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Ben Chananja · 1863-01-14 · 3 (14.1.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
3 (14.1.1863)
Date
1863-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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39 40 Dieser scheute sich nicht, am Bußesabbathe 1804 gegen den Rabbiner, während derselbe predigte, heftige Flüche auözu, stoßen. Alle Vermittlungsversuche des Vorstandes blieben erfolglos. Der Führer der Gegenpartei versprach jedoch, sich ruhig zu verhalten, sobald der Altofner ^׳,bdiner daS Zeug« niß ausgestellt haben wird, daß der Rosch Amana keine Ketzerei enthalte. Der Gerr.cindevorstand wendete sich nun an den Altofner Rabbiner, und dieser ließ am 8. August 1805 ein Dokument aufsetzen, welches einerseits die Miß« btttiguug darüber ausspricht, daß der Verfasser des Rosch Amana manches geschrieben habe, daS dem Pöbel fremd« artig scheinen muß, und worüber vor Jahrhunderten gcwal« tige Streitigkeiten entstanden sind; andererseits aber bezeugt, daß daS Buch keinerlei Ketzerei enthalte, und daß die Araber Gemeinde verpflichtet sei, ihren Rabbiner zu ehren und zu rcspektirc». Dieses Dokument zeigte er Chorin, ohne eö jedoch zu unterzeichnen. Der Altosner Rabbiner befand sich offenbar iu einer peinlichen Verlegenheit. DaS in« kriminirle Buch war mit seiner Approbation versehen, und gegen den Verfasser war er seit einer Reihe von Jahren wohlwollend gesinnt. Andererseits wurde er von der Ortho« dorie gedrängt, daö Buch zu verdammen und den Verfasser eremplarisch zu bestrafen. Er beschloß, den Einflüsterungen nachzugeben, sich selbst aber möglichst neutral zu verhalten. Auf seine Einladung erschienen die Rabbiner von Aßod und Zsambek am 1. September 1805 iu Allofen, um gemein, schastlich mit ihm daö Tribunal zn bilden, vor welches Chorin geladen wurde. Die Araber Gegenpartei war durch drei j ihrer Mitglieder vertreten. Chorin besaß Fassung genug, der > von den Richtern nrgirlen Ausstellung eines Kompromisses! zu entgehen. Er schrieb aus den ihm gereichten Bogen Pa- Pier daö Wort Kompromiß, und setzte unmittelbar darunter seinen Namen, ohne den Gegenstand dcS Kompromisses näher anzngeben. Die Araber Gegner Unterzeichneten ebenfalls. Die Verhandlung wurde, da Abend geworden war, erst am fol« genden Tage, 2. September, und zwar im Altofner Gemeindehause vorgcnommen. Der Altofner Rabbiner selbst erschien nicht. Die Hauptrolle spielte dabei der Aßoder Rab« biner, Samuel Butschowitz, der schon während der Sterletschde darüber geklagt hatte, daß in Ungarn kein Landeörabbiner daS Regiment über die Rabbinen. führt, so daß den einzelnen Rabbinen ein zu weiter Spielraum gelassen ist. Er verkündete auch dem Jnquisiten, der schon im Sinagogenhose mit Beschimpfungen empfangen worden war, daS Urtheil: ״Chorin nmß den Inhalt seines Briefes widerrufen. Sollte er sich weigern, dies zu thun, wird ihm zur Strafe für seine ketzerischen Ausschreitungen der Bart abge« schnitten." Ehorin schrieb hierauf in hebräischer Sprache folgende Worte nieder: ״Da ich gehört habe, daß mein Buch Emek ha—Schawe unter einigen Rabbinen der Zeit.Aus« regung hervorgerufen hat, so erkläre ich, — wiewohl ich nie die Absicht hatte, gegen die Grundsätze der Religion zv reden oder zu schreiben, — daß ich meine Ansichten denen der Schriftgelehrten der Zeit unterordne. Ich befolge daS Beispiel deS Königs HiSkiaS, der die kupferne Schlange, die Mose in der Wüste verfertigt hatte, zertrümmern ließ, damit nicht der Pöbel dieselbe zur Abgötterei mißbrauche. Ich wünsche also, daß mein Buch unterschlagen werde. Altofen, am 2. September 1805." Chorin gab nach, nachdem er vergeblich gefordert hatte, daß man ihm dir inknmi« nirten Stellen zeige. Letzteres wäre allerdings in der Ordnung gewesen. Aber Chorin befand sich auf einem ziemlich naiven Standpunkte, wenn er glaubte, sein Buch vor dem Forum der Orthodorie wirklich vertheidigen zu köuncn. Schon seine Ansicht von der Unwirksamkeit der kabbalisti« schen Magie mußte der Orthodorie als Irrlehre erscheinen, und er wäre nicht im Staude gewesen, dieselbe mit dem 179. Abschnitte dcö allgemein rezipiren Jore Dea in liebereinstimmung zu bringen. Der nachmals so berühmte, freisinnige und gelehrte Jsak Samuel Reggio in Görz nahm noch 1816 Anstoß an Chorin's antikabbalistischcr Dok« trin, und letzter» kostete eS uicht wenig Mühe, die ihm von Reggio brieflich gemachten Einwürfe zu widerlegen. Die Autorität der eigentlichen Kabbalisten mußte er ganz deSavouircn, und mit dem Thalmnd wußte er sich nur vermittelst sehr gezwungener Allegorisirnng zurecht zu setzen. Reggio richtete auch an Kunitzer, der Chorin'S Werk besungen hatte, eine Interpellation, worauf ersterer ausweichend antwortete, indem er einerseits Chorin's thalmudische Kenntnisse, und andererseits das Beispiel früherer Koriphäen hervorhob, welche ebenfalls bemüht waren, zwischen der filosofischen Forschung und der Religion überhaupt, so wie dem Tbalmud inSbesondere Eintracht und Frieden herzustcllen 20). Die Orthodorie mußte aber auch andere Aeußerungen Chorin's anstößig und verwerflich finden^'). Letztern traf bittere Verfolgung, weil er unschuldig war, und sich über sein Verhält,riß zur Or« thodorie Illusionen machte; hätte er sich die Beschaffenheit dieses Verhältnisses zu klarem Bewußtsein gebracht, würde er entweder geschwiegeu, oder sich keinem orthodoren Forum unterzogen haben. Die angedrohte Dartabnahme ist aus keinem jüdischen Gesetze geflossen. Der König Chauun hat allerdings den Gesandten David'S den halben Bart abnehmen lassen, um sie beschimpfen (2. Sam. 10, 4); aber Chanuu war kein jüdischer, sondern ein ammonitischer König! Die kroatische Iugend hatte ungefähr zwanzig Jahre vor dem Chorinischen Prozesse ihre Lust daran, hausirenden Juden die Bärte auSzurupfeu, so daß im Jahre 1783 (28. April, Z. 380) von der ungarischen Stanhalterei der Befehl erfließen mußte, die jüdischen Bärte ungeschoren zu lassen. Aber der Muth-

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