Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-03-21 · 12 (21.3.1862) · p. Seite 108

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
12 (21.3.1862)
Date
1862-03-21
Page
Seite 108 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542984--2536-2546325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

108 der Gewitscher Zeit: Löw Schwab, welchen er seinen späteren Schülern als Muster und Vorbild ernsten Sinnes nnd ansdauernden Fleißes zu nennen pflegte. Ans der Trebitscher und Kolliner Zeit: den gelehrten, ordengeschmückten, rühmlich bekannten Fassel, den Redakteur dieser Blätter, den hochkonservativen Nascher in Baja, den bescheidenen, kenntnißreicben Abraham Sofer in Marchitz, und den gründlichen Bearbeiter thalmudisch-archäologischer Forschung Wiesner. 9. Deutschmann's Verhältniß zu den Reformb e w e g u n g e n. אני לשלום. Die Reformfragen, welche gegenwärtig in verschiedenen Abstufungen die Gemüther und die Gemeinden bewegen, um kundigen und unkundigen Schriftstellern Stoff zu bedeutsamen und werthlosen likerärischen Arbeiten geben, tauchten in Mähren erst in den dreißiger Jahren auf. Die Anfstellnng der Ehnppa in der Proßnitzer Synagoge und die Anftellung Fasselö^ in der Proßnitzer Gemeinde waren die ersten Kundgebungen deö reformistischen Geistes in der mährischen Judenschaft. Fassels Berufung nach Proßnitz stempelte der LandeSrabbiner NehemiaS Trcbitsch zu einem reformistischen Akte, indem er sich demselben ans allen Kräften wiedersetzte, und dem künftigen Proßnitzer Rabbiner in die Hattara die Klausel setzte, er müsse sich des Dentsehpredigens enthalten. Deutschmann war zur Zeit dieser Kämpfe bereits in Böhmen und nahm an denselben nicht den geringsten Antheil. Dagegen war er 1820 von Trietsch aus dringend aufgefordert worden, sich an dem Feldzüge gegen den Hamburger Tempel zn bctheiligen. AnS Mähren hatten sich an diesem Feldzuge betheiliget: Markus Benedikt, der'LandeSrabbiner und der Trietscher Rabbiner lLleazar, welchem sich drei Privatgelehrte: Abraham Maier Tnrnaner, Alexander Gensel und Eleazar Straßer angeschlossen haben. Deutschmann antwortete ablehnend mit dem Bemerken, er wäre weit entfernt, sich den großen Rabbinen beizuzählen, denen allein eö zukommt, gegen die Neuerer in die Schranken zu treten. Seinen Freunden erklärte er unumwunden, daß die Hamburger Einrichtungen zwar durchaus zu mißbilligen, aber ans Grundläge der alten Kasuisten (סוסקים ראשונים) nicht zn verdammen seien. Einige Jahre später korrespondirte er mit seinem ehemaligen Schulfreunde Löb Herzfeld in Wien über die in -em neuen Tempel beizubehaltenden Pijjntim. Er rieth zur Beibehaltung derjenigen Piiintstücke, welche beim Volke in besonderem Ansehen stehen. In den dreißiger Jahren war er in Wien, besuchte den Tempel, waö bis dahin von keinem Rabbiner anS der alten Schule geschehen war, und sprach sich gegen die Vertreter, die ihn besuchten, sehr beifällig über die Tempeleinrichtnngcn ans. Auf die Frage HofmannSthalS, ob er wohl geneigt wäre, dieselben Etnrichtungen auch nach Kolli« zu verpflanzen, antwortete er mit folgender Anekdote, wie er denn überhaupt ein Freund von Anekdoten, Parabeln und Gleichnissen war. ״Vor vielen Jahren", sagte er, ״klagte mir ein Vater, daß sein einziges, sonst sehr begabtes Knäblein trotz aller angestellten Versuche daö Alfabeth nicht lernen wolle. Ich rieth ihm, einige Alfabethe anS Zucker anfertigen zu lassen. Dieses didaktische Mittel führte zum Ziele, indem dem Jungen der Buchstabe nicht gegeben wurde, bis er denselben beim Namen nannte. Daraus folgt aber natürlich nicht, daß alle Leseschüler nach dieser Methode unterrichtet werden müssen! Die an der Wandtafel lesen lernen, können daö Alfabeth anS Zucker leicht entbehren." — Bei Gelegenheit dieser Wiener Reise kam er auch nach Preßburg, und R. MoseS Sofer beneilte sich, ohne D.'S Besuch zu abwarten, denselben zu begrüßen. Die beiden Greise hatten sich seit ihrer Jünglingszeit nicht gesehen, und sprachen unter Thränen die üblichen Benediktionen ans. Miszelle n. 11. Herrn Di׳. Pyilippson macht in einem Leitartikel: Gutachten über die Zulässigkeit der Orgel in die Synagoge unter Anderm folgende Bemerkung: ״Merkwürdig ist eine Stelle im 20. Kap. des 2. Ehron. »ach welchem selbst an einem Fasttage die Levitcnchöre sangen und spielten." Nun wird ibid allerdings berichtet, daß die Leviten Gesänge und Loblieder anstimmtcn, aber nicht des Fasttags wegen. sondern weil an demselben der vom göttlichen Geiste inspirirtc Jachasiel, Sohn Secharjahn'S. dem versammelten Volke einen glänzenden Sieg über die Moabiter und Ammoniten verkündete, wodurch also gewißermaßen der Fasttag, dessen Veranlassung einzig und allein die Furcht vor den genannten Feinden war, in einem Festtag sich verwandelt hat. Vom Spielen an emem Fasttage aber. findet sich in dem erwähnten Kapital vollends keine Spur, wenn vors. 28. gesagt wird, ״daß die Männer Jehuda'S nnv Zeruschalam'S mit Harfen, Zithern und Trompeten zum Gottcshause kamen, so geschah dies erst nach bereits errungenem Siege und zwar am vierten nach dem Fasttage, wie aus dem Inhalte daselbst klar und deutlich zn ersehen. Unerwähnt jedoch dürfen wir nicht lassen, daß nach der Mischna ltosch Ilascli 3, 1. Taanith 1, 6. au Fastlagen BlaSinstrnmeiite im Gebrauche waren, wozu Rambaui (Ililch. Taanith ans.) und Berlinorv (Roseli Ilasch I. c.) in Numeri 10, 9. einen Anhalts- Punkt zn finden glauben. Vergleiche noch die Gemaren zu den zitirteu Mischnastellen. III. Zu dem, was in Nr. v. 51 dieser Blätter S. 422 über eine Stelle in Reim r. gesagt wird, erlauben wir nnS zu bemerken, daß es daselbst nicht מתאי sondern גינתאי heißt, vielleicht ist dieses eine TranSpositiou von מהניא lvergl. Onkelos j. Erod 15, 1) und mit ״Stolze, Hochmüthige. sich Brüstende" zn übersetzen, oder es dürfte, da ibid. einige Male der Ebuiäer Erwähnung geschieht מנתאי in מתאי zu emendircn sein. Sowol durch die eine als durch die andere Erklärung erhält die Midraschstcllc einen guten Sinn. Eywanovitz. Druck von Sigmlind Burger in Szegcdin. Na b b. Leop. Eiölcr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.