Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1938)
- Date
- 1938-04-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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^^s^^^f&sissimass Seite 12 Nr. 15/16 Der Israelit 14, April 1938 "f« im ili'i zenden Wassermauern begraben wurden, fragten sie die g'ttliche Allmacht eine Mah nischtanno? nanw na l^sn i5>« Hier sind Aegypter, dort sind Aegypter. Warum werden diese gerettet und jens nicht? Ihr werdet sehen, sprach der Allmächtige, daß diese in wenigen Minuten nach ihrer Rettung zusammentreten und in machtvollem Männer- und Frauenchor ein Lied zu meinem Lob und Preis anstimmen, ein Hallel, wie es noch von keinem Volke der Erde seit der Schöpfung gesungen wurde. Die Geretteten werden nicht sagen: Wir haben unsere Rettung unserer Kraft und Weisheit zu danken. Für alle Zeiten werden sie mir Glauben, Furcht und Lied entgegenbringen und nach der Omerzeit meine Thora für die Ewigkeit übernehmen. Darum brachte ich unter ihren Tritten den Grimm des Meeres zum Schweigen. Die Aegypter aber standen unter der Herrschaft ihrer Götter Re, Isis und Osiris, von Sonne, Mond und Sternen, deren Nutzlosigkeit als G'ttheiten sich offenbarte und versanken auf die Art und Weise, wie sie gegen das Leben gesündigt hatten. Der schwache, sündhafte Mensch verscherzt sich oft das Gute, das ihm bestimmt war und der Spender alles Lebens müßte es ihm von rechtswegen oft vorenthalten. G'tt will aber nicht den Tod und das Verderben des Sünders — die Sünden sollen vergehen, aber nicht die Sünder! — und gibt ihm so viel als er für seinen Bedarf nötig hat. nvw pp rrnsn vvvn bi bv vnmi So langsam und unmerklich wie das Horn eines Rindes wächst die Hilfe des Allerhöchsten hervor. Auf einmal steht sie auch ohne unser Zutun vor unseren Augen, von denen die Binde gefallen ist. Parnoßo aber ist von den verschiedenen Faktoren des sitt liehen Verhaltens des Menschen G'tt und dem Nach sten gegenüber bedingt und darum schwerer zu er ringen als die Geulloh. Mit Dank und Lied auf den Lippen naht sich Israel seinem G'tte, wenn er ihm Brot und Kleid wie seinem Stammvater gewährt oder ihm mit seiner Gnade zu Hilfe eilt, wenn seine Liebe aus bräut licher Zeit zu Israel erglühen wird. Führen wir uns die Gedanken der himmlischen Speisung aus n»^3 ]»n täglich vor das geistige Auge! Wer heute Brot hat und fragt, was er morgen essen soll, gehört nicht zu den großen, gutgläubigen Menschen. Ist es G'tt möglich, uns heute zu speisen, warum soll er es mer gen, übermorgen- und alle Tage unseres Daseins nicht können? Er schenkt uns Speise jeden sechsten Tag doppelt, ja, wenn es sein muß, für Jahre hinaus, damit auch Erez Jisroel den Sabbat der Erde feiern kann. Wer täglich Parschas Hamon mit bewußter Ueberzeugung betet, dem garantieren die jüdischen Weisen, daß er zeitlebens seine Parnoßo aus G'ttes voller, offener, heiliger Hand finden wird und der kargen menschlichen Hilfe nicht bedarf, deren Annahme oft mit viel äußerer und innerer Beschämung verknüpft ist. Wahrlich, keine schlechten Garanten! Unser tägliches Brot, aus der Erde gewachsen, bleibt in dieser Weltanschauung immer ein o>»e>n 7» onb, bestimmt find gemessen von g'ttlicher Liebe, Gnade und Barmherzigkeit, wie es jedem nach seinem Verdienst zuteil wird, Parnoßo bleibt der ewige Prüfstein unseres Hoffens und Vertrauens zum Schöpfer und Gestalter unserer Tage. Und innerhalb der Grenzen unserer Parnoßo, die vom Werkverbot am Schabbos und Jointow einerseits und den Speisevorschriften der Tauroh andererseits gezogen werden, erblüht mit Frühlingskraft die ewige Erlösung der Menschheit auf der ganzen Erde, jn D"n byi iwrmv 7>pn bv\ winbv "p-nn bp wpbx nwn i^'nnu Vaai dt Vaa Tan imis onsai v nmv pr» nb'as bv\ nmmv lom nnrrer maiü fniwa «V iwi ,*riaaa laons' Sin j»n*>n -nyp bm n •mann Beireite Jugend. Von Lippmann Kurzweil in Kopenhagen. Tieferschütternd wirkt Günter Friedländers Schilderung der jüdischen Jugend von heute.*) Ohne Familie, keine Heimat, kein Ziel, ein Vergehen in der Raumlosigkeit. Betreffs des religiösen Erlebens schreibt der Verfasser: „nichts, nichts hat sich geändert, nur dies: wußte vor sechs Jahren ein mit dem üblichen Bildungsgut bedachter njähriger im Kölner Dom besser als in jeder Synagoge Bescheid, so kennt er heute oft beides nicht mehr". Wenn auch in der jüdischen Presse Rezensionen erschienen sind, die zum Ausdruck brachten, Friedländer habe zu schwarz gesehen, kann man sein Heftchen nicht mit ruhigem Gewissen ad acta legen. Mit einem sauve qui peut kann weder dem einzelnen noch der Gesamtheit gedient sein. Eins steht fest, was das seelische und moralische Wohl der orthodoxen Jugend betrifft, kann keine Rede von einer Ziellosigkeit sein. Das soll kein Trost sein, sondern eine Aufforderung aller, deren Judentum höchstens bis zur jährlichen Sehekelabgabe reicht. Dieser Jugend ist auch heute noch zu *) „Jüdische Jugend zwischen gestern und morgen", Vortrupp-Verlag, Berlin, 1938. helfen: (n*s 'an) i»ewi -£pa dh bw „Heute noch, wenn ihr seiner Stimme gehorcht". Es hangt dies gänzlich von unsrem Willen ab. Trotz aller Hoffnungs losigkeit des jüdischen Menschen, muß Friedländer einen dicken Strich ziehen zwischen der pflichterfül lenden Jugend und der sogenannten liberalen „Schalten wir nun unter denen, die die Synagoge besuchen, die orthodoxe Jugend aus. Was ihr die Synagoge bedeutet, könnte Gegenstand einer geson derten und interessanten Untersuchung sein, die den Rahmen dieser Darstellung aber sprengt." (S. 22. •Nennen wir es Judenschicksal, Galut oder sonstwie, nur das taurohtreue Judentum ha sich in Zeiten schwerster Depression erhalten können, Das Judentum, das seine großen Aufgaben nach innen zu tragen und erfüllen hat, während es nach außen Loyalität im besten Sinne wahrt. Nach innen: (er' inp'i) -p'ay rix rpaw naw unsern jüdischen Mitmenschen immer wieder auf den rechten Weg bringen; nach außen: 'n b& nsra vburm rmv aans m'Vin ups '-vj?n qüv m nn (tra "»t) „Und kümmert euch um die Wohlfahrt der Stadt in die ich euch geführt habe, und betet für sie zu G'tt". Oder talmudisch: (l~3 3"a) ion snia^m „Staatsgesetz ist zugleich Religionsgesetz". "Damit sind die Grenzen unsrer Räumlichkeit ein für allemal fest umrissen. Innerhalb dieser Grenzen hat'— selbst verständlich — auch heute der jüdische Sanierungsplan zu liegen. NEU E R S C H I E~N E N : Renegaten des Geistes Von Oberrabbiner Dr. JOSEPH CARLEBACH. Wer die tiefe Gründlichkeit und die bestrickende Schreibweise Joseph Carlebachs kennt, wird mit Freuden diese Schrift begrüßen, die keine Zeitschrift gewöhnlicher Art ist, sondern eine Berichtigung, eine Ehrenrettung der von eigenen Söhnen mißverstandenen und mißdeuteten Thora. Carlebach nimmt das neueste Werk von Elias Auerbach „Wüste und gelobtes Land'- als ein typisches Beispiel unhaltbarster bibelkritischer Spekulationen. Es geht in dieser Schrift._weniger darum, den Wahrheitsgehalt der biblischen Berichte ~nachzu- Weisen, sie bedürfen keiner Belege; es werden vielmehr die methodischen Grundlagen der bibelkritischen Beweisführung gezeigt und ad absurdum geführt,, damit eine interessierte Leserschaft, besonders eine an fremden Lehrquellen geistig genährte Jugend eriährt, wie sie jene Hypothesen Wellhiusens und seiner Nachbeter zu wertei hat. Preis RM l.OO. Außerdem erscheint in dritter Auflage: Die Welt der Gebete I. Kommentar zu den Werktagsgebeten von Rabb Dr. EUE MÜNK, Paris/früh. Ansbach Die zwei ersten Auflagen dieses in seiner Art einzigen Werkes waren so rasch ve-griffen und die Nachfrage nach dem Buche ist SO groß, daß sein Neuerscheinen zum dritten Male große Freude auslösen wird. Das Buch ist in schönem Leinwandband zum Preise von RM 5.00 erhältlich. Die Welt der Gebete II. Kommentar zu den Sabbat- und. Feiertagsgebeten bisher vergriffen, ersekeiöt in den nächsten Wochen Israelit und Hernion Jüd. Buchverlag G.m.b.H. Frankfurt am Main - Schützenstfaße 12 Postsch.-Konto Frankfurt a.M. Nr.,19802 Es hört sich etwas vermessen an, wenn man aus dem winzigen Lager der Orthodoxie an die „liberaren Rabbinen" aller Schattierungen die Frage stellt: „Wie lange wollt ihr noch das gepeinigte jüdische Volk mit euren Haltlosigkeiten und erprobten Fiaskos hinhalten? Bekennt mutig und offen, daß eure Arbeit auf anderem als rabbinischem Gebiete liegt." In erster Reihe könnten diese die sozialen und wirtschaftlichen Lasten tragen helfen. Wenn von verschiedenen Seiten geklagt wird, wir entbehren der großen jüdischen Persönlichkeiten, so ist ein gut Teil der Umstand daran schuld, daß oft religiöse Halbwisser oder gar jüdische Gesetzesübertreter leitende Stellungen einnehmen. Wo solche stehen dürfen, ziehen sich die wahren, traditionstreuen Wegweiser zurück. Um uns sind Revolutionen ausgebrochen, ohne daß Wir unser Inner jüdisches Leben revolutioniert hätten. Der religiöse oder nationale Ässimilationsprozeß, der in den letzten Jahrzehnten seinen Kulminationspunkt erreicht haben dürfte, muß endlich den wohlverdienten Schiffbruch leiden. Das wäre ein gesunder Umruch; Platz der taurohtreuen Kompetenz! Diese alte Forderung schließt keineswegs aus, daß nicht jeder Jude seine bestimmte Aufgabe zu lösen und seine nutzbringende Arbeit auszuführen hat, ' jedoch am rechten Ort. ,,. . . Nachher kamen deine Kinder in dein Haus und säuberten deinen Tempel und Teinigten dein Heiligtum". Wie stets in der jüdischen 'Geschichte, muß die junge Generation den R e i n ig u n,gs p r o z e ß vornehmen. Die jüdische Schule darf trotz der ungewohnten Verhältnisse und der Fülle religiöser Wirrnisse nicht den Kopf verlieren. Möge auch die neue Zeit den Juden proletarisi er e n, so muß er sich seiner Pflicht als treuer Siegelbewahrer seines geistigen Fürstentums bewußt sein! Wenn' wir vor Jahren davor warnten, die Schule nicht mit einer Werkstätte zu verwechseln, so muß heute erst recht, angesichts der Berufsschwierigkeiten und deren katastrophalen Begleiterscheinungen, ein vollötiges Gegengewicht geboten werden. Wie im Jahre 70 eine große Schar den Verzweiflungstod in den Flammen des brennenden Tempels suchte, während andere, erfüllt von einem höheren Ideal, Zuflucht und Erstarkung in Jawne fanden, und Jawne die historische Rettung des jüdischen Volkes wurde, so muß auch die Gegenwartshistorie unsres Volkes die gleiche Stellung einnehmen. Das Lernideal muß wieder das Ziel der jüdischen Schule werden! Ein Ideal gibt wohl dem Leben Inhalt und moralische Kraft, aber der Körper kann sich nicht von einem Ideal erhalten. Wir kennen's ja: rs nap öx r~nm ohne Brot kein Lernen. Dieses Problem ist jedoch nicht erst 1933 entstanden, wiewohl es ^ich verschärft hat. Diese Frage hat das Golüsjudentum stets zu lösen verstanden. Erwähnt sei das osteuropäische Judentum, das Jahrhunderte laut, dem alten Rezepte' lebte: (rs ü"S ,YVWi bt> nam nti p „So ist die Weise der Tauroh: Brot mit Salz ißf Wasser nach Maß trinke, auf der Erde schlafe, ein schmerzvolles Leben führe". Aber auch aus unserem Kreise sei ein anspornendes Beispiel erwähnt. Vor etwa zehn Jahren hat der akademisch gebildete Sohn einer frommen Frankfurter Familie Haus und Titel freiwillig verlassen, um im Osten ein Leben zu beginnen, das ausschließlich dem G'ttesdienste geweiht sei. Als die Mutter des Betreffenden einmal vom Besuch ihres Sohnes zurückgekehrt war, erzählte sie unter Freudentränen, wie armselig derselbe mit seiner Familie lebe,- nur am Schabbos ein Stückchen Fisch und etwas wie Fleisch. Und dennoch — oder gerade deswegen — größtes Glück. Jeder Bissen munde mit den Worten ,,1'chowaud Schabbos". Die seelische Zufriedenheit ihres Sohnes, die im Taurohstudium und in der Taurohtat ihre Quellen habe, lasse das Bewußtsein des Mangeins irdischer Güter nicht aufkommen. Aufgabe der Schule wäre es nunmehr, den jüdischen Menschen zu schaffen, der einen unstillbaren Hunger nach Tauroh in sich birgt, und dessen Lebensstandard demzufolge ein relatives Minimum ausmacht. Wenn wir Juden jemals aus der Not eine Tugend machen wollen, wäre dies mit der Schaffung jenes Judentyps dringend notwendig. Hiermit bekäme eine Forderung in t>t~3 £3,-n3 volle Aktualität. Dort heißt es nämlich: mm asn otmv ö«» 'iaa nnrn „Nehmt euch der Kinder der Armen an, denn von ihnen geht die Lehre aus." Das hieße mit' andern WortW, daß geistiger Aufstieg unabhängig von wirtschaftlicher Depression sei. Oekonomischer Tiefstand hat nur dann entscheidenden Einfluß* auf das Seelische, wenn kein Ideal vorhanden ist. Nach dem Gesetze des Gleichgewichts suchen wenig . begüterte Menschen dieses Manko durch geistige Sphderieistungen zü erstatten. Daher ist es heutzutage 'unumgänglich, das Schwergewicht in der Erziehung auf die moralische und geistige Leistung zu legen. Die Mussarlehrer und Chassidimrabbis haben gerade die Negierung: des Irdischen (mnatn) auf. ihrem Programm. Was andre freiwillig auf sich nehmen,: müßten wir Erwachsenen zumindest ohne Tränenvergießen bewältigen können," während die neue .Generation ja gar nicht die Spannung zwischen früher und heute miterlebt. Es ist von seriöser Seite die zeitgeborene Frage aufgeworfen werden, mit welcher Berechtigung wir nocli heute das Befreiungsfest feiern können. Hat das Frühlingsfest noch eine Botschaft an uns, oder ist es bereits Beute des religiösen Mechanismus, geworden? Auch hier dieselbe Antwort, die wir linsrer jüdischen Schule' gegeben haben. Trotz allem Sklaventums in Aegypten, schrien die Israeliten angesichts _ der trotslosen Wüste nach den Fleischtöpfen Aegyptens. Und gewiß war der Ueberfall Amaleks mit größeren Verlusten und Entbehrungen verbunden als die Fronarbeit bei Pharao es forderte, aber dennoch sprachen und sprechen wir von dem großen Befreiungswerk in Mizraiim. Wüßte und Amalek waren Prüfungen für den Schlußakt (r-m?) des Befreiungsfestes. Die Erlösung hatte die g'ttliche Gesetzgebung am Sinai als Ziel. Die Befreiung des Geistes (Tauroh) war Sinn der langen Kette vo« Leiden und Prüfungen. Wir wünschen keine Freiheit nach menschlichem Gutdünken, sondern eine durch G'ttes Willen geadelte. So lehrt Rabbi Jehaüschua: „ . . . und die Schrift, G'ttesschrift ist sie, ( eingegrä' "ben in die Täfeln. Lies nicht „eingegraben", sondern frei, denn es gibt keinen freien Menschen außer demjenigen, der sich mit der Tauroh beschäftigt." •Ora 8*s) mm nthta poww ■>» i6k psn p "\b piw | Mitteilungen, die Pädagogische Beilage „Erziehung und Lehre" betreffend, sind1 an Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen, Kr. Offenbach, zu richten.