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Ben Chananja · 1862-03-21 · 12 (21.3.1862) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
12 (21.3.1862)
Date
1862-03-21
Page
Seite 107 (sequence 15)
Language
German
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gewöhnlicher geistreicher Weise. Gegen Mittag wiederholte sich der Anfall heftiger. Ain 5. März fand sich sein einziger Sohn Nathan anö Reichenan ein. Mondtag, am 6. März, tun 1 Uhr Nachmittags, hauchte er, nachdem er daö Minchagebet noch mit Minjan verrichtet hatte, seinen edlen Geist anö. Von seinen halachischen und haggadischen Arbeiten ist nichts im Drucke erschienen; doch kommt sein Name in den Gutachten R. Ezechiel Landau'S und R. Moses Sofer'ö vor. In den Gemeinden, in denen er gelebt und gewirkt, nennt man seinen Namen bis auf den heutigen Tag mit Ehrerbietung, und wird sein Andenken stets gesegnet bleiben. 8. Deutsch mann als Lehrer. פי חכם מקור חיים. DaS Prinzip der ArbeitStheilnug ist heutzutage auch auf geistigem Gebietest׳ ausgebildet, daß die Rabbiner desto weniger geeignet sind, die jüdisch-theologische Wisseuschast durch mündliche Mittheilung zu verbreiten, je zeitgemäßer Ulld umfassender sie ihr eigentliches Amt verwalten. AuS diesem Grunde tritt auch allenthalben daö Bedürfuiß eigener RabbinatSschulen oder Semiuarien immer mehr hervor. AnderS war es in Oesterreich noch vor einem Menschenalter. Ieschiba halten war der Mittelpunkt der Wirksamkeit eines Rabbiners. Hie» in aber ragte unser D. so sehr hervor, daß sein Name schon deshalb im Andenken der jüd. Nach- Welt fortzuleben verdient. Seine Ieschiba war seine Freude, sein Stolz, daö eigentliche Element, in welchem sein Geist lebte und webte. Er sorgte für seine Schüler, wie ein zartlicher Vater, und ging mit ihnen um, wie ein treuer Freund. Im Sommer machte er mit dieselben Ausflüge ins Freie, und im ״rothen Garten" in Kolli!! nahm er zuweilen ein GlaS Bier in Gesellschaft seiner Jünger. Mit den AuSerwähltereu stand er auf wahrhaft vertraulichem Fuße, und korrespondirte mit ihnen belehrend, rathend und er,nahnend, auch nachdem sie sich von ihm getrennt hatten. Viele von denselben betraten in der Folge Bahnen, auf welchen sie die jüd. Studien ganz fallen ließen; die dankbare Liebe zu ihrem väterlichen Lehrer und Freunde erlitt jedoch dadurch nicht den' geringsten Abbruch. Noch jetzt lebende Aerzte und GeschäftSmättner, die seine Schüler waren, bewähren das dankbare Andenken an ihn in ungeschwächter Pietät. Diejenigen Leser dieser Blätter, welche in ihrer Jugend eine Ieschiba srequeutirt haben, werden mich verstehen, wenn ich ihnen seine Methode schildere. Er begann seinen Vortrag nicht, wie andere Thalmudkorifäen, damit, daß er mit Fertigem auftrat, und daö Lehrobjekt mit pilpulistischen Novella's würzte. Vielmehr begann er die Ca Position seines GegenstaudeS wie ein Schüler, dem der Gegenstand noch ganz fremd ist. Mit der Erklärung des Gamaratertes wurde der Anfang gemacht, und erst nachdem eine selbstständige Anffassuttg versucht worden war, kamen Raschi und die Tosafisten an die Reihe. Die reiferen Zuhörer konnten oft schon in dem simulirten Suchen deö Lehrers dessen Genialität wahrnehmen. Ihm war eö hauptsächlich darum zu thun, seine Zuhörer zu einer soliden Behandlung des Stoffes, dem sogenannten ״Lernen" anzuleiten. Nur selten entschloß er sich dazu, einen Traktat in der Ordnung dnrchznnehmen; er zog es vor, einzelne wichtigere Parthiren (שט1ח) zu behandeln, um den Schülern Gelegenheit zu geben, sich in ihren Gegenstand zu vertiefen. In der Jugend führte er auch weitläufige Chillukim auf, im vorgerückten Alter that er dies nur ausnahmsweise. Seine Gegner machten ihm den Vorwurf, daß er zuweilen sich auch Fremdes aneigne. ES konnte dies um so leichter getadelt werden, als er wirklich die späteren Autoritäten (ארזרונים) nur sehr selten zu Rathe wg, und daher oft erst von seinen Zuhörern auf das Zusammentreffen seiner Koulbinationen mit denen seiner Vorgänger aufmerksam gemacht werden mußte. Seine Erholungölektüre waren die RechtSgutachtcn der Rabbinen. Die seines Lehrers (מרע ביהח־א) wußte er auswendig. Von pikanten Fällen pflegte er sich auch mit seinen reiseren Schülern zu unterhalten. Die ernsteren unter denselben sammelten auö den Unterhaltungen zwischen Mincha und Maarib ein größeres Maß thalmudischen Wissens, als hentzntage mancher Rabbiner besitzt. Die Beschäftigung mit wissenschastlichen Gegenständen und die Lektüre deutscher Bücher waren ans den märischen Jeschibot seit Kaiser Josef über- Haupt nicht verboten. R. Joachim sah eS aber gerne, wenn seine Schüler bestisstn waren, sich grammatische, mathematische und filosvfische Kenntnisse zu erwerben. י Mendelsohn's Jerusalem hatte er selbst mit besonderer Aufmerksamkeit theilS selbst gelesen, theilö sich vorlesen lassen. Und wiewohl er persönlich jede Verfolgung und disziplinäre Bestrafung vermied und perhorreSzirte, — ans eine Anklage von Seiten des Gemeindevorstandes und des VerzehrungSsteuerpächterS in Trebitsch verhängte er über ein Gemeindeglied daselbst, welches sich den Genußvoll erlaubt hatte, mit richtiger psychologischer Würdigung deS Betreffenden die Strafe, vier Wochen hindurch nicht iu dem üblichen Barette, sondern im Hute in der Synagoge zu erscheinen, — so wollte ihm die theoretische Auf- Hebung des Eherem, als mit der Gemara und den PoSkim in diametralen! Widerspruche stehend, durchaus nicht iu den Sinn. Von seinen zahlreichen Schülern mögen hier nur einige genannt sein. AuS der Horschitzer Zeit: Barnch Kojeteiner, später Rabbiner zu Högyöß in Ungarn, Vers, des halachischenzvklopädischen Werkes Kelef Niwchar lPrag 1827). AuS

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