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Der Israelit · 1938-02-17 · Heft 7 (17.2.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 7 (17.2.1938)
Date
1938-02-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^pl^^S^^P^I^S^^^^PP^SS^BBSSP^ Seite 4 Nr. 7 D er I 1 i t 17. Februar 1938 Die Auswandererffürsorge des Hilfsvereins. Der Jahresbericht des Hilfsver eins der Juden in Deutschland für 1936/37 gibt auf gedrängtem Raum ein Bild seiner vielseitigen Arbeit. Der entscheidende Faktor für die Arbeit des Hilfsvereins war nach dem Berichte in den letzten beiden Jahren der gewaltige sich im we sentJichen gleichbleibende Auswanderungsdrang der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, dem leider Einwanderungsmöglichkeiten, besonders in Europa, nur in unzureichendem Maße gegenüberstanden. Der Hilfsverein mußte deshalb das Schwergewicht seiner Arbeit immer mehr auf die Förderung der Ueberseewanderung, ja zum Teil auf die Erschließung neuer Einwanderungsmöglichkeiten verlegen. Diese Verstärkung der Ueberseewanderung gegenüber der in die euro päischen Nachbarländer brachte naturgemäß eine außerordentliche Erhöhung der für den einzelnen Auswanderungsfall aufzuwendenden Beträge mit sich — und dies trot2 verschärfter Prüfung der Bedürftigkeit jedes Auswanderung« willigen. Wie durch die Bildung eines besonderen Ausschusses in Berlin eine solche gründliche und doch unbürokratische Bedürftigkeitsprüfung ermöglicht wurde, das gehört zu den vielen fesselnden Einzelheiten aus der Arbeit des Hillsvereins, die der Bericht beschreibt. Der Bericht verzeichnet eine befriedigende wirtschaftliche Einordnung der Masse der von ihm betreuten Auswanderer, die durch die Besserung der Wirtschaftslage in den überseeischen Ländern, nicht zuletzt aber durch die aufopfernde Arbeit der mit dem Hilfsverein zusammenwirkenden überseeischen jüdischen Organisationen erleichtert wurde. Im Jahre 1936 allein konnten mit finanzieller Unterstützung des Hilfsvereins über 3»5 öö Personen zur Auswanderung gebracht werden; die endgültigen Ziffern für 1937 dürften kaum geringer sein. Zu den organisatorischen Maßnahmen gehört vor allem die Errichtung von etwa 15 Beratungsstelle n im Reich während der Berichtszeit, durch die der starke Auswanderungsdrang in der „Provinz" erfaßt und in die richtigen Wege geleitet werden konnte. Im engsten Zusammenhang hiermit stand der Ausbau der Zentrale und der Be ratungsstelle Berlin, die täglich beide ein ungeheures Arbeitspensum zu bewältigen haben — beträgt doch zum Beispiel aliein der Briefeingang täglich über 300 Stück. Von bedeutsamen Sonderaktionen des Hilfsvereins wird die denkwürdige Reise des Dampfers „Stuttgart" genannt, der mit 540 Juden aus Mit Befriedigung wird hervorgehoben, daß die Unterstützung, die der Hilfsverein seitens Deutschland in letzter Minute nach Südafrika fuhr, bevor ein neues Einwanderungsgesetz dieses aussichtsreiche Land unseren Menschen im wesentlichen verschloß. der Oeffentlichkeit fand, in der Berichtszeit gewachsen ist. Der Mitgliederbestand konnte trotz der erheblichen Verminderung der jüdischen Bevölkerung allein im Jahre 1937 einen Zuwachs von über 50 Proz, verzeichnen. Araber und Juden in der Geschichte. (Schluß.) Auch geistig bildete sich eine enge jüdischarabische Schicksalsgemeinschaft heraus. Die kriegerische Art der Araber brachte es mit sich, daß auch die Juden arabischer Länder an religiös motivierten Kriegszügen Gefallen fanden. So lebte um 720 ein Mann, der sich als Messias ausgab und S e r e n e hieß; er verhieß den Juden, sich mit Gewalt in den Besitz des hei ligen Landes zu setzen und die Araber zu unterdrücken. Die jüdischen Anhänger Serenes waren so sehr Araber, daß die strengen talmudischen Gesetze ihnen in ihrer Ungebundenen Lebensweise nicht zusagten; nach Serenes Sturz und Hinrichtung sind sie, wie bußfertige Frevler und Abtrünnige, durch den Gaon Nitronal formell aufs Neue ins Judentum aufgenommen worden. Auch die karäische Bewegung, die um 750 von Babylonien ausging, ist von der gleichzeitig wilden und düsteren seelischen Haltung der Wüstenvölker sichtlich beherrscht gewesen, wenigstens in ihren Anfängen. Andererseits hat das karäische ausschließliche Zurückgreifen auf die schriftliche Offenbarung und das karäische Verwerfen der mündlichen Ueberlieferung ihr genaues Vorbild in der mohammedanischen Sektenbildung des Schiitismus. Getreulich spiegelten sich im 11. bis 13. Jahrhundert in den Geisteskämpfen der spanisch« arabischen Judenheit alle die Bewegungen der arabischen Weltweisheit für und wider die griechische Philosophie, für und wider das Wörtiichnehmen der biblischen Berichte und der gütlichen Eigenschaften. Arabisch wurde die Sprache jüdischen Wissens und Forschens, im profanen, aber auch im religiösen Schrifttum. Arabisch sind für die jüdische Leserwelt geschrieben im 10. Jahrhundert die Schriften des Gaons Saadja, im 11. die des Dichterfürsten Jehuda Halevi, im 12. die des Maimonides. Eine fanatische mohammedanische Sekte, die um 1150 in Nordafrika entstand, — bezeichnender Weise nicht zwischen Arabern, sondern zwischen Berbern, — die Almohaden, deren Name, mit T>n „einzig" verwandt, schon ihren einseitig puritanischen Charakter verrät, — eine kriegerische Gemeinschaft, die in schnellem Siegeszuge die Araberreiche Nordafrikas und Spaniens eroberte und überall zwangsweise jeden Menschen der von ihr für richtig gehaltenen Form des Islam zuführen wollte, — brachte auch die Juden jener Länder in schwere seelische Konflikte. Sie verlangte von den Juden Annahme des Islam, Auswanderung oder Tod. Bekanntlich ist auch die Familie des Maimonides vor den Quälereien dieser Sekte mehrmals geflüchtet, von Spanien nach Afrika, von da nach Palästina und Aegypten. Viele Juden dieser Länder wurden damals Märtyrer, viele Andere nahmen zum Schein den Islam an. Dieser Schein-Abfall, den die Juden schon im gotischkatholischen Spanien gelegentlich als Ausweg aus ihren Nöten begangen hatten, breitete sich in den Ländern des Islam noch leichter aus, weil die Mohammedaner sich damit begnügten, daß man Mohammed als Boten G'ttes anerkannte, öfters die mohammedanischen Bethäuser aufsuchte und im Uebrigen die bisherige Lebensweise beibehielt. Bekanntlich Kat Maimonides in einem Gutachten das Verhalten dieser Unglücklichen zu entschuldigen versucht. Ueber die seelischen Eigenheiten des Marannenlebens soll bei anderer Gelegenheit gesprochen werden. Der Sturm der Almohadensekte endigte schon im 13 Jahrhundert. Andere mohammedanische Fanatiker verbitterten um 1160 das Leben der Juden in Yemen. Die Unterdrückung erzeugte, wie jede Gewalt, gewaltsamen Gegendruck, auch dieses Mal in der Gestalt einer falschen messianischen Bewegung. Diese ging von einem Schwärmer aus, der Gütergemeinschaft und gewaltsame Auflehnung; gegen die arabischen Herren des Landes predigte. Maimonides wurde von den Juden Yemens über die Bedeutung dieses angeblichen Moschiach befragt und antwortete, dieser könne schon deshalb kein echter G'ttesgesandter sein, weil seine Lehre der Gütergemeinschaft völlig den Vorschriften der min über iwsra und Armenhilfe widerspreche, — und erklärte den Mann Aphorismen zur Sidra*). „Sie wichen rasch vom Wege, den ich ihnen geboten habe". (Kap. 32, S. 8). Alle anderen Sünden und Vergehen erfordern Zeit. Es muß erst Pessaoh kommen, um das Verbot des Gesäuerten zu übertreten, Jomkippur, um die1 Koresstrafe auf sich zu laden, ein Sabbat, um ihn zu entweihen. Mit Götzendienst hat man aber rasch und auf einmal alle Gebote übertreten. Daher "pin p nnn no» sie sind rasch, in einem Augenblick von meinem Wege abgewichen. „Als sich Moses dem Lager näherte und Kalb und Reigen erblickte, entbrannte sein Zorn, so daß er die Tafeln aus seiner Hand^warf' (Kap. 32, 19). Woher die Ueberraschung Mosis, nachdem ihm doch schon G'tt mitgeteilt hatte, daß sie unten ein goldenes Kalb umtanzen? Er hatte aber bis dahin die Tragweite der Sachs nicht erfaßt, er glaubte, sie mit einigen gütlichen Worten zum Bewußtsein ihrer Sünde und zur Umkehr zu bringen. Nun sah er aber die Freuden- *) Nach dem „Thoraquell", der soeben in schöner Ausstattung zu ninw im Chorew-Verlag, Warschau erschienen ist. tänze, Nicht nur, daß sie fremde Kulte trieben, sie taten es mit Freude und Begeisterung. Nun glaubte er alle Hoffnung aufgeben zu müssen und zerbrach die Tafeln. Es ist nicht so sehr die Sünde an sich, die den Menschen seinem G'ite entfremdet, diese kann man durch T'schuwa Immer noch gutmachen. Es ist aber die Freude an der Sünde, die Schule macht und dem Sünder selbst den Weg zur Buße versperrt. Raschi bemerkt zur Stelle: „Moses sprach: Die Thora ist dabei, Israel hat sie aber übertreten, da soll ich ihnen noch die Tafeln geben?" Moses dachte erst, Israels Söhne hätten fremde Kulte nachgeahmt. In diesem Falle wäre die Ernüchterung bald wieder eingetreten. Wie er aber erblickte, daß sie eigene Awodah Sarah herstellten, dem Kalbe sogar einen Altar errichteten, dieselben alten heiligen Gebete, die für G'tt bestimmt sind, beteten und die gleichen Lieder sangen, mithin un» ter dem Schild des Judentums die Abkehr betrieben, da verzweifelte er und sprach (wie Raschi erklärl|: die Thora ist dabei. Sie mißbrauchen die Thora für ihre Untaten! Da glaubte er, die heiligen Tafeln zerbrechen zu müssen. Bei der von Moses erzielten Aussöhnung heißt es; '«i uns ips rix wum usw In chassidischen Quellen wird dieser Satz folgendermaßen gedeutet: Ich werde all diejenigen begnadigen, rins ns die sprechen: „ich" will Gnade gegen Andere üben", 'flsmv Ich will mich all derer erbarmen, ums hp« m die sprechen; „Ich will barmherzig gegen Andere sein." * * " * G'tt spricht zu Moses: „Hier ist ein Platz neben mir, wo Du Dich auf den Felsen stellst, zieht aber meine Herrlichkeit vorüber, dann setze ich Dich in die Kluft des Felsen (Kap. 33, 21)." Rabbi Schapiro, der Lubliner Raw s. A., pflegte unter Anwendung dieses Satzes zu sagen: Geht es um die Ehre G'ttes, dann hat sich der religiöse Führer auf den hohen Felsen zu stellen, von oben herab seine Autorität zu wahren. Geht es aber nicht mehr Um die Ehre G'ttes, sondern um eigene Interessen, dann verberge er sich in der Kluft des Felsen, stelle er seine Person bescheiden und demütig in den Hintergrund. Der Dubner Maggid erzählt ein hübsches Gleichnis: Ein Händler bot einfache Tonkrüge und Holzlöffel in einer vornehmen Gegend feil und verkauftßkein einziges Stück. Ein Passant sagte ihm: „Kein Wunder, wer von den Adeligen, die hier wohnen, braucht Töpferware und Holzlöffel? Gehe mit deinen Gegenständen in die Hintergassen, wo das einfache, kleine, arme Volk wohnt, und du wirst deine Erzeugnisse los." So spricht Moses zu G'tt: Deine Thora ist für das kleine menschliche Leben bestimmt, was Sollen die Engel im Himmel damit anfangen? uaipa "i 8S "b* es gehe G'tt usnter uns, unter den kleinen, schwachen Menschen, xw *py vop üv »3. Hier wohnt ein hartnäckiges Volk, das die Gebote für sein Leben nötig hat.

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