müßte verbrannt werden. Der Araber Gemeindevorstand verharrte jedoch in seiner Auhänglichkeit an Ehorin, nachdem dieser den Nikolöburger Vorstand ausgesorden hatte, bei dem dortigen Rabbiner eine spezielle Nachweisung der angeblichen Ketzereien zu erwirken. ES bildete sich aber in Arad eine Gegenpartei, an deren Spitze sich ein reicher vud angesehener Mann gestellt hatte.