Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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— 40 — Frage bemächtiget. Hirsch Chajes machte 1837 darauf aufmerksam, daß schon R. Jair Chajim Bachrach (1628—1702) die Worte der Mischua: כל המלין את מתו עובר* בל״ת (Sanh. 6, 5) nicht strenge nahm, und das Verbot der Verschiebung des Begräbnisses als rabbanitisch erklärte (CH. Jair 139). Hieraus folgerte Chajes, daß die behördlich angeordnete spätere Beerdigung keinem religiösen Bedenken unterliege, indem es nicht die Absicht der alten Gesetzeslehrer war, ihr Gebot der frühen Beerdigung auch ans die gegenwärtigen Verhältnisse auszudehnen (Darche Ha-Horaa 17, 6). N. Moses Soser, welchem Chajes sein diesfälliges Gutachten unterbreitete, verwarf dasselbe als Ausfluß neologischer Tendenzen. Trotz der Erfahrungen der Ärzte seit Galenus bis auf den heutigen Tag vertheidigt R. Moses die Pulslosigkeit und den fehlenden Athen! als sichere Zeichen des Todes. ״Die Nntrüglichkeit dieser Symptome," sagt er, ״ist durch die Tradition hinlänglich verbürgt, und alte Stürme der Welt werden nicht vermögen, uns von dem Standpunkte unserer heiligen Thora hinwegzurücken. Summa: wir halten uns an die Worte der Thora und an die Überlieferung unserer Weisen. Wer dagegen mißtrauisch ist, ist mißtrauisch gegen die Schechina. (Chath. Sofer I. 338)." Dies die Geschichte der Beerdigungsfrage. Es erhellt daraus, daß die Belehrung unserer orientalischen Brüder über diese Frage mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden sein wird. Auf exegetischem und archäologischem Standpunkte kann allerdings leicht dargethan werden, daß das Gebot der frühen Beerdigung auf Mißverständnissen, ja auf Anschauungen beruhe, welche dem Judenthnme gänzlich fremd sind. Da jedoch diese Beweisführung mit der herkömmlichen Behandlung des Thalmuds kollidirt, so würde dieselbe im Oriente Ärgerniß geben statt einer bessern Erkenntniß den Weg zu bahnen. Auf rabbinischem Standpunkte wird aber das orientalische Herkommen um so gerechtfertigter erscheinen, als R. Moses Sofer, dessen hohe Autorität auch von den orientalischcn Juden respekürt wird, ausdrücklich erklärt:ואסור הלנת מתים במקומו עומד! Denn die Klausel, die er hinzufügt: וולת מקסידת המלך יר״ה, hat für die jüdischen Unterthanen der hohen Pforte natürlich keine Bedeutung. Diesem entschiedenen Ausspruche gegenüber dürfte es für die orientalischen Thalmudisten von geringem Belange sein, daß Fassel die frühe Beerdigung auch von thalmudischem Standpunkte als ״himmelschreiend" bezeichnet (Die ^ehn Worte S. 338). Wird sich einmal die Kultur unter den orientalischen Juden Bahn gebrochen haben, dann werden auch die Rabbinen trotz der Entscheidungen Emden's, Landau's und Sofer's die Worte der älteren Gesetzeslehrer auf.eine den Forderungen der Kultur entsprechende Weise zu deuten suchen. Die wissenschaftliche Theologie verschmäht solche künstliche Deutung. Sie gönnt den früheren Geschlech- Lern gerne das Nech^j.eigene Meinungen zu . haben. Sie ist aben weit entfernt, offenkundige und unleugbare Zeugnisse der Erfahrung jenen Meinungen unterznordnen. SzMrrs, im Dezember. Je erfreulicher der Aufschwung ist, welchen Gottesdienst und Jugendnnterricht in unserer kleinen, nur 30 Familien