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Der Israelit · 1938-08-04 · Heft 31 (4.8.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 31 (4.8.1938)
Date
1938-08-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4, August 1938 Der Israelit Nr. 31 Seite 9 E ISRAEL Die Grabstätten von Rabbi Jossef Karo, Rabbi Salomo Alkabaz und Rabbi Izchak Lurja bei Safed .Tausende pilgern am'9. Aw zu diesen heiligen Gräbern Der jüdische Selbstschutz. Jerusalem, 28. Juli. In Jerusalem traten Vertreter des Jischuw zusammen, um die Sicherheitsfrage zu besprechen. Der Vorsitzende des Waad Leumi, Herr Ben Zwi, eröffnete die Konferenz mit einem Nachruf für die 18 jüdischen Opfer des Terror s, die in den vergangenen zwölf Tagen gefallen waren. (Die Anzahl der Toten hat sich seither wesentlich gesteigert), Weiter gedachte er in warmen Worten des eben verstorbenen Mitglieds der Exekutive Dr. Rottenstreich. Der Redner führte aus, der Jischuw sei während der ganzen Unruhen niemals einer so ernsten Situation gegenüber gestanden wie jetzt. Unverantwortliche Elemente, sagte er, wollen den Jischuw in den "Rücken fallen und das gesamte Judentum Palästinas müsse alle Kraft aufbieten, um solchen Dingen ein Ende zu machen. Herr S h e r t o k , der Leiter des politischen Departements der Exekutive, berichtete über die Organisation det jüdischen Selbstverteidigung. Sie umfasse 7000 Mann, Die verschiedenen Formationen seien von der Regierung mit ungefähr 5000 Gewehren beteilt worden. Diese Männer stehen Tag und Nacht im Dienst der legalen Selbstverteidigung. Die Organisation und die Tätigkeit auf diesem Gebiet werde über immer neue Bezirke ausgedehnt. Die Aussprache, an der. sich auch Vertreter des Misrachi und der A g u d a beteiligten, dauerte den ganzen Tag über. Allerlei aus Erez Israel. Jerusalem, 1. August. Dieser Tage kam ein neuer Transport von jüdischen Auswanderern aus Oesterreich in Palästina an, deren sich die Zentrale der Poale Agudas Jisr o e 1 in Gemeinschaft mit dem Keren Hajischuw-Komitee in aller Herzlichkeit annahmen. Für einen Teil der Eingewanderten konnte Arbeit in den Aguda-Kibbuzim beschafft werden, Viele von den Angekommenen sind qualifizierte Arbeiter, und die meisten haben Jeschiwa besucht. Ein Ueberfall auf Machane Jisroel konnte noch im letzten Augenblick verhindert werden. Die Polizei hatte von dem Plane Wind bekommen, und schickte sofort ein größeres Polizeiaufgebot und Militärabteilung an Ort und Stelle, die den Kampf mit den Angreifern, bevor es ihnen noch gelang, einen Schuß auf die Kolonie abzugeben, aufnahm. Diese räumten das Feld, nachdem sie einige Tote zurückgelassen hatten. Unter den Opfern befindet sich auch ein jüdischer Polizist. In Petach Tikwa wurde eine Versammlung aller Arbeiterorganisationen abgehalten, die einen Aufruf an die gesamte jüdische Bevölkerung zur Berücksichtigung des Grundsatzes der „Awoda iwrith" beschloß. Man darf hoffen, daß mit Rücksicht auf die zunehmende Arbeitslosigkeit diese Losung auch streng eingehalten wird. In einem Aufruf der Zentrale der Agudas Jisroel, unterzeichnet von „Histadruth Hacharedim", „Hitächduth Chasside Noar", der Vereinigten Synagogen, der Zentrale der Poale Agudas Jisroel und Benöth Agudas Jisroel, wird der gesamte Jischuw aufgefordert, sich von allen Provokationen und Racheakten fernzuhalten und die Taktik der Haw 1 aga, die dem Jischuw bis dahin die Achtung der Welt eingebracht hat, nicht zu durchbrech e n. Wie bekannt, wurde im orthodoxen Kibbuz in Kfar Saba zur Beschäftigung der schmittahaltenden Arbeiter eine große Bäckerei errichtet. Nunmehr wurde im gleichen Kibbuz eine moderne Schreinerwerkstatt eröffnet, in der die Chawerim, die im siebenten Jahre ruhen, Beschäftigung finden. Das Direktorium des Keren Hajischuw hat einen Appell erlassen, aus Anlaß der „drei Trauerwochen" ine Aktion für Keren Hajischuw überall wo sich thoratreue Zionsfreunde befinden, durchzuführen. Eine erneute Delegation der Zentrale der Poale Agudas Jisroel begibt sich nach Polen, um dort neuerdings eine Aktion für die Agudaarbeiter in Erez Israel durchzuführen. Aus dem letzten Bericht der Chinnuch Hatorah-Zentrale in Tel Awiw ergibt sich, daß über 20 Erziehungsanstalten im Lande von der Zentrale betreut werden. Tel Awiw 156 000 Einwohner, Jerusalem, 27. Juli. Die von der Gemeinde Tel Awiw veranstaltete Volkszählung, die heute zu Ende ging, ergab folgende Ziffern: Bevölkerung von Tel Awiw samt Vororten 156 000; jüdische Bevölkerung von Jaffa 10 000. Die Aschkenasim bilden 80 Proz, der Gesamtbevölkerung, die Sefardim 15 Proz., die Jemeniten 5 Proz. Die von der Regierung unternommene Volkszählung im Jahre 1931 ergab 53 300 als jüdische Bevölkerungs» Ziffer für Tel Awiw und Jaffa. (Palcor.) Kindergärten und Tagesheime in Jerusalem, Tel Awiw und Haifa, (Aus einem Berichte der Leiterinnen; Steffi Cohn- Bodenheimer und Jetta Neuberger-Rosenheim.) (Fortsetzung.) Die Kinder zeigen beim Vorturnen viel Phantasie und finden auf natürliche Art die für den Körper notwendigen Uebungen. Während des Frühstücks — selbstverständlich sind die gemeinsamen Berachoth — erzählen die Kinder ihre Erlebnisse oder beginnen selbst Unterhaltungen. Selbsterzählen ist für die sprachliche und geistige Entwicklvng sehr wichtig; Das Kind beschäftigt sich innerlich mit vielem, wovon wir nichts wissen, wir erfahren es erst durch seine Aeußerungen beim Spielen, Arbeiten und Erzählen; wir bringen darum nicht zu viel Dinge von außen an das Kind heran, damit das, was in ihm lebt, sich auswirkt und nicht durch Fremdes erstickt wird. Nach dem Frühstück haben die Kinder eine kurze Entspannung freien ungehemmten Spiels im Garten, damit es ihnen dann leicht ist, sich zur konzentrierten Beschäftigung einzufinden, die jetzt von der Kindergärtnerin angeleitet wird. Die ganz Kleinen lernen den einfachsten Umgang mit Material, wie Schnippeln von Papier, Scherenschneiden, Kleben, Perlenreihen, Bauen usf. Die Größeren erhalten schwierigere technische Aufgaben, sie stellen einfache schöne oder nützliche Dinge her — und auf die Anstrengung folgt die Befriedigung, etwas Fertiges geschaffen zu haben. In wöchentlichen Besprechungen der Mitarbeiterinnen wird der Beschäftigungsplan für die Woche festgelegt und vorbereitet. Zu den technischen Beschäftigungen gehören Ausschneiden, Falten, Zeichnen, Malen, (Buntstifte, Wasserfarben), Kneten, Tonen, Papp- und Holzarbeiten, Sticken usw. Neben den technischen Einzelarbeiten lieben die Kinder sehr die Gemeinschaftsarbeit, in der etwa Dorf, Hafen, Kibbuz u. a, gemeinsam von allen Kindern der Gruppe hergestellt werden. Bei der angeleiteten Beschäftigung wird ein neuer Stoff an die Kinder herangebracht — meist der Jahreszeit oder ihren Festen entnommen —, speziell die angeleitete technische Arbeit erweckt und pflegt den Sinn für Form und Farbe und den schonungsvollen und sparsamen Umgang mit Material. In der für die angeleitete Arbeit bestimmten Zeit werden Lieder gelernt, unser Kinderorchester studiert Musikstücke zu Klavierbegleitung ein, Bewegfungs- und Gesellschaftsspiele werden geübt und Rhythmik und Turnspiele, Darstellungen von Erzähltem, Geschicklichkeits- und Sinnesübungen oder Hausarbeit bilden den Inhalt dieser Arbeitsstunde. Danach spielen oder arbeiten die Kinder im Garten oder machen einen Spaziergang. Sie haben ihre selbstangelegten Beete zur Pflege, lernen Naturbeobachtung und gewinnen Pflanzen und Tiere lieb. Der Garten bietet viele Möglichkeiten, — u. a. die Sandkiste mit schönem Sand und Platz zum Bauen, — vor allem aber viel Raum zum freien Laufen und Springen, denn die Zeit im Garten soll immer der Entspannung dienen. Der Spaziergang läßt die Kinder die Vorgänge der Straße und Natur beobachten und besprechen, vor den Unruhen waren von Zeit zu Zeit veranstaltete größere Ausflüge in die Umgebung und aufs Land Höhepunkte des Kiadergartenlebens. Gelegentliche Heimkinovorführungen — in Jerusalem von einer liebenswürdigen Freundin selbst veranstaltet — werden besonders freudig begrüßt, sie sind eine wertvolle Erweiterung der Vorstellungswelt, nicht minder unsere Besuche in der Bäckerei, beim Schuster und anderen handwerklichen Betrieben. Zum Mittagessen wie zu jeder Mahlzeit helfen die Kinder einander besonders gern beim Tischdecken usw., jedes Kind hat die Woche über bestimmte Aufgaben, für deren Erfüllung es verantwortlich ist, beim Frühstück erstreckt sich der „Dienst" auch auf Waschen und Abtrocknen des Geschirrs. Nach beendeter Mahlzeit schlafen die Kinder ca. zwei Stunden, Vesper und allerlei freigewähltes Spiel beschließen den Tag. Im täglichen Leben des Kindergartens gibt es ständig kleinre und größere Ereignisse, die von der Kindergärtnerin erzieherische Stellungnahme verlangen. Streitigkeiten unter den Kindern, Auflehnung, Eifersüchteleien und Aehnliches stellen sie vor die Aufgabe, im rechten Augenblick das richtige Erziehungsmittel zu ergreifen. Gerade in solchen Spannugsmomenten wird die Eigenart des Kindes deutlich und wesentliche Züge des Charakters können beeinflußt werden. Oft sind hierbei schwierige Erziehungsfragen zu lösen, die im Mittelpunkt der regelmäßigen Besprechungen der Kindergärtnerinnen stehen. Es bedarf nicht besonderer Betonung, um hervorzuheben, daß für uns die religiöse Erziehung ein untrennbar wesentlicher Teil der Charakterbildung ist. Sie ist nicht etwas der Erziehungsarbeit anderer Institute Hinzugefügtes, sondern wohnt allen wesentlichen Aeußerungen des Kindergartenlebens inne, sodaß ihre Wikungen das Kind von selbst und ungekünstelt erfassen. Die Kinder verstehen Bracha und Tfilla in ihrem Alter entsprechender Weise und freuen sich an diesem Verständnis; sie sehen in Schabbat und Chagim Höhepunkte und gestalten sie selbst. Wochen vorher beginnt die Vorbereitung von Spielen und Liedern und die Anfertigung von Geschenken—, und die Erzählung vom Inhalt des Festes lebt so in ihnen, daß sie oft ganz von selbst von dem Kind als Gegenstand der Darstellung oder der technischen Arbeit gewählt wird. — Jeden Freitag bereiten wir den Schabbat durch eine Feier vor; im Mittelpunkt steht die biblische Erzählung, belebt durch bunte Zeichnungen an der Tafel. Vorgänge und Figuren aus Tenach und Agadah werden den Kindern nahe und lebendig. (Fortsetzung folgt.)

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