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Der Israelit · 1938-07-07 · Heft 27 (7.7.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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7. .Juli.. 1938 Der Israelit Nr. 27 Seite 9 EREZ ISRAEL Nach der Hinrichtung Schlome Ben Josephs. Exekutive und Waad Leumi warnen vor Demonstrationen, , Jerusalem, 1. Juli. Auf einer Sitzung des Waad Leumi legte Mosche Schertok dar, daß die Exekutive die besten Schritte getan habe, um den Verurteilten zu retten. Daher wende sie sich auf das bestimmteste gegen jede Form von öffentlicher Demonstration, wie Prozessionen, Schließen von Geschäften und Schulen oder Arbeitseinstellung, was nur dazu führen würde, den Widerstand der Behörden zu verstärken, Nach der Sitzung des Waad Leumi wurde ein Manifest veröffentlicht, unterschrieben vom Waad Leumi und dem Oberrabbinat, das den Jischuw aufs dringlichste auffordert, die Ruhe zu bewahren und jegliche unverantwortliche Ausbrüche wie Demonstrationen - oder Arbeitseinstellung zu vermeiden. Vom Gefängnis in A k k o wird gemeldet, daß Ben Josef in den letzten Minuten Ruhe und Fassung zeigte. Sein Körper wurde von sechs Mitgliedern der Betargruppe nach Rosch Pina gebracht. Nachmittags fand die Beerdigung in Rosch P i n a statt, zu der sich viele Siedler einfanden. Die Beerdigung wurde von Polizei und Truppen stark bewacht, und es wurde Besuchern nicht gestattet, den Friedhof zu betreten. Führer aus den Kolonien und Revisionisten hielten Ansprachen; die Zeremonie verlief ruhig. Infolge der Demonstrationen wurde Mittwoch abend über Tel Awiw der A u s.n ahmezustand von 7 Uhr abends ab verhängt. In sechs Wochen soll-der Terror in Palästina beendet sein. Jerusalem, 24. Juni, Das Hauptquartier der englischen Militärmacht in Palästina gibt bekannt, daß nach dem aufgestellten Plan bis spätestens Ende Juli der Terror in Palästina liquidiert sein wird. Schon jetzt sei eine gewisse Beruhigung eingetreten und sie mache stetig Fortschritte. Es sei für die zivilen wie die Militärbehörden sehr peinlich, daß die Technische Kommission in einer Atmosphäre von Mord und Brandstiftung arbeiten müsse, und man sei entschlossen, in wenigen Wochen der Kommission die Möglichkeit zu geben, in einem befriedeten Palästina ihre Arbeiten zu vollenden. Die in Samaria und Galiläa geübten Abwehrmethoden werden nun auf das ganze Land ausgedehnt werden. In den Berggegenden werden die Dorfbewohner durch die Besatzung streng im Auge behalten werden. Die Sperrung der Nordgrenze vor unerwünschten Elementen zeige jetzt schon ihre gute Wirkung. Wie weiter berichtet wird, haben die Terrorbanden ihre Hauptkräfte in Transjordanien konzentriert, von wo sie den Kontakt mit Syrien und Libanon besser erhalten, können. Die Militärbehörden seien aber auch gegen diese Taktik genügend gewappnet. Die 70 Proz. von Tel Awiw. Tel Awiw, 28. Juni. Tel Awiw besteht nach Zeugnis aller, die die Stadt in ihrer Entwicklung und Struktur genau kennen, zu über 70 Proz. aus schlichten Juden, die treu zur Thora halten, — so war in Nr. 22 dieser Zeitung zu lesen. Ich habe zehn Jahre in Tel Awiw gewohnt und war dort Vorsitzender der Agudas Jisrael-Ortsgruppe und der Beth Jaakow-ScÜule. Seit mehr als drei Jahren wohne ich freilich in Jerusalem, weil mit der -neuen Einwanderung und der rapiden Entwicklung Tel Awiws in eine Großstadt die Nichtbeachtung unserer heiligen Thora im öffentlichen Getriebe noch viel krasser und ungenierter in die Erscheinung trat als vorher. Was soll Selbsttäuschung nützen? Um zu einer der Wirklichkeit entsprechenden Zahl zu kommen, braucht man nur festzustellen, wieviel Kinder die ■ Schulen der Thoratreuen und wieviel die nur nationalen Schulen mit ihrem areligiösen oder atheistischen Unterricht besuchen. Sicherlich, zählen die letzteren Schulen mehr als die Hälfteder Schuljugend. Wie steht es nun mit der Jugend der Thoratreuen? In den Bote-Keneseth ist sie nur schwach vertreten; — und nicht auf die gegenwärtigen, sondern auf die künftigen Familienväter kommt es an. Die aus den Misrachischulen hervorgegangenen jungen Menschen schwenken in der Mehrzahl ab. Der Einfluß der vorzüglich organisierten Arbeiterorganisation, der' Sportvereine, des umgebenden unjüdischen Lebens erweist sich als zu stark. Hingegen zeichnet sich das thoratreue Milieu durch Zersplitterung und mangelnde Organisation aus. Die Schulen dieses Milieus entsprechen noch durchaus nicht den Erfordernissen gegenüber den Gefahren, sich den der Thora entfremdeten Juden zu assimilieren. Mit ehrlichem Willen und finanzieller Opferwilligkeit — an beiden hat es bisher meist leider gefehlt — ließen sich im Rahmen der Agudas Israel- Organisation die Talmud Thora-Schulen, Jeschiwoth usw. zusammenfassen und einer gemeinsamen Leitung unterstellen, wie es bereits beim Misrachi geschieht — dann aber ist bei allen auf der Thora basierenden Schulen eine durchgreifende Reorganisation erforderlich. Die Wege sind gegeben, daß die Thoratreuen zum einflußreichen Faktor im Leben Tel Awiws werden, — sie müssen aber mit Energie beschritten werden. G. Aus Petach Tikwahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in Petach Tikwah. (Fortsetzung.) Er zeigte R. Soraoh all die Schriftstücke und Berichte, die er von Erez Israel zugeschickt bekommen hatte, und die ihm alle den wahren Zustand des Landes nicht aufgezeigt hatten. Barnett erscheine ihm wie ein G'ttesbote! Das war Donnerstagabend. Freitag, den 18. Cheschwan, wurde vormittags die Versammlung eröffnet. Es waren 60 Leute anwesend. Jeder von diesen wollte seine Meinung über den Zustand und seinen Plan zur Hilfe zum besten geben. Barnett sah bald ein, daß. auf diese Weise der Versammlung kein Erfolg beschieden sein konnte. Er bat deshalb Herrn Wissotzky, einen kleinen Kreis der fähigsten Männer für Schabbosabend ins Hotel einzuladen, damit man dort in Ruhe beraten könne; er, Barnett, sei kein guter Redner; er bitte deshalb Wissotzky, sich am Sabbat die Verhältnisse in Erez Israel und Barnetts Vorschläge erklären zu lassen, was Wissotzky denn auch tat und dieses ganze Material in der Sabbatabend- Besprechung vorbrachte. Diese Ausführungen ließen erkennen, daß Häuser und Ställe gebaut, Vieh und Saatgut angeschafft werden und Boden für neue Siedlungen gekauft werden müßte. Die bisherigen Kolonisten seien fast alle verarmt durch die vielen Unglücksfälle, die sie getroffen hätten. Viele hätten alles verloren, nur nicht das Vertrauen, das G'tt schließlich ihre Arbeit gelingen lassen werde. Unter den Hörern dieses Berichtes befanden sich auch Dr. Leo Pinsker und Dr. Chasoriowitsch. In der am Sonntag danach veranstalteten größeren Kundgebung wurden dann große Beträge gesammelt: 10.000 Franken für Petach Tikwah und 30.000 Franken für Gederah. Herr Tiumkin sollte als Delegierter der Chowewe Zion nach Erez Israel reisen, uni Boden anzukaufen. Auch Barnett beteiligte sich mit einer Spende von 1000 Rubeln. Nun kehrte er befriedigt nach London zurück; er hatte in Kattowitz fleißige Mitarbeiter gefunden, Auf der Rückreise besuchte er in Paris seinen Freund Michael Erlanger, der ihn veranlaßte, Baron Rothschild nochmals aufzusuchen. Barnett wollte den vielbeschäftigten, vornehmen Herrn nur kurz begrüßen, doch dieser ließ ihn nicht gehen, bis er ausführlich über den Aufbau von Erez Israel und seine Erlebnisse in Kattowitz erzählt hatte. Der Baron sagte zur Erwiderung, daß. er eine vollständige Neuordnung seiner Kolonisation plane und dann auch an Petach Tikwah denken werde. Voller Hoffnung kehrte R. Sorach diesmal nach Petach Tikwah zurück. Es wurde sogleich mit dem Bau von Wohnhäusern und Ställen begonnen, und zwar in der Straße, die heute den Namen der Chowewe Zion trägt. Herr Wissotzky bemühte sich selbst um die Baupläne; er wollte Barnett die Aufsicht über die ganze Siedlung übergeben. Dieser wies das Anerbieten zunächst zurück, da er noch niemals die Verwaltung eines öffentlichen Vermögens übernommen habe. Wohl wollte er persönlich am Bau mitarbeiten. Doch bald zeigte es sich, daß die angestellten Beamten nachlässig mit dem ihnen anvertrauten Gelde umgingen, und so übernahm denn der gewissenhafte Mann selbst die Vermögensverwaltung. Das gab viel Aerger und Verdruß für ihn, und nur seine große Liebe zum Aufbau bewog ihn, das schwere Ehrenamt nicht niederzulegen. Auch der Einfluß Pinskers, der als Vorsitzender der Chowewe Zion in Odessa ihn darum bat, wirkte mit. Im Tammus 1886 fuhr Barnett wieder nach London, um seine Familie endgültig nach Erez Jisrael zu bringen. Im Ijar war sein neues Haus mit großen Festlichkeiten eingeweiht worden. Barnett hatte für das Beth Haknesset eine Thorarolle schreiben lassen, die ebenfalls feierlich eingeweiht wurde. Den ersten Gründern der Kolonie wurde die große Ehre erwiesen, die letzten Buchstaben der heiligen Schrift auszufüllen. R. Sorachs Hoffnung, jetzt in Ruhe und Frieden in Petach Tikwah von seiner Hände Arbeit leben zu können, mit seinen Freunden die günstige Entwicklung ihrer Kolonie zu sehen, wurde enttäuscht. Als die Ernte eingebracht wurde, brachte sie ihm nicht die Hälfte dessen, was er für sich und seine Familie zum bescheidensten Lebensunterhalt nötig hatte.. So war er wieder genötigt, den Wanderstab zu ergreifen und — zum sechsten Male — nach London zurückkehren. Seinen Reise-Gebeten fügte er das eine hinzu, daß dieses die letzte Reise gewesen sein möge, die er aus Not machen müsse. Auf seinen Geschäftsreisen in Europa kam Barnett auch nach Berlin. Dort besuchte er den berühmten Begründer des Rabbiner-Seminars Dr. Esriel Hildesheimer, Raw der Adass-Jisroel-Gemeinde. Dieser bedauerte ihn, daß er immer unstät und flüchtig von Erez Jisrael hinweg wandern müßte. Demgegenüber verwies R, Sorach auf unseren Stammvater Abraham, der auch nicht glecih im Lande bleiben durfte. Erst als seine Liebe zu dem seinen Nachkommen zugesagten Lande so heiß war, daß er lieber im Wanderzelt in Kanaan, als in Palästina im Auslande wohnen wollte, durfte er dort bleiben. „Mächtiger als der Tod ist die Liebe", singt der königliche Sänger (Hohelied). Lieber die verzehrende segensvolle Arbeit in Erez Jisrael, als den Wohlstand im Auslande. Wieder war Barnetts Tätigkeit in Europa gesegnet. Es gelang ihm, Hilfsmittel für Petach Tikwah aufzubringen. Für sich baute er in London verschiedene Häuser, die er gut vermietete, und die ihm sviel einbringen sollten, daß er in Erez Jisrael davon leben konnte. So kehrte er befriedigt nach Petach Tikwah zurück und bearbeitete eifrig seinen Boden. Aber bald gab es einen neuen Schrecken. Araberbanden aus den Nachbardörfern, besonders aus Yehudije, überfielen die nichtsahnenden Kolonisten. Es fehlte nicht viel, daß die Wilden die ganze Siedlung vernichtet und die Einwohner getötet hätten. Aber schnell ermannten sich die Juden, brachten Frauen und Kinder in das festgebaute Barnett'sche Haus und verteidigten sich gegen die anstürmenden Räuber. Die Siedler besaßen einige Feuerwaffen, mit denen sie die Araber in Entfernung halten konnten; denn diese hatten nur Pfeile und Bogen. Die davon Getroffenen wurden zwar schmerzhaft verletzt, doch nicht tödlich; und unter dem Schutz der Gewehre konnten alle Verwundeten in das Haus geschafft und von den Frauen betreut werden. Von den Fenstern aus beobachteten Frauen und Kinder die Angreifer und konnten so die Männer vor rückwärtigen Ueberfällen schützen. Einem Juden war es gelungen, zu entweichen und aus Jaffa türkische Truppen herbeizuholen. Nach schweren Stunden wurden die Kolonisten hierdurch aus ihrer improvisierten Festung befreit, glücklicherweise ohne Verluste an Menschenleben. Die ungefähr 700 Kopf starken Rinder- und Schafherden waren indessen den^ Räubern in die Hände gefallen. Die Türken hielten strenges Strafgericht: sie führten 16 Rädelsführer in eisernen Ketten nach Jaffa und hielten sie dort ein halbes Jahr in Gefangenschaft. Schwer lastete nun auf der jungen Kolonie auch die Furcht vor einer neuen Heimsuchung; die Siedler hatten noch wenig Lohn für ihre großen Mühen erfahren. Barnett selbst wurde von einem neuen Schlag betroffen: für seine Häuser in London sollte er eine monatliche Miete von 8 Pfund erhalten. Statt dessen schickte ihm sein Verwalter nur 4 Pfund, und auch das nur mit knapper Not. So war er — und Wahrlich sehr gegen seinen Willen — gezwungenwieder nach London zurückzukehren. Begreiflicherweise ließ er seine Familie nicht allein in dem gefährlichen Petach Tikwah zurück: sie begleiteten ihn nach England. (Fortsetzung folgt.)

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