Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1938)
- Date
- 1938-01-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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27. Januar 1938 Der Israelit Nr. 4 Seite 5 rücksichtslosen Machtstreben das Volksinteresse zu opfern und zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft fremde Völker in das Land zu rufen. Auf diese Weise haben sie die Römer zur Einmischung in ihre Zwistigkeiten veranlaßt und dadurch den ersten Anstoß - zum Untergang des ■Staates gegeben. Die Folgen ihres Regimes für die politischen und sozialen Verhältnisse des Volkes waren naturgemäß verheerend. (Vgl. zu Folgendem Doroth Horischonim I. c S. 506 ff.) Als die wahren Führer des Volkes, die sogenannten Pharisäer, nach dem Tode des Königs Alexander Janai unter .der Königin Salome Alexandra im Jahre 79 v, für kurze Zeit die Regierung übernahmen, da fanden sie ein vollkommen heruntergewirtschaftetes Land vor. Im Innern herrschte völlige Rechtsunsicherheit. Zu Tausenden war das Volk von den bisherigen Machthabern* erschlagen worden oder vor ihnen in das Ausland geflüchtet. Mit den Völkern der Umgebung war das Land infolge dauernder zweckloser Kriege verfeindet. Das war die Erbschaft, welche die Pharisäer übernahmen. Trotzdem ist es ihnen in kurzer Zeit gelungen, dem Lande Ruhe im Innern und Ansehen und Frieden nach außen zurückzugeben. Das läßt sich sogar den Schilderungen des Josephus' entnehmen, dessen Berichte in dieser Hinsicht um so glaubwürdiger sind, als sie von offensichtlichem Haß gegen die Pharisäer getragen werden. Dieser tritt beispielsweise deutlichst in seinen abschließenden Worten über die Regierungszeit Salome Alexandras hervor, wo er sich in folgender Weise ausläßt: ,,Da sie stets nur auf die Gegenwart, nicht aber auf die Zukunft bedacht war und alles ihrer Herrschsucht unterordnete, so kümmerte sie sich weder um Anstand noch um Gerechtigkeit. Gleichwohl brachte sie in ihrer unweiblichen Herrschbegier ihr Haus so weit, daß es die. Macht, welche es mit so vieler Mühe errungen hatte, bald wieder verlor. Hatte sie sich doch mit denen eingelassen, die gegen die königliche Familie übelgesinnt waren, (die Pharisäer), ja sogar das Reich seiner mächtigsten Beschützer (der Sadduzäer) beraubt." (Altert. 13, 16, 6.) Trotz der hier hervortretenden grundsätzlichen Einstellung ist Josephus dazu gezwungen, über die Regierungszeit der Pharisäer im Einzelnen folgendes zu berichten: ,,Im übrigen gab sie alles den Pharisäern anheim, hieß das Volk ihnen gehorchen und setzte alle den Pharisäern von ihren Vorfahren gelieferten Einrichtungen, die ihr Schwiegervater Hyrkanus abgeschafft hatte, wieder in Kraft. So gab die Königin eigentlich nur den Namen für die Regierung her, während Lehrer Goldschmidt, Frankfurt a. M., zitiert den '•yisnv Dip^» der meint, ^"n b'Vsb '3 iV'ski V-ap kjivi'i ■n~m ^npn »so *if Kintfr noa bv in« irra o'^uaa wk mm nsa nr m r?r j'Vtjaa nimi ""ipR mx» Mir erscheint am einleuchtendsten die onwi nixa V» ma'n -ipnm :s*s? Top tp dtios a-nawri a"-m» nrnn •p-vn pm inVas' rrna D'asns^ i>*sa o-n-ia bv im» a"n Danach hat der o-aun die «OT>a vom ]wan nos gehabt. Außer den Genannten nahmen zur Frage Stellung die Herren S. Grünstein, Antwerpen und Plauni, Berlin. Jedenfalls danke ich allen Einsendern für ihre freundl. Bemühungen. Elias Gut, Köln. Kleines Feuilleton. Aus jüdischem Geiste. Ein reicher Geizhals gab Rabbi Refoel aus Woloschin eine Spende von achtzehn Guiden für eine wichtige Wohlfahrtsache — nach dem Zahlenwert von '"n- „Der Reiche hat das Glück", lachte Rabbi Refoel. „Leben wird mit TT bezeichnet und m» heißt der Tod. Wie teuer wäre es -Ihnen gekommen, wenn es umgekehrt wäre?" * * * Zu Rabbi Akiba Eger in Posen kam einer der Magnaten, um Gemeindesachen zu besprechen. Während der Unterhaltung bat der vornehme Marin um in Wirklichkeit die Pharisäer die Gewalt in Händen hatten. Denn sie riefen Verbannte zurück, ließen Gefangene frei und unterschieden sich überhaupt in nichts von wirklichen Herrschern. Immerhin trug aber auch die Königin Sorge für die Regierung, warb ein großes Söldnerheer und vergrößerte ihre Machti so daß sie die benachbarten Fürsten in Schrecken jagte und von ihnen Geiseln gestellt bekam. So befand sich das ganze Land in Ruhe, . . .1" (Altert, 13, 16, 2.) Einem solchen Urteil, von einem erklärten Gegner gesprochen, kommt allerdings eine ganz außerordentliche Bedeutung zu. Es ist danach den Pharisäern in unverhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, das durch jahrzehntelange Wirren zerrüttete Land zur Ruhe zu bringen und das Ansehen des Landes nach außen so sehr zu festigen, daß die bisherigen Feinde gezwungen waren, ihnen Geiseln zu stellen. Bedeutungslos erscheint es, daß Josephus letzteres der Königin Salome persönlich zuzuschreiben sucht, nachdem er selbst hervorhebt, daß sie nur den Namen für die Regierung hergegeben hat. Höchst bemerkenswert aber ist die Tatsache, daß gerade unter diesem Regime auch die Truppenmacht ganz erheblich verstärkt werden konnte. An anderer Stelle (Jüdischer Krieg I, 5, 2) berichtet Josephus, daß die Truppenstärke verdoppelt wurde. „Ihr Hauptaugenmerk," so führt er dort aus, „richtete sie auf die Vermehrung ihrer Truppenmacht, wodurch sie dieselbe bald auf die doppelte Stärke brachte, und sie nahm auch nicht wenige fremde Söldner in ihren Dienst, so daß sie, indem sie die Wehrkraft des Volkes steigerte, den auswärtigen Fürsten die nötige Furcht einzuflößen vermochte. So über ihre Untertanen herrschend, stand sie selbst unter der Herrschaft der Pharisäer." An sich erscheint ja die Tatsache recht autfällig, daß von den ständig in Kriege verwickelten Vorgängern der Königin Salome Alexandra eine derartige Vergrößerung des Heeres nicht, durchgeführt worden war. Die Erklärung hierfür ist jedoch recht einfach. Durch die inneren Wirren, von welchen ihre Regierungszeit' erfüllt war, geriet das Land auch wirtschaftlich derart in Verfall, daß es die Kosten eines größeren Heeres nicht aufbringen konnte. Das änderte sich unter der Herrschaft der Pharisäer von Grund auf. Ruhe und Sicherheit kehrten zurück und riefen einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung hervor. Daher standen auch die für die Landesverteidigung erforderlichen Mittel in reichem Maße zur Verfügung. So war es auch möglich, die zahlreichen Festungen des Landes mit reichen Mitteln auszustatten. Die Hauptschätze Erlaubnis, rauchen zu dürfen. Er habe, sagte er, so gut zu Mittag gespeist, daß ihm _ die Zigarre unentbehrlich sei. Bald darauf trat ein armer Mann ins Rabbizimmer. Er hatte die Pfeife im Munde. „Der Rabbi möchte entschuldigen," bat er, „bei meiner Armut ist mir das Rauchen oft Ersatz für Essen." „Könnte man da nicht den Ausgleich schaffen?" meinte Rabbi Akiba, dem Tabalc in \&Aet Förm verhaßt war. „Der Reiche sollte von seinem lästigen Ueberflusse an Speis und Trank dem Armen überlassen, damit beide des Tabaks entbehren können . .." * * * Menschen, die ein gutes Auge für Anderer Fehler haben, sie stets füge« und zurechtweisen, aber für ihre eigene Person es mit der Moral nicht so genau nehmen, pflegte Rabbi Elie aus Lida mit einem Besen zu vergleichen. Er fegt alles rein, aber wie sieht er selber aus? . . . Bücherbesprechungen. |KT3Kj?IP 3XT riNö JWST ppTl ISO Kopenhagen. 569 8. Verlag Agudas Jisroel. (hebr. Teil) fnnan mva nao. Rabb. W. S. Jacobson, der unentwegte und selbstlose, daher auch erfolgreiche Vorkämpfer des unverfälschten überlieferten Judentums in den nordischen Ländern, hat zur Feier des 25jährigen Bestehens seiner Gemeinde „Machsike Hadaß" in Kopenhagen die oben erstgenannte Schrift erscheinen lassen. Sie enthält je eine charifisch-halachische Abhandlung über wurden in drei Festungen untergebracht. Aber auch die Mittel der übrigen reichten zur Anwerbung eines neuen Heeres aus. (Josephus Alt, 13, 16, 5; Doroth Horischonim Ic S. 526.) Derartige Maßnahmen, die ja eine völlige Reorganisation der Landesverwaltung zur Voraussetzung haben, mußten naturgemä§ auch nach außen in die Erscheinung treten. Es ist daher verständlich, daß das jüdische Volk unter so zielbewußter Leitung bei den Völkern der Umgebung an Ansehen gewann. Hierbei wirkte zweifellos die Erkenntnis mit, daß man es nicht mehr mit dem Volke entfremdeten Herrschern zu tun hatte, die sich nur auf Söldnerheere stützen konnten, im Lande selbst aber keinen Rückhalt hatten, sondern daß die jetzige Regierung dein wirklichen Willen des Volkes entsprach, so daß ein kriegerischer Angriff das ganze Volk geschlossen auf den Plan rufen mußte. Daher bemühten sich die verschiedenen Völker um friedliche Beziehungen zum jüdischen Volke und fanden sich sogar dazu bereit, ihrerseits Geiseln zu stellen. (Ic S. 517.) Die wahre Höhe der staatspolitischen Auffassung der Führer des jüdischen Volkes in jener Zeit zeigt ihr Verhalten am Ende der Regierungszeit der Königin Salome Alexandra. In ihrer Schwäche hatte diese dem Dräagen ihres nach Macht strebenden Sohnes Aristobul, eines Sadduzäers, nachgegeben und seinen Parteigängern die Festungen des Landes zum großen Teil ausgeliefert. Als ihr Ende herannahte, brachte er diese Festungen an sich, um sich in den Besitz der Macht zu setzen. In diesem kritischen Augenblick, in dem alle Errungenschaften der weisen Staatsführung der Pharisäer bedroht waren, gab die Königin ihnen den Rat, den Kampf aufzunehmen. Sie wies darauf hin, daß ihnen ja ein kräftiges Volk, ein Heer und eine gefüllte Staatskasse zur Verfügung standen. (Altert. 13, 16, 5;D. H. S. 527.) Die Pharisäer folgten diesem Rate nicht! Sie schreckten davor zurück, in dem Lande einen Bürgerkrieg zu entfesseln. Außerdem sahen sie voraus,, daß die Sadduzäer einen solchen entsprechend ihren früheren Gepflogenheiten während der Makkabäerkämpfe dazu benutzen würden, die schon längst auf der Lauer liegenden Römer in das Land zu rufen. Das ist später in dem Bruderkrieg zwischen Hyrkan und Aristobul, den beiden Söhnen Salome Alexandras, ja auch tatsächlich geschehen. Da die Pharisäer also einsahen, daß sie dem Volke nicht weiter dienen konnten, zogen sie sich aus dem politischen Leben zurück. Das ist ein Verhalten staatsmännischer Mäßigung, welches nur wirklichen Weisen möglich ist, denen ein MachtstrenaaV m'öK (pawsra na'an Tiarronn twio) p^an *a"n*y, nnsn 'y l'öinn y, und agadische Bemerkungen zu d?n rrupn ">"031 paivy iVsn nrshv. Vorangeschickt ist eine poetische Widmung, ein hebräisches Akrostichon auf den Namen des Begründers der M. H., des verewigten Rabbiner Dr. Winkler ^"»r« Den Schluß des ganzen in leichtflüssigem Hebräisch geschriebenen Werkchens bilden Worte der Würdigung und Mahnung zum Jubeltag der Gemeinde, wobei in sinniger Weise vom avpy hinübergeleitet wird auf die FTD-iy -Verpflichtung für die Gesamtheit, die durch die Arbeit für . die unverfälschte jüdische Kehilla nur erfüllt werden kann. Die Behandlung der einzelnen r-ivjio zeigt den tiefschürfenden emsigen Forscher, und wir bewundern den Verfasser, der neben seiner vielseitigen segensreichen Tätigkeit für r6nt> und t"?ba Muße findet, in der gründlichen und erfolgreichen Weise, wie uns diese „Protokollauszüge" aus seiner Studierstube zeigen, sich in das Gemoro-Lernen zu versenken. Die etwas ungewohnt breite Ausführung ermöglicht auch dem weniger Fortgeschrittenen, den Darlegungen zu folgen, und sich an dem mannigfach dargebotenen Neuen mvn x^a "rnira r»K zu erfreuen. Leider haben sich reichlich viel Druckfehler eingeschlichen, die allerdings in einer beigegebenen umfangrechen Druckfehlertabelle ausgebessert werden. Das oben ebenfalls angezeigte pinsn m*r>B nso desselben Verfassers wurde an dieser Stelle in seinem deutsch-geschriebenen Teil bereits gewürdigt. Im hebräischen Teil hat Rabbiner Jacobson eine Anzahl halachischer Themen, hauptsächlich aus Bezo, in klar verständlicher Weise zu behandeln und einige schöne awn zu bieten verstanden, an denen der Kenner seine Freude haben wird. M. S.