Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 15-16 (14.4.1938)
- Date
- 1938-04-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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14/ April 1938 D-e r Israelit' * Nr. 15/16 Seite 15 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Steuer!ragen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Berlin, 8. April. Die „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik"-(Blätter der Zentralwohlfahrtsstelle und der Abt. Wirtschaftshilfe bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland) veröffentlicht in ihrem soeben erscheinenden April-Heft eine überaus wichtige Darstellung „Steuerfragen der jüdischen Wohlfahrtspflege bei den Realsteuern" aus der Feder' des bekannten .Sachverständigen- Dr. Kurt Ball, Im. einzelnen behandelt er, in der Auswirkung für Vereine und Anstalten, insbesondere die Gewerbesteuer, die Grundsteuer (hinsichtlich privater , Organisationen, nicht der Religionsgemeinden), die bisherige Preußische .Grundvermogenssteuer und die Gebäude-EntschuIdungs-(Hauszins-)steuer. Zum Thema des Lastenausgleichs äußert-sich unter dem besonderen Gesichtspunkt der Finanzierung der jüdischen Sozialarbeit Dr. Siegwart Wertheim er an Hand der EtatentwickLung der badischen Gemeinden Mannheim, Karlsruhe und Freibufg. Der erste Teil des Heftes istf brennenden Fragen der jüdischen Klein- und Mittelgemeinden gewidmet. Von der Jawne. ' Köln, 11. April. . Der Herr Reichs- und Preußische Minister l^ör Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat im Einverständnis mit dem Herrn Preußischen Finanzminister genehmigt, daß die anerkannte Jüdische Oberschule Jawne wieder zur Vollanstalt ausgebaut wird, nachdem in den letzten Jahren der Anstali keine Oberstufe mehr angegliedert war. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird der Jawne eine weitere Englische Oberklasse zur Vorbereitung auf das Cambridge School Certificate angegliedert,, in die Absolventen der 6. Oberschulklasse aufgenommen werden. Die Veranstaltete Ausstellung von Schülerarbeiten des Zeichen-, Werk- und Handarbeitsunterrichts sowie die Ausstellung neuerer Werke des Zeichenlehrers der Jawne, Herr Ludwig M eidner, wurde Sonntag, den. 10. April, 6 Uhr abends, geschlossen. Brief aus Wien. ' > Wien, 10. April. Die Neuordnung der Verhältnisse im Lande Oesterreich hat auch die Judenheit dieses Landes vor neue große Aufgabengestellt. Es gilt jetzt nicht bloß, die soziale Not vieler Brüder und Schwestern zu lindern, sondern auch für die berufliche Umschichtung der jüdischen^ Jugend zu sorgen, die über kurz oder lang die Heimat verlassen wird. Landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildungsstätten werden errichtet ,werden müssen. Das religiöse Leben, speziell im Umkreis der Schiffschul, nimmt seinen gewohnten Lauf. Die Talmud Thora-Schule und-ji manche anderen Lehrinstitutipnen konnten ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen. In den Bethäusern versammelt sich, wie üblich, morgens und dbends eine stattliche Gemeinde zu inbrünstigem Gebete'.' ' Inzwischen rückt der Pessach heran. Noch sind die Abgesandten der Z e n t r a 1 w o h 1 f a h r t & stell e und der Reichsvertretung der . Juden in Deutschland, die allgemein noch diese Woche erwartet werden, nicht eingetroffen. Unermüdlich sind während dessen die jugendlichen Agudisten bei>- derlei Geschlechts um die Linderung der Not bemüht. " e; . i P Die Wiener K u 11 u s £ e m e i n d e , bei der sich früher der größte Teil der Wohlfahrtstätigkeit konzentrierte, konnte ihre Pforten noch nicht Öffnen. Es verlautet, daß Adolf Böhm, dem Präsidenten des Keren Haiemeth in Oesterreich, gemeinsam mit Emil Engel, dem Leiter der FürsorgezehlraW der Wiener Kultusgemeinde' und ehemaligen Mitglied des Klubs der unionistischen Kultusvorsteher, die kommissarische Verwaltung und Leitung der .Kultusgemeinde übertragen werden wird. Im allgemeinen befleißigt man sich jetzt ,einer ruhigeren Beurteilung; der Dinge. Man hofft, daß der nationale Umbruch, der sich' in bewundernswerter Ruhe und Disziplin vollzogeh hat, den. Juden dieses Landes e i n e g e o r d n e t e Au s w anderung ermöglichen wird. Was hier im Augenblick fehlt, ist der, tatkräftige Einsatz jüdischer rührer- ' persönlichkeiten, die den de£i G'ttesglauben ver-y ioren gegangenen jüdischen ^Brüdern den Weg; der , Rückkehr zu?;:unserer heiligen: Lehre , weisen könnten* Hier erwächst unseren - Gesinnungsbrüderri , Jm . Altreiche eine große Aufgabe. Sie, die in den letzten Jahren so erfolgreiche Erziehungsarbeit geleistet haben, könnten nun auch in Wien segensreich wirken. " . Unzählig sind die Probleme, die die jüngsteu Wochen der Judenheit dieses Landes zur Lösung aufgegeben haben. Im Vordergrund mag dabei — neben den wirtschaftlichen Sorgen —die Frage der Jugenderziehung und der. jüdischen Schule stehen. Vielleicht wird es schon nächste Woche möglich sein, über alle diese Dinge ausführlicher zu berichten. ' ' ■•, Schweiz. Emigranten in der Schweiz. Bern, 10. April. Das Eidgenössische Justizdepartement ., der Schweiz hat bekanntgegeben, daß vor der Wiedereinführung des Visumzwanges für Inhaber österreichischer Pässe, die am 1. April erfolgte, eine große Zahl von Personen aus Oesterreich ini der Schweiz eingereist sei. Da infolge der Ueberfrenidung und . der Lage des Arbeitsmarktes die Schweiz nur** als Durchgangsland in Frage kommen könne, sollen diese' Ausländer zur Wiederausreise veranlaßt werden. Das gleiche gilt für Ausländer:anderer Nationalitäten, die bisher in Oesterreich ihren Wohnsitz hatten. Der Besitz oder Erwerb von Grundstücken, die Gründüng von Unternehmen oder die Beteiligung an solchen geben nach dieser Verfügung, keinen Anspruch auf die Aufenthaltsbewilligung* - .-• J;; \\: Holland; Das Niederländische Israelitische Knabenwaisenhaus „M'gadle Jessaumim" in Amsterdam bestand dieser Tage 200 Jahre. Gelegentlich der Festversammlung, die aus diesem Anlaß stattfand, heftete (wie die Illustration zeigt) Bürgermeister De V1 u g t dem Kassierer dieser jüdischen Stiftung, Herrn A. J. v an Arne ro Ilgen, den ihm durch Ihre Majestät Königin der Niederlande, verliehenen Orden an die Brusi. Ungarn. Schächtverbot in Ungarn. Budapest, 6. April. Mit einer Regierungsverordnung werden die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen über das Schächten von Großvieh so. geändert, daß de facto die S g h e c h i t a für Großvieh nunmehr verboten ist. ' Polen. " Zu dem Gesetze über die Ausbürgerung' polnischer, Staatsangehöriger im Auslände. - i. Warschau, 12. April., Der nun zum Gesetzt erhobene Entwurf über diu: Ausbürgerung enthält sieben Artikel, die Inder Hauptsache die von uns bereits bekanntgegebe; nen . Bestimmungen formulieren. Der Antrag auf Ausbürgerung geht in jedem Fall vom Außenminister aus und wird vom Innenminister ohne Grundangabe mit sofortiger Wirkung durchgeführt. : ' Die Bestimmung, wonach ^Staatsangehörige ausgei-; bürgert werden könnten, die seit der- Gründung der polnischen Republik , im Auslande wohnen und keine - Beziehungen ZU Polen pflegen, läßt eine weitgehende Interpretation 'zu. Nach einer Mitteilung' des Rigaer! „Hajnt" wurde seinem Korrespondenten vom dorti-v gen polnischen Konsulat gesagt, daß schon Personen im Auslände, die sich längere Zeit beim' Konsulate nicht gemeldet haben, unter diese Rubrik komrmen könnten, insbesondere wenn sie sich nicht einmal ' u'nV polnische Pässe bemüht hätten, Als Beweise, für den*'inneren Zusammenhang mit Polen dienen: Gelegentliche Geldsendungen nach Polen, Pflege geschäftlicher" Beziehungen mit Polen,; Unterhaltung von Briefwechsel mit Freunden und Verwandten in der Heimat oder die Zugehörigkeit zu l einem Verein polnischer Bürger im Auslande. » Bei einer Ausbürgerung kann Revision beim A dministrativen Tribunal in Warschau innerhalb von zwei Monaten eingereicht werden. Eine solche Appellation muß genügend begründet sein, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben soll, und muß durch einen in Polen praktizierenden Rechtsanwalt abgefaßt und unterschrieben werden. Bei der Ausbürgerung eines Familienvaters bö" trifft diese Maßnahme automatisch auch seine Frau und alle Kinder unter 18 Jahren, sofern, sich diese im Auslande befinden. Ausgebürgerte dürfen ohne spezielle Erlaubnis polnischen Boden nicht betreten. Das neue Gesetz ist am 1. April 1936 in Kraft getreten. - Der letzte Akt der Przytyker Tragödie. Lublin, 12. April. f Das Lubliner Appellationsgericht befaßte sichjals letzte Instanz noch einmal mit dem Prozeß Isaac 'F r i e d m a n n s , der seinerzeit wegen der abgegebenen Schüsse zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Die höchste Instanz hat nach längerer. Beratung Friedmann v o 11 k o m men f r e i - gesprochen, mit der Begründung, daß die Belastungszeugen wenig glaubwürdig seien, sich beständig widersprachen und daß ihre Aussage keine Grundlage zu einer Verurteilung bilden -könne. Es sei, entgegen jenen Aussagen, fast .mit voller Gewißheit anzunehmen, daß Friedmann in einem Zustande der Notwehr von der Waffe Gebrauch gemacht hat. ' Vom Lubliner Thoratag. Lublin, 10. April. Die Vorbereitungen für den Thoratag am 28. Siwan sind im vollen Gange. Die prominentesten thoratreuen Persönlichkeiten in der Welt haben ihr Er- ' ^cheinenlangemeldet, Wie das.J. P. B. erfährt, wird aus Anlaß des Thoratages eine Sitzung des Waad H a p o e 1 der Aguda-Weltorganisation stattfinden. Jugoslavien. Ein Dankschreiben des jugoslavischen Patriarch. Belgrad, .12. April. Das neugewählte Oberhaupt der jugoslavischen Kirche, Patriarch Gabrilo, dankte mit einem verbindlichen Handschreiben dem Oberrabbiner von Jugoslavieri, Dr. Jizchak Alkali, für seine Glückwünsche im Namen der jugoslavischen Judenheit. Es heißt zum Schlüsse des Schreibens: „Wir beten zum Allmächtigen, daß er die Liebe und-.brüderliche Einheit unter allen Söhnen unseres gemeinsamen Vaterlandes verstärke." Tschechoslovakei. Regierungssubventionen für Talmud Thora- Schulen in Karpathorußland. ' Prag, 10. April. Auf der letzten Sitzung: der Orthodoxen Landeskanzlei von Karpathorußland würde ein Bericht verlesen, aUS dem ZU ersehen ist,, daß die tschechis<Jie Regierung letzthin eine Subvention von insgesamt 7000 Kronen für die Talmud T h o r a - S c h u 1 e n. in Karpathorußland ausgeworfen hat. Main hofft, noch weitere Unterstützungen zu erhalten. ' Ein Fasttag in Preßburg. •i Ereßburg, 10. April. Wie in fast allen Gemeinden der T;schechosl'ovakei fand am Rüstetag zum 1, Nissan, mit Rücksicht auf äie jüdische Not in der Welt, auch in Preßburg ein allgemeiner Fasttag statt, an dem in den Synagogen Slichaus . und Tillimgebete verrichtet wurden. Es muß die Tatsache verzeichnet werden( daß der Aufruf der orthodoxen Rabbinen zu dieser Kundgebung der Solidarität auch auf die liberalen Kreise größten Eindruck machte, aus denen sich Viele freiwillig der Verordnung unterwarfen. In vielen Städten mußten die jüdischen Theater an dem Abend aus Mängel an Besuch1 schließen. Auch die nichtjüdische Presse nahm von diesem Fasttage gebührende Notiz. Schweden. ,-..<■■ 1 Die Judenfrage in Schweden. Stockholm, 11. April. u Große schwedische Zeitungen befassen sich in letzterer Zeit mit der' Judenfrage. Die meisten betonen, daß Schweden ein Judenproblem nie gekannt » hat, wiewohl auch Schweden die Bedeutung einer rassischen Reinheit des Volkstums kenne und anerkenne. ' Praktisch gesprochen, seien die Möglichkei- ..