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Der Israelit · 1938-02-10 · Heft 6 (10.2.1938) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 6 (10.2.1938)
Date
1938-02-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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l'orEebruar^38 De r Is r a eIi t Nr. 6 Seite 7koihitee des Misrachi der Agudamitgeteilt, daß es sieh im Kampfe gegen, die Sabbatschändung des „Moment" vollkommen der Aguda und ihrem Organe anschließe. ■ . . _ ■ England. Londoner Brie! 1 London, 8. Febr. Die offizielle Ruhe auf der ganzen Front der palästinensischen Politik — das' Parlament hat sich bis heute noch nicht einmal zu einer vorwärts drängenden, mehr als formellen kleinen Anfrage aufgeschwungen — wird vielleicht, sobald Weizmann jet2t wiedeinach London zurückkehrt, etwas größerer Aktivität wenigstens von Seiten der jüdischen Instanzen Platz machen, denen'immerhin die Möglichkeit offenstände, parlamentärische Kreise" von der furchtbaren wirtschaftlichen und politischen Gefahr des gegenwärtigen palästinensischen Stagnationszustandes zu überzeugen, r Dazu müßten aber diese „jüdischen Instanzen" zuerst selber wissen,; was sie wollen. Die beiden Reden; die Weizmann vor seiner Abreise aus Palästina in Jerusalem und Tel Awiw gehalten hat, scheinen, soweit die Berichte darüber korrekt sind, nur in-einem Punkte übereinzustimmen, in der leicht verständlichen Erregung über den momentanen „deadlock". Sonst widersprechen sie einander. Während die erste, genau nach dem Züricher Muster, die partition als das unvermeidliche kleinere Uebel vorbehaltlos akzeptiert, verrät die zweite stärksten Unmut über die Haltung der eng lischen Regierung und klingt wie ein Ultimatum mit dem Ziele der Aufrechterhaltung des Mandates an, Wie dem auch sei: in den weitesten Kreisen der an Erez Israel interessierten jüdischen Massen wächst die Ueberzeugung, daß es total unmöglich ist, der innerlich z er, r i s s e n ,e n Jewish Agency in ihrer splendid isolation die Vertretung des jüdischen Volkes bei der Entscheidung einer Schicksalsfrage zu überlassen. . ' - - Ob der Vorschlag einer „national assembly",. wie ihn Jabotinsky macht, ausführbar 'ist oder nicht, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls wird allmählich auch die Mandatarmacht einsehen, daß sie weder über die innerhalb der Agency vollkommen an die Wand gedrückten amerikanischen Nicht-Zionisten mit ihrer starken wirtschaftlichen. Potenz hinwegsehen kann, noch über die Millionen von Juden in Europa, Arne rika und aller Welt, die jedes Vertrauen zu der Sonder-Politik der die Agency beherrschenden v/Hista druth" verlören haben. Mit dieser negativen Einsicht in die Nicht-Kom petenzder Agency ist aber wenig geschehen, .wenn nicht i r g e n d1 eine.-Form schleunigst geschaffen wird, In der:'aie judische öffentliche Meinung zu der Frage7* der; politischen Zukunftsmöglichkeiten Palästinas ^.yers^andigung mit den Arabern, bi-nationaler Paläs^na-Staat3 unter -Mandat oder als Dominion, großäräbisefiesStaatswesen mit, jüdischem Palästina usw. TTjJlegiiip. zum Ausdruck ltommen tannl Diev^Lösung,. kann allerdings schneller, als man heute, glaubtf Mvon.^der Seite der englischen Regierung kommen,, die , sicherlich t die nächste Atempause.; in den die führenden Männer Tag und Nacht, beschäftjv genden europäischen und fernöstlichen Spannungen dazu benützen wird, uni . in eine Nachprüfung des Teilungsplahes Jm Lichte der heutigen Mitte-lmeer- Situatiön einzutreten. N Leider haben sowohl der britische Zionistenverband als der von diesem .vorgeschobene ^,Board of Deputies" in ihren Palästina-Resolutionen, die sich für einen jüdischen Staat 'als Dominion: aussprechen, durch das zweideutige Vorbeigehen an der Frage, des ganzen oder geteilten Palästina, den ppliüsehen Wert dieser. Entschließungen für die reifende Entscheidung der Regierung stark vermindert. , . Trotzdem-darf -man 'annehmen, daß eine zweite Gesamtberatung des - britischen Kabinetts über die Palästinafrage nicht mehr, wie inder Hasedes vorjährigen sommerlichen Beschlusses■• vor parlamentarischem Torschluß, zu einer einfachen Bestätigung der Politik der Royal Commission und des, Colomal Office führen, sondern eine neue Alternative eröffnen wird: entweder ein ungeteiltes, arabisch-jüdisches, aber de facto gänzlich englischer Souveränität unterworfenes Palästina oder — was gewiß eine furchtbare Katastrophe für das jüdische Volk'in der drängenden Not dieser Tage bedeuten würde — die Umwandlung des „national home" in eine leere Formalität ohne Aussicht auf Expansion und lebendige Fortentwicklung. >...-. '" Daß gegenüber dieser Alternative die derzeitige Inaktivität der jüdischen Palästina-Politik — bedingt durch die Lähmung der Jewish Agency, — eine ungeheure Gefahr bedeutet, Hegt auf der Hand. Personalien. Gustav Benario 70 Jahre alt, ' Berlin, 6. Febr. : Bankdirektor Gustav Benario begeht am 11.- Februar seinen 70. Geburtstag. Herr Benario entstammt, einer altangesehenen jüdischen Familie: und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Frankfurt ä. M., wo er sich auffallen Gebieten der Wohl-' fahrt betätigte. Herr Benario, eine in der Finanz- und Bankwelt bekannte und hochangesehene Per-;, sönlichkeit, hatte sich stets auch ein großes Maß von, Verständnis für das traditionelle Judentum bewahrt. Er gehörte früher auch dem Aufsichtsrate des „Israelit" an. und zählte zu den Freunden und Förde«: rern des orthodoxen Zentralorgans. Auch in Berlin konnte Herr Benario einen großen Kreis von Freunden um sich scharen und, dem Triebe seines Herzens folgend, sich zum Segen zu betätigen. Wir wünschen Herrn Gustav Benario weitere , befriedigende Tätig-, keit in frischer Gesundheit. srjntty Emden, 7. Febr. Tiefe Trauer löste allüberall die Kunde vom plötzlichen Ableben der Frau Max van der Walde aus. Frau v. d. Walde war seit Jahren die treibende Kraft im sozialen und Wohlfahrtsleben unserer .Gemeinde. Mit ihren natürlichen Gaben, gepaart mit einer Energie und einem Arbeitsfleiß ohnegleichen, stellte sie sich in den Dienst der jüdischen Allgemeinheit auf geistigem Gebiete nicht minder wie in der sozialen Arbeit. Insbesondere ge hörte die Liebe ihres Herzens auch der Aguda und der Frauenarbeit innerhalb dieser Weltorganisation Ihrem Manne, dessen Verdienste als erster Vorsteher für die Gemeinde allbekannt sind, war sie Mithelferin und treue Mitarbeiterin auch bei der Lösung dieser ideellen Aufgaben, Sie durfte in den letzten Jahren ihres Lebens an der Seite ihres Gatten als Leiterin des Altersheimes und Waisenhauses die tätige Menschenliebe als Beruf betreiben, Nun wurde sie auf höheren Ratschluß im Alter von erst 44 Jahren ihrem Manne, den drei ganz im Geiste der Eltern erzogenen Kindern und ihrer Arbeit entrissen. Die allgemeine Trauer um diese hochver diente Frau wird der Familie zum Tröste gereichen, uns aber möge ihr fllST beistehen. mxjn Burgpreppach, 27. Jan. Am twi na«7 -ircw wurde mit .Mosche N e u m .a n n eines der verdientesten Mitglieder unserer alten Gemeinde in die Ewigkeit abberufen. Er war eine ihrer Hauptstützen und fehlte bei keinem G'ttesdienste.Er nutzte seine. .Freizeit zum Lernen aus.-und übte seit 1873 die n«8!"iVns bis.,,.1924 ununterbrochen aus. Fast 25 Jahre waltete er seines Amtes als Vorstand und gab sich alle Mühe, das Rabbinat in Burgpreppach zu erhalten. Selbstlos opferte er seine Zeit für die Erhaltung der Präparandenschule, die er mitbegründet hatte. Er übte Wohltaten an Verwandten und Freunden, wo er nur konnte. Sein Leben war, wenn auch nicht immer von heiterer Sonne beschienen, doch mit 'n miasr ausgefüllt bis zu seinem Heimgange im Alter von 89 Jahren. — Mosche Neumann wird uns unvergessen bleiben. rraxjn Vermischtes. Vortrag Oberrabbiner Dr. Carlebachs. Hannover, 28. Jan. Das Jüdische Lehrhaus Hannover begann die Zweite Hälfte des Winterhalbjahres 1937/38 mit einem Eröffnungsvortrag des Herrn Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach, Hamburg,' über „Väter und Söhne, das Problem der Generationen im Judentum". Die letzten Worte des letzten jüdischen Propheten, die uns Juden als Lebensweisung und Wegzehrung mitgegeben worden, sind: Siehe, ich schicke euch Elijah,, den Propheten, bevor der Gerichtstag G'ttes kommt, der große^ der furchtbare. Und er wird zurückbringen das Herz von Vätern zu Söhnen, und das Herz von Söhnen zu ihren Vätern; sonst muß ich kommen und die ganze Welt mit Vernichtung schlagen." Der ganze Nachdruck, der auf der Fragestellung Väter-Söhne liegt, konnte nicht mächtiger und gewaltiger zum Ausdruck gebracht werden, als es hier Maleachi tut.. Ob alles in Brüche gehen und es zu der gewaltigsten Krise kommen soll, hängt von der Frage ab: wie steht das Herz deines Sohnes zu dir, deines zu deinem Sohn? Der Atem der Weltgeschichte hängt an dieser Frage. Bei den alten Romern und Griechen war das Kind eine Sache, keine Person. Der Vater konnte dem Kind" seinen unbedingten-Willen aufzwingen. Das Kind war demütiger Empfänger des Alten, um es weiterzutragen. Erst als die Frühlingsstürme der Renaissance durch die Welt brausten, empfand die Menschheit, daß die Jugend an sich Schönheit und Kraft besäße, wurde die Jugend zum Ideal der Menschheit, Damals hat die Pädagogik die ersten- Versuche gemacht,, dem Kind gerecht zu werden. Man sah, daß das Kind ja noch gar keinen realen Boden unter den Füßen habe, man fing an, Bücher^ kindertümlich zu schreiben. Mit Anbruch der Neuze'it wurde das Kind immer mehr in den Vordergrund' gerückt. Man denke nur an Rousseaus Emil . . Die Jugend ist die Zukunft, um sie geht es, die Alten seien nicht der Erhaltung wert . . Und Ellen Key fordert in ihrem „Jahrhundert des Kindes": „Nehmt den Alten die Kinder weg! Laßt sie in Landesschulheimen erziehen!" . '.'. In Zeiten großer Erschütterungen will die Jugend eine neue Welt aus eigener Kraft bauen. — Nun, eine ähnliche Situation hat unser Judentum erlebt, als der Tempel gefallen war und die Menschen ins babylonische Exil wanderten, als sie das Brot des Elends essen mußten, das ihre Väter verschuldet hatten. Und sie kommen zum Propheten Jecheskel (18. Kapitel) mit der Frage: „Warum müssen wir die Ketten der Vergangenheit tragen?" Wie aber ist es wirklich? Hat die Jugend recht mit ihrem Protest? Jawohl! Der Gegensatz „Väter-Söhne", der große Zwiespalt ist das größte Glück, das es in der Menschengeschichte gibt. Durch ihn hat G'tt die Menschheit vor Verfall bewahrt. Gäbe es diesen Gegensatz nicht, dann würde die Menschheit jeden einmal begangenen Fehler auf Kinder und Enkel vererben. G'tt läßt den Menschen nicht verkommen, eben dadurch daß Gegensätze zwischen Vätern und Söhnen klaffen, und wenn die erste, die zweite, die dritte Generation noch dem ererbten Uebel verfallen ist, die vierte wird sich aufraffen. Denn sonst wäre die Menschheit verloren. Darum ist es ein glückliches Naturgesetz, daß die Jugend nicht ohne weiteres die Fehler oder Neigungen der Alten weiterträgt. Ständiges Bauen und Zertrümmern: Ist das die Weltgeschichte? Nun, solange die Menschen nur eine Kultur des Heute haben, solange unsre Generation nur ihr Denken, Wollen und Weltbild hat und dies ihrer Jugend präsentiert, wird es so bleiben! Es wird an die Stelle des Vergänglichen wieder etwas Vergängliches gesetzt. Wenn wir aber eine Kultur des Morgen und Uebermorgen haben, eine Kultur des Messias, kann die Jugend nicht sagen: „Ihr Alten, das war überlebt, und weil es dem Tage angehörte, muß es mit dem Tage verschwinden . . ." Wenn wir aber nicht uns, sondern der Welt dienen, wenn wir allen Menschen der Zukunft ein Vorbild sind, dann ist etwas geschaffen, wodurch der Gegensatz zwischen Kindern und Alteri verschwinden muß. — Die alte jüdische Geschichte endet zwar mit dem Gegensatz der Generationen, aber sie beginnt mit Abraham und Isaak. Von ihnen heißt es: Und sie gingen beide zusammen,' sie gingen zum Opfer, zur Selbsthingabe, Vater und Sohn. Und wie es im Midrasch erzählt wird, so sucht auch heute noch die Welt den Juden am Opfern zu hindern: Mit Vernunft, mit Verführung, mit Gefahr . . . Uns verheißt der Prophet, daß einmal der Erzieher kommen* wird, de'r Einfluß auf alle hat. Er wird den Gegensatz"'Väter-Söhne heilen, das Herz der Väter zu den Kindern führen .und nachher die Kinder zu ihren Vätern. Zuerst soll der Vater fragen: Was regt sich im Kind? Welche Kräfte bestimmen sein Tun? Dann erst wird das Kind erkennen: -TJäs ist mein Vater, der versteht mich ja. Dann erst werden die Väter ihre Kinder'-finden, — Als nach dem Fallen der Ghettomauern die Kinder den Drang nach Welt fühlten, kamen-ganz große- Erzieher, unter ihnen Samson Raphael Hirsch, und sägten: „Kinder, ihr habt recht. Wir schaffen euch jüdische Schulen, wo ihr erzogen werdet für die Kultur von morgen." Da verstanden die Väter die^ Kinder, da kam das Herz der Kinder zu ihren Vä- " tern. Da war das Judentum in Deutschland gerettet.-: Nun die Anwendung auf uns selber. Jeder möchtet mit seinem Kind zusammengehen, aber wieviele von*" ihnen weilen in der Ferne! Wenn trotz unsres vorbildlichen Familienlebens die geschichtliche Tragik auf uns gekommen ist, so gibt es nur einen Ausweg: Wir sollten, wie Abraham ,and Isaak, nach Beerseba gehen, um groß zu werden in jener Ferne, in der wir uns opfern, indem wir G'tt lieben. Denn wir gingen nicht aus idealen Gründen, sondern um Karriere zu machen, und nicht anders war es in der ganzen Weltjudenheit. Zwar .gingen unsre Herzen auf, wenn wir von Erez Israel hörten, aber auch dort gingen die Väter nicht mit den Söhnen, weil man viele Religionsgesetze mißachtete . , . Nun pochen die Stürme der Weltgeschichte an die Herzen und mahnen uns: Willst du wirklich das ganze Judentum von dir stoßen, glaubst du noch immer ein Glück zu finden in Taufe, Mischehe, Assimilation, hast du deine Seele vielleicht darin gefunden? . . . Nein, wir müssen endlich anfangen, uns innerlich zusammenzuschließen, Alt und Jung. Keine Entfernung darf uns fürder trennen. Die Jugend muß mithelfen, Erez Jisroel zu bauen, indem sie die Organisationen unterstützt, die für den religiösen Aufbau des Landes eintreten. Elija ruft: „Dein Herz will ich, zu den Herzen der Alten, der Propheten, der Stammväter soll es zurück. Vom ersten Juden bis zum letzten soll sich ein großer Bogen schließen, von Abraham zum Messias." ' S. B. DAS LICHT DER EWIGKEIT ^l^l"Kllyft von Rabb. Dr. Elie Mutolc in Ansbach HtllMUH UMoH., nallKluTl ä. Kl. broschiert RM. 4.00 Lwbd. RM. S.oo Schützenstr; 12 Postsch. 19802 WinterschluDverkauf Frau f. maier ww. HERRENKLEIDUNG Ecke Fahrgasse/Battonnstraße

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