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Der Israelit · 1938-02-10 · Heft 6 (10.2.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 6 (10.2.1938)
Date
1938-02-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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10. Februar 1938?|gpl!^g5s»gpj^p^ Der I s r a e 1 i t Nr. 6 Seite 5 Die KEREN H ATORAH-SammeldoSe gehört in jedes jüdische Haus! Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatorah zu fördern. Bitte Dosen anfordern: Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 Irffllä o Imutuntuiii Meister der sogenannten Realpolitik selbst den Zugang versperren. Nach der Ueberlieferung (vgl. zum folgenden Sefer Jad Haktana Bd. 1 S. 35ff) gibt es zwei Waltungsweisen der g'ttlichen Vorsehung. Die ein« vollzieht sich im Rahmen der Naturgesetze. Durch sie wird der allgemeine Ablauf des Weltgeschehens bestimmt. Daneben verläuft aber eine andere, welche sich in diesen kausalen Ablauf der Dinge nach feststehenden Gesetzen nicht einfügt. Gleichwohl bildet sie keine Durchbrechung jener Naturgesetze. Sie ist vielmehr eine Bedingung ihrer Geltung. Diese besondere Waltungsweise bestimmt clas Geschick des jüdischen Volkes, nachdem es sich durch Annahme der Gesetze der Thora das Leben und Bestehen im Rahmen der allgemeinen ökonomischen und politischen Gesetze fast unmöglich gemacht hat. Die Bezeichnung dieser Waltungsweise in der Thora und in den anderen heiligen Schriften ist: ,,G'ttliches Angesicht.'" (a. a. O. S. 38a.) Um ihre. Gewährung fleht Moses zu G'tt, wenn er betet: „Und nun, wenn ich in Deinen Augen Gnade gefunden habe, so zeig© mit* doch Deine Waltungsweisen, damit ich Dich erkenne, Gnade in Deinen Augen finde; und siehe ferner, daß ja doch Dein Volk diese Nation ist." (2. B. M. 33. 13.) Darauf wird ihm die Antwort-zuteil: „Mein Angesicht selbst wird gehen, und ich werde Dir willfahren." Moses aber erkennt, daß von der Zuwendung dieser besonderen Waltungsweise das Geschick des Volkes bedingt ist. Daher spricht er: „Wenn Dein Angesicht nicht selbst geht, so lasse uns von hier nicht weiterziehen. Wodurch sonst wird denn erkannt werden, daß ich in Deinen Augen' Gnade erlangt habe, ich und Dein Volk, doch nur dadurch daß Du mit uns wandelst. Dann würden wir, ich und Dein Volk, wunderbar von jedem Volke ausgezeichnet sein, das auf der Oberfläche des Erdbodens ist." Die Verheißung, daß das „g'ttliche Angesicht" mit dem Volke gehen würde, bedeutet demnach eine „dem Nexus der physischen Weltordnung enthobene Führung." (S. R. Hirsch II. B. M. 33, 15.) Diese Waltungsweise ist daher auch Hauptinhalt des Priestersegens, in welchem es heißt; „Es lasse G'tt Dir Sein Angesicht leuchten und begnade Dich. Es trage G'tt Sein.Ang e s i c h t Dir zu und gründe Dir Frieden." (Vgl. auch Psalmen 67.) Auf dieser besonderen Waltungsweise ruht der ganze Bestand des jüdischen Volkes. Die Segensverheißungen, welche sich an die Erfüllung der Gesetze knüpfen (III. B. M. 26, 3ff) haben Fruchtbarkeit, Frieden und Sieg zum Inhalt. Sie münden aber in die besondere Zusicherung: „Und ich wende mich Euch zu." Damit kann nichts anderes als eine noch innigere, persönlichere Beziehung des g'ttlichen Wesens und der g'ttlichen Waltung zu den persönlichen Momenten des Menschen- und Volksdaseins bezeichnet werden. (S. R. Hirsch 4. B. M. 6, 26.) Nur mit Hilfe dieser besonderen Waltungsweise ist es dem Volke möglich gewesen^ das Land zu erobern: „Du, mit Deiner Hand hast Du Völker vertrieben, die du pflanztest: brichst Du doch Staaten und weisest sie fort. Denn nicht mit ihrem Schwerte haben sie Land erobert, ihr Arm hat ihnen nicht geholfen, sondern Deine Rechte und Dein Arm und das Licht Deines Angesichts, weil Du Deinen Willen an ihnen fandest." (Psalmen 44, 3—4.) Um das klarzustellen, wurde es dem Josua zur Pflicht gemacht, die erbeuteten Kriegswagen zu zerstören. (Josua- 11, 6, 9.) Das Volk sollte nicht sein Vertrauen auf die Mittel der Technik setzen, sondern sich dessen bewußt bleiben, daß G'tt für es kämpfte. (Josua 10, 42.) Verbrechen der G'ttesleugmmg war es daher, daß die von Mosis ausgesandten Kundschafter, welchen diese offen zutage tretende Waltungsweise längst Erfahrungstatsache geworden war, sich gleichwohl bei ihrem Bericht über die Möglichkeit der Inbesitznahme des Landes ausschließlich von den Erwägungen sogen Realpolitik hatten leiten lassen. Ebenso wie die Eroberung des Landes ist auch der Bestand des Staates von diesem besonderen Schutz bedingt. Weithin sichtbare Marksteine dieser Waltungsweise in der späteren Geschichte sind die wunderbare Errettung Jerusalems aus der Hand Sanheribs sowie die ebenso wunderbare Erhaltung des schwachen Judas nach dem Untergang des Nordreichs, welches es um 135 Jahre überdauert hat. Schließlich ist auch die wirtschaftliche Blüte des Landes von dieser besonderen Fürsorge abhängig. „Es ist ein Land, welchem G'tt Dein G'tt fürsorgt, ständig sind die Augen G'ttes darauf gerichtet vom Anfang des Jahres bis an das Ende des Jahres." (V. B. M. 11, 12.) Das Gedeihen des Landes ist Gegenstand der das Volk für seine sittlichen Menschheitszwecke bestimmenden, überwachenden und erziehenden Waltung G'ttes. (S. R. Hirsch z. Stelle.) Wenn sich gegen die Durchführbarkeit des Landbearbeitungsverbotes im Schmitto-Jahre der von den Naturgesetzen ausgehende rechnende Verstand auflehnt (3. B. M. 25, 20) so verheißt die Thora im Rahmen der besonderen G'tteswaltung demgegenüber: „So werde ich Euch meinen Segen im sechsten Jahre bestellen. Es wird den Ertrag für drei Jahre schaffen." Voraussetzung dieser offen in die Erscheinung tretenden besonderen Waltungsweise ist die Erfüllung der Gesetze der Thora. 1 „Wenn Ihr in meinen Gesetzen gehen werdet "und meine Gebote hüten und sie ausüben werdet, so werde ich Eure Regen in ihrer Zeit geben. Es gibt dann die Erde ihren Ertrag und der Baum des Feldes seine Frucht." (III. B. M. 26, 3.) Es folgen die weiteren Segensverheißungen, welche alle von der Erfüllung der Gesetze bedingt sind. Ebenso ist auch umgekehrt die Verheißung des Unheils an die Nichtbeachtung der Gebote geknüpft (a. a. O. Vers 14). Diese Verknüpfung der natürlichen Vorgänge mit dem sittlichen Verhalten entspricht dieser besonderen Waltungsweise. Werden die Gesetze der Thora nicht erfüllt, so ändert sich diese Waltungsweise. Diese Wandlung bezeichnet die Thora mit dem Ausdruck: „Verbergen des Angesichts." „In dieser Zeit wird mein Zorn entbrennen, ich werde sie verlassen und mein Angesicht vorihnen verbergen, so daß es der Vernichtung anheimfällt und viele Leiden und Nöte es treffen. In solcher Zeit wird es dann sagen: fürwahr, weil mein G'tt nichtinmeinerMitte ist, haben mich diese Leiden getroffen. Und ich verberge doch mein Angesicht in solcher Zeit, um all des Schlechten willen, das es getan, da es sich anderen Göttern zugewendet." (V. B. M. 31, 17—18.) Ebenso heißt es weiterhin: „Und er sagte, ich will ihnen mein Angesicht verbergen, will sehen, was ihr Ende sein wird." (V. B. M. 32, 20.) Durch das „Verbergen des Angesichts" wird also die g'ttliche Fürsorge dem Volke in einem gewissen Umfange entzogen. Es unterliegt dadurch weitwirkte so, daß sich jeder selbst prüfte und keiner einzutreten wagte, der im Innern nicht so war, wie sein Aeußeres vortäuschte. (M. II 25, 10.) auw 'sy yns mi Bei der Anfertigung der heiligen Lade heißt es nicht wie bei den anderen Geräten, „Du sollst machen", sondern „sie werden machen". Tisch, Leuchter und Altar sind Symbole für Königtum und Priestertum, Aemter, die an Familie, Rang und Stand gebunden sind. Dagegen ist die durch die Lade symbolisierte Thora Er be und Eigentum Aller. bsb nemo ,, S i e sollen machen," sie alle. Bücherbesprechungen. Renegatentum des Geistes. Von Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach. Hermon-Verlag, Frankfurt a. M. Preis RM. 1.—. Seit Jahrzehnten gebärdet sich die bibelkritische Wissenschaft, als wäre sie der Weisheit letzter Schluß, als wäre die überlieferte Auffassung der Bibel methodisch unhaltbar. Gerade deshalb ist es zu begrüßen, wenn eine Stimme aus dem Lager der Traditionellen mit Entschiedenheit darlegt: Wir haben in dem wissenschaftlichen Streit auch noch mancherlei zu melden. In obiger Schrift nimmt Carlebach das Werk von Elias Auerbach „Wüste und gelobtes Land" als ein typisches Beispiel hihelkritisehen Schrifttums energisch aufs Korn. Auf den Inhalt der Bibel und die Wahrheitsfrage geht er nicht ein. Ihm liegt nur daran, zu beweisen, daß die methodischen Grundlagen der gegnerischen Beweis- J führung verfehlt und morsch sind. Die Hypothese Wellhausens ist nicht etwa aus religiösen Gründen, sondern aUS Gründen wissenschaftlicher Redlichkeit abzulehnen. Zugleich aber will diese Streitschrift Carlebachs an Auerbach demonstrieren, wie die Nachbeter Wellhausens wollend oder nicht Schrittmacher des Christentums werden, ein geistiges Renegatentum zeitigen. Briefkasten. K. L. Keren („Horn") hat in der Mischnah (vgl. die in das tägliche Gebet aufgenommene Stelle „w'hakeren kajemes laulom habo") die Bedeutung von „Kapital" im Gegensatz zu seinen Erträgnissen (den „Peraus") — wohl in Anlehnung an das targ.umische?*C (oder pp s. Rambam III 23, 28) als Uebersetzung von cas»- In dieser Bedeutung ist das Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und wird verwendet zur Bezeichnung eines (unangreifbaren) Stiftungskapitals fnaMp pp)- dessen Zinsen für Wohltätigkeitszwecke und dergl. zu verwenden sind. Daher auch Keren hatorah, Keren hajiechuw. M. P. Es trifft zu, daß manche in der Woche in nix/7 's dem Kauhen nur bis mSBnS (bezw. bis ("»33 pns) laienen, obwohl vorschriftsmäßig nicht weniger als drei Verse nach einer .nms aufgehört werden darf. Sie können sich dabei auf Mog. Awr. 138 (2) stützen. Rabbiner Hirsch ^"ST hat indessen dies, nicht zugclägsen, so daß bis W?n nKl gelaient wird. Dies entspricht auch dem ursprünglichen Frankfurter Minhag, wie er im ^dt arm (einem Enkel des fa« tpv») niedergelegt ist. NEUERSCHIENEN: Renegaten des Geistes Von Oberrabbiner Dr. JOSEPH CARLEBACH. Wer die tiefe Gründlichkeit und die bestrickende Schreibweise Joseph CarlebaShs kennt, wird mit Freuden diese Schrift begrüßen, die keine Zeitschrift gewöhnlicher Art ist, sondern eine Berichtigung, eine Ehrenrettung der von eigenen Söhnen mißverstandenen und mißdeuteten Thora. Carlebach nimmt das neueste Werk von Elias Auerbach „Wüste und gelobtes Land" als ein typisches Beispiel unhaltbarster bibelkritischer Spekulationen. Es geht in dieser Schrift weniger darum, den Wahrheitsgehalt der biblischen Berichte Daeh2Uweisen, sie bedürfen keiner Belege; es werden vielmehr die methodischen Grundlagen der bibelkritischen Beweisführung gezeigt und ad absurdum geführt, damit eine interessierte Leserschaft, besonders eine an fremden Lehrquellen geistig genährte Jugend eriährt, wie sie jene Hypothesen Wellhausens und seiner Nachbeter zu werten bat. PrelS RM l.OO. Außerdem erscheint in dritter Auflage: Die Welt der Gebete I. Kommentar zu den Werktagsgebeten von Rabb. Dr. EHE MÜNK, Paris/früh. Ansbach Die zwei ersten Auflagen dieses in seiner Art einzigen Werkes waren so rasch vergriffen und die Nachfrage nach dem Buche ist so groß, daß sein Neuerscheinen zum dritten Male große Freude auslösen wird. Das Buch ist in schönem Leinwandband zum Preise von RM 5.00 erhältlich. Die Welt der Gebete II. Kommentar zu den Sabbat- und Feiertagsgebeten bisher vergriffen, erscheint in den nächsten Wochen Israelit und Hermen Jiid. Buchverlag G.m.b.H. Frankfurt am Main - Schützenstraße 12 Postsch.-Konto Frankfurt a. M. Nr. 19802 tJAsrnfaima

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