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Der Israelit · 1938-04-14 · Heft 15-16 (14.4.1938) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 15-16 (14.4.1938)
Date
1938-04-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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HMK rat ]|o|o|o||o^o|o|o|oit I I I Erziehung und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" n des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands H ][^0[o=o][ölö]|o![ Die -Pädagogik des *HÖ-Abends. Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe.. Thoravorschrif t gebietet *IJD> rrwun „Deinem Kinde hast Du es zu künden!" Die Weisen haben Anleitung zur Erfüllung des Gebotes gegeben. Die Ausgestaltung des "no-Abends trägt ihre Prägung. - Sie entspricht; den modernsten Formen des Erlebnisünterrichts. f In feierlicher Stünde, in manchen Gegenden in das- Sterbegewand der Ehrfurcht, gebietenden Tage gehüllt, erteilt ihn der Vater. Der von der Liebe zur Seele des Kindes getragene Wille entfaltet die ^Empfänglichkeit für Wort und Tat. . Die'Auswahl des Stoffes verhilft der Eigenreaktion des Kindes zum Durchbruch. Typische Persönlichkeiten stehen im Vordergrund: Abraham, Jakob- Laban, Pharao. Sie wecken' den Wunsch: so möchte ich sein, — so möchte ich nicht sein! Bilder aus dem Leben reizendie Phantasie: ,,Keine Weide für die Schafe, — blüheiTdwie das Wachstum des Feldes —. Bau der- Vörratss-tädte, Lehm und Ziegel." Parallelität zum Leben des Kindes steigert individuell persönliche?- Anteilnahme: Kinder im, Nil, die -nyanx. D»M» ^iwb^iai tt»aai iMT'>*in' 5?!'"'Der Stoff muß durch das Mediumder Persönlichkeit hindurch gegangen sein, als eigenstes Empfinden geboten werden, in der' ersten Person: 73S'öik „Mir hat G'tt so getan", — „in. jedem Geschlecht". Nicht nur das Ohr, auch das Auge ist beteiligt: 8nn ts-mn bn* — m iwjn „diese nsa" „dieser Tna"; seltsame Handlung: Händewäs'chen des Hausherrn, Abspritzen der Weintropfen, Oeffnen der Tür! Die Form der Darbietung fördert die Seelengemeinschaft. Das freie, geistige Gespräch: "isob rman 5>3v das Ausmalen bis „zu 250 riia» ", das Wechselgespräch ritt na, na aw bv t^Vik «kp lrnsa nanM'na/ die Verknüpfung geschichtlicher Ereignisse: nos nai'amasi fiMvnxna wv das gemeinsame Lied, sin Ti» ynv'» ins ~m bbn .nun iV ■>> Nicht Geistesathletik, sondern seelische Totalität, nicht Gedächthisdrill und Sezierarbeit, sondern Verinnerlichung und Seelenbewegung gestaltet die Geburtsstunde des jüdischen Volkes Zur Leben bestimmenden Tat- und Gesinnungsgemeinschaft, Aus der Hagada. Eine Peßachbetrachtung. •»fc Du?n nwp'nt Siasn Mit Blumen und Blüten in bunter. Menge schmückte sich wieder das Antlitz der ewigen Mutter , Erde, Vogelsang und Liederklang erschallt in Berg, und T,al. Linde Lüfte tragen würzigen Duft bis in die fernste, letzte Hütte. Jedes Menschenherz; jubelt, hoffnungsfroh in Dank zum Weltenschöpfer empor, der "durch den Hauch , seines Mundes den Eispanzer des Winters schmelzen ließ, der die Nacht zum Tage, den rauhen Winter in den milden Frühling wandelte. Die Zeit des. Singens ist gekommen. Wenn wir ,schon an den ^Wintersabbatnachmittagen die m^ynn ."i'^ anstimmten und von de* . uns bevorstehenden Blütenentfaltung der Bäume träumten,, so stei-. gep wir am Peßach, mit der .jubilierenden Lerche .nv höhere Sphären und singen das höchste Lied B,~),B7n. Aus jeder Baum- und Aehrenblüte leuchtet uns die Güte G'ttes entgegen, der in Wundern seiner allumfassenden Fürsorge -jedem Menschen das tägliche Brot, die Parnoßo, die Michjo, gewährt. Bevor wir an den ernsten, erhabenen Tagen des Jahres die Bitte an den Allmächtigen richteten, er möge uns einschreiben und einsiegeln in das Büch, der Parnoßo, haben wir gebetet, er möge uns .hellen .EaMn!» D'aits,, zu einem guten Lebenswandel und zu wahrhaftem Verdienst. In der letzten Mischna von Kidduschin sagt R. Meir: „Bete zu dem, in dessen Hand alle Reichtümer'und Güter liegen! G'ttes Hand öffnet sich jedem, der sich zu ihm bekennt. Reichtum ist nicht die direkte Folge der Werke deiner Hände, sondern- Folge des gütlichen Segens und deines sittlichen Verdienstes. . R. Simon ben Elasar sagt: „Hast du' jemals ge^ sehen; daß das Wild des Waldes oder der {Vogel tn der Luft ein Handwerk gelernt haben? Trotzdem ernähren sie sich mühelos und sorgenfrei. Wohin sie laufen oder fliegen, ist ihnen der Tisch gedeckt. Dabei sind sie nur zum Dienst des Menschen geschaffen; während ' wir zum Dienste des höchsten G'ttes,. geboren sind. Logisch wäre darum folgender Schluß: : Wenn schon die uns dienende Tierwelt ohne Mühe und Qual ein fröhliches Leben führt, dann sollte uns G'ttesdienern erst recht ein sorgenloses Dasein zuteil werden. Worin aber liegt die Ursache, daß wir Kinder G'ttes einen qualvollen Lebenskampf führen müssen? Wir. haben das* Böse in den Augen G'ttes., getan und dadurch .den Quell des Segens uns selbst verschüttet." Der Midrasch berichtet: Wenn jüdische Frauen; in Aegypten Wasser für ihren 'Haushalt schöpften, tummelten sich Fische im Wasserquell .und ihr Eimer füllte sich halb mit Wasser, halb mit Fischen. Und wenn Israels Mütter der Geburt eines Kindes entgegensähen, gingen sie in das freie Gefilde. Unter einem schattigen Fruchtbaum stand ihnen ein Engel, schön' wie die Morgenröte, in ihrer schweren Stunde hilfreich zur Seite und verschwand hierauf mit dem neugeborenen Kinde auf dem Arme. Eine Höhle tat sich im Erdbodenauf,- die das zarte Wesen wie ein schützendes Kinderheim umfing. Der Engel drückte - in jede Kinderhand ein Stück Gold, ans dem der Mund des Kindes Oel und Honig saugen konnte; Diese beiden Nährquellen waren unversieglich und die Kleinen bekamen Mark und Kraft. Waren sie groß geworden, kehrten sie herdenweise heim und wurden . von unsichtbaren Engeln zu ihren wahren Eltern gelenst und geleitet. Schon nach vier Wochen der Wüstenwanderung Israels tauchte die große Frage der Ernährung des Millionenvolkes auf. Es fehlte an Brot und Wasser. Hatte Israel ein Verdienst auf die g'ttliche Fürsorge? Einst bewirtete der Urahne, drei Gäste im Schatten seines Zeltes, das nach den vier Himmelerichtungen Türen hätte, damit die Hungrigen und Armen ohne suchen zu müssen, den Eingang fanden. Abrahams Gastfreundschaft, seine selbstlos geüble Tat von B'miR nown vergalt der Allmächtige persönlich seinen Enkeln, wie es heißt: Siehe, ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen. Wasser aber, das Abraham seinen Gästen bringen ließ, wurde Isriel auch nicht durch G'tt persönlich, sondern durch den Boten G'ttes, Moses, . hervorgebracht. So deckte G'tt seinem Volke den Tisch in der Wüste. Er schlug den Felsen und es strömte Wasser, Bäche überschwemmten ihre Ufer; er konnte auch Brot geben und seinem' :Volke Fleisch bereiten. (Psalmen, 78.) Das Manna kam aus einer größeren Höhe herab als die Wasser der Flut. Bei der Sintflut wurden die Fenster des Himmels geöffnet, beim Manna aber die Türen desselben. Bezeichnend ist der Ausdruck der Schrift, daß stets ein Omer für einen. Schädel, : also auch für^die .Tierweltj Israels, fallen solle.. Den .Tieren schmeckte das. Himmelsbrot wie Heu-und Rüben, den Alten wie Oel, den Jungen wie Mehl oder •Honigkuchen. Das Manna nahm jedeh: beliebigen Geschmack von Leckerbissen an, nur nicht den Zwiebelgeschmack, der . manchem nachteilig werden konnte. Im Fallen des Mannas zeigte es sich, daß G'tt genau wußte, ob jemand im Hause gestorben oder geboren worden war, so daß sich die Ration der Familie entweder vermehrte oder verringerte. Das Manna bildete nebenbei das Geburts-Sterberegister des Volkes. So empfingen die Israeliten vierzig Jahre lang ihren täglichen Bedarf aus G'ttes offener, heiliger und voller Hand. Jüdische Geschichtsschreibung ist ein fortgesetzter Wunderbericht, den wir an den Sederabenden unseren Kindern geben sollen. Durch das Verdienst, von ' Moses empfing Israel das. Getreide des Himmels, das weiß war wie frisch gefrorener Tau und süß wie der Honig der Datteln. Mirjams Verdienst war der Brunnen, in dem sich Fische tummelten, und aus dem. die Kranken sich gesund trinken konnten. Aron hatte das Volk die schützenden Wolken zu verdanken, die es seinen Feinden verbargen. So bildete das Trifolium dieser Kinder der Jochebed die QNJltJ BV53">s Israels. Die Wunder des jüdischen Zeltes unter den. Stammüttern Sara urid.Rar bekka, daß ein laicht, .brannte und leuchtete von Säbbat zu Sabbat, Segen im Teige ruhte lind eine Wolke schützend über das Zeltdach gebreitet war, wiederholten sich hier in der Wüste in ungeheuren Dimensionen, in millionenfacher Vergrößerung und Verstärkung durch das Erscheinen der Feuer- und Wolkensäule, durch den Felsenbrunnen und das Himmelsbrot. Wenn man diese Ausmaße der g'ttlichen Fürsorge auf Herz und Verstand wirken läßt, dann muß man an das Midraschwort denken; bxan fHbnn nv» nbim -bin -nbwjn ja ->nv ais bv virmm prp •ntn ni»h »iwa »hi« nyiih vpbxn :avD nintam -m bva •»ms In Owinu malkenu bitten wir unseren G'tt nach dem Vortrag unserer Wünsche, uns einzuschreiben ins Buch der .Geulloh. Vor jeder Schemone Eßre reihen wir unmittelbar die gleiche Bitte an. Der Hoffnung auf einstige Geulloh ist der dritte Becher am Se'derabend gewidmet und geweiht. Was ist Geulloh? Eine Zeit der Wiederkehr paradiesischer Zustände auf der ganzen Erde, wo der vom Fluch erlöste Boden mit seiner vollen Kraft die Menschen erfreut und beglückt und inmitten eines durch keinen Mißklang gestörten Friedens Menschenlippen flüstern: OT- - nvaiaij? b'h&si üb"V wie in den Tagen der Erschaffung der Welt und der Vorzeit. Dies geschieht in der messianischen Zeit, in der eine Fülle ungeahnter Wunder am Himmel und auf Erden sichtbar wird. Zwei inhaltsschwere Worte sind hier im Midrasch gegenübergestellt: nona und i-bvxi . Der Midrasch will beweisen, daß Parnoßo schwerwiegender als Geulloh ist, weil diese durch einen Maloch, einen Engel, vollbracht werden kann, jene aber nur durch Elokim, durch G'tt persönlich bewirkt wird. Bei der Parnoßo spricht G'tt bv sbi ins kVi am »a* .wbv »n» G'tt allein ist es und bleibt es, der den Menschen speist und ernährt auf der Weide des Daseins bis zur letzten Stunde nach dem Verhältnis des sittlichen Verdienstes desselben. König David betete: B->ia iram wsi wbv xvro -\&bnb -»anDan -abw bv un-T G'tt und Herr der Welt! Liefere mich nicht aus einem Engel, der nur den Vollzug seines Auftrages kennt; denn bei dir ruht die Verzeihung, die Gnade auch dem Unwürdigen zuteil werden läßt, der einen frommen Vater oder eine ehrwürdige Mutter hatte und der aus dem noch ungelohnten Verdienst der Eltern und Voreltern Parnoßo erlangte. Als G'tt die Strafe für den sündigen Adam verkündete: Der verfluchte Erdboden lasse dir Dornen und Disteln wachsen, stürzten heiße Tränen aus des-" sen Augen. Ich Unglückseliger! dachte er, nun bin ich auf die Stufe des dummen Esels herabgesunken. Als G'tt aber weiter sprach: Im Schweiße deines Angesichtes kannst du Brot essen, beruhigte sich der erste Mensch. Gerne wollte er arbeiten, wenn auch vor den Erfolg seiner Arbeit, vor die Gewinnung, des. täglichen Brotes der Schweiß des Antlit2es gesetzt worden war. So war die Ehre seiner Menschenwürde in der Form seiner. Nahrung gewahrt, •seine Lebensfrage nach der Verstrickung in Sünde gnadenvoll gelöst; Parnoßo braucht nicht Geulloh in sich schließen. Wenn aber die Stünde der einstigen Geulloh geschlagen haben wird,, dann vollzieht sich diese wie . von selbst. Wifc ^imn i*6an Ein Engel G'ttes genügt, um sie zu vollbringen. Und wäre es auch nur „ein Engel aus Tausend!" Ein anderes Midraschwort erklärt, daß die Parnoßo ein noch schwereres Problem als die Geulloh sei: rrio Hs?a bsb ar\b imürwi »epo a' nw-ipa bix bv •wiw» r>»j? •non obivb '3 -winb t^o b-1 nmh :">^> -paoi In dem Hallel hagodaul wird die Parnoßo als ein Wunder gleichen Ranges der Spaltung des Schilfmeeres gegenübergestellt. Die irdische Welt aus' dem Nichts hervorzurufen war gewiß schwerer als das Trennen der Meeresfluten. Warum betont der Midrasch1 besonders, daß vor G'tt, dem Schöpfer aller Dinge *po_ a» nsfip schwer gewesen ist? Als die Engel, des Himmels sahen, wie die Israeliten trockenen Fußes durch den Meeresgrund zogen, während die Verfolger von; den zusammenstür-

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