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Der Israelit · 1938-04-28 · Heft 17 (28.4.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 17 (28.4.1938)
Date
1938-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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OS* -n? -gas Der I s r a eJU t EREZ ISRAEL Der Passagierhafen in Tel Awiw, Tel Awiw, 26. April. Ueber die ersten Passagierlandungen in Tel Awiw berichtet „Palcor" unter dem 18. Apriii Gestern abend ging der Dampfer „Polonia" mit 350 Einwanderern und Passagieren in Tel Awiw vor Anker. Morgens legte, der italienische Dampfer „Egitto" in Tel Awiw an. Der erste jüdische Passagier, der an Land ging, war Eliezer Steinholtz, ein Jude, der seit fünf Jahren in Tel Awiw ansässig ist und von einem Auslandsbesuch zurückkehrte. Steinholtz wurde als dem ersten in Tel Awiw landenden Juden ein festliches Willkommen bereitet. Vertreter des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency sowie Mr. Rokaoh und Mr. Hoofien waten anwesend, und der Hafen war festlich geschmückt. Die 330 Passagiere der „Polonia" gingen heute früh in Tel Awiw an Land. Unter ihnen befand sich Dr/ Arthur Ruppin, der von einer Europareise zurückkehrte,' und eine zionistische Abordnung aus Rumänien, die von Oberrabbiner Dr. Niemirower geführt wurde. Der Hafen war von Tausenden gefüllt, die die Passagiere begeistert begrüßten. Das jüdische Schiff „Rahaf" traf ebenfalls gestern im Hafen von Tel Awiw ein und brachte fünf Passagiere. Ein zweites im Lande hergestelltes Motorboot zum Transport der Passagiere lief heute vom Stapel. Die neue Kolonie „Schawe Zion". Jerusalem, 12. April. Heute Wurde die Errichtung der dritten jüdischen Sie&üfc| im nordwestlichen Teil d«s Landes, südlich von Näharia, in Angriff genommen. Die neue Siedlung* die auf Boden des Kefeö Kajeifteth Lejisrael errichtet wird, besteht aus den Auswanderern aus Rexingen in Württemberg, die sich mit Hilfe der Rassco ansiedeln. Das neue jüdische Dorf, das aus "35 Familien besteht, soll den Namen S c h a w e Zion tragen. Die Siedler begannen mit der Errichtung von Gebäuden, Pfahlwerk und Scheinwerferturm bei Morgengrauen, und am Nachmittag waren die wesentlichsten Einrichtungen vollendet. Der Bau einer Straße, die die neue jüdische Siedlung mit der Hauptlandstraße Akko—Beirut verbin* den soll, wurde begonnen. Die Einrichtungen für die Wasserversorgung der Siedlung sind fertiggestellt worden, (Palcor). » Schwier Ueberfaü bei Akko, Vier jüdische Tote. Jerusalem-, 16. April. Sechs jüdische Ausflügler in einem. Privatauto, die neute $ie neugegründete Siedluni Schawe Zion in def "Nordwestecke des Landes besucht hatten und nadh Chanutah WeiterfuhreTi, wurden auf 'dem HWonweg auf der Küstensträße, in der Nähe des jambischen Dorfes Bässa vt>n bewaffneten Arabern tülb-ar fallen. Drei Passagiere wurden g e t ö't e t. *l'en übrigen drei gelang es, nach Chanutah zu entkommen, von wo ihpön jüdische Hilfspolizisten auf die Schüsse hin zu 33ilfe kamen. Es kam zu einem Gefecht "mit der arabischen Bande, bei dem der. jüdische Hilfspolizist A n na w schwer verwundet wurde. Er s t a-T b faach der Ueberführung nach Haifa. "Wie man annimmt, hatten auch die arabischen Terroristen Verluste, Die Namen «der drei getöteten Passagiere des jüdischen Autos sind: Josef Rothblatt aus Kirjat Chajim, Abraham Danieli aus Kirjat Motzkin und David Ben-Gaon (früher Kurt Hagen), ein Einwanderer aus Deutschland. Der getötete Hilfspolizist Beew Annaw (früher "\#olf Keusch) wanderte im Jabre 1933 aus Deutschland ein. Während des Gefechts wurden fünf arabische Terroristen getötet. (Palcor). Großes Geiecbt bei Nablus. 22 Araber getötet. > ■ ' Jerusalem, 17. April. Zu einem sechsstündigen schweren Gefecht kam 'es in den Bergen von Nablus bei Balaa zwischen britischen Truppen xmä Luftstreitkräften und einer arabischen Bande. Bei dem Gefecht wurden 22 Ar äter getötet, darunter ein Bandenführer namens A r e f A b d u 1 Razz alt. Zwei Araber wurden verwundet1 und fünf, im Besitze von Gewehren, gefangen genommen. Ein britischer Soldat wurde verwundet. Die, militärischen Operationen im Gebiet von Nablus dauerten auch am 17. April noch an. (Palcor). Jerusalem, 24. April. Der Terror geht mit unverminderter Stärke weiter. Drei Araber wurden in einem Dorfe bei Acre durch Terroristen getötet. Auf eine ganze Anzahl jüdischer Siedlungen fanden am Samstag Ueberfälle statt. Infolge der Beschießung eines arabischen Omnibusses am Freitag, nahm die Polizei drei jüdische junge Leute, Abraham Schein, Schalom Lohr und Schlomo ben Joseph fest, die sich im Besitz von Bomben und Waffen befanden, Sie sind angeblich Mitglieder des Bethar aus Rosch-Pinah. In Haifa herrscht starke Spannung in der arabischen Bevölkerung, man fordert zum Generalstreik auf. Nach den bisherigen amtlichen .Bekanntmachungen beträgt die Zahl der bei der Sonntagsschlacht zwischen Jenin und Tulkerem gefallenen Araber 22. In der genannten Gegend wurde nun der Ausnahmezustand proklamiert. Die Tragödie eines Einwanderers. Jerusalem, 13. April. Abraham Schereschewski 'aus Warschau, ein 50jähriger Mann, der zusammen mit einer größeren Gesellschaft auf dem Dampfer „Polonia" gestern ankam, wurde von der Polizei, weil seine Papier«? nicht ganz in Ordnung waren, zurückgehalten und in Arrest gebracht. Am Morgen fand man ihn in seiner Zelle erhängt vor. Schereschewski war mit einem Touristenyisum gekommen und hatte Lst. 1700.— bei sich, außerdem eine große Bibliothek. Während der Nacht hatte ein bekannter jüdischer Anwalt seinetwegen bei den Behörden interveniert, -wovon der Unglückliche aber nicht unterrichtet wurde. Eine Delegation des - Jischuw in Schomron beim , Distriktskomnussari&L Jerusalem, 25. April. Eine Delegation der Vorsteher der jüdischen Siedlungen in Schomron wurde unter Anführung des Herrn. Meierso'hn, des Vorsitzenden des Gemeinderates in Chedera, beim Distriktskommissar vorstellig und erhob Protest gegen die Entlassung von jüdischen Hilfspolizisten, wodurch die Sicherheitsyerhältnisse in den Kolonien sich noch wesentlich verschlimmert hatten. Die Delegation stellte folgende Forderungen auf: Wiedereinstellung der entlassenen Polizisten, Einberufung weiterer vereidigter Hilfspolizisten auf Rechnung der Regierung in der Zeit der Ernte, Bewaffnung der von den lokalen Räten bestellten Wächter, Einführung von Wanderpölizeiposten, Vergrößerung der Zahl der jüdischen Polizisten auf, den Polizeiposten der jüdischen Kolonien. Allerlei aus Erez Israel. Arturo Toscanini, der weltberühmte Dirigent, weilt wieder in Palästina und ist dort mit größter Begeisterung aufgenommen worden, Er dirigierte in Haifa, Jerusalem, Tel Awiw und mehreren großen jüdischen Kolonien. Der' High Commissioner und der Oberkommandierende der Truppen wohnten einigen Konzerten bei. Im Distrikte Berscheba wurden von der P alestine Land Development Comgany neue Bodenkäufe auf einer Fläche von .9000 Dunam getätigt. An der Spitze der Gesellschaft steht Mosche S m i 1 a n s k y. Eine Volkszählung in Haifa ergab, daß zur Zeit in ganz Haifa mit Einschluß von Hadar Hakarmel 55.000 Juden ansässig sind. Somit bilden die Juden in Haifa die absolute Mehrheit der Bevölkerung. Aus Lohdon kommt die Nachricht, daß es dem Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, Elieser Kaplan, gelungen ist, auf dem Londoner Markt bei der Lloyds-Bank eine Anleihe von Lst. 175.000 zu p 1 a zier e n. Die üblichen arabischen Aufzüge in Jerusalem am Festtage des Nebu Musa fielen dieses Jahr infolge der Streitigkeiten zwischen den Anhängern des Mufti und'; seinen Gegnern g a n z aus, was von allen friedensliebenden Kreisen sehr begrüßt würde. Denn diese Aufzüge sind längst nicht mehr religiöse Mänifestationen, sondern Gelegenheiten zur Anfachung der nationalen Leidenschaften. Wie sie das Opfer bestatteten. (Aus einem Privatbriefe an die Palästinazentrale der Agudas Jisroel.) Haifa, 30. März. . . , Schon in meinem ersten Briefe gilt es eine traurige Pflicht zu erfüllen, von der Ermordung unseres Chawer Madochai (Helmut) Bär aus Halberstadt, zu berichten. V Hellmuth Mordechai Baer V''ST« Er fiel gestern (Donnerstag, den 29. März), nachmittags um 2.15 Uhr, arabischen Meuchelmördern zum Opfer. Er arbeitete in den Jaarot Hakarmel (am Raride des Har Hakarmel) und yersah gleichzeitig den Dienst als Gaffir. Unter den Poalim waren noch, drei Gaffirim, die ihre Gewehre zusammenstellten und der Arbeit nachgingen. Nachdem kurz vorher ein arabischer Polizist (man vermutet einen als Polizist verkleideten Araber) gesehen wurde, der das Terrain besichtigte und schnell wieder verschwand, überfielen etwa 15—20 Araber die auf dem Felde zerstreut arbeitenden Poalim. Die Araber bemächtigten sich auch der vier Gewehre, so daß die Poalim, ohne eine Möglichkeit zu haben, sich zur Wehr setzen zu können, flüchten mußten. Lediglich Mordechai, Baer gelang es, einem Araber, das Gewehr zu entreißen. Er übernahm alleine die Verteidigung und verhinderte die Verfolgung der. übrigen Gruppe, wurde aber das Opfer seines tapferen Ausharrens. Noch in den letzten Augenblicken gab er 20 Schüsse ab, die den Blutspuren nach zu schließen, Araber getroffen haben. Die Polizeiverwaltung, Presse und Bevölkerung sind einig in der Anerkennung des mannhaften Verhaltens von Mordechai Baer und die heutige Lewaja gestaltete sich zu einem kiddusch haschem, dem viele Tausende beiwohnten. Als wir in den Abendstunden von dem Unglück erfuhren, versammelten wir uns sofort in der Lischka, um nach Würdigung der Persönlichkeit des Verewigten die Vorbereitungen für die letzte Ehrerbietung zu treffen. Namens des Snif Haifa der PAJ. ließen wir sofort Plakate drucken, die noch im Laufe des Abends überall affichiert wurden. Wir setzten uns gleichzeitig mit den Redaktionen aller Tageszeitungen in Verbindung, die . sämtliche ihnen übergebenen Einzelheiten heute bereits auf den Titelblättern brachten. Chawerim der PAJ. hielten bis zur Ueberführung, die heute mittag um 12 Uhr vom Hadassahspital aus erfolgte, zweistündig abwechselnd Wache und lernten ununterbrochen. Der gesamte Snif hat für heute die Arbeit niedergelegt und sich an der Lewaja beteiligt. Ich habe (die Organisierung übernommen und wir schritten in geordnetem Zuge hinter dem Aron, der ausschließlich von Chawerim des Snif getragen Wurde. Die beiden orthodoxen Schulen „Jawne" und „Nezach Jisrael" gaben den Schülern frei, die sich dem Zuge ebenfalls anschlössen. Die Absperrung geschah durch Polizei, Gaffirim, Feuerwehr und Mitglieder der agudistischen, misrachistischen und zionistischen Arbeitergruppen. Viele Tausende gaben dem Zuge das Geleite. Am Beth hakneseth hamerkasi wurde die Leiche aufgebahrt und in ergreifenden Worten sprachen Raw Markus und ein Vertreter des Waad Häkhilla, der auch das Telegramm der Aguda in Jeruscholajim zur Verlesung brachte. Von dort aus ging die Fahrt in Autobussen, die den Chawerim der PAJ kostenfrei durch die Chewra. kadischa .zur Verfügung gestellt wurden. Am offenen Grabe sprachen: Jakob Katz für den Snif PAJ. und im Auftrage der Gesamtaguda Dr. Abraham Kahn, als Freund und für die Familie, sowie Raw Findling für den Noar Agudati und die Freunde aus Deutschland. G.

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