Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1938)
- Date
- 1938-04-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 17 Der —ti i Israelit & Afi&Mgff noch ein eisernes, nieversagendes Gedächtnis kam. Es gab kaum eine Frage auf halachischem 'Gebiet, <lie 'Rabbi Mosche nicht gleich aus dem Stegreif' mit allen Belegen aus der einschlägigen rabbiaisehen Literatur beantworten konnte. In unzähligen Gutachten an Einzelne und Gemeinden, auch in den von ihm geleiteten Ausgaben der Chofez Chajim-Werke ist sein großes Wissen niedergelegt. Nie konnte sich Rabbi Mosche entschließen, obwohl es an verlokkenden Angeboten nicht fehlte, eine Rabbinerstelle anzunehmen. Er sah seinen. höchsten Stolz darin, an der »Seite des Chofez Chajim junge befähigte Menschen in der Thora auszubilden und später, nach dem Heimgange des Chofez Chajim, dessen heiliges Erbe zu hüten und zu mehren. Viele bedeutende Rabbiner an der Spitze großer Gemeinden sahen bis zuletzt in ihm ihren Lehrer und Berater. In seinen letzten Lebensjahren, da er sich an der aktiven Leitung der Jeschiwa nicht mehr so beteiligen konnte, widmete er sich vollkommen, buchstäblich bis in die tiefe Nacht hinein, dem Thorastudium. Er soll, wie bezeugt wird, manche Suojoth über tausendmal durchgelernt haben. In Rabbi Mosche Landinski hatte das Judentum der Thora in armer Zeit einen Großen, der wohl im Stillen, aber nicht unsichtbar wirkte. Seine Leistungen wirken sichtbarlich durch Thoragrößen, die aus seiner geistigen Werkstätte hervorgegangen sind. Das thoratreue und thorälernende Judentum wird seiner ewig gedenken. y'l Oberschwester Grete Diamant jy/y. Hamburg, 24. April. Eine Trauerkunde durchzitterte in den letzten Tagen das Pessachfest unsre Gemeinde. Die fromme Tochter unsres unvergeßlichen edlen Klausrabbiners A. S. B. Diamant ward im noch jugendlichen Alter von 33 Jahren, uns und ihrer Wirkungsstätte entrissen. Wir waren auf diese einzigartige Verkörperung des Schwesternberufes besonders stolz; denn aus der tiefen Frömmigkeit ihres' Elternhauses heraus hatte diese späte Urenkelin des Chassam Sofer es sich zum Lebensziel gesetzt, in unwandelbarer Treue gegen den Din ihres schweren Berufes zu warten. So war sie allen Genossinnen darin Vorbild und Mahnerin, den Sabbat mit Hingabe und Wachsamkeit zu heiligen, solange nicht das Wohl des gefährdeten Kranken seine Verletzung zur Pflicht macht. Dieses Vorbild gab die Verstorbene aber in solcher Bescheidenheit und Schlichtheit, daß es den Eindruck nicht verfehlen konnte. Daher genoß sie bei Aerzteii wie Patienten unbegrenzte Hochachtung; wie ei" Überirdisches Wesen wurde die durch Schönheit und Seelengüte Ausgezeichnete verehrt. Zeuge war die tiefe Trauer, die ihr Heimgang überall wachrief, die vielen Tränen, die bei ihrer stillen Einbettung an der Seite ihres frommen Vaters auf dem Langenfelder Fredhof auf ihren Grabhügel flössen. Besonders ergriff alle das schwere Schicksal ihrer verehrten Mutter und Geschwister im Auslande, die ohne Abschied dieses hochstehende, in sich . vollendete Kind verlieren mußten. Möge der Tröster der Witwen und Waisen die Angehörigen in dem Gedanken Trost finden lassen, daß, so kurz der Lebensgang dieser hohen Menschenblüte war, er aber durchglüht und durchseelt war von den hehrsten Leistungen des jüdischen Herzens und reiner g'ttnahen Frömmigkeit, rrnjun Oberrabb. Dr. Carlebach. Rabb. Dr. Salomon Frankfurter VST« Berlin, 24. April. Auf dem p*tn der Adaß Jisroel wurde am n'mn Rabb, Salomon Frankfurter zur letzten Ruhe gebettet. Die gesetzestreuen Juden Berlins erleiden durch seinen Heimgang einen unersetzlichen Gerlust. In der Organisation und im Aufbau des Kaschruthwesens der Gemeinde hat er Hervorragendes geleistet. Bis in die letzten Monate hinein arbeitete er an dem gigantischen Flan der Herausgabe eines halachischen Nachschlagewerkes, das jedermann, auch dem L^ten, die Möglichkeit geben sollte, sich schnellstens über wichtige Gesetzesvorschriften zu informieren. Auf der Kanzel war er ein Meister der Deutung dunkler Midraschstellen. In seiner Bescheidenheit floh er förmlich alle ihm zugedachten Ehrungen. Seine zahlreiche Schüler und seine Freunde werden ihn nie vergessen. rrasan Rabb. R. Bremen, 25. April. Am nos n?xi» verließ der seit nunmehr etwa 4% Jahren in Bremen als Religionslehrer und ]in tätig gewesene Herr Gustav Rosemann seine Wirkungsstätet, um einem Rufe an die Synagogengemeinde zu Montevideo zu folgen. Im Namen der hiesigen Jüdischen Gemeinde und aller ihrer Vertreter sprach Herr Rabb. Dr. Aber dem Scheidenden in einem herzlich gehaltenen »» am Sabbatmorgen den Dank aus für die geleistete Arbeit an der Erziehung der jüdischen Jugend, für die sonstigen Dienste innerhalb der Gemeinde und wünschte ihm auch ferner Erfolge bei all seinem Händewerk, Als besonders lobenswert betonte der Rabbiner die unermüdliche Schaffenskraft, die Rosemann anwahdteV um die Herzen aller mit G'ttesfurcht und Liebe zur Thora zu füllen. Sein großes jüdisches Wissen (R .war'Schüler der Frankfurter Thoralehrahstalt Jeschiwa) trug nicht wenig dazu bei, ihm die Achtung und Verehrung 'der ganzen Gemeinde zu verschaffen'. Und so wären trotz der mitternächtlichen. Stunde, zu'der Rosemahn Bremen verließ, eine größere Zahl von Freunden und Bekannten erschienen, ihm die letzten Segenswünsche für seinen ferneren Lebensweg mitzugeben, aan ni>s S. Ziegenhain, 25. April. Nach Ausgang der ersten -Peissachtage wurde der. verdiente und allbeliebte Lehrer und Kantor unserer Gemeinde und der Gemeinden des Bezirkes Samuel Heilmann im Alter von bald 73 Jahren abberufen. Man kann von Samuel Heilmann sagen, daß er buchstäblich sein ganzes Leben, von frühester Jugend an, dem Lernen und dem Lehren, dem Dienste an Gemeinde und Gemeinschaft durch treue n'aw rojtf»» gewidmet hat. Aus einem Thoramilieu bei Kaiisch in Polen stammend, ausgerüstet mit reichem jüdischem Quellenwissen, kam Heilmann in jungen Jahren nach Deutschland und wirkte über 45 Jahre lang ununterbrochen in verschiedenen Gemeinden als treuer Künder des G'tteswortes in Religionsschule wie am Ömud; in den letzten 13 Jahren als Kultusbeamter mehrerei Kleingemeinden mit dem Sitze in Ziegenhain. Wie er in der Schule seine Kraft darein setzte, die Jugend mit Thorageist und G'ttesfurcht zu durchdringen, so konnte er am Vorbeterpult mit seiner aus Innigkeit und Freudigkeit kommenden schönen Stimme die Beter zur tiefen Andacht hinreißen. Er genoß das Vertrauen seiner vorgesetzten Rabbinate und war der väterliche Freund aller Gemeindemitglieder. Die ganze Liebe seines Herzens gehörte der ebenbürtigen Gattin, den Kindern und Enkeln (eine Tochter ist mit dem in Frankfurt bekannten Talmudlehrer Herrn Ch. Lieverhand verheiratet). Durch seine Kinder fühlte er sich auch mit der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt verbunden, auf deren Friedhof er nun auch am »*;nn unter groß'er Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet wurde. — Im Trauerhause in Ziegenhain würdigte Herr Provinzialrabbiner Dr. P e r i t z , Marburg, die Persönlichkeit und Wirksamkeit des Heimgegangenen in herzlichen, ehrenden Worten. Möge das itot des SO verdienten Mannes den Seinen beistehen. rraxan Rabbi W. A. Mathew, Rabbiner der jüdischen Negergemeinde in New York, im Gespräch mit Herrn Dr. Erich Offenbacher, New York. In New York gibt es eine nach Tausenden zählende Gemeinde von aethiopischen Juden, die, von Rabbi W. A. Mathew geleitet, auf streng orthodoxem Standpunkte steht. In einer öffentlichen Ansprache, die der New Yorker „Schomer Hadath" veranstaltete, gab Rabbi Mathew Auskunft über die Verhältnisse der Aethiopischen Gemeinde, wobei er sich, wie das Organ des „Schomer Hadath" mitteilt, als Redner von Wissen und Geist bewährte. Es zeigte sich bei der Gelegenheit, daß die Gemeinde und ihr geistiger Führer an allen jüdischen Problemen, besonders an der jüdischen Auswanderung aus Ost- und Mitteleuropa stark interessiert sind, Dr. Offenbacher, der den Abend und das Gespräch leitete, ist Sohn des Herrn Josef Offenbacher, früher Frankfurt a. M., jetzt Amsterdam. Vermischtes. -Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 25. April. Der Lehrplan für das Sommerhalbjahr weist folgende Lehrgänge auf: Dr. Jechiel Ueinberg: Talmud (Oberabt.): Sabbat, VII So bis Do 7.30—9 Uhr; Dezisoren: Schechita M, Di und Do 9—10 Uhri Halachische Vorträge Fr 7.30 —9 Uhr; Besprechung von Responsenliteratur für Fortgeschrittene, einmal wöchentlich, zweistündig, nach Vereinbarung. Dr. Samuel Grünberg: Talmüd (Mittelabt,): Kidduschin So bis Do 7.30—9 Uhr; Bibelexegese: Rsajmen So und Mi. 9—10 Uhr; Pentateuch: Genesis So 10 bis 11 Uhr; Historische Bücher: Samuel, II Di 11, bis 13 Uhr; Hebr. Grammatik: Das Verbum Do 10—11 Uhr; Hebräisch: So 11—13 Uhr- Dr. Alexander Altm'ann; Uebungen über Hermann Cohens „Religion der Vernunft!' Mi ii—12 Uhr; ReKgionsgeschichtliche Uebungen zum Bereschit rab.b.a Mi 12 bis 13. Uhr; Homiletische Ueb.üngen Fr, iO^-11 Uhr. Df. EsrieK H i l,d e s h e i m e r i Talmud;. Sanhedrin, V: Mo, Di und/Do 9.T-10,Uhr;' Das. Gejsjeslekein Juden in der Renäissancezeit Mi: 10—llj Uhr; Hjsjto- I rische und geographische Literatur des, Juden IAo Jjf—tt Uhr; Gjjspfiichfe' 'der Liturgie Öi 10—Ii Uhr. Dr. Maximilian L a n ä au : Geschichte der Juden seit dem 18.' Jahrhundert Mb 11—13 Uhr; Einführung in die Geschichtswissenschaft Do 11—12 Uhr;^ Geschichtstheorien' von der' Antike : bis zur Gegenwart Do 12 bis 13 Uhr; Geschich'te'Rußlands im 19. Jahrhundert; (im Rahmen der' allgemein-wissenschaftlichen Vorlesungen) Do i&-19- Uhr; Rabbi Abraham Wolf; Talmud (Unterabt.): Ketuwoth, III So bis Do 7.30 Bis 9 Uhr; Die biblischen Grundlagen für die Sihtideutung der Halacha Fr'11—13 Uhr; Arbeitsgemeinschaft übe' raktuelle weltanschauliche Probleme (für Anfänger), nach Vereinbarung. * " Die Aufnahmeprüfung ist auf Dienstag, den 3. Mai, 9 Uhr, die Eröffnung des Sommersemesters auf Dienstag, den 3 .Mai, 17 Uhr, im Hörsaal I angesetzt. Den Eröffnungsvortrag wird Herr Dozent Dr. Samuel Grünberg halten. Das Thema lautet: „Das Prohlem der hebräischen Vokalisation". Berlin, 25. April. Vor einigen Tagen hat Dr. Mark W i s c h n i t z e r, ehemals Generalsekretär und zuletzt Vorstandsmitglied des Hilfsvereins, Berlin verlassen. Er ist neben Samuel Lifschitz der zweite der „alten Mitarbeiter", der innerhalb weniger Wochen aus der Arbeit des Hilfsvereins ausscheidet. 17 Jahre lang war Dr. Wischnitzer aufs engste mit der Arbeit des Hilfsvereins verbunden. Der Umschwung der jüdischen Situation im Jahre 1933 in Deutschland, die den Hilfkverein veranlaßte, seine Hauptaufgabe in der Förderung der außerpalästinensischen jüdischen Auswanderung aus Deutschland zu sehen, brachte Dr. Wischnitzer nette Aufgaben. Seine Aufgabe war es vor allem, einerseits den Kontakt zu den ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen aufrechtzuerhalten oder überhaupt erst anzuknüpfen, andererseits aber durch aufklärende Publikationen und durch, eine umfangreiche Vortragstätigkeit die jüdische Oeffentlichkeit wie den einzelnen Ratsuchenden über Sinn und Möglichkeiten einer planvollen überseeischen Wanderung aufzuklären. Bekannt ist Wischnitzers Nachschlagewerk „Juden in der Welt" (Erich Reiß-Verlag, Berlin). Dr .Wischnitzer wird in seinem neuen Wirkungskreis auch in Zukunft aufs engste mit der jüdischen Auswanderungsfürsorge für Juden aus Deutschland verbunden bleiben. Bad Kissingen,' 25. April. Am 27. Nissan ds. Js. waren es 100 Jahre seit der Geburt von R. Mausche Löb Bamberger S'STi dem alten Kissinger Raw. Er wurde in Wiesenbronn als drittältester Sohn von R. Seligmann Bär Bamberger '""St. dem nachmaligen „Würzburger Raw", geboren. Der Sohn fand in seinem Vater den vorzüglichsten Lehrer und Raw, der Vater in dem Sohn einen unermüdlichen, hochbegabten Schüler. Er wurde bereits in jungen Jahren wegen seiner bedeutenden jüdischen Gelehrsamkeit bekannt. Im Alter von 27 Jahren wurde er Rabbiner von Bad Kissingen und dem zugehörigen ausgedehnten Rabbinatsbezirk, als Nachfolger von R. Gabriel Hirsch Liffmann ^"ST. 34 Jahre lang, bis "zu seinem Tode, übte er in seiner Gemeinde seine segensreiche Tätigkeit aus, immer getragen von seinem ninn^ und seiner tiefen fun\ Mit Klugheit, großer nman nanu und geistvollem, Humor, die ihm die Achtung und Liebe der Mensehen gewannen, paarte sich eine unbeugsame Entschiedenheit als Wahrer und Künder des G'tteswortes. Ein Teil hiervon findet sich in seinem, von seinem Schwiegersohn und Amisnachfolger R. Seckel Bamberger •j'xt herausgegebenen Werk nnaff npea '0* Dasselbe enthält seinen halachischen Briefwechsel mit seinem Vater, dem Würzburger Raw. — R. Moses Löb Bamberger war in erster Ehe mit einer Tochter des~Altonaef Raw R. Jakob Ettlinger ^"St verheiratet und in zweiter Ehe mit einer Tochter von R. Mausche Goldschmidt aus 2ell, Er wurde 61 Jahre alt und starb tiefbetraueft affi 26. Tischri 5660. Heute, da viele jüdische Gemeinden in Deutschland in der Auflösung begriffen sind und ihre Mitglieder nach allen. Ländern verstreut werden, Soll das Bild' der a-^na, die das deutsche Judentum beseSseä hat, als glanzvolle Erinnerung und verpflichtender' Ansporn sie begleiten. roia? p'ix *i3i Fort (Lausitz), 18. April. Am nos a-jy fand in der dichtgefüllten Synagoge die feierliche Amtseinführung des neugewählten Predigers statt. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden) Herrn Sanitätsrat Dr. Miodomski, hielt Herr Prediger Erich C o h n , bisher Oberglogau, seine Antrittspredigt. Wochenkalender. Vom 30. April - 7, M*i 1938 'Vom 29. Nissan - ö. Ijar 5698 •nw» Tt j ma 'N i?-is nnk raff Samstag 30 29 iü ennn ]'3-aa Sonntag, 1 30 TU enn mrn-'it Montag,: 2 1 T» tznn «7KYT '3 Dienstage Mai 3 "V»K \2 v n.» Mittwoch 4 3 t>> ' Donnerstag 5 4 3 " Freitag 6 's '. »3 Samstag 7;<* 33 ' 'a p.TS owtp rav i