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Der Israelit · 1938-02-17 · Heft 7 (17.2.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 7 (17.2.1938)
Date
1938-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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17. Februar 1938 Der Israelit Nr. 7 Seite 5 für wahnwitzig. Aus dieser Episode können wir. nebenbei gesagt, entnehmen: Nur in Zeiten gewaltsamer Unterdrückung gibt es Juden, die den Eigentumsbegriff völlig aufheben wollen, und auch dann werden solche Juden seitens der verantwortlichen Vertreter jüdischer Lehre nicht ernst genommen. Die Schicksalsgemeinschaft der Juden mit den Arabern bestand ihre Feuerprobe in der Zeit der Kreuzzüge. Als Gottfried von Bouillon 1096 in Jerusalem Einzug hielt, richtete er unter Juden und Arabern ein gleiches Blutbad an. Die Juden wurden bis auf einen kleinen Rest aus dem ganzen Lande zum Verschwinden gebracht. 1169 fand Benjamin von Tudela, der Weltreisende, in Jerusalem 200 Juden; 6 Jahre danach waren sie bis auf Einen wieder vertrieben. Die fürchterlichsten Leiden erduldeten die Juden Palästinas weder seitens der Araber noch seitens der Christen, da auch die Nachkommen der Kreuzfahrer schnell verweichlichten, sondern seit&ns der Mongolen, die um 1260 den ganzen Orient zu der Wüste machten, die er heute noch ist. 1267 mußte die Gemeinde Jerusalems, die aus zwei Menschen bestand, erst wieder durch eine großzügige Aktion neubeleben. Seit 1187 Salahuddin, der arabische Herrscher Aegyptens, Herr Palästinas geworden war, wurde und blieb Palästina zum Zufluchtslande jüdischer Flüchtlinge Europas. Wichtig ist für die Erkenntnis des jüdischarabischen Verhältnisses im Zeitalter nach der Eroberung Palästinas durch die Araber auch die Tatsache, .die man erst in jüngster Zeit aus der berühmten Genisa von Kairo ersehen hat: Es gab im 8. und 10. Jahrhundert in Palästina, zeitweilig wohl auf dem QTPtn iri' ein Synhedrion, mit gewaltigen Befugnissen. Die Araber hatten diesem Synhedrion sogar die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod für Juden eingeräumt. Auch die Kalenderfestsetzung des Synhedrions, die bekanntlich durch die Römer unmöglich gemacht worden war, soll in der genannten Zeit neu belebt worden sein. Krauß und Posnanski staunen darüber. Sollte die durch die oströmische Regierung 429 verfügte Aufhebung des Patriarchats vielleicht in der Zwischenzeit heimlich umgangen worden sein und das Synhedrion bis zur Araberzeit unbeachtet weiter existiert haben, so wäre'zü obigem Staunen kein Anlaß. Die Araber waren nie so eifersüchtig auf die jüdische Oberbehörde wie die Christen, die sich als Neu- Israel betrachteten. So nimmt es auch nicht wunder, daß um 1570 die Gelehrten von nSS' R. Jakob he Rab an der Spitze, die alte Würde des Synhedrions zu erneuern dachten. Damals aber verlief das Unternehmen negativ, da die inzwischen 1517 zur Herrschaft gelangten Türken im Gegensatz zu den Arabern sehr mißtrauisch und tyrannisch gegen jede Regung der Selbstverwaltung ihrer Völker waren. Zu den Arabern Palästinas dagegen hielten die Juden so treu, daß sie noch 1799 des siegreichen Napoleon Verrats-Angebote ausschlugen und mit den Arabern vor ihm flüchteten. In den Jahrhunderten der Erstarrung der mohammedanischen Religion litten die Juden Nordafrikas und Arabiens immer wieder unter neuen Stürmen der Bedrückung. So sind sie im Yemen wohl erst, seit den Kämpfen der Wahabiten (seit ca. 1750), die heute Herren des Landes sind, in ihren heutigen gedrückten Stand herabgesunken. In Nordafrika ging der fanatische Judenhaß meist von den nichtarabischen Bekennern der mohammedanischen Religion, den Berbern, aus. Die Folgen dieser' Haltung des Wirtsvolkes war eine äußerst ungesunde soziale Schichtung der Judenheit dieser Länder. Es gab dort unter den Juden wohl alle Berufe, aber keinen gesunden Mittelstand, — Hofjuden mit unübersehbar großem Vermögen, die daraufhin leicht Opfer der in unzivilisierten Ländern unvermeidlichen Jus tizintriguen und Scheinprözesse wurden, (wieder um 1830 nach Hamburg geflüchtete Samuel Sunvell, Vater des nachmaligen Gründers der Sunvell-Stiftung), und hungernd arme Proletarier, die den Gemeinden des heiligen Landes noch heute eine schwere soziale Last auflegen, In hoher Blüte blieb in nordafrikanischen Ländern das Talmud- und Thorastudium, das in der Zeit des Alfassi (um 1100) dort hervorragenden Ruf genoß und nach dem Zustrom der Flüchtlinge Spaniens 1500 auf Neue in Flor kam, noch bis in die neue Zeit. Noch mein Großvater nw57 hat in Fez, um 1840 eine namhafte rn,W vorgefunden. Allerdings machte sich im marokkanischen nin»^ auch eine gewisse ungünstige geistige Einwirkung der arabischen Umwelt geltend; in ungesundem Maße wurden bei Juden wie bei Mohammedanern des Landes die mystischen Studien vorgezogen, wohl unter Mißbrauch des Vorbildes von R. Chajim b. Atar (1750). Bezeichnend ist es, welchen breiten Raum in den Gutachten der nordafrikanischen ö'^HÄ die Fragen einnehmen, die sich auf die Rückkehr Zwangsbekehr.ter, auf D^Ö^KH rm^fi beziehen. Charakteristisch für das Verhältnis der Juden zu den Arabern Yemens ist der vergleichsweise geringe Einfluß, den im Yemen die Sprache des arabischen Wirtsvolkes auf die Sprache der dortigen Juden ausgeübt hat. Obgleich sich das Hebräische in allen arabischen Ländern in der sefardischen Leseweise erhalten hat, die dem arabischen Klang in mancher Hinsicht nahekommt, lesen die yemenischen Juden das Hebräische in einer höchst selbständigen Weise, die den Reichtum des arabischen Klanges besitzt, ohne dessen Mängel zu teilen (Fehlen des £3 und des 3 sowie der Vokal-Feinheiten). Das mag die Folge der Distanz sein, die in Arabien zwischen dem herrschenden und dem unterdrückten Volke gehalten wurde. Leider wurden die Juden Nordafrika§ in der Neuzeit in unvergleichlich stärkerem Maße als die dortigen Mohammedaner Opfer der modernen von Paris ausgegangenen Aufklärerei, Die Alliance israelite universelle hat mit ihren französisch-chauvinistischen areligiösen Schulen nicht nur die Religiosität der Juden Nordafrikas untergraben; sie hat sich sogar dazu hergegeben, dortselbst noch zur Zeit, als die dortigen mohammedanischen Staaten unabhängig waren, mittels der französischen Kultur die Bevölkerung den angestammten Autoritäten zu entfremden. Darunter leiden, wie die anfangs erwähnte Resolution des indischen mohammedanischen Kongresses beweist, noch heute die Beziehungen der Araber zu allen Juden. Ob die heutige Politik in Palästina die richtige Instanz ist, um diese üble Wirkung der assimilationslüsternen Juden Frankreichs auszugleichen, ist nach den Ereignissen der letzten Jahrzehnte mehr als zweifelhaft. Zu verwundern ist es nur, daß nicht längst berufene Aguda-Instanzen diese Situation zugunsten der Lage der gesetzestreuen Judenheit ausgewertet und noch nicht unzweideutig erklärt haben: Wir stehen im Solde keiner politischen Macht. Wir.dienen nur der min und Jüdischkeit. Wir haben in unserer Aguda-Weltorganisation kein anderes Ziel als das, daß in allen, auch in den arabischen Ländern der Welt einschließlich i"X die Juden ihre Jüdischkeit halten und Existenz finden können. Wir haben weder an aufklärerischen noch an nationalistischen Experimenten, weder an französischen noch an englischen Herrschbestrebungen irgend ein Interesse. •»KnEtt nm« **iTWa "T G'tt sei mit mir zur Abwehr falscher Freunde; dann werden mir schon von selber die Feinde zu Freunden. 'T ">53 bü 1»JJ .pXVUrÜ* TO« G'tt oh n e fremde Macht hilft uns am Besten. Das ist der ganze Sinn der Aguda, und dies der Weg zum Frieden mit unserem Bruder Ismael. Sprechsaal. „Verzweifelte Jugend"? Sehr geehrte Redaktion! Vielleicht kann man die Unheseheidetiheit verzeihen, daß einer aus der Jugend es wagt, spontan einige Worte über seinen (eigenen) Jugendkreis zu sprechen. Anlaß dazu gibt der Leitartikel „Die Auswanderungsfrage" in der Nummer 4 des „Israelit". Herr H. A. G. spricht von der weitblickenden Forderung Jacob Rosenheims -— zu dem auch wir ia Treue und Verehrung aufblicken — Agudas Jisroel auch in Uebersee zu verwurzeln, um das sich dorthin ergießende thoratreue Reservoir aus dem Osten auch weiterhin um das Banner der Thora zu scharen. Er beginnt mit bescheidenen Lösungsversuchen, wie der Einrichtung von „Konsulaten" und intensiver Zusammenarbeit mit fähigen Auswanderungsorganisationen. Diese Vorschläge sind sehr zu begrüßen und die Jugend wird wohl diese „Konsulate" aus ihren Reihen stellen. Auf starken Widerspruch stößt jedoch folgender Satz: „Unsere Jugend sieht hoffnungslos in die Zukunft — Verzweiflung in ihrem Herzen und Gebet auf ihren Lippen". Auch ein Einzelner, Unbedeutender darf gegen diese Behauptung Verwahrung einlegen/ denn er ist dessen sicher, daß jeder „Unserer Jugeftd" das Folgende erwidern könnte. — Nein! Wir sehen nicht hoffnungslos in die Zukunft. Im Moment schließt dieses Land seine Pforten, ein Anderes öffnet die Tore, immer bietet sich eine neue Gelegenheit zum Einsatz. Wird körperliche Arbeit gefordert: „Zähne zusammengebissen und mit Entschlossenheit bis zum Aeußersten durchgehalten!" Das ist leicht gesagt, doch — ausführbar. Denn wir haben uns umgestellt. W«r fangen jetzt gleich „umgestellt" mit unserer Berufsausbildung an. Der Weg ist klar vorgezeichnet. Trotz größter innerer Unruhe und Ungeduld folgen wir dem Ruf: „Zu den Quellen!'* Die Fähigkeit, Gemoro und Schulchan Aruch einigermaßen selbständig lernen zu können, ist unabdingliches Ziel. Es folgt eine praktische handwerkliche oder landwirtschaftliche Ausbildung und sei sie selbst nicht spezifiziert. Mit diesem Rüstzeug nehmen wir dann den Kampf um zwei Existenzen auf; Um Uns?re jüdische (seelische) Existenz und um unsere körperliche. Unser Kampf ist also doppelt hart. Wir wissen es. Aber, geben wir uns nicht selber auf, so sind wir niemals verloren. Wir dürfen, wir wollen und wir werden nicht verzweifeln. Wir haben keinen Anlaß zum Jubeln, wir werden aber bestehen können, wenn wir ehrlich um unser Brot kämpfen. Und wir erhoffen mehr als dies. Doch selbst in wirtschaftlicher Enge wird uns G'tt immer die Möglichkeit schenken, seiner Tauroh zu leben. Das ist schon das Allermeiste. Der Sinn unseres Daseins wird zumindest darin liegen, Bindeglied zu sein zwischen Vergangenheit und Zukunft;- G'ttes Thora weiterzutragen von Geschlecht zu Geschlecht. Immer hoffen wir! Und nie werden wir verzweifeln! Ben-Dawid. NEU ERSCHIENEN: Renegaten des Geistes Von Oberrabbiner Dr. JOSEPH CARLEBACH. Wer die tiefe Gründlichkeit und die bestrickende Schreibweise Joseph Carlebachs kennt, wird mit Freuden diese Schrift begrüßen, die keine Zeitschrift gewöhnlicher Art ist, sondern eine Berichtigung, eine Ehrenrettung der von eigenen Söhnen mißverstandenen und mißdeuteten Thora. Carlebach nimmt das neueste Werk von Elias Auerbach „Wüste und gelobtes Land" als ein typisches Beispiel unhaltbarster bibelkritischer Spekulationen. Es geht in dieser Schrift weniger darum, den Wahrheitsgehalt der biblischen Berichte nachzuweisen, sie bedürfen keiner Belege; es werden vielmehr die methodischen Grundlagen der bibelkritischen Beweisführung gezeigt und ad absurdum geführt, damit eine interessierte Leserschaft, besonders eine an fremden Lehrquellen geistig genährte Jugend erlährt, wie sie jene Hypothesen Wellhausens und seiner Nachbeter zu werten hat. Preis RM l.OO. Außerdem erscheint in dritter Auflage: Die Welt der Gebete I. Kommentar zu den Werktags gebeten von Rabb. Dr. ELIE MÜNK, Parislfrüh. Ansbach Die zwei ersten Auflagen dieses in seiner Art einzigen Werkes waren so rasch vergriffen, und die Nachfrage nach dem Buche ist so groß, daß sein Neuerscheinen zum dritten Male große Freude auslösen wird. Das Buch ist in schönem Leinwandband zum Preise von RM 5.00 erhältlich. Die Well der Gebete II. Kommentar zu den Sabbat- und Feiertagsgebeten bisher vergriffen, erseheint in den nächsten Wochen Israelit und Hermen Jüd. Buchverlag G.m.b.H. Frankfurt am Main - Schätzenstraße 12 Postscb.-Konto Frankfurt a. M. Nr. 19802

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