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Der Israelit · 1938-08-04 · Heft 31 (4.8.1938) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 31 (4.8.1938)
Date
1938-08-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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^^r'^^m^'r^^ ^""^^r»^^^ Seite 8 Nr. 31 Der Verkauf von alkoholischen Getränken, Parfüms, Waffen, Baumwolle, Nahrungsmitteln und die Hotelführung sind an eine besondere Konzession gebunden. Die rituelle Eheschließung. Wien, 2. August. Wie bereits mitgeteilt, wird ab 1 .August 193S jede Eheschließung von dem zuständigen Standesbeamten vorgenommen. In den Gemeindesynagogen wird von diesem Tage an die rituelle Eheschließung erst nach Beibringung des staatlichen Trauungsscheines möglich sein. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien verlautbart nun aus diesem Anlaß die folgende Warnung: Zur Vornahme der rituellen Eheschließung sind ausschließlich die hierzu autorisierten Rabbiner berechtigt. Diese Feier darf auch nur in den von der Gemeinde bestimmten Synagogen stattfinden. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien wird gegen jeden, der diese Warnung nicht beachten sollte, von ihrem Recht als religiöse Aufsichtsbehörde den allerschärfsten Gebrauch machen. Polen. Neue Ausbürgerungen in Polen. Warschau, 1. August. Wie polnische Zeitungen mitteilen, veröffentlicht das Regierungskommissariat in Warschau eine neue Liste von Personen, denen die polnische Staatsbürgerschaft entzogen worden ist. In dieser Liste finden sich 58 Personen mit durchweg jüdischen Namen. Die Mehrzahl der Ausgebürgerten wohnte bereits seit Jahren außerhalb Polens in Frankreich, England, Palästina und Amerika. Frankreich. Zum 900jährigen Geburtstag von Raschi. Paris, 2. August. Auf der kürzlich stattgehabten, von uns berichteten Sijum-Haschaß-Feier in Paris wurde von Oberrabbiner Lieber bekanntgegeben, daß für das Jahr 1940 vom französischen Judentum eine große Raschifcier aus Anlaß des 900jährigen Geburtstages von Rabbi Schlomo Jizchaki in Form eines „Raschijahres" geplant sei. Ä Der Israelit _ä_ aus allen Gemeinden Englands waren hierher gekommen. Auch Rabbi Rabinowitz aus Sunderland (Vorsitzender des Rabbinischen Rates der A. J. für England), Rabbi K i a h s k y , Rabbi Rabbinovitch aus Newcastle und Rabbi Dryan aus Glasgow waren anwesend. — Vor der Grundsteinlegung hielt der Gatesheader Raw, Rabbi Shakovitzki, eine Rede in jiddischer Sprache und hob u. a. hervor, daß gerade in den „drei Trauerwochen" man in Gateshead beginne, ein Enpn zu bauen. Es sei nicht nur für Gateshead, sondern für die Juden Englands schlechthin und der Welt von Bedeutung, daß heute, da sich das jüdische Volk in schweren Nöten befindet, hier ein noaan JV3. und n3,C?'> eröffnet wird. (Einige Räume der Synagoge sollen der Gatesheader J e s c h i w a zur Verfügung gestellt werden.) — Daraufhin hielt Mr. Jakob S h i n e eine kurze Ansprache und legte den von ihm gestifteten Grundstein. Anschließend wurde eine kleine Feier* veranstaltet, bei welcher etwa Lst. 500.— gezeichnet wurden. Man Hofft, daß' die Synagoge, deren Bau Lst. 2500 kosten soll, bis Chanuka fertiggestellt sein wird. W. u. S. Dänemark. Rassen- und Völkerkunde in Dänemark. Kopenhagen, 2. August. Im Festsaal der Universität Kopenhagens wurde Montag in Gegenwart des Königs von Dänemark der zweite Internationale Kongreß für Anthropologie und Ethnologie feierlich eröffnet. Die Arbeit des Kongresses wird auf verschiedene Sektionen verteilt. Diese umfassen die anatomische und bio-typologische, physiologische und hereditäre Anthropologie, Psychologie, Demographie, Ethnologie und Ethnographie der einzelnen Kontinente, Soziologie, Religion und Schrift. Für die Kongreßwoche sind 170 Vorträge angestzt, die einen Ueberblick über den Stand der gegenwärtigen Forschung der einzelnen Disziplinen geben und einen Einblick in die Probleme der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Rassen und Kuliuren vermitteln werden. Personalien, 4. August 1938 liches Gepräge zu geben. Er hat Unebenheiten geglättet und ist zur überragenden rabbinischen Persönlichkeit geworden,, für die größeren und kleineren chassidischen Bethäuser, Bote Midrosch lind Minjönim. Wie ehrfurchtgebietend war seine Erscheinung, der man die Güte des Herzens und die wahre, echte jüdische Menschenliebe ansah! Wie hatte er als ein wahrer Q7>8> 3?1M Freund des Friedens, als ein Mann gewirkt, der den Frieden nicht nur liebte, sondern ihn als die Quelle des Segens in allen Sir tuationen erstrebte, für den aber dieser oibv nur das ima p'tnn ^bo, das Gefäß, der äußere Rahmen war, für das kostbarste Gut, den nas die jüdische Wahrheit. Eine unbeirrbare Festigkeit in allem Jüdischen, verstand er mit der Friedensliebe zu verbinden. So hat er das kraftvolle ostjüdische Leben unter den veränderten Lebensbedingungen der Großstadt zu Ehre und Ansehen gebracht. Es dauerte daher nicht lange, bis die orthodoxe Gemeinde, die Adas Jisroel, ihn zur Mitarbeit in ihrem Bes-Din zuwählte und er so auch die Möglichkeit hatte, für Tauroh und Jüdischkeit zu wirken und nurr nun f»ai» zu sein. Ein wahrer Priester des Friedens war er. Auch dem . religiösen Leben Entfremdete waren diesem edlen Menschen und seinem reinen Wollen in Liebe und Verehrung zugetan. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ntwb nrns? yaip gewesen und hat die dw , die Strömungen .und die Juden in der Zerrissenheit .unserer Tage so zu beeinflussen gewußt, daß sie der Tauroh und ihren Idealen näherkommen. Zu einem ehrenden Zeugnis der Anerkennung und Dankbarkeit, mit denen die Juden Berlins zu ihm emporblickten, gestaltete sich Ueberführung und Beerdigung. Allerdings hat der Heimgegangene in seiner Bescheidenheit sich jede Ehrung und jeden Hesped verbeten und so blieben die Worte des Dankes unausgesprochen. Nur der Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Ezechiel Landau, der im Sinne seines großen Schwiegervaters in Berlin als Rabbiner tätig ist, sprach kurze Worte des Dankes und des wehmütigen Abschieds. Nur ein Teil des Wertes dieses Mannes ist uns zu Bewußtsein gekommen, solang wir ihn besitzen durften, aber erst jetzt, wo sein Mund verstummt und sein gütiges Auge erloschen, erkennen wir seine ganze Bedeutung und empfinden stärker, was wir besessen haben. Möge ,wwn die in Schmerz Gebeugten trösten. V't —n. Aguda, Daf Jomi und „Hahed". In Nr .28 unseres Blattes brachten wir eine Notiz aus dem Jerusalemer „Hahed" über den Sijum des Daf Jomi und beanstandeten, daß dabei verschwiegen wurde, daß der Daf Jomi im Schöße der Agudas Jisroel auf der ersten Kenessio Gedaulo entstanden ist. "Dazu erhalten wir ein Schreiben des Herausgebers des „Hahed", „Rabbi Binjomin", dem wir folgende sachliche Angaben entnehmen: Sie schreiben mir die Absicht zu, den Lesern des „Hahed" nicht verraten zu wollen, wer eigentlich der Begründer des Daf Jomi war und welche Rolle er in der Aguda gespielt hat. Mir scheint, daß meine offene publizistische Stellungnahme zu jüdischen Führern und Fragen, und nicht in letzter Reihe zur Aguda, mich doch vor einer solchen Verdächtigung schützen sollte. Ich" habe über den Daf Jomi im „Hahed" und über dessen genialen, unvergeßlichen Begründer mehrmals in den wärmsten Tönen gesprochen. Noch vor kurzem, im Nissan-Heft des „Hahed", habe ich ihm einen längeren warmen Aufsatz gewidmet, worin ich auch über die Sitzung, der Kenessio Gedaulo, in der der Daf Jomi beschlossen wurde, ausführlich referiert habe. Ich habe auch sonst jede Gelegenheit ergriffen, um den Daf Jomi zu propagieren, wobei ich niemals seine Vaterschaft verheimlicht habe. Ich kann Ihnen dabei ein kleines Geheimnis verraten, Vor einiger Zeit wurde in Jerusalem ein größerer Aufruf der orthodoxen Jugendvereine veröffentlicht, der für den Daf Jomi warb und zugleich die Tatsache unterstrichen hat, daß er auf der Kenessio Gedaulo der Aguda ins Leben gerufen wurde. Der Verfasser dieses Aufrufes war ich. Das Geheimnis aber besteht darin, daß als die betreffenden Vereine die nötigen Druckkosten weder bei der Aguda noch sonst hier auftreiben konnten, sie sie von mir erhalten haben. Daß ich aber andererseits einen kleinen Aufsatz eines gelegentlichen Mitarbeiters des „Hahed" über den Daf Jomi drucken ließ, ohne meinerseits auf die Vaterschaft des Daf Jomi hinzuweisen, sollte wahrlich nicht als ein beabsichtigtes Verschweigen meinerseits interpretiert und" gewertet werden. (Wir nehmen diese Richtigstellung gerne zur Kenntnis. Red. des „Israelit".) England. Allgemeine Aguda-Konferenz zur Beratung von Emigrationsfragen. London, 2. August. Wie „JPB" erfährt, wird von der Aguda-Exekutive die Einberufung einer allgemeinen Konferenz sämtlicher Agudazentralen geplant, auf der der ganze Komplex der A u s w a nderungsfragen im Zusammenhang mit der Arbeit, die jetzt durch die Agudas Jisroel in Berlin, Wien, New York und London geleistet wird, behandelt werden soll. Die Konferenz soll Mitte August in Auswertung der Resultate der Flüchtlings^Beratungen in Evian und London stattfinden. Näheres wird noch bekanntgegeben. Einwanderungserlaubnis in England. London, 2. August. Auf Initiative der Agudas Jisroel hat die englische Regierung 50 Jeschiwabaehurim aus Oesterreich die Erlaubnis erteilt, ihr Studium auf Thoralehranstalten in England fortzusetzen. Ein Teil der Jünger ist diese Wochen bereits in London angekommen. »Wir werden den Jordan überschreiten", sagt Locker-Lampson. London, 29. Juli. Oberst Oliver Locker-Lampson, Mitglied des Unterhauses, hielt in der Londoner Dalston- Synagoge eine Rede, in der er u. a. auf die strategische Bedeutung Palästinas hinwies Und sagte, Palästina sei eine deutliche Antwort auf die Probleme, die für die Juden entstanden sind. Die Palästinajudenheit müsse zu ihrer Verteidigung bewaffnet werden. Der High Commissioner Sir Harold Mac- Michael, „einer der feinsten und fairsten Männer", werde die Situation kräftig beherrschen. Lampson schloß: „Wir werden in Palästina die Ordnung herstellen, und es kömmt der Tag, da wir den Jordan überschreiten und die Juden auch jenseits desselben ansiedeln werden " Neue Synagoge in Gateshead. Gateshead, 1. August. Am Sonntag, den 24. Juli, fand in Gateshead unter Anteilnahme eines großen Teiles der Bevölkerung die feierliche Grundsteinlegung zum Bau einer neuen Synagoge statt. Eine Anzahl Vertreter Rabbiner A. M. Grynberg ^»XT« Berlin, 1. August Die Trauerzeit der drei Wochen unserer an Not und Bedrängnis so gesättigten Gegenwart hat dem Berliner Judentum unerwartet noch einen ganz besonderen Schmerz hinzugefügt durch den Heimgang des Bisutier Raw, Rabbiner A. M. Grynberg b"W, der am vergangenen Dienstag 71jährig von uns gegangen ist. Zu der Trauer des Klall Jisroel ist die Wehmut und die Klage des Einzelnen getreten über den Heimgang dieses bedeutenden Raw, des großen und gütigen Menschen, eine Trauer, die uns besonders schwer trifft in einer Zeit, da wir der starken Stützen entbehren, in der wir vergeblich Ausschau halten nach führenden Persönlichkeiten. Der Heimgegangene entstammte einer ostjüdischen Rabbonimfamilie. — Sein Vater war der durch rritp bekannte Rabbiner Chajim Cheiko in Drobnin und war mit den bedeutendsten führenden chassidischen Rabbinerpersönlichkeiten nicht nur ideell, sondern, auch durch Bande des Blutes verbunden; so mit dem Gerer Rebbe, dem Sochatschower Rebbe und dem Kotzker Rebbe. Nach der ostjüdischen Art heiratete er schon sehr früh, — kaum 17jährig, — die gleichstrebende Gattin, die als wahre 11333 II? als treue Gefährtin ihm in allen Kämpfen des Lebens zur Seite stand. Mit den Fähigkeiten des großen Lamden, der auch im taurohstarken Osten den Reihen der Größten zuzuzählen ist, verband er die besondere Gabe des guten Magid im alten Sinn des Wortes. Die alte Form des Drusch war seine besonders starke Seite, die es ihm ermöglicht hat, die Welt der Halacha dem Verständnis auch Fernstehender näherzubringen. Deshalb ist es zu verstehen, daß ihm schon in jungen Jahren, kaum 20jährig, das Rabbinat in Bisun an der russisch-polnischen Grenze übertragen worden ist. Seinen hervorragenden mo entsprach es, dieser Gemeinde treu zu bleiben und es ist ihm gelungen, sie zu einer modernen, bedeutenden Kehillo auszubauen, bis der Krieg mit gerade in dieser Gegend besonders wechselreichen Ereignissen seiner dortigen Tätigkeit ein Ende setzte. Nach der Okkupation mußte er zum Wanderstabe greifen und kam nach Berlin. Es gibt ja keine Zufälle im Leben und gewiß ist auch in seinem Herzug nach Berlin ein Zeichen der n»tns> t-ms»n, zu erblicken, der merkwürdigen Wege, auf denen uns die Vorsehung führt. Denn hier war es ihm vergönnt, <ien aus verschiedenen Gemeinden des Ostens stammenden und den die verschiedenen Nuancierungen chassidischen Lebens darstellenden Juden ein einheit-

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