Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-01-27 · Heft 4 (27.1.1938) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 4 (27.1.1938)
Date
1938-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451016--83509-2541513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

"WAl ' t,- ,'!' A" "P" *?WPS,^»9*?^ra^PW«SS^^ 4 Nr Der Israelit 27. Januar 1938 Erst im Juu 1917 hatte man Mark Sykes, Präsident W i I s o n und Baron Edmund von Rothschild für eine neue, ausgesprochen zionistische Fassung gewonnen, die im Prinzip „Palästina als das nationale Heim des jüdischenVolkes" anerkennt und zugleich damit die Zionistische Organisation zur Repräsentantin des jüdischen Volkes macht. Sidebotham behauptet, daß die spätere bedeutungsvolle Abschwächung dieser dritten Fassung (statt „Palästina als das nationale Heim", nur „ein nationales Heim i n Palästina") auf Grund der Einwirkung von Seiten der assimilatorisch-jüdischen Kreise erfolgt sex, Sehr plausibel klingt das nicht; vielmehr liegt es nahe, anzunehmen, daß das Kabinett im Hinblick auf die Interessen und Forderungen der Araber die den Juden gegenüber zu übernehmende Bindung einzuschränken für nötig fand. Schließlich wurde die allgemein bekannte abgeschwächte Fassung, wie sie im Brief an Lord Rothschild vom 2. November 1917 niedergelegt ist, auch von zionistischer Seite akzeptiert. Der Autor ist unparteiisch genug, auch die Motive derjenigen jüdischen Notabein zu würdigen, die von einer Umwandlung ganz Palästinas in ein jüdisch-nationales Heim, was mit einem Staat ziemlich identisch gewesen wäre, nichts wissen wollten. Diese Kreise seien von der Befürchtung geleitet gewesen, daß, sobald die Juden eine eigene Heimat hätten, diejenigen Staa-, ten, denen die Juden lästig seien, sie mit einem Scheine von Recht nach dieser ihrer neuen Heimat verweisen würden, Sidebothams Buch enthält außer dem reichen historischen und politischen Material eine gut geschriebene Uebersicht über das jüdische Autbauwerk im Lande, die der Feder seines Mitarbeiters J« L. Cohen entstammt, sowie über die Leistungen der britischen Verwaltung und endlich die Geschichte des Ar ab er-Auf Standes von 1936. Wärmere Freunde als Sidebotham braucht das jüdische Volk sich nicht zu wünschen; nur hatte er leider offenbar niemals Gelegenheit, die immerhin nicht unwichtige Tatsache zu erfahren, daß es außer modernen Zionisten und Assimilanten noch immer eine nach Millionen zählende jüdische Volksmasse gibt, die sich der großen religiös-kulturellen Vergangenheit des Volkes der Bibel und des Talmuds in ununterbrochener Kontinuität des Denkens und Fühlens verbunden fühlt, und die weder den areligiösen zionistischen Nationalismus, noch das liberale Assimilantentum als legitim jüdisch anerkennt. J. R, Von Dr. Ph. Biberield. (Fortsetzung.] Staatsverbundenheit. Der bisherige Ueberblick zeigt die überaus starke Verbundenheit des Einzelnen mit dem Gesamtheitsleben im jüdischen Staat. Die Dynamik des staatlichen Lebens beruht auf allen Gebieten auf ständiger regster Mitwirkung des Volkes. Daraus resultiert naturgemäß ein außerordentlich hohes Maß von Verständnis gegenüber den sämtlichen Lebensproblemen des Staates, die man ja gewohnt ist, als eigene zu empfinden. Das aber führt zu unbegrenzter Hingabe für das Wohl der Gesamtheit. Hierauf beruht es, daß das jüdische Volk, wenn es für seine Ideale zu den Waffen zu greifen gezwungen war, trotz seiner Kleinheit ein nicht zu unterschätzender Gegner auch für die Großmächte des Altertums gewesen ist. Das alles aber wird einzig und allein dadurch erreicht, daß das Gesamtheitsleben aulgebaut ist auf einem mit Hilfe der Gebote der fhora auf sittlicher Höhe festfundierten Einzelleben. Gerade darin ist wohl eine der Hauptlehren der Thora zu erblicken, daß Voraussetzung für den richtigen und dauerhaften Aufbau eines Gesamtheitslebens der richtige Aufbau des Einzellebens ist. Wenn die Einzelzelle gesund ist, dann können selbst schwere Schädigungen des Ganzen überwunden werden. Ist aber die Einzelzelle krank, dann nützt die beste Organisation nichts. Sie kann allenfalls den Untergang eine Zeitlang aufhalten. Diese Erkenntnis des Wesens des jüdischen Staates läßt sich demnach in die Worte zusammenfassen; - „Der Staat in Euch"! Je mehr ein jeder an dem Aufbau seiner eigenen sittlichen Einzelpersönlichkeit arbeitet, um so mehr leistet er für den Aufbau des jüdischen Staates. Sittliche Anarchie i m Einzelleben ist Zerstörung des jüdischen Staates, Vertiefung also in die Bestimmungen der Thora, die Durchdringung des eigenen Denkens und Fühlens mit ihrem Geist ist wahre Aufbauarbeit zur Errichtung des wirklichen jüdischen Staates! Das ist der Sinn des Prophetenwortes (Jesaja 1,27); „Zion wird durch das Recht erlöst und die Zurückkehrenden durch sittliches Pflichtbewußtsein." Der Zionstaat kann nur errichtet werden als ein Staat des reinen Rechts, und ein solcher hat nur dann Aussicht auf Dauer, wenn diejenigen, die ihn errichten, durch die Gestaltung ihres Innenlebens eine Gewähr für seinen Bestand bieten! Kapitel IV. Utopie oder Wirklichkeit? Bewährung in der Geschichte. Groß sind die Anforderungen, welche die im Bisherigen dargelegten Gedankengänge über den Aufbau des jüdischen Staates an jeden Einzelnen stellen. Gleichwohl sind sie nicht im geringsten utopisch. Die Geschichte lehrt, daß es möglich war, sie unter den schwierigsten Verhältnissen erfolgreich zu -verwirklichen und damit allen Erfordernissen der politischen und wirtschaftlichen Lage vollauf zu entsprechen. Völlig abwegig erscheint die an die Bezeichnung „Theokratie" sich heftende Vorstellung, daß der wahre jüdische Staat den praktischen Gegebenheiten nicht ausreichend Rechnung trage, und es hierzu einer Synthese mit anderen Auffassungen bedürfe, wobei namentlich auf die sogenannte „sadduzäische Staatsauffassung" hingewiesen wird. In dieser Hinsicht ist ein Blick auf das Wirken der Sadduzäer und Pharisäer in der Geschichte des jüdischen Volkes außerordentlich lehrreich. Die Sadduzäer waren, wie bereits früher ausgeführt, eine verhältnismäßig dünne Oberschicht, welche sich dem Hellenismus assimiliert hatte und sich nach Errichtung des makkabäischen Staates in diesen einordnen mußte. Da aber das gesamte Volksleben auf den Geboten der Thora beruhte, mußten sie diese als geltendes Nationalgesetz anerkennen. Insbesondere erwies sich das als unumgänglich, wenn sie ein Amt bekleiden wollten, da, wie Josephus hervorhebt (Altert. 18, 1,4), das Volk sie sonst nicht geduldet hätte. Eine innere Einstellung zum Gesetze hatten sie nicht. Sie glaubten, wie bereits dargelegt, weder an eine Fortdauer der Seele, noch an eine Vergeltung im Jenseits. Dieser rein materialistischen Lebensauffassung entspricht auch ihr politisches Wirken. Die Zeiten ihrer Macht sind gekennzeichnet durch Verwandtenmorde, blutige Verfolgungen Andersdenkender, ständige Kriege nach außen und Bruderkriege im Innern. Sie schreckten nicht davor zurück, ihrem Der erste Buchstabe der Sidroh. Von Rabbiner Dr. M, Lewin in Hamburg. Gar bedeutungsvoll ist das v mit dem der Wochenabschnitt beginnt. Dieser Buchstabe, der wie ein Haken in seiner Form aussieht, hat in unserer heiligen Sprache auch da Verwendung, wo die begonnene Erzählung fortgesetzt wird, ohne daß wir in der Uebertragung ihn zum Ausdruck bringen. Da ist er dem Tätigkeitswort angefügt. Anders verhält es sich in unserer Sidroh, wo der ganze Satz, vielleicht noch besser der volle Inhalt des Abschnittes an das veraufgehende Kapitel angeschlossen und mit diesem zu einer Einheit verschmolzen wird. Es darf zwischen Q'oswra und den rii'im.i rn»i> keineswegs geschieden werden. Sie gehören zu einander und bedingen sich gegenseitig. Das haben offenbar des Midrasch Weisen schon mit Nachdruck lehren wollen. tob D-wVy nn ow^sn •'a'O'n (cösenn) nbxi ^ik b&ynw "\ ■»roö D>nnrtn «ifc R. Ismael lehrt: was soll hier die Anreihung und Verbindung? Das Kapitel der 10 Worte enthält die heilige Sinaikunde, G'ttes Wort an alle Menschen und Völker, nicht weniger und anders sind die E3»üse>» alle Rechts Verordnungen Satzungen, mit denen die ewige Weisheit des Aliweisen die Grundlagen für Recht und Moral aufgezeigt hat. Die zehn Worte, so erhaben und bedeutungsvoll sie auch sind, sind nicht die einzigen Lichtstrahlen, die vom flammenden Sinai ausgegangen sind. Wer an G'tt und seine Wülensbekundung glaubt, der muß es wissen und dafür einstehen: PtSw D"n ybs •>i2i n)>KV Jene wie diese sind aus dem gütlichen Geiste geflossen zur Erleuchtung der Menschen wie zur Befestigung der Welt. Wo uns Thorawort gekündet wird, nicht nur wenn wir das Zehnwort hören, erheben wir uns vor der Majestät - der heiligen G'ttesrede und bezeugen; nvn 'i ist ivk?s ..Alles, was G'tt geredet", wollen wir tun und zur Verwirklichung bringen. Das ist Wurzel und Blüte unserer nn»K, Keim und Frucht unseres Judentums. Sein Ursprung ist die Offenbarung des Herrn und sein Inhalt ist einzig und allein Wille des Höchsten, wie er in der Thora niedergelegt ist und unsere Großen und Größten ihn mit Hingebung und In Hebevoller Versenkung und Einfühlung gedeutet haben. Wer irgend scheidet und Kategorien und Klassen aufzustellen sucht für die verschiedenen Thorasatzungen. der legt menschliche und irdische Maßstäbe an Ewiges und Heiliges an und O'anwnn m Voib bringt das ganze sinaitische Gebäude ins Wanken. Auch die zehn Sinaiworte büßen da ihren vollen Glanz ein. Man mag noch so sehr deren Erhabenheit rühmen und in allen Tönen der Bewunderung besingen, — in ihrer vollen überzeitlichen Geltung und Bedeutung werden auch sie nicht gewertet werden von denen, die sich an der ewigen unverbrüchlichen Wahrheit' von der G'ttlichkeit unserer Lehre zu rütteln unterfangen. Das Fundament unseres Bekenntnisses, die unbedingte Verpflichtung zur Feier des Sabbats und der heiligen Feste begann ins Wanken zu geraten, als man anfing, die Sonde der Kritik an unsere mm zu legen. Sie haben recht, unsere Lehrer o^winn bois nbn mp» bs- Ueberall, wo man sagt: diese, nur diese, da erklärt man seinen Unglauben | und erschüttert die Bedeutung des nach freiem Ermessen Anerkannten, rut? awvina bvi owinxn bv ^om nbsi Wo man gelehrig und empfänglich für die heilige G'tteskunde immer mehr Thorasatzungen als des Herrn Willen vernimmt und anbetet, da verleiht man dem Neuen den rechten Glanz und fügt neuen Ruhm dem Alten hinzu . . . Laut und vernehmlich hören wir den Ruf; „Zurück zum Judentum.'" Das soll un* unter allen Umständen und für alle Zeiten und Verhältnisse bedeuten: die ganze ungeteilte Thora ist uns unverbrüchlicher Wille des Höchsten, In diesem Zeichen sind wir und bleiben wir als die Träger der Sinaibotschaft smj? 'in a'iro roVna ein Reich, von Priestern und ein heiliges Volk. Zur HDnD Hilleis. Auf meine Frage, warum die sn»* und der rinn ^!?a den Satz vom w nor IV, 9, 11 und nicht den vom. ■pwsn noo II, 12, 8 zitieren, sind verschiedene Lösungsversuche eingegangen. Einige Einsender, so vor allem Herr Joseph Carlebach in Herteshausen, suchen, es mit den »npart nuvüi '»yo zu erklären. Ihrer welche meinen, die nr« habe daran gehindert, da nai» und "\vp f]pt nicht getrennt werden dürften. Ich halte diesen Einwand für nicht stichhaltig, da II, 12,18 aus nx» ftwtn aiyswichtige Vorschriften abgelernt werden, obgleich bei anj?S eine f"M»ÄS npoa», ein 1t>p tjpi steht. Herr S p e i e r und andere Herren verweisen auf WBn mnsn (siehe vorige Nummer des „Israelit"). Diese Deutung hat manches für sich, befriedigt aber doch nicht ganz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.