Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1938)
- Date
- 1938-02-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 6 Der Israelit 10. Februar 1938 EREZ Neue Terrorakte. Jerusalem, 4. Febr. In Jerusalem fand man neben der „Bezalel"- Schule einen ermordeten Araber, der von den Terroristen aus Rache wegen seiner Beziehungen zu der Polizei erschossen wurde. Die Terroristen schlepp-, ten dann den Erschossenen zu provokatorischen Zwecken zum jüdischen Rayon. Eine arabische Terroristenbande überfiel ein arabisches Dorf zwischen Akko und Zfath. Sie forderten von den Dorfbewohnern Lebensmittel. Die Hilfspolizisten konnten den Ueberfall nicht vollkommen abwehren. Ein Polizist ist erschossen worden. In Rechavia haben jüdische Polizisten einen verdächtigen Araber verhaftet. Es wurde bei ihm eine Bombe gefunden. Eine Reihe von Terrorakten werden wiederum aus dem ganzen Lande gemeldet. In Acre brannte die jüdische Seifenfabrik vollkommen nieder. Bei dem großen Treffen zwischen Truppen und arabischen Banden in der Nähe von Jenin sind 15 Araber gefallen. An dem Kampfe nahmen zwei Regimenter und eine Anzahl Flugzeuge teil. Ein weiterer jüdischer Polizist unter Anklage, Jerusalem, 2. Febr. Vor dem Kriegsgericht begann heute die Verhandlung gegen den jüdischen Polizisten Elieser Altmann, der beschuldigt wird, am 27. Dezember, ohne angegriffen worden zu sein, durch einen Schuß den Tod eines arabischen Kindes auf der Landstraße zwischen Jaffa und Jerusalem verursacht zu haben. Der Polizist berichtete, daß er von Arabern aus dem Hinterhalte angefallen wurde und daraufhin 17 Schüsse abgegeben habe. Die Anklage behauptet, Altmann habe zuerst gefeuert. Altmann ist 22 Jahre alt, stammt aus Beßarabien und kam vor 2]/2 Jahren nach Palästina. Er gehört der revisionistischen Partei an. (Siehe auf Seite 2.) Tel A w i w , 6. Febr. Die Regierung hat Lst. 2000 zur Speisung der Kinder an den jüdischen Schulen in Tel Awiw bewilligt. Eine Anleihe der Tel Awiwer Stadtverwaltung in Höhe von Lst. 25.000 wurde genehmigt. Attentat auf Nashashibi. Jerusalem, 6. Febr. Neben dem Hause Nashashibis wurde eine Bombe geworfen. Es wurde festgestellt, daß die Terroristen damit den arabischen Politiker „warnen wollten", auf keine Kompromisse mit den Juden und Engländern einzugehen. Der Fall Mordechai Schwartz'. Jerusalem, 28. Jan. Vor der Fällung des Todesurteils gegen den jüdischen Polizisten Mordechai Schwartz führte der palästinensische Oberrichter, Sir Harry H. Trusted, folgendes aus: In der Nacht zum 1. September befanden sich zwei palästinensische Polizisten in dem Lager von Allith; sie waren-' in demselben Zelt. Einer von ihnen war ein Mohammedaner, Mustafa Khouri, der erschossen und getötet wurde und der zweite war ein Jude, Mordechai Schwartz, der unter der Anklage des vorsätzlichen Mordes steht. Die Flinte und die Munition des Ermordeten wurden untersucht und es wurde gefunden, daß er sich nicht selber das Leben genommen haben konnte und daß sein Tod auch keinem Unfall zuzuschreiben sei. Es wäre möglich, erklärte der Oberrichter, daß der Angeschuldigte seinen Kameraden aus Versehen oder infolge eines Streites erschossen hätte. Der Angeschuldigte hat sich zu keiner dieser Möglichkeiten bekannt und die Anklage hat auch keine dieser beiden Möglichkeiten ins Auge gefaßt, aber er, der Richter, habe sie während des Verhörs immer im Sinne behalten. Es wurde betont, daß der Ermordete ein Fanatiker war und von wechselnder Laune. Es wurde auch festgestellt, daß er kurze Zeit vor seinem Tode Waffen konfiszierte, so daß die Möglichkeit bestand, daß er sich dadurch Feinde gemacht habe. Aber der Angeklagte selbst hat bezeugt, daß der Ermordete ihm einen Tag vor dem Morde gesagt habe, es. sei kein Grund vorhanden, Furcht zu haben. Der Angeklagte war ein religiöser Jude von gutem Charakter, der vor fünf Jahren aus der Tschechoslovakei eingewandert und am 1. Januar 1937 in die Polizeimacht eintrat. Er war mit einem Frl. Hannah Finkelstein verlobt und beabsichtigte, sie zu heiraten. Am 1. September ISRAEL schrieb er einen Brief an seine Braut, in dem er die Tatsache erwähnt, daß er nicht gerne an dem Platze sei, an dem er stationiert war. Der Angeklagte war erst am 31. August in das Lager gekommen, während der. Ermordete lange Zeit schon dort stationiert war. In der Lebensgeschichte weder des Angeklagten noch des Ermordeten ist etwas zu finden, was ein Licht auf die Tragödie dieser Nacht werfen könnte. Kurze Zeit vor dem Morde waren zwei Juden in Karkur ermordet worden. Schwarz wußte das und es wurde - beim Verhör konstatiert, daß eine gewisse Spannung unter den Juden existierte, aber das sei kein Beweis, daß der tMord von Karkur irgend einen besonderen Einfluß auf den Angeklagten ausgeübt hätte. Nach dem medizinischen Gutachten wurde Mustapha Khouri durch eine Flintenkugel getötet, welche in seine Stirn eindrang und durch die Hirnhaut ging. Seiner Meinung nach, sagte der Richter, sei das richtig. Es sei auch wahr, daß die Kugel, welche Khouri tötete, vom Innern des Zeltes kam und nicht von außen. Es liege kein Beweis dafür vor, daß während jener Nacht andere Schüsse auf das Zelt abgegeben worden seien, in dem Khouri sich befand. Kein Beweis sei dafür vorhanden, daß der Mord nicht mit allem Vorbedacht ausgeführt worden sei. Wenn ein Polizist seine Flinte, die ihm gegeben worden ist, um seine Pflichten zu erfüllen, dazu benützt, um seinen Kollegen im Schlafe zu erschießen, so sei es klar, daß er über das Verbrechen nachgedacht habe und es kalten Blutes vollführt haben müßte." (Wie bereits früher gemeldet, wird die dunkle Angelegenheit ein zweites Mal vor dem Appellationshof verhandelt werden. Red.). Bnei Brak. Klasse der Beth Jaacob-Schule in Bnei Brak Bnei Brak, eine der Kolonien im Heiligen Lande, in der das religiöse Element vorwiegend vertreten ist, liegt unweit des historischen Bnei Brak — der Residenz Rabbi Akibas — und trägt das väterliche Erbe in gewissem Maße fort. Nicht nur in Benennung der Hauptstraßen nach Rabbi Akiba, Rabbi Tarphon usw. — obwohl die Namen der Straßen für den Geist der Gründer zeugen — sondern in seinen verhältnismäßig vielen Lehrstätten. Da hat man die Talmud Thora, die Jeschiwa Ketana, die Jeschiwa Gedola und für Mädchen die Beth Jacob-Schulen, Außer seinen drei Rabbonim, deren jeder einen eigenen Kreis um sich hat und vertritt, in letzter Zeit aber als Beth Din zusammenarbeiten, hat es große Talmide Chachomim, die es vorziehen, in der Verschwiegenheit und Stille ihres ' Studierzimmers zu wirken, die aber trotzdem oder gerade deswegen, sehr großes Ansehen genießen, weithin über die Grenzen. Besonders beliebt bei den westlichen oder westlich orientierten Kreisen ist der Raw Landa, der in seiner besonderen Art auch diesen Kreisen Verständnis entgegenbringt. — Das äußerliche Stadtbild, wenigstens in seinem Zentrum, hat das Gepräge einer polnischen Kleinstadt mit seiner Synagoge und dem Markt im Mittelpunkt. Ringsumher aber erheben sich Hügel und Berge, von denen aus der Blick sich weitet, man westlich den nahen Meeresstrand und östlich die Gebirge Ephraims vor sich hat, die einem die Nähe und Schönheit Erez Israels bis ins Tiefste der Seele erleben lassen. Vieleicht darum erheben sich auf den Hügeln die geistigen Zentren, entfernt von jedem Kleinlichen und Krämerhaften. So erhebt sich die große Jeschiwa „Beth Josse! " auf dem Giwath Rokeach, in einem stattlichen eige^- nen Gebäude, rings von Zypressen umgeben, woraus tagsüber und teilweise auch nachts die trauten heimatlichen Töne des „Lern-Niggun" erklingen. Im Lernen der Donnerstagnacht spürt man bereits den Hauch der Sabbatstimmung, und wie ertönen erst die Gebete und Gesänge am Freitagabend und Schabbos! Auch der Außenstehende wird davon ergriffen. Und so befindet sich in nächster Nähe der Jeschiwa „Beth Jossef" die Mädchenschule i.Beth Jacob", zwar noch nicht in einem eigenen, aber in einem dazu sehr geeigneten Gebäude mit Stockwerk nebst großem Freiplätz für Spiele und Turnen. Wer denkt nicht bei Nennung der Namen: „Beth Jossef" und „Beth Jacob" an das Prophetenwort: * aznb t]DV n'ai apy» n'a "ni und an den dazu erläuternden Midrasch, wenn ihm die kühle Morgenluft die rhythmischen Klänge aus beiden Richtungen entgegenträgt. Wenn man von den Wirtschaftssorgen der Institute absieht, dann ist jedes „an sich ein Paradies ini Kleinen. Welcher Jeschiwa - Bachur denkt nicht an seine Studienzeit als an ein solches zurück! Und merkwürdigerweise sind sich hier im Lande schon die ganz kleinen Mädchen dessen bewußt, daß sie ein besonderes Vorrecht genießen, wenn sie in hellen schönen Räumen, aus denen Ordnung und Reinlichkeit blitzt, täglich 5—6 Unterrichtsstunden empfangen. v Wer das Programm von „Beth Jacob" kennt, wird sich nicht wundern, daß selbst die Profanstunden von Keduscha durchdrungen sind, greifen doch praktisch die Religionslehren ins alltägliche Leben hinüber und ist diese Verschmelzung von Thora-im- Derech-Erez das eigentliche Ziel der guten jüdischen Erziehung. Der Lehrplan ist sehr sorgfältig zusammengestellt, enthaltend vom Besten, was die Landesschulen hier bieten mit dem Beth Jacob-Programm als Unterlage. Die Schule ist eine staatlich anerkannte und untersteht der Aufsicht in pädagogischer, und hygienischer Hinsicht der Regierungsbehörde. In religiöser Hinsicht der Agudas Jisroel-Zentrale, dem Merkas Chinnuch Hathora, der einigemale jährlich seine Autoritäten zwecks Prüfungen entsendet. Die Schule hätte ein Recht auf Staatszuschuß, und würde dann nicht fortwährend ernstlich um den Bestand bedroht sein, wenn es der Orthodoxie in Erez Israel gelingen könnte, praktisch diese Rechte für ihre Institute in Anspruch zu nehmen. Hoffentlich ist auch diese Zeit nicht mehr fern, und stehen alle die Institute, die im Dienste der Thora so schwer zu kämpfen haben, eines Tages gerettet da, bis die endgültige Erlösung winkt. Zur Zeit wird die Schule von 87 Schülerinnen besucht, aus den besten Kreisen der deutschen, polnischen und ungarischen Orthodoxie. Daß die einkommenden Schulgelder auf die Hälfte, ja auf ein Drittel zurückgegangen sind, ist angesichts der ernsten ökonomischen Lage im Lande sehr begreiflich. Daß die Schule sich trotzdem erhalten und erweitert hat, ist erstens dem Idealismus der Lehrerinnen zu danken, die sich mit dem Wenigsten begnügen, und dann den Spenden Einzelner. Besonders verdienstlich um den Bestand der Schule hat sich Herr Dr. E. Frankel aus Basel gemacht, der seinerzeit zur Gründung für die Einrichtung einen größeren Betrag spendete und im vergangenen Sommer auf den Namen seines leider so jung verschiedenen Töchterchens die Gründung einer neuen Klasse ermöglichte. Jetzt fehlen noch Sitzplätze für 27 Schülerinnen, (die man aufgenommen hat in der Hoffnung, baldigst die fehlende Brücke herzustellen; größer aber noch als diese ist die Zahl derer, die noch auf ein Plätzchen warten) man sitzt zusammengedrängt und das Wunder der Erweiterung wartet auf Vollziehung. Es fehlt an den notwendigsten Lehrutensilien, und beides erschwert den Unterricht erheblich. Die Lehrerinnen, zum Teil Schülerinnen von Dr. Leo Deutschländer S*S», tragen sein geistiges Erbe fort, arbeiten in großer Hingabe bei einem kärglichen Lohn, immer in Erwartung der „großen Hilfe". Es herrscht trotz diesem und jenem rra immer eine frohe Stimmung im ganzen Hause, es ist ein angenehmes Freundschaftsverhältnis zwischen Lehrerinnen und Schülerinnen. Man ist sich bewußt, daß man in Erez Israel lebt und der jüdischen Zukunft wertvolle Bausteine zuträgt. Wer will nicht auch daraf' teilhaben?! , Bnei Brak hat vor kurzem einen Gemeinderat ernannt. Die neue Verwaltung ist mit staatlicher Macht bekleidet, und wird auch über die Zuschüsse für d^ Schulen zu bestimmen haben. Es besteht die Hoifnung, daß sie, aus überwiegend religiösen Häuptern bestehend, die löbliche, Tat der Gleichberechtigung begehen wird, und die Lehranstalten der Orthpdoxte, die doch von der Regierung anerkannt sind, in gleichem Maße wie die der andern bedenken wird.